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AA 2005/1

Weitere Informationen zu diesem Band finden Sie hier.


Inhaltsverzeichnis und Abstracts (Deutsch / English / Français)


Inhalt

Ergün Laflı – Matthias Recke
Ein Marmor-Kouros in Mersin. Überlegungen zu Kilikien in spätarchaischer Zeit  >>

Hans Rupprecht Goette
Überlegungen zur Topothese von Gebäuden im antiken Brauron. Mit einem Appendix zu einer Inschrift in der Kirche der Panagia Varabá bei Markopoulo  >>

Rolf A. Stucky – Hans-Peter Mathys – Rudolf Wachter
 πσειλωτής (Psilotes). Ein neues griechisches Wort aus dem Eschmun-Heiligtum in Sidon  >>

Burhan Varkıvanç
Doppeltüren im lykisch-pamphylisch-pisidischen Grenzgebiet  >>

Jürgen Seeher
Die Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša 2004. Mit Beiträgen von Rainer Pasternak und Gernot Wilhelm  >>

Wolfgang Radt
Pergamon. Abschlußbericht über die Kampagnen 1999–2004 mit einer Übersicht über die Arbeiten ab 1972   >>

Detlev Wannagat
Neue Forschungen in Uzuncaburç 2001–2004. Das Zeus-Olbios-Heiligtum und die Stadt Diokaisareia. Mit Beiträgen von Norbert Kramer, Claudia Dorl-Klingenschmid, Stephan Westphalen und Roman Koch  >>

Volkmar von Graeve
Milet 2000–2002. Vorbericht über die Grabungsarbeiten, die Denkmälerrestaurierung und Ruinenpflege sowie die naturwissenschaftlichen Begleituntersuchungen – Einleitung und Übersicht  >>

Harald Stümpel – Susanne Wölz – Patrick Musmann – Wolfgang Rabbel
Geophysikalische Prospektion in Milet. Arbeiten in den Kampagnen 2000–2002  >>

Berthold F. Weber
Die Restaurierungsmaßnahmen im Theater von Milet. Arbeiten in den Kampagnen 2000–2002   >>

Irene Blum
Ruinenpflege im antiken Stadtzentrum von Milet. Arbeiten in der Kampagne 2001  >>

Jean-Noël Barrandon – Marie-Christine Marcellesi
Le monnayage de bronze aux types de Milet du IVe au IIe siècle avant J.-C.: L’apport des analyses métalliques  >>

Alexander Herda
Apollon Delphinios, das Prytaneion und die Agora von Milet. Neue Forschungen  >>

Archäologische Dissertationen

Hinweise für Autoren


Abstracts

Ergün Laflı – Matthias Recke, Ein Marmor-Kuros in Mersin. Überlegungen zu Kilikien in spätarchaischer Zeit
Der bislang unpublizierte Kuros in Mersin ist der östlichste Marmorkuros im Mittelmeerraum; er erweitert das bereits bekannte Verbreitungsgebiet archaisch-griechischer Plastik weit nach Osten und bereichert durch seine ungewöhnliche Armhaltung die Variationsbreite des Typus. Der wichtige Neufund ist Anlaß, die Entwicklung Kilikiens in der Eisenzeit zu überdenken: Mitte des 7. Jhs. v. Chr. setzt dort nach Aussage der Keramik eine Hellenisierung ein, was mit der historischen Überlieferung griechischer Apoikie-Gründungen übereinstimmt. Um der Frage nach der Ethnizität der kilikischen Städte nachzugehen, sind neben der Keramik auch andere Belege heranzuziehen, die Rückschlüsse auf die Gebräuche zulassen. Hierbei spielt die Weihung eines Kuros eine wichtige Rolle, da sich die Sitte von Statuenweihung in Kilikien zu dieser Zeit ansonsten nicht belegen läßt. Merkmale wie die männliche Nacktheit und der von H. Kyrieleis herausgearbeitete komplexe Charakter einer Kurosweihung legen nahe, hierin einen Hinweis auf die dauerhafte Anwesenheit von Griechen oder eine weitgehend griechisch geprägte, indigene Bevölkerung zu erkennen.

