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Inhalt und Zusammenfassungen auf Griechisch >>
Inhalt und Zusammenfassungen
Inhalt
Irini
Papageorgiou
Eine reitende Kourotrophos-Göttin geometrischer
Zeit im Benaki-Museum >>
Matthias Recke
Zur Herstellung theräischer Amphoren >>
Iulian Birzescu
Die Handelsamphoren der 'Lesbos rot'-Serie in Istros >>
Eleni Manakidou
Ein fragmentierter Kolonnettenkrater aus Karaburnaki und die
Darstellung heroischer Hochzeiten auf korinthischen und
attischen schwarzfigurigen Vasen >>
Evgenia Vikela
Griechische Reliefweihungen an Athena. Ikonographie
der Göttin und Bildkomposition der Reliefs >>
Bernhard Schmaltz
ΕΡΓΟΝ
ΑΡΙΣΤΟΚΛΕΟΣ
ΑΡΙΣΤΙΟΝΟΣ
>>
Christina Vlassopoulou
Neue Skulpturenfragmente von der Akropolis. Beobachtungen zur
Ikonographie der Athena in klassischer Zeit >>
Mathias René Hofter
Der Intellektuelle der Heroen. Zum Porträt des
Pindar >>
Claudia Ruggeri
'Innerer' und 'äußerer Kerameikos' von Athen: Eine
moderne Erfindung? >>
Giorgos I. Despinis
Iphigeneia und Orestes. Vorschläge zur Interpretation zweier
Skulpturenfunde aus Brauron >>
Oliver Pilz
Dionysos auf einem Tonrelief klassischer Zeit in Berlin? >>
Heide Froning
Überlegungen zur Aphrodite Urania des Phidias in Elis >>
Lydia Palaiokrassa-Kopitsa
Ein weiblicher Kopf aus Andros in
Berlin >>
Nikolaos Katsikoudis
Die weibliche Statuette im Archäologischen
Museum von Arta >>
Monika Trümper
Die Maison des sceaux in Delos - Ein 'versiegelter'
Fundkomplex? Untersuchungen zur Aussagekraft und Interpretation
der Funde eines durch Brand zerstörten
späthellenistischen Wohnhauses >>
Anna Wassiliki Karapanagiotou
ΕΚΤΟΡΟΣ
ΑΝΑΙΡΕΣΙΣ.
Der Sarkophag im Museum von Tegea Inv.-Nr. 3 >>
Zusammenfassungen
Irini Papageorgiou, Eine
reitende Kourotrophos-Göttin geometrischer
Zeit im Benaki-Museum Im Jahr 1991
gelangte die Bronzestatuette einer
reitenden Kourotrophos,
die in das dritte Viertel des 8. Jhs. v. Chr. zu datieren ist, als
Geschenk ins
Benaki-Museum. Dargestellt ist eine nackte weibliche Figur, die im
Damensitz auf
einem Pferd sitzt und deren Kopf nie ausgeformt worden war. Im linken
Arm hält sie
einen Knaben. Der erhaltene Teil des Pferdes spricht mit aller Vorsicht
für eine Zuweisung
an eine argivische Werkstatt; die beiden auf ihm reitenden Figuren
könnten
jedoch einem korinthischen Werkstattkreis zugewiesen werden.
Die Statuette hängt ikonographisch mit dem Motiv der reitenden
weiblichen Gestalt
zusammen, das in der Peloponnes während der
mutmaßlichen Entstehungszeit der Statuette
schon bekannt war. Was die Statuette im griechischen Raum einzigartig
macht,
ist die Hinzufügung eines Kindes, wodurch das chthonische
Wesen der Göttin klar
enthüllt wird.
Bei der reitenden Kourotrophos ist das Kind in fortgeschrittenem Alter
wiedergegeben,
was uns hier womöglich den zukünftigen Epheben zu
erkennen gibt. Ein wichtiger
Aspekt ist nicht allein die mütterliche Seite der
dargestellten Göttin, sondern auch der
Versuch, ihre Obhut über das Leben der Knaben und folglich
auch der jungen Männer
auszudrücken. Es erhebt sich das Problem, welches
Bedürfnis zur Schöpfung dieses
ikonographischen Typus führte, in dem die alte Idee der
Fruchtbarkeit mit den neuen
Idealen der aristokratischen Oberschicht verbunden erscheint.
