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Pergamon Rote Halle (türkçe)
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Pergamon Rote Halle
Restaurierung eines römischen Großmonuments als Langfristaufgabe
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1 Ansicht der Roten Halle vom Burgberg
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2 Lageplan mit Restaurierungsbereich (rot)
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Die Rote Halle ist einer der promintesten Baukomplexe des antiken Pergamon und darf in ihrer gewaltigen Ausdehnung, die noch heute das Stadtbild von Bergama bestimmt, zu den größten römischen Bauanlagen in Kleinasien gerechnet werden (1). Die Forschungsgeschichte reicht bis ins frühe 20. Jh. zurück, als die deutsche Pergamongrabung bereits prachtvolle Architekturzeichnungen der Ruinen erstellen ließ. Schon bald setzten auch erste Erhaltungsbemühungen ein. Angesichts der Größe dieser Aufgabe befinden sich aber bis heute weite Teile der Roten Halle in gefährdetem Zustand. Besonders gilt dies für den südöstlichen Bereich mit einem steinernen Rundturm, der dem namensgebenden, großen Ziegelbau südlich vorgelagert ist (2). In die originale römische Kuppel dringt ungehindert Regenwasser ein und im Inneren sind tonnenschwere Fundstücke auf einem empfindlichen Gewölbe gelagert, das bereits an mehreren Stellen eingebrochen ist. Hier setzt ein neues Restaurierungsprojekt der Pergamongrabung an, das von der Studiosus-Foundation großzügig unterstützt wird.
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4 Ziegelergänzungen (1940er Jahre)
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3 Längsschnitt (P. Schazmann 1908)
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Erforschung und Restaurierung der Roten Halle
Standen zunächst die hellenistischen Bauanlagen des Burgbergs von Pergamon im Vordergrund des Forschungsinteresses, so wurde die deutsche Pergemongrabung dennoch früh auf den römischen Großbau aufmerksam. Vor genau 100 Jahren, 1906-1909, entstanden die oben genannten Baudokumentationen von P. Schazmann als detailreiche und aufwendig aquarellierte Planzeichnungen (3). Archäologische Grabungen schlossen sich in den Dreißiger Jahren unter O. Ziegenaus an und auf diese folgten auch erste Restaurierungsbemühungen, die vom Museum Bergama unter dem damaligen Direktor O. Bayatlı ausgingen. Sie galten dem großen Kernbau aus massivem Ziegelmauerwerk, dessen untere Bereiche großflächig ausgeraubt worden waren. Die Fehlstellen wurden mit eigens hergestellten Ziegeln des originalen Formats auf überzeugende Weise geschlossen (4). Weitere Restaurierungsbemühungen galten in den 50er und 60er Jahren den östlich angrenzenden Bereichen des Kernbaus und der östlichen Temenoswand. Auf Grundlage der Bauaufnahmen, die bei den Grabungen von Ziegenaus entstanden waren, und photogrammetrischer Aufnahmen von M. Stephani und K. Nohlen aus den 70er Jahren wurden die Untersuchungen an der Roten Halle 2002 unter der Leitung von A. Hoffmann von U. Mania und C. Brückener wieder aufgenommen. Dieses Forschungsprojekt der Abteilung Istanbul führte zu einem einheitlichen, detailgerechten und verformungsgetreuen Dokumentationsstand der gesamten Anlage und damit zu einer wesentlichen Grundlage der Deutung seiner letztlich noch immer ungeklärten Funktion. Im Zuge dieses Forschungsprojekts wurde 2006 mit der Restaurierung eines besonders gefährdeten Teilabschnitts begonnen.
