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Iran: Darre-ye Bolaghi
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Darre-ye Bolaghi: Erforschung einer Siedlungskammer der Bakunzeit (5.- frühes 4. Jt. v. Chr.) im Rahmen von Rettungsgrabungen im Sivand-Stauseegebiet
Siedlungsverhalten und Lebensweise im 5. Jt. v. Chr. in einer kleinen Siedlungskammer in Südiran
Lage
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Darre-ye Bolāghi, Blick über das Tal. (© B. Song)
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Blick vom Staudamm auf Fundplatz 131. (© B. Song)
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Das Staubecken des Sivand-Staudamms in der Provinz Fars wird einen Abschnitt des Polvar-Flusses überfluten. Der Polvar fließt von der Morghab-Ebene, wo die alte achaemenidische Hauptstadt Pasargadae liegt, nach Süden und vereint sich in der Nähe von Persepolis mit dem Kor-Fluss. Der neue Staudamm liegt 25 km unterhalb von Pasargadae, die Ufer des Stausees werden etwa 8 km unterhalb von Pasargadae verlaufen.
Darre-ye Bolaghi ist ein kleines geschütztes Seitental auf der rechten Seite des Polvarflusses. Es ist von Süden nur durch die Engstelle der Bolaghi-Schlucht, wo nun der Staudamm entstanden ist, und von Norden durch eine weitere Engstelle, die Schlucht des Bogenschützen (Tang-e Tir Andaz), zugänglich. Das Tal liegt 1800 m hoch und hat deshalb ein recht kühles Klima. deshalb wird es noch heute von den Nomaden des Basseri-Stamms als Zwischenlager auf ihrem Weg zwischen den Sommerweiden im Hochland und den Wintercamps in der Ebene von Firuzabad genutzt. Drei der vier untersuchten bakunzeitlichen Fundplätze liegen auf Schotterflächen am Rand des Tals, der vierte Platz liegt zentral in der Mitte der Ebene am Ufer des Polvarflusses.
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Ziele
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Töpferöfen, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.).
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Die Arbeiten in Darre-ye Bolaghi im Rahmen der Rettungsgrabungen im Sivand-Stauseegebiet sollten Aufschluss über die prähistorische Nutzung dieser geschützten Siedlungskammer geben. Mit insgesamt sechs Fundplätzen, von denen vier untersucht werden konnten, war diese Region in der Bakun-Zeit (5. Jt. v. Chr.) stark genutzt. Die Lebens- und Wirtschaftsweise der bakunzeitlichen Bevölkerung ist jedoch weitgehend unbekannt. Es gibt Hypothesen, die den Beginn der noch heute üblichen nomadischen Lebensweise im 5. Jt. v. Chr. annehmen. Vorrangiges Ziel der Unternehmung war deshalb eine Überprüfung dieser Hypothesen, um so zu einem besseren Verständnis der Lebens- und Wirtschaftsweise der bakunzeitlichen Bevölkerung zu gelangen. Darüber hinaus sollten die Arbeiten in Darre-ye Bolaghi insgesamt zu einem besseren Verständnis der kulturhistorischen Bedeutung der Bakunzeit beitragen.
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Forschungsgeschichte
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Töpferofen, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.).
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 131. Töpferofen, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.).
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Seit den Tagen der frühen Reisenden lag das Tal Darre-ye Bolaghi im Interesse historischer und archäologischer Forschungen. Zu Beginn des 20. Jhs. beschrieb Ernst Herzfeld das Tal und die Passagen durch die engen Schluchten. In den frühen 1930er Jahren folgte ihm Sir Aurel Stein, der auch archäologische Fundplätze beschrieb und Oberflächenfunde sammelte. Die britische Expedition in Pasargadae fertigte in den 1960er Jahren Karten des Bolaghi-Tals an. Wolfram Kleiss beschrieb schließlich die Überreste eines alten Dammes, den er für achämenidisch hielt. Nach Bekanntgabe des modernen Staudamm-Projekts führte schließlich das Zentrum für archäologische Forschungen der Iranischen Behörde für Kulturerbe und Tourismus eine Geländebegehung durch, bei der 129 Fundplätze registriert wurden.