The as yet unpublished kouros in Mersin is the easternmost marble kouros in the Mediterranean region; he extends the previously known area of distribution of Archaic Greek sculpture far eastwards and widens the range of variation by the unusual position of his arms. In the light of this important new find we consider the development of Cilicia in the Iron Age: Hellenisation begins there in the mid 7th century BC according to the testimony of the ceramics, and this tallies with the historical records of Greek colonial settlements. To answer the question of the ethnicity of the Cilician towns, it is necessary to refer to ceramic finds and to such other evidence as allows one to make inferences about customs. In this respect, the dedication of a kouros plays an important role since, except for this case, the custom of dedicating statues cannot proven in Cilicia at this time. Features like male nudity and the complex character of kouros dedication as established by H. Kyrieleis suggest that he may be considered an indication of the permanent presence of Greeks or of an indigenous population that was distinctly Greek-influenced.


Hans Rupprecht Goette, Überlegungen zur Topothese von Gebäuden im antiken Brauron. Mit einem Appendix zu einer Inschrift in der Kirche der Panagia Varabá bei Markopoulo
Der vorliegende Beitrag diskutiert den erhaltenen Befund auf der Tempelterrasse des Artemision in Brauron und versucht zu zeigen, daß dort zwei Tempel nebeneinander standen; beide sind auch inschriftlich überliefert, als »Alter Tempel« und »Parthenon«. Weitere in einer Nomotheten-Inschrift genannte Bauten wie das zweistöckige »Amphipoleion«, Pferdeställe oder eine Palästra hingegen müssen außerhalb des bislang erforschten Ausgrabungsareales gesucht werden. Dies lenkt den Blick auf die Umgebung von Brauron: Anhand von Beobachtungen der älteren Forschung des 19. und 20. Jhs. werden einige Befunde der Siedlungstopographie bis nach Kato Vraona vorgestellt. Eine bislang unpublizierte kaiserzeitliche Inschrift in der Kirche der Panagia Varabá, in der auch Spolien aus dem großen Artemis-Tempel von Brauron verbaut sind, gehört ebenfalls in diesen Zusammenhang.

The report discusses the find assemblage on the temple terrace of the Artemision at Brauron, and attempts to show that two temples once stood there side by side; both are documented in inscriptions as the »Old Temple« and the »Parthenon«. Other structures mentioned in a nomothetai inscription such as the two-storey »Amphipoleion«, stables and a palaestra must be searched for outside the present area of excavation. This draws the vicinity of Brauron into consideration: on the basis of observations of earlier research from the 19th and 20th century, some finds and features of the settlement topography are envisaged as far away as Kato Vraona. An as yet unpublished inscription of Roman Imperial times in the church of Panagia Varabá, in the building of which spoils from the great Artemis Temple of Brauron were used, also belongs in this context.

Rolf A. Stucky – Hans-Peter Mathys – Rudolf Wachter, πσειλωτής (Psilotes). Ein neues griechisches Wort aus dem Eschmun-Heiligtum in Sidon
Das Heiligtum des phönizischen Heilgottes Eschmun und die Funde der Ausgrabungen von Maurice Dunand haben während des libanesischen Bürgerkriegs arg gelitten. Mit wenigen Ausnahmen haben die Skulpturen, Architekturteile und Inschriften den Libanon auf illegale Weise verlassen und sind teilweise im europäischen Kunsthandel aufgetaucht. Zu den ›Vermißten‹ zählt auch die hier vorgelegte griechische Inschrift des Jahres 104 n. Chr., in welcher die Berufsgilde der Pseilotai genannt wird. Die Deutung des in der griechischen Sprache bisher nicht geläufigen Begriffs gelang dank der Zusammenarbeit des Gräzisten mit dem Semitisten: Als Pseilotes bezeichnete sich offenbar der Steinmetz – sei er nun mit der Herstellung von Statuen und Reliefs oder mit jener von Bauteilen beschäftigt.

