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Andentranssekt 1 (Andenfuß und Hochland)

Andentranssekt 1 - Siedlungsdynamik zwischen Meeresküste und Altiplano der Anden (Andenfuß und Hochland)

Erforschung vorspanischer Siedlungsmuster vom Hochland bis zum Andenfuß. Wie passen sich Menschen an verschiedenste ökologische und klimatische Zonen auf kleinstem Raum an und welchen Einfluss haben Umwelt und längerfristige klimatische Schwankungen auf die Entwicklung von Gesellschaften?

Location

    
  Abb. 1: Lage des Untersuchungsgebietes an der Südküste Perus.  

Das Untersuchungsgebiet befindet sich etwa 400 km südöstlich der Hauptstadt Lima (etwa 14° südlicher Breite; Abb. 1). Es umfasst die Quellgebiete und Flussläufe von Río Grande, Río Palpa und Río Viscas. Die drei Flüsse überwinden auf einer Strecke von nur 50 km Luftlinie zwischen ihrem Ursprung und dem Andenfuß eine Höhendifferenz von knapp 3600 m und durchfließen verschiedene ökologische Zonen und Klimastufen des tropischen Hochgebirges. Der Unterlauf des Rio Grande bis zur Pazifikküste wird im Projekt Andentranssekt 2 bearbeitet.
Das Quellgebiet der Flüsse bildet auf Höhen zwischen 2700 m und 3800 m eine halbmondförmige fruchtbare Zone innerhalb einer kargen, schroffen und stark zertalten Gebirgslandschaft. In kolonialzeitlichen Dokumenten wurde diese Zone auch als "cabezadas" bezeichnet. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen bilden, anders als am Andenfuß, keinen zusammenhängenden ackerbaulichen Raum, sondern konzentrieren sich oasenartig in den vergleichsweise schmalen Schwemmebenen der Flüsse und ihrer Seitenarme. Der Niederschlag, der während der Regenzeit (Dezember bis Mai) im Quellgebiet fällt, führt dort zu einer steppenartigen Vegetation auf den Berghängen und Hochflächen, die Jagdwild und Haustieren ganzjährig Nahrung bietet.
Im unteren Abschnitt der Forschungsregion, am Andenfuß, hat die Erosion tiefe Kerbtäler in das Bergmassiv geschnitten. Im Übergangsbereich zur Küstenebene liegen zum Teil tafelartige, von den Flüssen zertalte, bis 500 m hohe Fußflächen. Die insbesondere in der Umgebung des Städtchens Palpa breiten Schwemmebenen der Flüsse bilden fruchtbare Oasen innerhalb einer sehr trockenen Sand- und Steinwüste, die den nördlichen Teil der Atacama-Wüste bildet (Abb. 2). Das Wasser, welches die Flüsse während der Regenzeit aus den Anden mit sich führen, ermöglicht die bewässerungsabhängige Landwirtschaft in dieser Region. Während der Trockenzeit versiegen die Flüsse bei Temperaturen von über 40 °C.

Departments:
Commission for Archaeology of Non-European Cultures

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History

    
  Abb. 2: Blick auf das Tal des Río Grande am Andenfuß.  

Die kulturellen Hinterlassenschaften zeigen für die Region am Andenfuß, dass eine permanente Besiedlung spätestens ab der Initialzeit (ab ca. 1800 v. Chr.) stattgefunden hat und diese im weiteren Verlauf des Formativums intensiver wurde (Initialzeit 1800-800 v. Chr., Paracas-Kultur 800-200 v.Chr.). Während der Paracas-Zeit wurde auch mit der Anlage der ersten Geoglyphen an den Hängen der Berge begonnen. In der Zeit zwischen 200 v. Chr. und 650 n. Chr., der sogenannten Frühen Zwischenperiode, erlebte die Nasca-Kultur ihre Blüte, was durch Siedlungen im ganzen Talbereich von der Küste zum Andenfuß und bis hinauf ins Hochland belegt wird. In diese Zeit fällt die Anlage der meisten Geoglyphen. Mit der fortschreitenden extremen Aridisierung gegen Ende der Nasca-Zeit geht der Niedergang dieser Kultur am Andenfuß und in der Küstenregion einher. Während des Mittleren Horizontes (650-1100 n. Chr.) erlebte diese Gegend ihr Bevölkerungsminimum. Mit dem Einsetzen einer erneuten Feuchtphase in der Späten Zwischenperiode (1100-1450 n. Chr.) entstanden in den Talregionen am Andenfuß neue Siedlungen, die bis in die Inka-Zeit (ca. 1450-1532 n. Chr.) bestand hatten. Kurz nach der Ankunft der Spanier in Peru (1532) wurden die indigenen Siedlungen aufgegeben und die Kolonialzeit brachte auch viele weitere tiefgreifende Einschnitte, so dass von den vorspanischen Traditionen heute nur noch wenig erhalten ist. 