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5 Längsschnitt südl. Rundturm (Restaurierungsplan 2006)
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Das Restaurierungskonzept für den geplanten Teilabschnitt
Das von M. Bachmann und T. Bunk entwickelte Restaurierungskonzept für den südöstlichen Bereich der Roten Halle sieht vor, im Anschluß an den Rundturm ein neues Depot zu errichten, die Fundstücke hierher auszulagern, die Kuppel und das Innere des Turms zu restaurieren und anschließend diesen einrucksvollen Raum in musealer Weise den Besuchern zu öffnen (5). Diese Maßnahmen im Bereich des Rundbaus sind auf die vorgefundene Situation abgestimmt und in einen zweistufigen Aktionsplan gegliedert, der für die Jahre 2006 und 2007 konzipiert ist. Der Rundturm soll dabei einer umfassenden Restaurierung unterzogen werden, die seine wertvolle Bausubstanz langfristig sichert. Um die prekäre Lagesituation der Fundstücke im Rundturm zu verbessern, wurde es dringend erforderlich, das neue Depotgebäude zu errichten. Nach Abschluß der Arbeiten sollen nur noch wenige, ausgewählte Stücke als Exponate im Rundbau präsentiert werden, um die beeindruckende Wirkung des wiederhergestellten, antiken Raums mit seiner originalen Kuppel nicht zu beeinträchtigen.
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6 Die Ostfassade des neuen Depotgebäudes
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7Kastenfensterkonstruktion aus Stahl in der Fabrikwand
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8 Das Innere des Rundraums vor Verlagerung der Funde
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9 Ansicht der eingeräumten Regale zum Rundturm
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10 Das Innere des ausgeräumten Rundturms
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11 Das Innere des Rundturms mit der Stahlwanne
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12 Das Innere des Rundturms mit dem fertigen Boden
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13 Detail der Eisentür aus dem 19. Jh.
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14 Auflager des neuzeitlichen und des antiken Bogens rechts daneben
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15 Restaurierungsziegel aus Mersifon
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16 Der fertig eingewölbte Bogen
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Bericht zur Restaurierungskampagne 2007 in der Roten Halle
Nachdem in der Kampagne 2006 die Errichtung des neuen Depotgebäudes südlich des Rundturms im Vordergrund stand, konzentrierten sich die Arbeiten 2007 ganz auf den Innenraum des Turms und seine Westfassade.
Zunächst wurden am Depotgebäude noch letzte Vorbereitungen getroffen, um die Fundstücke aus dem Rundturm einlagern zu können. Insbesondere mußten die Lamellenelemente an der Ostfassade montiert werden, wo im Vorjahr nur ein provisorischer Raumabschluß angebracht worden war (6). Die Licht- und Belüftungsverhältnisse des Depotinnenraums entsprechen nun den günstigen Bedingungen, die im Schutzgebäude über den römischen Mosaiken von Bau Z mit der entsprechenden Konstruktion erzielt werden konnten. An der Westwand des neuen Depots, einer ehemaligen Fabrikwand aus dem 19. Jh., mußten ebenfalls die provisorisch verschlossenen Fenster durch eine dauerhafte Stahlkonstruktion ersetzt werden (7).
Nun konnte endlich an die Verbesserung der Lagerbedingungen für die archäologischen Objekte im südlichen Rundturm gegangen werden, die eines der Hauptanliegen dieses Restaurierungsprojekts darstellt. Die angetroffene, prekäre Situation sei hier noch einmal aus der Vogelperspektive wiedergegeben (8). Nach Abbruch der Vermauerung, mit der eine antike Türöffnung zwischen Rundbau und Depot rezent geschlossen worden war, konnte mit der Umlagerung der Funde begonnen werden. Viele der schweren Marmorfragmente mußten über Rampenkonstruktionen bewegt werden, um den empfindlichen antiken Gewölbeboden des Rundraums nicht zu belasten. Die Umlagerung in die großzügig bemessenen Schwerlastregale bot erstmals die Möglichkeit, eine Lagersystematik entsprechend der ganz unterschiedlichen Provenienz der Fundstücke zu gestalten. In den dem Rundturm zugewandten Regalen wurden Skulpturenfragmente und Architekturteile aus der Roten Halle eingelagert, um sie den Besuchern des Rundturms zeigen zu können (9).
Nach vollständiger Ausräumung wurde das Innere des Turms einer gründlichen Reinigung unterzogen, bei der die originale Oberfläche des Gewölbes in den erhaltenen Abschnitten sorgfältig dokumentiert werden konnte (10). Anschließend wurde mit der Montage der Stahlkonstruktion begonnen, die eine über dem antiken Boden schwebende, dünne Betonplatte als belastbare, neue Ebene tragen sollte. Der Beton wurde in eine geschlossene Stahlwanne mit eingeschweißter Bewehrung vergossen, um eine hohe Tragfähigkeit zu erzielen (11). Um den neuen Boden möglichst homogen zu gestalten, wurde die Betonoberfläche mit dem Flügelglätter geschliffen (12). Schließlich wurde die Eisentür aus dem 19. Jh., die den nördlichen Zugang zum Raum bildet und den Besuchern als Zugang dienen soll, aufwendig restauriert (13).