Schlagworte:
Rundplastik - Bronze - geometrische Zeit - Kourotrophos -
Reiterin ▲
Matthias Recke, Zur
Herstellung theräischer Amphoren Das Fragment einer
theräischen Amphora in
Heidelberg zeigt nicht,
wie in der Erstpublikation vorgeschlagen, eine einzigartige plastische
Randdekoration.
Es handelt sich dabei vielmehr um die nicht als sichtbar gedachte
Abformung einer
herstellungstechnischen Zurichtung, anhand derer nun rekonstruiert
werden kann, wie
solche großen Gefäße produziert wurden. Das
Heidelberger Fragment erlaubt es, bislang
unbekannte technische Details des Herstellungsprozesses
theräischer Amphoren
detailliert nachzuvollziehen und gibt Einblicke in die Arbeitsweise von
Töpfer und
Vasenmaler gleichermaßen.
Schlagworte:
Keramik, spätgeometrische - Thera - Herstellungstechnik -
Proportionssystem
▲
Iulian Birzescu, Die
Handelsamphoren der 'Lesbos rot'-Serie in Istros Als
»Lesbos rot« bezeichnet man eine
Gruppe von Amphoren, die
vermutlich auf der Insel Lesbos hergestellt wurden. Diese nur wenig
bekannte Gruppe
von archaischen Handelsamphoren soll aufgrund der großen
Anzahl an bekannten Exemplaren
im folgenden näher betrachtet werden, insbesondere da diese
einen wichtigen
Teil der gesamten archaischen Keramik in Istros darstellen. In Istros
ist es möglich,
anhand der Formentwicklung der ‘Lesbos
rot’-Amphoren zwischen dem ausgehenden
7. Jh. und dem Beginn des 5. Jhs. insgesamt fünf zeitlich
aufeinanderfolgende Phasen
zu unterscheiden. Durch die neue Bearbeitung der Handelsamphoren der
‘Lesbos rot’-
Serie lassen sich zudem weitere Erkenntnisse zu den Zeichen und Marken
gewinnen.
Diese Zeichen können schlüssige Auskünfte
über die Herkunft, Lagerung und den
Handel geben.
Schlagworte:
Lesbos - Istros/Histria - Amphoren, archaisch - Handelswege -
Keramikinschriften
▲
Eleni Manakidou, Ein
fragmentierter Kolonnettenkrater aus Karaburnaki
und die Darstellung heroischer Hochzeiten auf korinthischen und
attischen schwarzfigurigen Vasen Im vorliegenden
Beitrag werden die
Hochzeitszüge mit Wagenbegleitung
auf korinthischen und attischen schwarzfigurigen Vasen behandelt, die
m. E.
alle zur mythisch-heroischen und nicht zur menschlichen Sphäre
gehören. Es handelt
sich dabei um zwei Varianten, d. h. mit einem oder mehreren Wagen.
Die ältere Variante ist der Wagenzug der göttlichen
Gäste bei der Hochzeit von Peleus
und Thetis, bei der das alte Schema der allein fahrenden
Götterpaare in den neuen
Kontext vielfi guriger Prozessionsszenen aufgenommen wurde und schon
formelhaft
erscheint. In derselben Zeit wurde dieses Bildschema von den
korinthischen Vasenmalern
aus Attika übernommen – auch wenn in etwas
verallgemeinerter Form; es wird
hier anhand eines neulich in Karaburnaki gefundenen Kolonnettenkraters
diskutiert.
Trotz seines fragmentarischen Erhaltungszustands kann dieser Krater dem
Detroit-Maler
zugeschrieben werden.
Der jüngere Bildtypus taucht ab dem zweiten Viertel des 6.
Jhs. v. Chr. sowohl in Attika
als auch in Korinth in der Vasenmalerei auf, mit jeweiligen
Unterschieden in der Darstellung.
Abgebildet wird hier als Mittelpunkt der Szenen ein einzelner Wagen,
auf dem
das neuvermählte Ehepaar fährt. Auf nur wenigen
dieser Vasenbilder sind die Ehepaare
durch Inschriften benannt, dann aber immer mit bekannten Heroen und
Heroinen
identifi ziert. Die Bildträger, die Attribute der Teilnehmer
und die Angabe von Details
variieren zwischen den attischen und den korinthischen Vasen.
