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Alexander Herda, Der Apollon-Delphinios-Kult in Milet und die Neujahrsprozession nach Didyma. Ein neuer Kommentar der sog. Molpoi-Satzung (Mainz 2006)
Die sog. Molpoi-Satzung, ein Kultgesetz der spätarchaischen Zeit, das in einer hellenistischen Kopie vorliegt, ist ein einzigartiges Zeugnis zum zentralen Kultkomplex der ostionischen Großpolis Milet, dem Festzyklus zu Beginn des neuen Jahres. Zum ersten Mal seit ihrer Erstedition 1904 durch U. von Wilamowitz-Moellendorff wird ein neuer Gesamtkommentar der Inschrift vorgelegt. Ziel ist die Rekonstruktion des Ablaufs der mehrtägigen Feiern zu Ehren des Stadtgottes von Milet, des Apollon Delphinios, sowie der anschließenden Prozession nach Didyma und den dortigen Feiern für den Orakelgott Apollon Didymeus. Neben der Reihenfolge der Kulthandlungen und ihrer Position im Kalender liegt das Augenmerk auf der Art der praktizierten Riten, etwa Prozessionen, Speise- und Trankopfer sowie Wettkämpfe, in ihrer jeweils spezifischen Bedeutung.
Durch die Revision der bisherigen Forschungen gelingt es nicht nur, die Riten in Ablauf und Bedeutung zu entschlüsseln, sondern auch, die beteiligten Personengruppen in ihrer Zusammensetzung und Funktion zu bestimmen. Die Ergebnisse der Textanalyse werden dabei - wann immer möglich - mit den aktuellen topographischen und archäologischen Forschungen verknüpft. Den Schwerpunkt bilden das Delphinion in Milet, die Prozessionsstraße und ihre sieben Stationen zwischen Milet und Didyma, sowie das Orakelheiligtum von Didyma selbst mit dem Altar des Apollon Didymeus als Endpunkt.
Die im Rahmen von Neujahrsfest und -prozession praktizierten Kulte für Apollon und weitere Gottheiten, etwa Dynamis, Hekate, Hermes, Hestia, Kelados und die Nymphen, sowie den Heros Chares, verdeutlichen den hohen identifikatorischen Stellenwert für die milesische Polisgesellschaft. Sie lassen sich zumeist mindestens bis ins 7. Jh. v. Chr. zurückverfolgen und stehen im Kontext der Poliswerdung Milets. Seit dieser Zeit bis zum Ende der heidnischen Antike um 400 n. Chr. bildete der Prozessionsweg für mehr als tausend Jahre die 'Achse' des milesischen Territoriums und verband die beiden wichtigsten Heiligtümer, das städtische Delphinion und das außerstädtische Heiligtum in Didyma, als antithetische 'Pole' miteinander.
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