Objectives

Entsprechend der Zielsetzung des Forschungsclusters 1 des Deutschen Archäologischen Instituts ("Von der Sesshaftigkeit zur komplexen Gesellschaft: Siedlung, Wirtschaft, Umwelt") soll in dem Projekt untersucht werden, in welcher Form sich menschliche Lebensformen in dem äußerst komplexen Gefüge unterschiedlicher ökologischer Zonen der südamerikanischen Anden und unter dem Einfluss der Veränderungen von Klima und Landschaft von wildbeuterischen Gemeinschaften über sesshafte Siedler zu komplexen Gesellschaften entwickelt haben. Der Untersuchungszeitraum reicht somit von den Anfängen menschlicher Besiedlung in Südamerika (um 10000 v. Chr.) bis zur Ankunft der Spanier (16. Jahrhundert n. Chr.).
Im Vordergrund unserer Forschung steht die Frage, ob sich in einem Raum, der durch dichtes Aufeinanderfolgen ökologisch und klimatisch unterschiedlicher Räume gekennzeichnet ist, eine lineare Kulturentwicklung von einfachen Jäger/Sammler-Gemeinschaften zu einer komplexen staatsartigen Gesellschaft beobachten lässt, wie sie etwa für den europäischen Raum postuliert wird, oder ob vielmehr die naturräumliche Vielfalt zu einem Nebeneinander der verschiedensten Erscheinungsformen menschlicher Gemeinschaftsbildung führt. Außerdem ist zu fragen, ob sich für diese Region spezifische Entwicklungs- und Lebensformen ausgeprägt haben, die als Adaptationsformen an den südamerikanischen Lebensraum angesehen werden können.
Dieser Fragestellung nähern wir uns von zwei sowohl zeitlichen als auch räumlich entgegengesetzten Polen. Am Andenfuß werden, aufbauend auf vorangegangenen Siedlungsstudien (Archäologisches Projekt Nasca-Palpa), die Fundplätze der Späten Zwischenzeit (ca. 1000-1450 n. Chr.) näher untersucht, die sich aufgrund ihrer Vielzahl, der guten Erhaltung und der zu erwartenden sozialen Ausdifferenzierung in diesem Zeitabschnitt besonders eignen für das Verständnis vorspanischer Siedlungsstrukturen, von sozialer Komplexität in Abhängigkeit von ökologischem Umfeld, Klimaveränderung und Wirtschaftsweise. Dies soll als Ausgangspunkt dienen für Vergleiche mit den vorangehenden Zeitstufen.
Im Hochland der Anden liegt der Schwerpunkt der Arbeit hingegen auf den frühen Besiedlungsspuren und auf der Untersuchung von diachron von Jäger/Sammler- und Hirtengesellschaften genutzten Siedlungsplätzen im Kontrast zu den Lebensräumen der Ackerbauern.
Wo unterschiedlich gestaltete menschliche Gemeinschaften dicht beieinander verschiedene Ressourcen ausbeuten, gehört Kontakt und Austausch zwischen diesen Gruppen zum Alltag. Inwieweit diese interkulturellen Kontakte die Kulturentwicklung beeinflussten und möglicherweise sogar eine wichtigere Rolle spielten als die natürlichen Sachzwänge, ist eine weitere zentrale Frage in unserem Projekt, welches diese Räume zusammenführt, von der Küste zum Altiplano und darüber hinaus.
Einen wichtigen Beitrag werden auch weitergehende Untersuchungen zur Geomorphologie und Klimageschichte liefern, die vom Geographischen Institut der Universität Heidelberg durchgeführt werden. 