Schlagworte:
Vasenmalerei - Hochzeitszug - Wagenfahrt - Heroenehepaar - Detroit-Maler
▲
Evgenia Vikela, Griechische
Reliefweihungen an Athena. Ikonographie
der Göttin und Bildkomposition der Reliefs Die Betrachtung der
Reliefweihungen an Athena erweist
sich aus
verschiedenen Gesichtspunkten als wichtig. Zunächst ist wegen
der großen Zahl der
erhaltenen Werke, die meisten davon attischer Provenienz und von guter
Qualität, ein
Überblick erforderlich. Ausführlich besprochen werden
die Typologie der Darstellungen,
die Bildthemen und die kompositionellen Erscheinungsformen, einerseits,
um die
chronologische Entwicklung zu verfolgen und andererseits, um
Gemeinsamkeiten und
Besonderheiten in der Ikonographie und der äußeren
Form im Hinblick auf die Gattung
der Weihreliefs offenzulegen. Die Behandlung erfolgt chronologisch
anhand der
Darstellungsschemata der Göttin, wobei diese zugleich auch
für die allgemeine Ikonographie
der Göttin, d. h. auch außerhalb der Gattung, von
großer Bedeutung sind.
Parallelen bieten Bilder aus anderen Denkmälergattungen. Die
für die Darstellung der
Athena ausgewählten Figurentypen sowie die Struktur der
Reliefkomposition geben
Aufschluß sowohl über das Wesen der Göttin
selbst als auch über die Identität der
sie verehrenden Gläubigen und erlauben weitere Aussagen zu
deren Einbindung in
die Gesellschaft. Die Tatsache, daß die Mehrheit der
Reliefvotive an Athena aus Athen
stammt und zudem aus dem weitaus repräsentativsten Heiligtum
dieser Polis, offenbart
die enge Beziehung der Athener Bürger zur
Schutzgöttin der Stadt und spiegelt
zugleich eine Abhängigkeit der Ikonographie von konkreten
historischen Ereignissen
wider.
Schlagworte:
Weihreliefs - Athena - Ikonographie - Kult - Religion ▲
Bernhard Schmaltz,
ΕΡΓΟΝ
ΑΡΙΣΤΟΚΛΕΟΣ
ΑΡΙΣΤΙΟΝΟΣ
Eine detaillierte Betrachtung der Aristionstele bei
scharfem Streiflicht
zeigt, daß Einzelheiten wie Chiton-Rand und -Falten, Pteryges,
Panzersaum und
Beinschienen in die sorgfältig geglättete
Oberfläche ganz flach eingemeißelt wurden.
Die Folgerung liegt auf der Hand, daß ursprünglich
ein nackter Jüngling mit reichem
Lockenhaar dargestellt war, der anläßlich einer
Weiter-/Wiederverwendung mit Chiton,
Panzer, Beinschienen und Bart ausgestattet wurde; gleichzeitig wurden
die Bartspitze,
die Chitonfalten im Schritt, die Helmkalotte und der Helmbusch
zugefügt. Diese Umarbeitung
scheint der Bildhauer Aristokles durchgeführt zu haben, der
Name Aristions
scheint sich dagegen auf den ersten Zustand bezogen zu haben. Ob der
ungewöhnliche
Begriff ergon in der Künstlersignatur eben diesen
ungewöhnlichen Vorgang der
Überarbeitung bezeichnet, muß offenbleiben.
Schlagworte:
Grabreliefs - attische - Archaik - Überarbeitung -
Wiederverwendung
▲
Christina Vlassopoulou,
Neue
Skulpturenfragmente von der Akropolis. Beobachtungen zur Ikonographie
der Athena in klassischer Zeit In dieser Arbeit
beschäftigt sich die
Verfasserin mit neuen Fragmenten
von Statuen und Statuetten der klassischen griechischen und
frühen römischen
Epoche von der athenischen Akropolis, die zu Beobachtungen hinsichtlich
der Ikonographie
der Göttin Athena in klassischer Zeit Anlaß geben.
Mit Hilfe der Merkmale, die
sie aufweisen, ist eine Zuschreibung von Fragmenten an bekannte
Statuentypen, wie
z. B. den der Athena Parthenos, der Athena Velletri, der Athena mit der
Schrägägis, der
Athena mit der Kreuzbandägis und der Athena mit der
Kragenägis vom Typus Ince,
möglich. Ausgewählte Skulpturenfragmente aus
parischem Marmor von exzellenter
Qualität, die in die zweite Hälfte des 5. Jhs. v.