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Bisherige Arbeiten
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 131: Grab mit mehreren Bestattungen, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.). |
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 131: Keramik aus dem Grab mit Mehrfachbestattung, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.). |
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2005 wurde eine Grabungskampagne in den beiden während des Surveys entdeckten Fundplätzen 91 und 119 durchgeführt. In einer Doppelkampagne 2006 wurden zunächst geomagnetische Messungen durchgeführt, und die Grabungen auf Fundplatz 91 abgeschlossen. Durch Luftbildauswertung und einen geomorphologischen Survey wurden weitere bakunzeitliche Fundplätze entdeckt, die ebenfalls durch Geomagnetik und anschließende Grabungen untersucht wurden. Die Feldarbeiten sind damit abgeschlossen.
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Aktuelle Arbeiten
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Bestattung, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.). |
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Die Rettungsgrabungen sind abgeschlossen und die Flutung des Stausees hat begonnen. Die Ergebnisse der Grabungen werden derzeit ausgewertet.
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Ergebnisse
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Keramik, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.). |
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Achaemenidisches Gebäude. |
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Achaemenidische Keramik. |
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 73: Geschossspitzen, achaemenidisch. |
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Die Kombination von Luftbildauswertung, geomorphologischen Untersuchungen und archäologischen Begehungen hat zur Entdeckung von insgesamt 6 Fundplätzen der Bakunzeit innerhalb der kleinen Kammer des Bolaghi-Tals geführt. Ein weiteres Ergebnis dieser Methoden ist die Entdeckung weiterer archäologischer Fundplätze des Neolithikums und der Bronzezeit, jeweils Perioden, die im herkömmlichen survey nicht entdeckt worden waren, da diese Fundstellen unter starken Erosionsschichten begraben liegen. Besonders wichtig war die Entdeckung der bakunzeitlichen Fundstelle 131 an zentraler Position am Flussufer. Dieser Fundplatz war ehemals ein Siedlungshügel, über den auch Aurel Stein berichtet hatte, der jedoch vor einigen Jahrzehnten eingeebnet worden war.
Es wurden insgesamt vier Fundplätze (73, 91, 119, 131) untersucht. Diese gehören der mittleren bis späten Bakunzeit an. Alle Plätze waren in historischer Zeit ebenfalls besiedelt, so dass die prähistorischen Schichten teilweise überlagert oder gestört sind.
Auf Fundplatz 119 wurde eine spätbakunzeitliche Besiedlung, überlagert von post-achaemenidischen Gebäuden, festgestellt. Aufgrund der starken Hangneigung waren die Schichten stark erodiert, und es konnten keine bakunzeitlichen Befunde festgestellt werden. Die Grabungen in 119 wurden nach Beendigung von drei Sondagen eingestellt.
Fundplatz 91 war von einer post-achaemenidischen (3. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr.) und einer safavidischen Bauschicht (17. Jh. n. Ch.) überlagert. Darunter waren Schichten der mittleren Bakunzeit, vor allem drei Töpferöfen erhalten. Zugehörige Architektur konnte nicht festgestellt werden, vermutlich aufgrund der jüngeren Störungen.
Auf Fundplatz 73 standen während der Bakunzeit zahlreiche Töpferöfen. Diese waren in ältere, ebenfalls noch bakunzeitliche Bauschichten eingetieft, die ihrerseits wieder eine neolithische Schicht mit Keramik der Jari-Tradition überlagern. Die Grabungen konzentrierten sich auf die Freilegung von insgesamt fünf Töpferöfen, die umliegenden Bauschichten wurden nur in einem kleinen Ausschnitt erfasst. Dabei wurde auch eine bakunzeitliche Bestattung freigelegt.