Nach Fertigstellung des Bodens konnte auf der Innenseite der Westfassade ein 10m hohes Schwerlastgerüst aufgebaut werden, nachdem das Äußere bereits zuvor eingerüstet worden war. Von zwei Seiten konnte nun an den Abbruch des baufälligen Bogens aus dem späten 19. Jh. gegangen werden, der als Provisorium den bis auf die Anfänger verlorenen, antiken Entlastungsbogen ersetzt hatte (14). Für diese Maßnahme, die eine Wiederherstellung des antiken Bogens in den originalen, bipedalen Formaten zum Ziel hatte, waren eigens in Mersifon entsprechende Ziegelplatten gefertigt worden (15).
Vor der Neueinwölbung mußte ein Lehrgerüst geschaffen werden, für das bereits die Stahlkonstruktion des Lamellenelements, das künftig die Öffnung schließen soll, herangezogen werden konnte. Der neue Bogen entspricht in Form und Ausführung wieder dem antiken Vorbild (16).
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Geplante Arbeiten 2008
Im Zentrum der Kampagne 2008 wird die Kuppel des Rundturms stehen. Der Kuppelfuß wird außen vollständig eingerüstet, um die baufällige Mauerkrone und den Kuppelansatz zu sichern und zu sanieren. Gleichzeitig soll die Oberfläche der Kuppel für eine Abdeckung mit Blei vorbereitet werden. Diese Bleideckung soll dann von einem spezialisierten Handwerker aus Istanbul aufgebracht werden. Auch das Innere des Turms wird eingerüstet, um schadhafte Bereiche der Opaion-Fassung zu restaurieren. Schließlich soll die museale Ausstattung des Innenraums ergänzt werden.
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Kooperationen
Deutsches Archäologisches Institut (Leitung und Durchführung)
Institut für Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege der TU München (Baudokumentation)
Josef Steiner - Ingenieurgruppe Bauen, Karlsruhe (Tragwerksplanung) Adnan Elidenk, Bergama (Stahlbauarbeiten)
Christof Kronewirth, Berlin (Steinmetzarbeiten)
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Ansprechpartner
Dr.-Ing. Martin Bachmann
Bauforschung
Telefon: + 90-(0)212-393 76 11
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: bachmann@istanbul.dainst.org
PD Dr. Felix Pirson
Klassische Archäologie
Telefon: + 90-(0)212-393 76 10
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: pirson@istanbul.dainst.org
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Förderung
Studiosus Foundation e.V.
Kulturstiftung der deutsch-türkischen Wirtschaft / Türk Alman İşadamları Kültür Vakfı

Die von der Studiosus-Foundation geförderten Restaurierungsmaßnahmen sind Teil der Ernst-Reuter-Initiative
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Literatur
W. Radt, Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole (Darmstadt 1999), 200-209.
A. Hoffmann (Hrsg.), Ägyptische Kulte und ihre Heiligtümer im Osten des Römischen Reiches, Internationales Kolloquium 5./6. September 2003 in Bergama (Türkei), Byzas 1 (Istanbul 2005).
R. Salditt-Trappmann, Tempel der ägyptischen Götter in Griechenland und an der Westküste Kleinasiens (Leiden 1970).
M. Stephani, Die photogrammetrische Vermessung der Roten Halle von Pergamon, in: Veröffentlichungen der Deutschen Geodätischen Kommission, Reihe B, Heft 216, 127ff. (München) 1976.
O. Deubner, IstMitt 27/28, 1977/78, 227ff.
O. Deubner, IstMitt 43, 1984, 345ff.
O. Deubner, IstMitt 45, 1995, 175ff.
K. Nohlen, The 'Red Hall' in Pergamon, in: H. Koester (Hrsg.), Pergamon. Citadel of the Gods. Archaeological Record, Literary Description and Religious Development, Harvard theological Studies 46 (1998), 77-110.
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