Chr. zu datieren sind, rufen besonderes
Interesse hervor. Sie geben uns nämlich Hinweise auf die
Existenz früherer Versionen
von bestimmten Athenatypen, die bisher nur von hellenistischen und
frühkaiserzeitlichen
Wiederholungen im griechischen Raum oder von Kopien im italischen Raum
bekannt sind. Außerdem werden einige unpublizierte
Athenastatuetten vorgelegt, die
entweder zeitgleiche Wiederholungen griechischer Originale oder
Wiederholungen
der frühen Kaiserzeit darstellen. Deshalb tragen sie bedeutend
zur typologischen Einordnung
der originalen Schöpfungen der klassischen Epoche bei.
Schlagworte:
Athen - Akropolis - Klassik - Rundplastik - Athena ▲
Mathias René
Hofter, Der Intellektuelle der Heroen. Zum Porträt des
Pindar Die auffälligen physiognomischen
Züge des Pindarporträts wurden
bisher als Zeichen eines gesellschaftspolitischen Konservatismus
(Bergemann u. a.)
oder einer spezifischen religiösen Haltung (Himmelmann)
interpretiert. Man kann jedoch
einen Schritt weitergehen und sie als Verweise auf Pindars
Selbstverständnis als
Dichter und Erzieher sehen. Sowohl der Bartknoten wie die
physiognomische Anlehnung
an Kentaurendarstellungen können als Anspielungen auf rituelle
und mythische
Begleiter bei den ‘rites de passage’, dem
Übergang vom Knaben- ins Erwachsenenalter,
gedeutet werden. Dieser Vorgang wird auch häufig durch den
Übergang von der
Wildnis in die Zivilisation symbolisiert, und dabei spielt der Kentaur
Chiron als weises
Naturwesen und Erzieher der großen griechischen Helden eine
prototypische Rolle.
Pindar läßt ihn ausführlich in der 9. pyth.
Ode auftreten, wo ihn Apollon zu seinem
Liebesverhältnis zu Kyrene um Rat fragt. Nach den Worten des
Kentauren bemächtigt
sich der Gott des Mädchens nicht, wie in mythischen
Liebesbeziehungen üblich, mit
List oder Gewalt, sondern in den Formen einer regulären
Brautwerbung.
Mit diesem Plädoyer für eine zivilisierte Form der
Liebesbeziehung trägt Chiron aber
als Pindars alter ego dessen genuines dichterisches Programm vor: eine
Korrektur der
überlieferten mythischen Figuren und Geschichten im Sinne
einer ethischen und zivilisatorischen
Veredelung. Die Figur Chirons als mythischer Heldenerzieher steht somit
für Pindars eigenen Versuch einer Vermittlung von mythischer
Überlieferung und sittlicher
Aktualität. Insofern gewinnen die typologischen Züge
des Pindarporträts eine
eigene metaphorische Aussage über das zentrale dichterische
und religiöse Anliegen
des Dargestellten.
Schlagworte:
Porträt - Ikonographie - Pindar - Chiron - Geistesgeschichte ▲
Claudia Ruggeri, 'Innerer' und 'äußerer Kerameikos'
von Athen: Eine
moderne Erfindung? Wer
sich mit dem Kerameikos von Athen
beschäftigt, wird mit
der Frage konfrontiert, ob man berechtigt ist, von einem
‘inneren’ und ‘äußeren
Kerameikos’
zu sprechen. Dieser Aufsatz möchte dazu die antike Evidenz
über die ‘zwei
Kerameikoi ’ vorlegen und sie danach befragen, ob, ab wann
und wie in der Antike
zwischen einem inneren und äußeren Kerameikos
differenziert wurde. Die Untersuchung
zeigt, dass unsere Begriffe »innerer« und
»äußerer Kerameikos« keine
wörtliche
Übersetzung antiker Termini sind und unter diesem Aspekt als
‘modern’ gelten müssen.
Sie sind aber gerechtfertigt, weil sie der antiken Differenzierung
entsprechen,
bei der die Stadtbefestigung von Athen einheitlich als Grenze zwischen
innerem und
äußerem Kerameikos diente. Für den inneren
Kerameikos sind folgende Ausdrücke
überliefert:
Κεραμεικoς
ἐν τῇ
πόλει oder
ἔνδον oder
ἐντὸς
τῆς
πόλεως bzw.