History of Research

Das Projekt Andentranssekt ist in seiner Konzeption bislang einzigartig. Mehrere Höhenstufen der westlichen Andenabdachung überspannende archäologische Prospektionen - allerdings ohne eine transdisziplinäre Ausrichtung - sind bislang nur ansatzweise und mit Schwerpunkt auf den frühesten Besiedlungsspuren in Zaña, in Nordperu, und in Moquegua, im äußersten Süden Perus, durchgeführt worden. Diese Forschungsarbeiten dienen für das Projekt Andentranssekt nicht nur methodisch als Vergleichsbeispiele sondern auch bezüglich unserer Fragestellung ergänzend, da sie in geomorphologisch und klimatisch von unserem Gebiet abweichenden Regionen angesiedelt sind.
Das Areal am Andenfuß ist seit 1997 Forschungsgegenstand des Archäologischen Projektes Nasca-Palpa. Während der nunmehr 10jährigen Laufzeit dieses Projektes wurden durch systematische Prospektion in den Tälern der Flüsse Grande, Palpa und Viscas insgesamt über 740 Fundstellen verschiedener Zeitstufen (von der Initialzeit bis in die Inka- und frühe Kolonialzeit) in einem Gebiet von etwa 300 km² lokalisiert. Zudem wurden Grabungen vor allem in mehreren Siedlungen aber auch in Gräberfeldern durchgeführt, um Fragen zur Chronologie, Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur in vorspanischer Zeit in der Gegend um den heutigen Ort Palpa zu klären. Damit einher ging auch eine Dokumentation und Interpretation der nasca-zeitlichen Geoglyphen von Palpa. Durch diese Arbeiten liegt also eine breite Basis an Daten vor, auf die für weitergehende Forschungen zurückgegriffen werden kann, wobei der Schwerpunkt der bisherigen Arbeiten auf den Kulturen der Frühen Zwischenzeit (Nasca) und der Formativzeit (Initialzeit, Paracas) lag. Die vorliegenden Daten zeigen für ein sehr kleinräumiges Gebiet die Ausformung stratifizierter sesshafter Gesellschaften, deren Erscheinen und Niedergang stark mit längerfristigen Klimaschwankungen verbunden ist. Es ist jedoch noch nicht geklärt, inwiefern sich dieses Gebiet auch in einen überregionalen Kontext einfügt.
Aus Hinweisen kolonialzeitlicher Quellen ist für das Andengebiet ein Vertikalitätsmodell entwickelt worden, welches ein Austauschsystem von Gütern verschiedener Höhenstufen beschreibt, als Subsistenzgrundlage einer Gemeinschaft. Durch die meist sehr punktuellen Forschungen vieler Projekte können zur zeitlichen Tiefe und Intensität dieser Austausch- und Handelsverbindungen noch keine gesicherten Angaben gemacht werden.
Die Region der Quellgebiete ist archäologisches Neuland. Lediglich Mitarbeiter des mit der Erforschung der Inkawege befassten peruanische Projektes "Capac Ñan" durchquerten im Jahre 2005 die Region, Ergebnisse sind jedoch bislang nicht publiziert.  

Current Work

Am Andenfuß wurden während der Feldkampagne 2006 zehn Fundorte der Späten Zwischenperiode detailliert beschrieben und kartiert. Der Schwerpunkt lag auf einer Siedlungskammer im Viscas-Tal, wo Keramik der beginnenden Späten Zwischenperiode gefunden worden war. An dieser Stelle könnte der Schlüssel liegen zur Frage, unter welchen Bedingungen eine erneute Aufsiedlung der Region nach der ausgedehnten Trockenphase des Mittleren Horizontes stattgefunden hat.
Gleichzeitig wurde im Hochland mit der Prospektion um die Quellgebiete der Flüsse Palpa und Viscas herum begonnen. Innerhalb von sechs Wochen konnten dabei schon 35 Fundorte dokumentiert werden, die in die Zeit vom frühen Formativum bis in die Zeit der spanischen Eroberung datieren.
Die Auswertung der im Gelände erfassten Daten erfolgt mit Hilfe eines Geographischen Informationssystems. Hierin sollen auch die bisher durch das Archäologische Projekt Nasca-Palpa gewonnenen Siedlungsdaten systematisch erfasst werden und eine Auswertung erfolgen hinsichtlich der möglichen Ressourcennutzung des Untersuchungsgebietes. 

