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Abteilung Istanbul: Wissenschaftliches Netzwerk gegründet

"Manifestationen von Macht und Hierarchien in Stadtraum und Landschaft"

Forschungen inhaltlich und methodisch zusammenführen

Abteilungen:
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

 

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Ziele

An der Abteilung Istanbul ist im Juni 2006 ein wissenschaftliches Netzwerk zum Thema "Manifestationen von Macht und Hierarchien in Stadtraum und Landschaft" eingerichtet worden.

Es führt Forschungsprojekte methodisch und inhaltlich zusammen.
Ziel des Schwerpunktes ist es, das spezifische Profil der Abteilung für die Nachwuchsförderung zu nutzen und wissenschaftliche Synergien auf dem Gebiet der archäologischen Raumforschung zu erzielen.

Das Netzwerk gehört als Teilprojekt zum Forschungscluster 3 "Politische Räume" des DAI.

Thematische und organisatorische Rahmenbedingungen

Ziel des Netzwerkes ist die Erforschung der symbolischen Besetzung und der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Nutzung räumlicher Strukturen.
Denn sie wurden im Rahmen von Siedlungen oder Territorien zu Trägern von Macht und Hierarchien. Die wissenschaftlichen Synergien sollen zum besseren Verständnis von funktionalen Veränderungen und Entwicklungsprozessen beitragen.
Architektonisch gestaltete und sozial definierte Räume haben unter verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Systemen permanente Änderungen durchlaufen.
Dafür bietet die Türkei als Schauplatz grundlegender Entwicklungen der Menschheitsgeschichte, wie z.B. Neolithisierung und Großreichsbildung besten Voraussetzungen.

Innerhalb des Forschungsclusters 3 "Politische Räume" leistet das Netzwerk eine Fokussierung auf das Brückenland Anatolien.

Organisation und Durchführung

Das zunächst für zwei Jahre konzipierte Netzwerk ist an der Abteilung Istanbul angesiedelt; Sprecher ist der Erste Direktor (PD Dr. F. Pirson). Teilnehmer des Schwerpunktes sind zum einen die Direktoren und Referenten der Abteilung mit ihren verschiedenen Forschungsprojekten, und die an der Abteilung ansässigen Stipendiaten. Weitere Teilnehmer sind in Deutschland ansässige DAI-Stipendiaten, deren Projekte in der Türkei angesiedelt sind, sowie Kollegen, die im Rahmen von Projekten der Abteilung in der Türkei forschen. Der wissenschaftliche Austausch innerhalb des Netzwerkes erfolgt im Rahmen von Seminaren und Workshops die zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst vor und nach den Grabungskampagnen stattfinden.
Für 2007 sind zwei Workshops zu den Themen "Stadtbefestigungen" und "Kilikien" geplant.

 

Aktuelle Arbeiten

Vorarbeiten:

Obgleich das Netzwerk für die archäologische Forschung auf dem Gebiet der Türkei methodisch und inhaltlich Neuland betritt, haben verschiedene Projekte der Abteilung Istanbul bereits wesentliche Vorarbeiten geleistet, die sie für eine Integration in das Netzwerk prädestinieren und qualifizierte Beiträge erwarten lassen:

Hattusa/Boğazköy: Lokales Zentrum und Hauptstadt des Hethiterreiches (2200-400 v. Chr.)

Hattusa, ein lokales Zentrum Zentralanatoliens von der Frühbronzezeit bis in die späte Eisenzeit, entwickelte sich in der jüngeren Mittelbronzezeit zur Hauptstadt des Hethiterreiches.
Die bisherigen Grabungen haben gezeigt, dass der städtische Raum eine bewusste Gliederung aufweist, die mit der Abgrenzung von Residenz und Heiligtümern der Manifestation hierarchischer Strukturen diente. Dabei fällt insbesondere die Gestaltung des Herrschersitzes und einzelner Heiligtümer als geschlossene `Schutzzonen´ ins Auge.
Ziel der angestrebten vollständigen Geländeaufnahme des Stadtgebietes ist die Klärung der Frage, in welcher Beziehung die allenthalben zu beobachteten Siedlungsspuren und Überreste von teilweise monumentaler Architektur zueinander und zu bereits Bekanntem stehen.
Leitung: J. Seeher - A. Schachner

Pergamon: Hellenistischer Herrschersitz und Metropole Kleinasiens (3.Jh. v. Chr. - 14. Jh.)