τείχους
und für
den äußeren
Κεραμεικoς
ἐκτὸς oder
ἔξω τῆς
πόλεως bzw.
τείχους.
Schlagworte:
Athen - Kerameikos
▲
Giorgos I. Despinis, Iphigeneia
und Orestes. Vorschläge zur Interpretation zweier
Skulpturenfunde aus Brauron
In der
vorliegenden
Untersuchung werden
Überlegungen zur
Deutung von zwei bedeutenden Skulpturenfunden aus dem Heiligtum der
Artemis
in Brauron angestellt, die nach der Ansicht des Verf. Darstellungen der
Iphigeneia
und des Orestes überliefern, der Protagonisten des Mythos von
der Übertragung des
Xoanons der Artemis aus dem Land der Taurer nach Attika.
Zunächst wird das fragmentarisch
erhaltene sogenannte Götterrelief Inv. ΝΕ
1180 behandelt, dessen Darstellung
durch einen von zwei Hirschen gezogenen Wagen mit Orestes und
Iphigeneia
ergänzt wird, wobei der erstgenannte die Zügel des
Gespanns in den Händen hielt,
während Iphigeneia das Xoanon der Göttin mit dem
linken Arm an sich drückte. Das
Relief, das nach Ansicht des Verf. unmittelbar nach der
Uraufführung der »Iphigeneia
in Tauris« des Euripides im Jahre 414 oder 413 v. Chr. zu
datieren ist, unterstreicht den
‘Besitzanspruch’ am Xoanon der Göttin der
Taurer von Seiten des brauronischen Heiligtums
gemäß der bei Pausanias I 33, 1
überlieferten Variante des Mythos, während
die durch die Tragödie des Euripides bekannte Variante den
‘Besitzanspruch’ seitens
des Heiligtums von Halai Araphenides rechtfertigt. Verf. stellt sich
das Relief in einer
Nische angebracht vor. Der Fundort innerhalb der Stoa des Heiligtums
und die Steinplatten,
vor denen es angetroffen worden ist, haben nichts mit dem
ursprünglichen
Aufstellungsort zu tun.
Als Darstellung des Orestes ist nach Ansicht des Verf. auch die
Statuette eines mit der
Chlamys bekleideten Jünglings Inv. ΝΕ 1170
zu interpretieren, die aus der Zeit um 330
v. Chr. stammt. Als Argumente für diese Benennung werden die
Tatsache, daß sich die
Gestalt auf das Idol einer Göttin, wahrscheinlich der Artemis,
stützt, sowie die Gewänder
des Jünglings und seine Stiefel angeführt, die ihn
als auf der Reise befi ndlichen
Heros charakterisieren.
Schlagworte:
Relief - Brauron - Iphigeneia - Orestes
▲
Oliver Pilz, Dionysos auf
einem Tonrelief klassischer Zeit in Berlin? Ein
bisher kaum beachtetes tarentinisches Tonrelief in
Berlin zeigt
einen gelagerten Jüngling mit einer am Fußende der
Kline sitzenden Harfenspielerin.
Dieses Relief, das bis zu seiner Wiederauffindung im
Terrakottenmagazin der Antikensammlung
durch den Verf. als Kriegsverlust galt, kann mit einem matrizengleichen
Fragment im Schweizer Kunsthandel verbunden werden. Im Mittelpunkt der
Betrachtungen
steht die umstrittene Deutung der Darstellung, die sich als fester
Bildtyp mit
einer Reihe von Parallelen in der Vasenmalerei erweist. Untersucht
werden die Bezüge
des Bildtyps zur dionysischen und hochzeitlichen Ikonographie. Indizien
weisen darauf,
daß es sich − obwohl der Bildtyp offenbar auch
für die Darstellung sterblicher
Zecher adaptiert werden konnte − bei der jugendlichen Gestalt
des Berliner Tonreliefs
um den Gott Dionysos handelt. Möglicherweise gehen alle
Wiederholungen des Bildtyps
auf ein gemeinsames Vorbild, wahrscheinlich ein berühmtes Werk
der Wand- oder
Tafelmalerei, zurück.