Methods

Zur Schaffung der Datengrundlage für die Analyse der Siedlungsgeschichte fällt der systematischen Prospektion des Forschungsgebietes eine große Rolle zu. Hierbei werden im Hochland vorerst vor allem Daten zur zeitlichen Stellung der Fundorte gesammelt, sowie eine erste Klassifizierung der Fundorte hinsichtlich funktionaler Aspekte vorgenommen. Im Bereich des Andenfußes soll eine detaillierte Analyse ausgesuchter Fundorte unter siedlungsarchäologischen Aspekten Hinweise auf die Funktion einzelner Bereiche von Siedlungen geben, um Strategien der Landnutzung und anderer wirtschaftlicher Aktivitäten in der vorspanischen Zeit besser verstehen zu können und zu einem Modell der Siedlungsmuster zu gelangen. Hinzu kommen sollen gezielte Grabungen im Hochland und am Andenfuß, um die Belegungszeiträume und spezifische Fragen zur Funktion von Siedlungen zu klären.
Die Auswertung erfolgt unter Zuhilfenahme eines Geographischen Informationssystems (GIS). Die Lage der vorspanischen Siedlungen in der Landschaft sowie die Beziehungen der Siedlungen untereinander werden analysiert, um auf diese Weise theoretische Modelle von Siedlungsmustern und der Ressourcennutzung durch die präspanischen Siedler zu entwickeln.  

Results

    
  Abb. 3: Einzelgebäude einer Siedlung der frühen Späten Zwischenzeit.  
    
  Abb. 4: Beispiel für die agglutinierte Bauweise der späten Späten Zwischenzeit.  
    
  Abb. 5: In der Feldkampagne 2006 im Hochland prospektierte Fundorte.  
    
  Abb. 6: Antiker Fernweg nach Tambo am Río Palpa.  
    
  Abb. 7: Petroglyphen in Lettrayocc.  
    
  Abb. 8: Eine der ca. 150 Höhlen der Siedlung Bottigiriayocc.  
    
  Abb. 9: Kreisförmiges Totenhaus (Chullpa) in Kunti Pucará.  
    
  Abb. 10: Megalithisches Grab in Ocoro.  
    
  Abb. 11: Nasca-Keramik aus dem Fundort Pilucho 1.  
    
  Abb. 12: Trapezförmige Geoglyphe in Plazapampa.  
    
  Abb. 13: Antike Anbauterrassen am Berghang.  
    
  Abb. 14: Rundhaus der spätzwischenzeitlichen Siedlung St. María.  

Andenfuß

Während der Späten Zwischenperiode gab es eine auffallende Dynamik in der Bildung gesellschaftlicher Strukturen. Bisher identifizierte Siedlungen der frühen Phase der Späten Zwischenperiode liegen auf einem kleinen Plateau eines Andenausläufers oberhalb des Flusstales. Sie zeichnen sich durch eine lockere Bebauung aus, bestehend aus einigen wenigen, vor allem runden Gebäuden (Abb. 3). Allem Anschein nach handelt es sich dabei um den Wohn- und Arbeitsort einer einzelnen Familie. Eine extensive landwirtschaftliche Nutzung, wie sie in späterer Zeit durch großangelegte Terrassenkomplexe sichtbar sind, konnte nicht nachgewiesen werden. Möglich wäre die Nutzung der Hänge und Hochflächen während dieser Zeit als Weide für Kameliden.
Auffällig ist, dass in den ausgedehnten Siedlungen mit einer Größe bis zu 20 ha, die vor allem im Bereich des Grande-Flusses liegen, bisher noch keine Keramik der frühen Phase der Späten Zwischenperiode nachgewiesen werden konnte. Anscheinend wurden diese Siedlungen erst in der zweiten Hälfte dieser Zeitstufe (ab 1200 n. Chr.) gegründet. In ihnen herrschen rechteckige Räume vor und es ist eine interne Gliederung mit zusammengefassten Raumgruppen, Plätzen und Wegen erkennbar (Abb. 4). Nicht alle dieser Siedlungen haben einen eindeutigen Bezug zur Landwirtschaft, auffällige Speicherbauten fehlen. Besonders durch die stark in den Großsiedlungen konzentrierte Bevölkerung, die damit anscheinend keine optimale Ausnutzung der landwirtschaftlichen Ressourcen angestrebt hat, entsteht der Eindruck, dass zusätzlich die Nutzung anderer Ressourcen forciert wurde.


