Start   DAI   Forschung   Recherche   Kontakt   Infos   Aktuell   Jahresbericht 
English   

Pharan ﻋﺮﺒﻲ

Frühchristliche Bischofsstadt, befestigte Stadtanlage mit mehreren frühchristlichen Kirchenanlagen

Lage

    
  Stadtanlage von Pharan  

Pharan (mod. Firan) liegt auf dem Südsinai, ca. 40 km von der Küste und ca. 50 km von al-Tur, dem antiken Raithou, entfernt.

Abteilungen:
Abteilung Kairo

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

Google Maps

 

 

druckerfreundliche Version
 

Geschichte

Nach antiker Tradition fand bei Pharan, das man mit dem biblischen Rephidim identifizierte, die in Exodos 17, 10-15 erwähnte Schlacht zwischen dem israelischen Volk und den den Durchzug sperrenden Amalekitern statt. Nach Münzfunden lässt sich die Besiedlung bis in das 1. Jahrhundert v.Chr. zurückverfolgen. Sie verlief damit parallel zu der nabatäischen Einwanderung in Palästina, womit die Pharaniten als ein Bruderstamm der Nabatäer angesehen werden dürfen. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurde die Bevölkerung der Stadt christianisiert, am Ende desselben Jahrhunderts erklärte man die Stadt zum Bischofssitz. Im Zuge der arabischen Eroberung gaben die Bewohner Pharan auf und wurden vermutlich Nomaden. 

Ziele

Klärung der Stadtanlage und ihrer Kirchenbauten unter Einschluss der Nekropolen. 

Forschungsgeschichte

    
  Kirche der Heiligen Kosmas und Damian (Stadtkirche)  

Der Ort mit seinen Kirchen ist nie aus dem Gedächtnis der sinaitischen Bevölkerung verloren gegangen. Die ersten schriftlichen Berichte erbrachten europäische Reisende. Photos und Pläne publizierten die Offiziere des britischen Ordnance Surveys (1869), die auch an einigen Stellen in der Bischofskirche gegraben haben. Systematische Grabungen werden seit 1984 vom DAI Kairo in Zusammenarbeit mit dem Katherinenkloster am Mosesberg durchgeführt. 

Bisherige Arbeiten

    
  Blick von der sogenannten Akropolis auf Häuser und Stadtkirche  

Seit 1984 findet regelmäßig eine etwa vierwöchige Grabungskampagne statt mit baugeschichtlicher Klärung der Kirchenanlagen und ihrer Nebengebäude sowie einiger ausgewählter Wohnhäuser in der Stadt. Erstellung eines Gesamtplanes der Stadtanlage. Nebenher lief eine systematische Aufnahme der zahlreichen nabatäischen Inschriften aus der Umgebung durch A. Reichert (Tübingen). 

Aktuelle Arbeiten

Fortsetzung der baugeschichtlichen Untersuchung der verschiedenen Wohnhäuser sowie einer nabatäischen Tempelanlage auf der sog. Akropolis, Erstellung von Korpora der Münzfunde, Inschriften und Keramik. 

Methoden

Stratigraphische Freilegung und steingerechte zeichnerische Aufnahme aller angetroffenen Gebäudereste. Die Aufnahme der Stadtanlage wurde mit Hilfe mehrerer durch einen Polygonzug koordinatenmäßig bestimmter Fixpunkte durchgeführt, die als Ausgangspunkte für die Detailaufnahme dienten. Die Aufnahme der Akropolis erfolgte mittels photogrammetrischer Methoden. Die nabatäischen Inschriften wurden photographiert und ihre Lage kartiert. 

Ergebnisse

    
  Westpartie der Bischofskirche  

Pharan ist die einzige städtische organisierte Siedlung im Südsinai und wurde zugleich von einer Arabisch sprechenden Bevölkerung bewohnt. Sie bildet damit eine interessante Parallele zu den ebenfalls arabischstämmigen nabatäischen Siedlungen im Negev. Die Bischofskirche am Nordhang der Akropolis erwies sich als ein dem Typus einer kreuzförmigen Kirche nahestehender Bau. Die den Ärzteheiligen Kosmas und Damian geweihte Stadtkirche scheint zugleich als ein Heilungszentrum gedient zu haben. Die kleine, den letzten Jahrzehnten des 4. Jhs. entstammende Kirche hingegen, die auf dem Gipfel des der Stadt gegenüber gelegenen Gabal Tahuna (Mühlenberg)liegt, ist mit einem einzigen inneren Stützenpaar zugleich das älteste Beispiel einer sonst fast nur aus Syrien bekannten Langhauskuppelkirche. 

Kooperationen

mit dem griechisch-orthodoxen Katherinenkloster im Sinai. 

externe Ansprechpartner

Dr. Peter Grossmann, c/o Deutsches Archäologisches Institut (DAI) in Kairo
sonst privat: Valtinon 50, GR-11474 Athen, Tel. 00301-6429924

Literatur

C.W. Wilson-H.S. Palmer, Ordnance survey of the peninsula of Sinai (Southampton 1869) I-III passim;
M.-J. Lagrange, Chronique. De Suez à Jérusalem par le Sinaï. I : De Suez au Sinaï, Rev.Bibl. 5 (1896) 618-643;
R. Weill, La presqu'île du Sinai, étude de géographie et d'histoire (Paris 1908) 205-234;
L. Prévost, Le Sinai hier ... aujourd'hui (Paris 1937) 246-253;
I. Hershkovitz, The Tell Mahrad population in Southern Sinai in the Byzantine Era, IEJ 38, 1988, 47-58;
R. Solzbacher, Mönche, Pilger und Sarazenen (Altenberge 1989) 411-420;
P. Grossmann, Die antike Stadt Pharan. Ein archäologischer Führer (Cairo 1998);
Diverse Grabungsvorberichte in: Göttinger Miszellen (GM) und Byzantinische Zeitschrift (ByzZ)  

 


 
 

Aktualisiert: 16.07.2008

Copyright 2002-2008 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum & Disclaimer  Sitemap