Schlagworte:
Ikonographie - Dionysos - Symposion - Totenmahl - Musikinstrumente ▲
Heide Froning,
Überlegungen zur Aphrodite Urania des Phidias in Elis Zu
den figürlichen Terrakotten von Elis, die
die Autorin publiziert,
gehört der auf einer Schildkröte stehende rechte
Fuß einer Frauenstatuette. Diese
ist wahrscheinlich aus der direkten Anschauung der elischen
Goldelfenbeistatue der
Aphrodite Urania von der Hand des Phidias entstanden, für die
Pausanias gerade dieses
Motiv überliefert. Auch die elaborierte Sandale des Fragments
einschließlich des
Einschnitts in der Sohle nach der großen Zehe könnte
mit dem Original zusammenhängen,
da die Sandalenform bereits für das späte 5. Jh. v.
Chr. belegt werden kann. Da
die bekannten statuarischen Nachklänge der Urania den linken
Fuß auf die Schildkröte
setzen, wird vorgeschlagen, dass diese auf die andere phidiasische
Statue der Urania
zurückgehen, die in Athen stand. Die bislang
ungeklärte Kombination von Schildkröte
und Aphrodite Urania wird mit der gemeinsamen Vorliebe für das
Feuchte erklärt,
denn Urania ist für Sexualität, Zeugung und
Kindersegen zuständig.
Schlagworter:
Rundplastik - Elis - Phidias - Aphrodite Urania - Schildkröte ▲
Lydia
Palaiokrassa-Kopitsa, Ein weiblicher Kopf aus Andros in
Berlin In der Antikensammlung der Staatlichen
Museen zu
Berlin befi ndet
sich der Kopf einer weiblichen Statue aus Andros, der aus der Sammlung
Sabouroff
stammt. Der Kopftypus mit dem in der Mitte gescheitelten und gewellten
Haar und
dem es bedeckenden Himation sowie die Bildung der kleinen Falte auf dem
höchsten
Punkt des Kopfes folgen der Tradition der Demeter von Knidos, welche
mit leichten
Variationen vom Ende des 4. Jhs. bis in hellenistische und
römische Zeit reicht. Die
schlechte Erhaltung des Stücks läßt keine
ausgedehnteren Stilvergleiche zu. Jedoch
können einige Bemerkungen auf der Grundlage der
charakteristischen Wiedergabe
der Locken gemacht werden, die sehr wahrscheinlich auf eine
Inselwerkstatt verweist.
Durch Stilvergleiche scheint eine Datierung in das 3. Jh.
wahrscheinlich zu sein. Die
Ähnlichkeiten mit den Köpfen der Arsinoe II. sind
bezeichnend. Dabei ist zu bemerken,
daß die Ptolemäer während der ersten
Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. auf Andros präsent
waren. Das Stück stammt von einer rundansichtigen Statue, zu
deren Verwendung wir
aber aufgrund fehlender Belege keine weiteren belegbare Thesen
aufstellen können.
Die Bedeckung des Kopfes mit dem Himation gibt an, daß die
Person respektiert und
verheiratet war. Die Interpretation des Standbildes als Grabstatue
scheint sehr wahrscheinlich.
Eine Verwendung als Weihdenkmal kann dennoch nicht ausgeschlossen
werden.
Schlagworte:
Andros - Rundplastik - Kopf -
ptolemäisch
▲
Nikolaos Katsikoudis, Die
weibliche Statuette im Archäologischen
Museum von Arta, Inv. 3086 Die Statuette im
Archäologischen Museum von
Arta Inv. 3086 ist
im Verlauf einer Notgrabung in einer byzantinischen
Anschüttung in der Nähe der
byzantinischen Kirche der Hagia Theodora und des 3. Gymnasiums von Arta
ans Licht
gekommen. Bei der im folgenden vorzustellenden Statuette handelt es
sich um eine
unterlebensgroße weibliche Figur in Chiton und Mantel.