Die antike Stadt Pergamon an der Westküste Kleinasiens blickt auf eine bewegte Siedlungsgeschichte zurück, die den Wandel von Stadtformen unter wechselnden historischen Rahmenbedingungen anschaulich illustriert. Im Mittelpunkt der aktuellen Arbeiten steht die Rekonstruktion der hellenistischen Stadt als Gesamtorganismus.
Darüber hinaus soll der Blick auch auf das Umland der Metropole gerichtet werden, wo ihr gestaltender Einfluss in der räumlichen Organisation der Landschaft und der benachbarten Poleis deutlich zutage tritt.
Leitung: F. Pirson

Anazarbos: Eine kilikische Großstadt der römischen Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. - 14. Jh.)

Die antike Großstadt Anazarbos im Südosten der Türkei wurde im 1. Jh. v. Chr. gegründet und war bis in das 14. Jh. hinein unter wechselnden Machtkonstellationen durchgehend besiedelt.
Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit ihren spezifischen hierarchischen Strukturen bieten ein mögliches Erklärungsmodell für tief greifende Veränderungen inner- und außerhalb des Stadtgebietes.
Dabei scheint der häufige Wechsel des urbanen Lebensmittelpunktes zwischen Siedlungshügel und Unterstadt nicht allein Ausdruck variierender Besiedlungsdichte zu sein, sondern in engem Zusammenhang mit den jeweiligen herrschaftlichen Ansprüchen zu stehen.
Leitung: R. Posamentir.

Karasis: Eine hellenistische Festung (3.-2. Jh. v. Chr.)

Erst 1996 wurde auf dem Berg Karasis, einem Ausläufer des Taurus unweit von Anazarbos, eine hellenistische Burganlage entdeckt, die nicht nur erstaunlich gut erhalten, sondern in ihrem Bestand auch ungewöhnlich differenziert ist.
Anders als an den schrittweise entstandenen Stadtanlagen Hattusa, Pergamon und Anazarbos mit ihren multifunktionalen Aufgabenspektren, lässt sich am Beispiel der Festung Karasis exemplarisch studieren, wie im Zuge einer einheitlichen Planung und unter dem Primat des Militärischen ein räumlich klar umgrenztes Terrain gegliedert und zugleich hierarchisch strukturiert wurde.
Darüber hinaus soll durch einen Survey im Umfeld des Karasis geklärt werden, inwiefern die Festung in ein Netzwerk symbolischer Markierungen integriert war, die herrschaftlichen Anspruch auf ein bestimmtes Territorium erheben.
Leitung: A. Hoffmann.

Bautechnik und Bauorganisation im hellenistischen Kleinasien (3.-1. Jh. V. Chr.)

Herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Bautechnik zielten im Altertum nur in den seltensten Fällen ausschließlich auf eine funktionale Verbesserung der Infrastruktur. In aller Regel waren diese Schöpfungen auch darauf ausgerichtet, die überlegene Position ihrer Erbauer zu unterstreichen. Bautechnikgeschichte impliziert also Herrschaftsgeschichte und folgt den Institutionalisierungsprozessen von Macht und Hierarchie. Die Untersuchungen zur Bautechnik und Bauorganisation im hellenistischen Kleinasien sollen deutlich machen, wie dieses Bedürfnis zur Triebfeder bau- und ingenieurstechnischer Entwicklungen wurde.
Leitung: M. Bachmann.

Ziele und Arbeitsprogramm

Ziel des wissenschaftlichen Netzwerkes sind Durchführung und Synthese von etwa zwölf bis fünfzehn archäologischen Einzelprojekten, die sich mit der Erforschung räumlicher Strukturen und ihren Funktionen als Trägern von Macht und Hierarchien auf dem Gebiet der heutigen Türkei beschäftigen.
In der vergleichenden Gegenüberstellung lassen sich die unterschiedlichen Strategien, die bei der Gestaltung der Räume zur Anwendung kamen, präzise beschreiben.
Durch die Abdeckung eines Zeitraums von mehr als dreitausend Jahren, der von der Sesshaftwerdung bis in die byzantinische Zeit reicht, soll ein Sammelband entstehen, der sowohl exemplarisch als auch in einer gemeinsamen Synthese zeigt, nach welchen Kriterien die Organisation des Raumes unter wechselnden geographischen, politischen und kulturellen Voraussetzungen erfolgte.

 

Ansprechpartner

PD Dr. Felix Pirson

Klassische Archäologie
Telefon: + 90-(0)212-393 76 10
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: pirson@istanbul.dainst.org


 
 

Aktualisiert: 02.07.2009

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