Aktuelle Arbeiten
Vorarbeiten:
Obgleich das Netzwerk für die archäologische Forschung auf dem Gebiet der Türkei methodisch und inhaltlich Neuland betritt, haben verschiedene Projekte der Abteilung Istanbul bereits wesentliche Vorarbeiten geleistet, die sie für eine Integration in das Netzwerk prädestinieren und qualifizierte Beiträge erwarten lassen:
Hattusa/Boğazköy: Lokales Zentrum und Hauptstadt des Hethiterreiches (2200-400 v. Chr.)
Hattusa, ein lokales Zentrum Zentralanatoliens von der Frühbronzezeit bis in die späte Eisenzeit, entwickelte sich in der jüngeren Mittelbronzezeit zur Hauptstadt des Hethiterreiches. Die bisherigen Grabungen haben gezeigt, dass der städtische Raum eine bewusste Gliederung aufweist, die mit der Abgrenzung von Residenz und Heiligtümern der Manifestation hierarchischer Strukturen diente. Dabei fällt insbesondere die Gestaltung des Herrschersitzes und einzelner Heiligtümer als geschlossene `Schutzzonen´ ins Auge. Ziel der angestrebten vollständigen Geländeaufnahme des Stadtgebietes ist die Klärung der Frage, in welcher Beziehung die allenthalben zu beobachteten Siedlungsspuren und Überreste von teilweise monumentaler Architektur zueinander und zu bereits Bekanntem stehen. Leitung: J. Seeher - A. Schachner
Pergamon: Hellenistischer Herrschersitz und Metropole Kleinasiens (3.Jh. v. Chr. - 14. Jh.)
Die antike Stadt Pergamon an der Westküste Kleinasiens blickt auf eine bewegte Siedlungsgeschichte zurück, die den Wandel von Stadtformen unter wechselnden historischen Rahmenbedingungen anschaulich illustriert. Im Mittelpunkt der aktuellen Arbeiten steht die Rekonstruktion der hellenistischen Stadt als Gesamtorganismus. Darüber hinaus soll der Blick auch auf das Umland der Metropole gerichtet werden, wo ihr gestaltender Einfluss in der räumlichen Organisation der Landschaft und der benachbarten Poleis deutlich zutage tritt.
Leitung: F. Pirson
Anazarbos: Eine kilikische Großstadt der römischen Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. - 14. Jh.)
Die antike Großstadt Anazarbos im Südosten der Türkei wurde im 1. Jh. v. Chr. gegründet und war bis in das 14. Jh. hinein unter wechselnden Machtkonstellationen durchgehend besiedelt. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit ihren spezifischen hierarchischen Strukturen bieten ein mögliches Erklärungsmodell für tief greifende Veränderungen inner- und außerhalb des Stadtgebietes. Dabei scheint der häufige Wechsel des urbanen Lebensmittelpunktes zwischen Siedlungshügel und Unterstadt nicht allein Ausdruck variierender Besiedlungsdichte zu sein, sondern in engem Zusammenhang mit den jeweiligen herrschaftlichen Ansprüchen zu stehen.
Leitung: R. Posamentir.
Karasis: Eine hellenistische Festung (3.-2. Jh. v. Chr.)
Erst 1996 wurde auf dem Berg Karasis, einem Ausläufer des Taurus unweit von Anazarbos, eine hellenistische Burganlage entdeckt, die nicht nur erstaunlich gut erhalten, sondern in ihrem Bestand auch ungewöhnlich differenziert ist. Anders als an den schrittweise entstandenen Stadtanlagen Hattusa, Pergamon und Anazarbos mit ihren multifunktionalen Aufgabenspektren, lässt sich am Beispiel der Festung Karasis exemplarisch studieren, wie im Zuge einer einheitlichen Planung und unter dem Primat des Militärischen ein räumlich klar umgrenztes Terrain gegliedert und zugleich hierarchisch strukturiert wurde. Darüber hinaus soll durch einen Survey im Umfeld des Karasis geklärt werden, inwiefern die Festung in ein Netzwerk symbolischer Markierungen integriert war, die herrschaftlichen Anspruch auf ein bestimmtes Territorium erheben.
Leitung: A. Hoffmann.
Bautechnik und Bauorganisation im hellenistischen Kleinasien (3.-1. Jh. V. Chr.)
Herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Bautechnik zielten im Altertum nur in den seltensten Fällen ausschließlich auf eine funktionale Verbesserung der Infrastruktur. In aller Regel waren diese Schöpfungen auch darauf ausgerichtet, die überlegene Position ihrer Erbauer zu unterstreichen. Bautechnikgeschichte impliziert also Herrschaftsgeschichte und folgt den Institutionalisierungsprozessen von Macht und Hierarchie. Die Untersuchungen zur Bautechnik und Bauorganisation im hellenistischen Kleinasien sollen deutlich machen, wie dieses Bedürfnis zur Triebfeder bau- und ingenieurstechnischer Entwicklungen wurde.
Leitung: M. Bachmann.
Ziele und Arbeitsprogramm
Ziel des wissenschaftlichen Netzwerkes sind Durchführung und Synthese von etwa zwölf bis fünfzehn archäologischen Einzelprojekten, die sich mit der Erforschung räumlicher Strukturen und ihren Funktionen als Trägern von Macht und Hierarchien auf dem Gebiet der heutigen Türkei beschäftigen. In der vergleichenden Gegenüberstellung lassen sich die unterschiedlichen Strategien, die bei der Gestaltung der Räume zur Anwendung kamen, präzise beschreiben. Durch die Abdeckung eines Zeitraums von mehr als dreitausend Jahren, der von der Sesshaftwerdung bis in die byzantinische Zeit reicht, soll ein Sammelband entstehen, der sowohl exemplarisch als auch in einer gemeinsamen Synthese zeigt, nach welchen Kriterien die Organisation des Raumes unter wechselnden geographischen, politischen und kulturellen Voraussetzungen erfolgte.
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