Typologisch erinnert die Figur
an eine Serie von Marmor- und Terrakottastatuetten, die auf
Darstellungen der bekleideten
oder nackten ‘Aufgestützten Aphrodite’
verweisen und aus hellenistischer und
vor allem späthellenistischer Zeit stammen. Da
äußere Anhaltspunkte für die Datierung
der Statuette fehlen, kann sich die zeitliche Einordnung nur auf den
stilistischen
Vergleich mit anderen weiblichen Gewandfi guren und in
eingeschränktem Maß auf
die Ikonographie stützen. Typologische Parallelen und vor
allem die stilistischen Charakteristika
ermöglichen eine Datierung der Statuette in
späthellenistische Zeit, wahrscheinlich
ins letzte Viertel des 2. Jahrhunderts v. Chr. Aufgrund des Marmors
kommt
am ehesten eine attische Werkstatt in Betracht. Womöglich ist
die Figur als Votivgabe
zu interpretieren. Da die Figur in einer byzantinischen
Anschüttung gefunden wurde,
die von einer späteren Umgestaltung des Platzes
herrührt, wäre es möglich, daß sie
aus Material stammt, das von einer anderen Stelle antransportiert
worden ist. Die Frage
nach dem Gebäude, in dem die Aphroditestatuette aufgestellt
gewesen sein könnte, ist
jedoch nicht zu beantworten.
Schlagworte:
Ambrakia - Skulptur, griechisch - Hellenismus - Aphrodite ▲
Monika Trümper,
Die Maison des sceaux in Delos - Ein 'versiegelter'
Fundkomplex? Untersuchungen zur Aussagekraft und Interpretation
der Funde eines durch Brand zerstörten
späthellenistischen Wohnhauses Von den knapp
100 freigelegten Häusern des hellenistischen
Delos haben sich nur in
zwei durch Brand zerstörten Beispielen große Teile
des Inventars erhalten. Der vorliegende
Artikel ist einem dieser beiden Häuser, der Maison des sceaux,
gewidmet und
versteht sich als methodischer Beitrag zu der in der
Häuserforschung aktuellen Diskussion
von ‘household assemblages’. Als Grundlage
für die Bewertung der Funde wird
zunächst die Baugeschichte des Hauses rekonstruiert,
für das sich im Zeitraum von
seiner Errichtung zu einem ungewissen Zeitpunkt nach 167/166 v. Chr.
bis zu seiner
Zerstörung im Jahre 69 v. Chr. fünf Bau- und
Nutzungsphasen nachweisen lassen. Im
zweiten Teil werden die Verteilung der Funde und ihre Aussagekraft
für die Funktionsbestimmung
der Räume diskutiert, wobei besondere Aufmerksamkeit den
auffällig
fundreichen Obergeschoßräumen gilt. Diese Diskussion
erfolgt exemplarisch anhand
ausgewählter Fundgruppen, da die Funde noch nicht
vollständig publiziert sind. Abschließend
wird die Frage angesprochen, ob sich die Nationalität und der
soziale Status
der Bewohner dieses Hauses anhand der Architektur, der Ausstattung und
der Funde
bestimmen lassen.
Schlagworte:
Delos - Hellenismus - Wohnhäuser - Planung
und Bauordnung - Ausstattung
▲
Anna Wassiliki Karapanagiotou,
ΕΚΤΟΡΟΣ
ΑΝΑΙΡΕΣΙΣ.
Der Sarkophag im Museum von Tegea Inv.-Nr. 3 Dieser Artikel behandelt
ausführlich das figürlich verzierte Relief
im Museum Tegea, Inv.-Nr. 3, das von der Rückseite eines
Marmorsarkophages stammt.
Dargestellt ist der triumphierende Achill, der den Leichnam des Hektor
vor den Mauern
Trojas schleift. Die ikonographischen und typologischen
Gestaltungsmerkmale des
Sarkophags weisen auf eine Datierung ins späte 2. oder
frühe 3. Jahrhundert n. Chr.
hin. Eine genauere Analyse der Reliefplatte in Tegea ergibt,
daß die Darstellung des
Themas eindeutig den Einfl uß stadtrömischer
Sarkophagikonographie verrät. Es ist
festzuhalten, daß dieses Thema im Repertoire der attischen
Werkstätten, dem zweiten
großen Produktionszentrum von kaiserzeitlichen Sarkophagen,
nicht vorkommt. Auf
der Suche nach der Werkstattszugehörigkeit der tegeatischen
Reliefplatte fi nden sich
Elemente, die darauf hinweisen, daß das Stück aus
spartanischer Produktion stammen
könnte. Sparta war während der römischen
Kaiserzeit eines der bedeutendsten Kunstzentren
auf der Peloponnes, in dem in größerem Umfang
Kunstwerke verschiedener
Gattungen hergestellt wurden.
Schlagworte:
Tegea - Sparta - Sarkophag - Achill ▲
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