The sanctuary of the Phoenician healing divinity Eshmun and the finds from Maurice Dunand’s excavations suffered badly during the Lebanese civil war. With few exceptions the sculptures, architectural elements and inscriptions have left Lebanon by illegal means, some turning up in the European art trade. One of the missing objects is the Greek inscription presented here; dating from 104 AD, it names the professional guild of the pseilotai. The interpretation of this term, which has thus far not been familiar in Greek, was achieved thanks to the collaboration of a Greek scholar and a Semitist: pseilote was apparently a designation for a stonemason – probably working both on statues and reliefs as well as construction elements.

Burhan Varkıvanç, Doppeltüren im lykisch-pamphylisch-pisidischen Grenzgebiet
Gewöhnlich wurden die Eingänge bzw. Durchgänge antiker Bauten mit axial angebrachten Türflügeln verschlossen. Im Küstengebirge westlich von Attaleia an der Südküste der Türkei lassen sich in städtischen Anlagen, ausgedehnten militärischen Stützpunkten und kleinen Gehöften einige bemerkenswerte Türen beobachten. Ihre Konstruktion ist als regionale Besonderheit zu werten, da sie sich deutlich von den gewöhnlichen Türen in der Antike unterscheidet. Es handelt sich um Türen mit zwei Flügeln; der eine Flügel war innen, der andere außen an demselben Türrahmen befestigt, und beide Flügel öffneten sich gegenläufig. Höchst bemerkenswert ist die Tür einer bescheidenen Badeanlage in Typalia, für die diese Konstruktion gegen den Wärmeverlust beim Ein- und Austreten der Besucher gewählt wurde. In der Umgebung finden sich einige antike Wehrtürme und einzelstehende Gehöfte, deren Haupteingänge aus Sicherheitsgründen ebenfalls mit einer solchen doppelflügeligen Tür ausgestattet waren, ein Phänomen, was bisher in benachbarten Regionen kaum festgestellt wurde.

Usually the doorways of ancient buildings were secured by doors with axially fastened leaves. In the coastal mountains west of Attaleia on the south coast of Turkey, however, some remarkable doors may be found in urban settlements, extensive military bases and small farmsteads. Their construction can be seen as a regional peculiarity, since it differs markedly from doors usual in the ancient world. These are doors with two leaves; one leaf was attached to the inside, the other to the outside of the same door-frame, and both leaves opened contra-rotationally. An extraordinary specimen is the door of a modest bath-house in Typalia where this construction was evidently chosen in order to minimise heat loss when visitors entered or exited. In the vicinity there are some ancient defensive towers and solitary farmsteads whose main entrances, for security reasons, are also equipped with such double-doors, a phenomenon that has hardly been recorded at all in neighbouring regions.

Jürgen Seeher, Die Ausgrabungen in Boğazköy-Hattuša 2004. Mit Beiträgen von Rainer Pasternak und Gernot Wilhelm
Im Jahr 2004 wurden zunächst umfangreiche geo-elektrische Prospektionen durchgeführt. Sie führten unter anderem zur Entdeckung eines größeren hethitischen Gebäudes unweit des Oberen Westtores mit einer möglicherweise zugehörigen Straße. Die Grabungen in der westlichen Oberstadt im Tal vor Sarıkale wurden fortgesetzt. In der bislang ältesten Schicht wurde nach dem althethitischen Quadratgebäude nun ein zweites, anscheinend etwa gleich großes Gebäude angeschnitten. Es zeigt die gleiche systematische Innenaufteilung, und auch hier wurden wieder Bronzewaffen und handgemachte Keramik (neben scheibengedrehter hethitischer Keramik) gefunden. Darüber liegt eine Bauschicht, die in diesem Jahr zum ersten Mal identifiziert wurde und die als Hauptquelle für die zahlreichen Spuren von handwerklicher Tätigkeit (Bronzeguß und Steinbearbeitung) im aktuellen Grabungsbereich in Frage kommt. Handwerk scheint aber auch noch in den nachfolgenden Schichten, die durch qualitätvolle Architektur ausgezeichnet sind und die ins 14. bis frühe 13. Jh. v. Chr. gehören, hier ansässig gewesen zu sein. Im Rahmen der Arbeiten an der Rekonstruktion eines 60 m langen Abschnitts der Lehmziegel-Stadtmauer in der Unterstadt wurden zwei Kurtinen und das Erdgeschoß eines Turms weitgehend fertiggestellt.

