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Ergänzungshefte zum Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 33

Marion Meyer, Die Personifikation der Stadt Antiocheia. Ein neues Bild für eine neue Gottheit (Berlin 2006)

Die Monographie behandelt eine griechische Bilderfindung in einer griechisch-makedonischen Stadt in einem nichtgriechischen Umfeld. Die im Jahre 300 v.Chr. von König Seleukos I. gegründete Stadt Antiocheia (heute: Antakya) wurde unter seinem Sohn Antiochos I. die Hauptstadt des Seleukidenreiches. Im frühen 3. Jh. v.Chr. wurde in Antiocheia eine Statue öffentlich aufgestellt, die diese Stadt mit einer Mischung aus Abstraktion und Anschaulichkeit verkörperte: Dargestellt war eine Frau, die durch eine Mauerkrone auf dem Kopf als Personifikation der Stadt gekennzeichnet war (Antiocheia). Sie saß auf einem Felsblock (dem Stadtberg Silpios) und hinderte durch ihren ausgestreckten rechten Fuß die an dem Felsen vorbeischwimmende und nur mit dem Oberkörper aus dem Wasser auftauchende männliche Figur (den Fluß Orontes), sich höher zu erheben.

    Die Statue ist nicht erhalten. Zahlreiche kleinformatige rundplastische Nachbildungen (in Stein, Bronze, Silber und sogar Glas) sowie Abbildungen (vor allem auf Münzen und Gemmen), die vom 1. Jh. v.Chr. bis zum 6. Jh. n.Chr. angefertigt wurden, geben eine Vorstellung vom Aussehen des verlorenen Werkes. Ferner zeugen sie von der immer wieder aktualisierten Relevanz der Statue selbst (als Kultbild, als Identifikationsfigur für die Antiochener, als Bild für eine Stadt am Fluß, als Werk eines bekannten Künstlers) sowie vom Erfolg der Bilderfindung, die auch in anderen Städten rezipiert und adaptiert wurde. Aufgrund kaiserzeitlicher Quellen gilt das Werk als die früheste Darstellung einer Stadttyche (»Tyche von Antiocheia«). Die ikonographische Analyse zeigt indes, dass es sich um die Personifikation der Stadt handelt. Die Konzeption einer Stadttyche ist für die Entstehungszeit der Statue noch nicht nachweisen; sie läßt sich erst für das 2. Jh. v.Chr. wahrscheinlich machen. In der Kaiserzeit wurde die Statue mit der Gründung der Stadt in Verbindung gebracht und nicht nur für die Darstellung von Stadtpersonifikationen, sondern auch für die der mittlerweile verbreiteten Stadttychen (das Glück der Stadt sichernden Mächten) verwendet.
      Die Monographie behandelt die Thematik von Überlieferung, Rezeption und Interpretation in drei Teilen: In Teil I der Monographie wird das für die frühhellenistische Bilderfindung relevante archäologische und literarische Quellenmaterial untersucht und eine Interpretation der Statue in ihrem Aufstellungskontext erarbeitet. Teil II befaßt sich mit der Verwendung des Typus von späthellenistischer bis spätantiker Zeit. In Teil III geht es um die Genese von Konzeption und Ikonographie der Stadttyche in hellenistischer Zeit.


      English abstract

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      Tyche von Antiocheia, Vatikanische Museen Tyche von Antiocheia in Malibu, The J. Paul Getty Museum


      Weitere Bände der Reihe/Zeitschrift:
      JdI Ergh. 32
      JdI Ergh. 31

       

       
       

      Aktualisiert: 04.07.2007

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