Hochland

1. Die Verteilung der Fundstätten im Raum und das Paläoklima
Trotz der hohen Fundortdichte sind die Fundorte nicht gleichmäßig über die Landkarte verteilt, sondern zeigen einen deutlichen Bezug zur Geomorphologie (Abb. 5). Bevorzugt wurden Bergketten entlang von Flüssen besiedelt - durch die Höhenlage geschützt und doch nahe am Wasser und den Hauptanbaugebieten in den fruchtbaren Schwemmebenen. Mit der Entfernung zum Fluss und der Höhe nimmt auch die Zahl der Fundorte deutlich ab.
Trotz der relativen Flussnähe liegen die meisten vorspanischen Siedlungen in heute vollkommen trockenen Regionen ohne eigene Quelle und vom Fluss in den meisten Fällen mindestens 30 Minuten Fußweg entfernt, die heute trockenen Hänge sind regelmäßig bis obenhin terrassiert. Daraus lässt sich auf ein ehemals feuchteres Klima schließen, in dessen Gefolge mehr fruchtbares Ackerbauland zur Verfügung stand, das mehr Menschen ernährte als dies heute der Fall ist.
Es konnte eine deutliche Verbindung zwischen der Zeitstellung der Fundorte und ihrer bevorzugten Lage festgestellt werden. So finden sich frühformative Siedlungen im Schulterbereich gestufter Kerbtäler, mittel- bis spätparacaszeitliche Fundorte auf langgestreckten und zum Teil steilen Kämmen und in der Späten Zwischenperiode beobachten wir eine Siedlungshierarchie, bei der privilegierte Siedlungen in die flussnahen Schwemmebenen gebaut werden, die anderen Fundorte dieser Zeit finden sich auf steilen, befestigten Bergkuppen. Die meist diachronen bzw. schwer datierbaren Hirtensiedlungen schließlich befinden sich auf planen Hochflächen.

2. Fernwege und die darauf bezogenen Fundorte
Wir konnten durch die Befragung einheimischer Informanten und das Studium von Satellitenbildern zwei bis in die heutige Zeit begangene Fernwege kartieren, welche die Forschungsregion mit dem Andenfuß und der Küste verbinden. Die Fernwege prägen den Charakter der Fundstätten in ihrer Nähe. So haben wir am Fernweg des Río Palpa, der über einen auf weite Strecken eben verlaufenden Grat führt (Abb. 6), drei Fundorte dokumentiert, die nur im Kontext des Weges verstanden werden können.
In die Felsen des vornehmlich formativzeitlichen Fundplatzes Lettrayocc (Abb. 7) wurden dieselben Motive geritzt wie wir sie - in deutlich größerer Zahl - am Petroglyphenplatz Chichictara finden, der denselben Fernweg am Andenfuß kennzeichnet. Hier wirken die Felsbilder wie Markierungen eines wichtigen Weges am Punkt des Aufstieges und am Übergang zum fruchtbaren Hochland und zu Rastplätzen für die Tiere.
Die Hirtensiedlung Bottigiriayocc (Abb. 8) ist wesentlich größer als die begrenzten Weidegründe in ihrer Umgebung erwarten lassen. Hier ist denkbar, dass die das Bedürfnis der Reisenden von der Küstenwüste nach einem Rastplatz für die Tragtiere oder nach frischen Tieren die Siedlung prosperieren ließ.
Der große spätzwischenzeitliche Fundort Huacramarca 2 mit weitem Blick auf den Weg bis hinunter ins Tal erstaunt durch das weitgehende Fehlen von Anbauterrassen bei gleichzeitiger sozialer Ausdifferenzierung der stark befestigten Siedlung. Hier liegt der Schluss nahe, dass Größe und Status der Siedlung mit der Kontrolle über den Fernverkehr zusammenhängt.

3. Rundhaus und Totenhaus: zwei Beispiele für den Hochlandeinfluss
Das Quellgebiet liegt als Durchgangs- und Rastplatz genau zwischen der Küstenregion und dem Altiplano-Hochland und folglich ist die Region sowohl von der Küste als auch vom Hochland geprägt. Zu den grundlegenden Formen des Hochlandes gehören das Rundhaus und das Totenhaus (chullpa). Der runde Hausgrundriss erscheint im Quellgebiet regelhaft durch alle Epochen hindurch, eckige Konstruktionen sind Spezialbauten in der Späten Zwischenzeit vorbehalten. Demgegenüber kennen wir vom Andenfuß praktisch nur eckige Bauten. Ebenso werden die Toten in fast allen Zeitabschnitten überirdisch bestattet, in kollektiven Totenhäusern, die den Häusern der Lebenden nachempfunden sind, jedoch anders als diese vollständig aus Stein bestehen (Abb. 9). An der Küste und am Andenfuß hingegen kennen wir die Chullpa nicht, hier werden die Toten in fast allen Zeitabschnitten unter der Erde beigesetzt.