In 2004 extensive geo-electric surveys were carried out. They lead among other things to the discovery of a fairly large Hittite building not far from the upper West Gate, with a street possibly connected to it. The excavations in the western section of the upper town in the valley beneath Sarıkale were continued. In what is so far the oldest layer, where the Old Hittite square building is located, a second building has been found: it is apparently the same size, displays the same systematic interior division, and here too bronze weapons and handmade ceramics (in addition to wheel-thrown Hittite ceramics) have been discovered. On top of this lies a construction layer which was identified this year for the first time and may be the main source of the plentiful evidence of craft (bronze casting and stonework) in the present area of excavation. Craft seems to have been present here also in the following layers, which are distinguished by accomplished architecture and belong to 14th to early 13th century BC. As part of the reconstruction of a 60 m long section of the clay-brick city wall in the lower town, two curtain walls and the ground floor of a tower have been largely completed.

Wolfgang Radt, Pergamon. Abschlußbericht über die Kampagnen 1999–2004 mit einer Übersicht über die Arbeiten ab 1972
Anläßlich des vorläufigen Abschlusses der Stadtgrabungen in Pergamon und des Ausscheidens des bisherigen Grabungsleiters aus dem aktiven Dienst gibt der Bericht eine Übersicht über alle in Pergamon von 1972 bis 2004 durchgeführten Ausgrabungen und Arbeiten, wobei die Behandlung der Periode 1999–2004 detaillierter und intensiver ist, da über die früheren Kampagnen bereits ausführlich berichtet wurde. Im einzelnen werden behandelt: die Ausgrabung Kapıkaya, die Stadtgrabung, Bau Z, die Erforschung der Stadtmauern, die Gassensondagen und Stadtplanforschungen, die Wasserbauforschungen, die Ausgrabung und Erforschung des Podiensaales, die Restaurierung einer Hallensäule des Trajaneums, die Erforschung der Roten Halle und der römischen Unterstadt. Am Ende stehen denkmalpflegerische Aspekte und ein Rück- und Ausblick.

The report presents all excavation work and activities carried out in Pergamon between 1972 and 2004. However, the period between 1999 and 2004 will be dealt with in more detail and more intensively since former seasons were reported on annually in earlier volumes of this periodical. The reason for this report is the completion of the city excavations for the present and the retirement of the present director from active office. The report deals in detail with: the excavation of Kapıkaya, the city excavations, Building Z, which constitutes the biggest part, research of the city walls, the soundings in search of the system of streets and lanes, research of hydraulic engineering, excavation and exploration of the podium hall, restoration of a column in the western stoa of Trajan’s Temple, the exploration of the Red Hall and the lower Roman city, and other work done from 1999 to 2004. The report closes with a look back and a look forwards and a discussion of some aspects on care and conservation of the ruins of Pergamon.

Detlev Wannagat, Neue Forschungen in Uzuncaburç 2001–2004. Das Zeus-Olbios-Heiligtum und die Stadt Diokaisareia. Mit Beiträgen von Norbert Kramer, Claudia Dorl-Klingenschmid, Stephan Westphalen und Roman Koch
Ziel der Arbeiten in Uzuncaburç ist eine umfassende Siedlungsgeschichte des antiken Ortes. Den Ausgangspunkt bilden grundlegende Einschnitte in der historischen Entwicklung: der monumentale Ausbau des Heiligtums und seiner Umgebung in hellenistischer Zeit und die Gründung der kaiserzeitlichen Stadt Diokaisareia. Weitere Schwerpunkte gelten der Frage nach einer vorhellenistischen Tradition sowie die Veränderungen in frühbyzantinischer Zeit. Durchgeführt wurden eine topographische Gesamtaufnahme, Bauaufnahmen einzelner Gebäude sowie ein Keramiksurvey. Zu den wichtigsten Ergebnissen des Keramiksurveys gehört das dichte Auftreten von Fundstücken der frühen bis mittleren Eisenzeit. Die Dokumentation des Ruinenbestandes hat wesentlich neue Informationen zur Gestaltung des Zeus-Tempels sowohl für die hellenistische Phase wie die Umwandlung seiner Ruine in eine frühbyzantinische Basilika erbracht. Zudem ist die Frage nach der Einbindung des Tempels in das spätere Gefüge der kaiserzeitlichen Stadt geklärt worden. Die archäologischen Arbeiten wurden durch eine geologische Kartierung des Gebietes und eine Analyse des Baumaterials ergänzt; hiermit konnte die lokale Herkunft des Baumaterials näher bestimmt werden.

The objective of our work in Uzuncaburç is a comprehensive history of this ancient site. Our starting point were the fundamental changes in its historical development: The construction of the temple of Zeus and other monumental buildings around the sanctuary during the Hellenistic period and the foundation of the city Diokaisareia in imperial times. Furthermore, our investigation focussed on the question of pre-Hellenistic traditions and of changes in the early Byzantine period. We carried out a comprehensive topographical measuring as well as building surveys and a survey of ceramics. One of the most important results of the ceramics survey is the frequent occurrence of findings from the early to middle Iron Age. The documentation of the existing ruins provided essentially new information regarding the structure of the Zeus temple for the Hellenistic period as well as for the transformation of the ruins into an early Byzantine basilica. In addition, we could clarify the question of the integration of the temple into the later structure of the city during imperial times. The archaeological work was complemented by a geological mapping of the area and an analysis of the building material. Thus, the local origin of the material could be confirmed more precisely.

Volkmar v. Graeve, Milet 2000–2002. Vorbericht über die Grabungsarbeiten, die Denkmälerrestaurierung und Ruinenpflege sowie die naturwissenschaftlichen Begleituntersuchungen – Einleitung und Übersicht
Das Grabungsprogramm der Milet-Grabung besteht, wie in den vergangenen Jahren und wie auch in den früheren Berichten in dieser Zeitschrift dargelegt, weiterhin aus den im Titel aufgeführten Bereichen der wissenschaftlichen Grabungen, der Denkmälerrestaurierung, der Ruinenpflege und der interdisziplinären Beteiligung verschiedener Naturwissenschaften, die hier unter dem Begriff der naturwissenschaftlichen Begleituntersuchungen zusammengefaßt sind. Die Schilderung folgt der Hierarchie des Programms und geht dabei chronologisch vor. Besonderes Augenmerk wird auf interdisziplinäre Verknüpfungen gelegt, die zu neuen Erkenntnissen geführt haben. Außer auf die Einordnung der verschiedenen Ergebnisse geht die Einleitung auch auf einige Felder der Miletgrabung ein, die nicht durch Einzelberichte abgedeckt sind und bezieht diese ebenfalls auf das übergeordnete Programm.

As in previous years and as presented in earlier reports in this journal, the excavation programme in Miletus still consists of the scientific fields cited in the title – namely excavation, the restoration of monuments, the maintenance of ruins and the interdisciplinary involvement of different natural sciences which are brought together here under heading of accompanying scientific investigations. The presentation adopts the programme’s hierarchy and proceeds chronologically. Particular attention is paid to the interdisciplinary links which have led to new findings. As well as classifying the various findings, the introduction considers certain fields of the Miletus excavation which have not been covered by individual reports, and clarifies their place in the overall programme.