4. Formativum: Megalithische Tradition
Die vermutlich frühesten Fundorte der ersten Feldkampagne sind gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Megalithik: Siedlungsbereiche sind markiert durch die kreisförmige Setzung großer Felsblöcke. Die dazugehörigen oberirdischen Grabkammern sind aus Felsblöcken errichtet (Abb. 10), die in ihrer Dimension an die Großsteingräber der europäischen Megalithkultur erinnern. Schalensteine gehören zu den regelhaften Begleitern dieser Fundplätze, insbesondere der Grabanlagen. Die Fundorte wirken planvoll errichtet: stets wird als Siedlungsplatz der ebene Schulterbereich eines Bergmassivs über dem Fluss ausgesucht. Während die Siedlung den ebenen Bereich zwischen dem ansteigenden, für den Anbau terrassierten Hang und dem zum Fluss hin steil abfallenden Hang einnehmen, werden die Gräber perlschnurartig an der Kante zum Abhang platziert.

5. Formativum: "Blumenstrukturen"
Etwas später, in die mittlere bis späte Paracas-Zeit datieren eine Reihe von Fundorten, die bevorzugt auf Bergkämmen errichtet wurden und gegliedert sind in einen Siedlungs- und mutmaßliche Zeremonialbereich, die deutlich voneinander räumlich getrennt sind. Wegen ihres blütenartigen Grundrisses bezeichnen wir die Zeremonialanlagen als "Blumenstrukturen": ein vertiefter runder Platz ist von bis zu 16 D-förmigen, kleineren Strukturen umbaut. Auffällig ist die planvolle Architektur und die sorgfältige Ausführung z.T. als Zweischalenmauerwerk aus behauenen Blöcken. Die Gräber dieser bislang in den Anden beispiellosen Fundplätze kennen wir bislang nicht.

6. Frühe Zwischenzeit: Bezug zur Küste und zur Nazca-Kultur
In der Frühen Zwischenzeit konstatierten wir den intensivsten Bezug des Quellgebietes zu den Kulturen des Andenfußes. Das betrifft nicht nur die Nazca-Keramik (v.a. mittleres Nazca, Abb. 11), die mit dem Material der Küste identisch ist, sondern auch die Beisetzung der Toten in unterirdischen Gräbern. Selbst die Tradition große, trapezförmige Freiflächen zu errichten (Geoglyphen), fanden wir im Hochland wieder: zwei solcher Geoglyphen befinden sich im Bereich des Nazca-Fundortes Plazapampa bei Laramate (Abb. 12).
Lediglich die runden Hausgrundrisse der Nazca-Siedlungen spiegeln eine Hochlandprägung.

7. Berggipfel und Flussufer: Soziale Ungleichheit in der Späten Zwischenzeit
Die Späte Zwischenzeit im Quellgebiet ist gekennzeichnet durch besonders dicht besiedelte Großsiedlungen (bis zu 150 Wohneinheiten) und durch soziale Differenzierung innerhalb und zwischen den Siedlungen. Auf den Bergkuppen, auf denen sich auf schmalen Terrassen kleine Rundhäuser drängen, lebte vermutlich der Teil der Bevölkerung, der die unzähligen Anbauterrassen, die sich die Bergflanken hinaufziehen (Abb. 13), bewirtschaftete. Die flussnahen Siedlungen hingegen wurden wahrscheinlich von den privilegierteren Bevölkerungsschichten bevorzugt: große, aufwändig gebaute Rundhäuser mit Höfen sind locker über die ebene Siedlungsfläche angeordnet (Abb. 14). Große Rechteckbauten mit hohen Mauern am Rand der Anbauflächen könnten als Speicher für die Ernte gedient haben. Kleineren Strukturen und einfachen Grabbauten finden sich hier randständig auf unebenem Gelände.

 

Cooperation

Johny Isla Cuadrado, Instituto Andino de Estudios Arqueológicos (INDEA), Lima
Prof. Dr. Bernhard Eitel, Geographisches Institut der Universität Heidelberg
Prof. Dr. Bernd Herrmann, Institut für Historische Anthropologie der Universität Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen 

Contact

Dr. phil. Markus Reindel

Amerika
Telefon: +49-(0)1888-7712-21
Telefax: +49-(0)1888-7712- 49
Email: reindel@kaak.dainst.de

Sponsors

Die Forschungen werden aus Zusatzmitteln des Deutschen Archäologischen Instituts finanziert.  

Bibliography

Für Literatur zum Bereich Flusstäler rund um Palpa siehe Nasca-Palpa-Projekt.  

 


 
 

updated: 03/20/08

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