Harald Stümpel – Susanne Wölz – Patrick Musmann – Wolfgang Rabbel, Geophysikalische Prospektion in Milet. Arbeiten in den Kampagnen 2000–2002
Die Schwerpunkte lagen auf der geomagnetischen Kartierung des Humeitepe, des Südmarktes und der Südstadt, sowie auf seismischen Untersuchungen im Löwenhafen und auf dem Kalabaktepe. Bei den magnetischen Messungen wurde erstmals ein DGPS-gesteuertes Multisensorik-Fahrzeug mit hohem Meßfortschritt eingesetzt. Auf dem Humeitepe und im Süden der Stadt konnten das antike Straßensystem und Teile der Stadtmauer zweifelsfrei kartiert werden. Im Osten des Südmarktes wurde eine vom Aquädukt abzweigende Wasserversorgung für die Faustina-Thermen lokalisiert. Östlich an den Südmarkt anschließend wurde eine zuvor unbekannte große Basilika entdeckt. Die seismischen Untersuchungen in den Randbereichen des Löwenhafens zeigten, daß das Festgestein in wenigen Metern Tiefe teilweise plateauartig verläuft, so daß eine antike Bebauung möglich gewesen wäre. Hinweise auf Fundamentreste (Molen, Kaimauern) wurden jedoch nicht gefunden. Die Untersuchung des oberen Plateaus des Kalabaktepe ergab ein Volumen der Aufschüttung von 13200±4000 m3. Unterhalb der Aufschüttung wurde ein regelmäßiges Raster von Buckeln gefunden.

The main focuses were the geomagnetic surveying of Humeitepe, the South Market and the southern district of the city as well as seismic investigation of the Lions’ Harbour and Kalabaktepe. For geomagnetic measurements, a DGPS-controlled multi-sensor vehicle capable of high measuring progress was employed for the first time. On Humeitepe and in the southern district of city, the street system and sections of the city wall were mapped with absolute certainty. In the eastern part of the South Market we localised a water supply system for the Faustina Thermae branching off from the aqueduct. A large basilica, unknown before, was found to the east of the South market. Seismic investigations around the edges of the Lions’ Harbour showed that the bedrock at the depth of a few meters is partly planar, so that construction would have been possible in antiquity. However, there are no indications for foundation remains (i.e. moles or quay walls). Measurements on the upper plateau of Kalabaktepe yielded a fill volume estimate of 13200±4000 m3. Beneath the fill a regular pattern of bumps was found. 

Berthold F. Weber, Die Restaurierungsmaßnahmen im Theater von Milet. Arbeiten in den Kampagnen der Jahre 2000–2002
Das vorrangige Ziel der Restaurierungsarbeiten im Theater von Milet, die der Verfasser seit 1997 leitet, ist die Wiederherstellung der Standsicherheit dieses monumentalen Bauwerkes. Die aufwendigste Maßnahme, die Rekonstruktion eines Gewölbebogens im Korridor des Westflügels, konnte in dem hier beschriebenen Zeitraum abgeschlossen werden. Der auf dem verschütteten Umgang oberhalb des zweiten Ranges errichtete Südturm des Kastells war neu zu fundamentieren, da die Schuttfüllung unter den byzantinischen Fundamenten nach der Freilegung des Umganges ausgeschwämmt wurde und die Fundamente in weiten Teilen frei schwebten. Daneben wurden auch die Arbeiten in der Cavea, die Fundamentierung, Ergänzung und Ausrichtung von Sitzstufen, die Rekonstruktion der Umgänge und Treppen, fortgesetzt. Sowohl im ersten als auch im zweiten Diazoma wurden zerstörte Eingänge zu den dahinterliegenden, geschlossenen Umgängen rekonstruiert. Auch die touristische Erschließung des Theaters wurde durch die Konstruktion einer Treppe am Ende des Ostkorridors wesentlich erleichtert.

The primary aim of the restoration work in the Theatre of Miletus, which the author has led since 1997, is to restore the stability of this monumental edifice. The most costly measure, the reconstruction of a vaulted arch in the west wing corridor, was completed in the period described here. The south tower of the citadel built on the covered passageway (now buried) above the second tier required new foundations to be laid since the debris filling underneath the Byzantine foundations was removed during clearance of the walkway and for long stretches the foundations hung with no support at all. Work was continued in the cavea – foundation laying and alignment of the rows of seating and the replacement of missing seats, and reconstruction of the walkways and stairs. In the first and second tiers, the destroyed entrances to the covered passageways, which are blocked, were reconstructed. The construction of a flight of stairs at the end of the east corridor has made the experience visiting the theatre substantially easier for tourists.

Irene Blum, Ruinenpflege im antiken Stadtzentrum von Milet. Arbeiten in der Kampagne 2001
Seit 1997 wird ein touristisches und denkmalpflegerisches Konzept umgesetzt, das den antiken Stadtentwurf nach dem ›hippodamischen System‹ in der Ruine wieder sichtbar machen soll. Neben dem Anlegen eines orthogonalen Straßennetzes spielt die Präsentation des zentralen Platzes eine bedeutende Rolle. Bereits 2000 war durch die Räumung der Buleuterionstraße eine wichtige Anbindung an das Zentrum geschaffen worden. 2001 konnte in Verlängerung des 2000 über den Fundamenten des Südmarktes errichteten Bauteilelagers neben dem Markttor die Südmarktmauer mit originalen Bossenquadern in Hallenwandstruktur ergänzt werden. Ergebnis ist eine durchgehende Mauerflucht, eine lange Sichtachse und der räumliche Abschluß des großen Platzes. Seine gesamte Fläche wurde 2001 von Tang und Vegetation gereinigt. Das Arbeitsprogramm sah vor, den nach der Grabung von liegengebliebenen Trümmern verstellten Platz gründlich aufzuräumen. Hierzu hat man zahlreiche Architekturteile gesichtet, analysiert, dokumentiert und in hochwasserfreie Depots umgelagert. Zugeordnete Bauteilelager blieben aber unangetastet. Auf dem Rathausvorplatz sind die Räumungsarbeiten noch nicht abgeschlossen. Für die Prachtstraße konnten die urbanistischen Grundstrukturen wieder sichtbar gemacht werden.

In 1997, work began on the implementation of a tourism and conservation project which is intended to make the ancient plan of the city, laid out according to the Hippodamian system, visible again amid the ruins. In addition to the creation of an orthogonal street grid, the presentation of the central square will be of major importance. The Bouleuterion street was cleared in 2000, creating an important thoroughfare to the city centre. In 2001 it proved possible to supplement the South Market wall with original ashlars in continuation of the masonry depot erected in 2000 on the foundations of the South Market, next to the Market Gate. The result is a continuous stretch of aligned walling, an uninterrupted line of vision, and the spatial delimitation of the large square. The entire area of the square was cleared of seaweed and vegetation in 2001. The works programme envisaged the thorough clearance of the square which has been cluttered by rubble left after the excavations. In the process we have inspected, analysed and documented many elements of masonry and stored them in depots safe from flooding. Assigned masonry depots have remained untouched. On the square in front of the Bouleuterion the clearance work has not been completed. In the case of the Processional Way it has been possible to make the basic grid plan visible again.

Jean-Noël Barrandon – Marie-Christine Marcellesi, Le monnayage de bronze aux types de Milet du IVe au IIe siècle avant J.-C.: L’apport des analyses métalliques
Le monnayage de bronze hellénistique de la cité de Milet conservé au Cabinet des Médailles de la Bibliothèque nationale de France a fait l’objet d’analyses par activation neutronique qui permettent d’en déterminer la composition métallique. Les résultats, présentés ici suivant l’ordre chronologique du monnayage, confirment ou précisent la chronologie relative des différents groupes et, dans certains cas, leur chronologie interne.

The Hellenistic bronze coinage of the city of Miletus kept in the Cabinet des Médailles of the Bibliothèque nationale de France has been analysed by the method of neutronic activation which allows the metallic composition of the coins to be determined. The results, presented here in chronological order of the coinage, confirm or make clearer the relative chronology between the different groups and even sometimes their internal chronology.

Alexander Herda, Apollon Delphinios, das Prytaneion und die Agora von Milet. Neue Forschungen
Der Kult des Apollon Delphinios in Milet eignet sich in besonderer Weise, die enge Verflechtung von Politik und Religion in einer griechischen Polis zu veranschaulichen. Das Delphinion als Heiligtum des Gottes und als zentrales innerstädtisches Heiligtum Milets ist Gegenstand eines Forschungsprojekts, dessen erste Ergebnisse hier vorgestellt werden. Nach einem kurzen Abriß der Forschungsgeschichte wird dazu der reiche epigraphische Befund im Hinblick auf die Funktionen des Delphinions befragt, insbesondere seine Rolle als Zentralheiligtum, Sitz des Prytaneions und wichtigster Ort für Inschriftenpublikationen. Weiterhin geht es um die Frühgeschichte des Heiligtumsplatzes. Neue geoarchäologische Tiefbohrungen zeigen eine erste Siedlung in spätchalkolithischer Zeit (2. Hälfte 4. Jt. v. Chr.), die dem ansteigenden Meeresspiegel weichen mußte. Erst im 7. oder 6. Jh. v. Chr. verlandete das Gebiet des späteren Heiligtums nach erneutem Absinken des Meeres. Umfangreiche Anschüttungen zur Trockenlegung des Areals bildeten die Voraussetzung für die Monumentalisierung des Heiligtums ca. 530/20 v. Chr. Ein erster Überblick über seine frühesten monumentalen Bauphasen in spätarchaischer und frühklassischer Zeit wird geboten. Hierfür werden bisher unpublizierte Grabungen ausgewertet. Außerdem wird eine Teilrekonstruktion der als Prytaneion angesprochenen südlichen Halle des Heiligtums erstellt. Es folgt eine Diskussion der zentralen stadttopographischen Lage des Heiligtums direkt an der durch die Trockenlegungen der südlichen Ausläufer des Löwen-Hafens erweiterten spätarchaischen Agora sowie eine Analyse seiner Bedeutung für den Entwurf des frühklassischen sog. hippodamischen Stadtplans. Die Entstehung und Entwicklung des Apollon-Delphinios-Kults in Milet und im Vergleich dazu in anderen griechischen Poleis wird in einem religionsgeschichtlichen Abschnitt behandelt. Schließlich versucht ein historischer Überblick den parallel verlaufenden Ausbau von Delphinion und Agora als religiös-politisches Zentrum seit der Mitte des 6. Jhs. v. Chr., der Blütezeit Milets, mit dem gestiegenen Selbstwertgefühl des Kollektivs der Polisbürger zu erklären.

The cult of Apollo Delphinius in Miletus is particularly well suited to illustrating the interconnection of politics and religion in the Greek polis. His sanctuary, the Delphinium, which is the central sanctuary of Miletus, is subject of a research project whose first results are presented here. After giving a short synopsis of the current state of research we consult the rich epigraphical finds in respect of the functions of the Delphinium, especially its role as central sanctuary, where the prytaneum was located and where the most important public inscriptions were on display. Furthermore the early history of the site is analysed. Recent geo-archaeological deep-drillings show a first settlement in late Chalcolithic times (ca. 3500–3000 BC) which had to be abandoned because of the rising sea level. Only in the 7th – 6th century BC did the site become dry land again. The ground was strengthened by fillings to erect the heavy marble architecture of the late Archaic sanctuary (ca. 530/20 BC). We offer a first view of its earliest monumental building phases in late Archaic and early Classical times partly with the help of as yet unpublished excavations. In addition we present a partial reconstruction of the south hall of the sanctuary – presumably the prytaneum. A discussion of the central position of the sanctuary in the town’s topography follows; it lies on the agora which was extended in late Archaic times by vast fillings of the marshy southern parts of the Lions’ Harbour. The Delphinium served as a model insula for the early Classical ›Hippodamian‹ grid-plan. Moreover, the origin and development of the cult of Apollo Delphinius in Miletus and by comparison in other Greek poleis is treated in a religio-historical section. Finally, the concurrent enlargement of the Delphinium and the agora as the religious and political heart of Miletus from the middle of the 6th century BC – the time of the city’s greatest prosperity – is interpreted as a sign of the growing self-confidence of the polis citizens.

Richtlinien für Publikationen

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Aktualisiert: 02.04.2007

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