Der neu entdeckte Fundplatz 131 stellt die Überreste eines bakunzeitlichen Siedlungshügels dar. Nachdem Bohrungen 3 m erhaltene Kulturschicht dokumentiert, magnetische Prospektionen hier keine klaren Strukturen gezeigt hatten, wurden hier insgesamt 8 Grabungsschnitte geöffnet. Diese ergaben Siedlungsmaterial und Gruben mit organischen Resten, jedoch keine deutlichen Baustrukturen. Außerdem wurde ein weiterer Töpferofen erfasst. Zu den größten Überraschungen gehörten mehrere bakunzeitliche Bestattungen, eine Einzel-, eine Doppel-, und eine Mehrfachbestattung mit mindestens fünf Individuen, denen zudem ein ganzes Geschirr-Set beigegeben war.
Für die Bakunzeit lässt sich so nun eine Kleinregion mit mehreren Siedlungen rekonstruieren. In drei der vier Fundplätze ist die Produktion von Keramik durch die zahlreichen Töpferöfen nachgewiesen. Von den insgesamt neun Öfen ist einer aus Fundplatz 91 einkammerig, während alle übrigen einem schlüssellochförmigen Grundtyp angehören. Die Rekonstruktion dieser Öfen als teilweise in den Untergrund eingetiefte runde Gruben mit verputzter Wandung, einem nach unten führenden Feuerungskanal und einer Zungenmauer im Innern der Brennkammer ist aufgrund der unterschiedlichen Erhaltungszustände der einzelnen Öfen gut nachzuvollziehen. Insbesondere die Konstruktion des oberen Abschnitts konnte dokumentiert werden: die Zwischendecke ist aus brotlaibförmigen Lehmziegeln aufgeschichtet, entlang der Außenwand sind jeweils Luftzüge ausgespart. Im Zentrum dieser Tenne steht eine Säule, die wohl zur Abstützung des oberen Kuppelraums diente.Aufgrund der fehlenden, oder nur wenig erfassten Architekturbefunde ist ein abschließendes Urteil zur Lebensweise der bakunzeitlichen Bevölkerung von Darre-ye Bolaghi nicht zu fällen. Die massive umfangreiche Keramikproduktion kann jedoch als Argument für eine sesshafte Lebensweise gewertet werden. Die Verteilung der Keramikbrennöfen in verschiedenen Fundplätzen spricht zudem gegen eine funktionale Spezialisierung der Fundplätze. Wir hoffen, dass naturwissenschaftliche Untersuchungen neue Aufschlüsse zur Subsistenzweise erlauben werden.
In der Achaemenidenzeit, als das nahegelegene Pasargadae Hauptstadt war, befand sich auf Fundplatz 73 ein großes Gehöft mit massiven, aus Bruchstein errichteten Mauerns. Grabungen in vier Quadraten ergaben eine mehrphasige Architektur mit unterschiedlichen Mauertypen. Funde aus diesem Bereich umfassen karinierte Schalen, wie sie typisch für die Achaemenidenzeit sind, sowie Fragmente von Steingefäßen und Metallgegenstände. Dreiflügelige Pfeilspitzen waren ebenfalls in dieser Zeit in Gebrauch. Das achaemenidische Gehöft wurde durch einen Kanal mit Wasser aus einer Quelle weiter oberhalb am Hang versorgt.
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Kooperationen
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Darre-ye Bolāghi, Fundplatz 131: Keramik, Bākunzeit (5. Jt. v. Chr.). |
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Iranian Cultural Heritage, Traditional Handicraft and Tourism Organization
Center for Archaeological Research
Research Foundation Persepolis - Pasargadae
Geographisches Institut der Humboldt-Universität Berlin Institut für Ur- und Frühgeschichte, Ruhr-Universität Bochum
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Ansprechpartner
Dr. phil. Barbara Helwing
Iranische Altertumskunde
Telefon: 01888-7711-311
Telefax: 01888-7711-313
Email: eurasien@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: daiteheran@yahoo.de
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Literatur
B. Helwing/M. Seyedin, Prehistoric settlements in Bulaghi Valley: Iranian/German rescue excavations at sites DB91 and DB119. In: Massoud Azarnoush (Ed.), Abstarcts(sic). Symposium on the archaeological rescue excavations in the Bolaghi valley (Tehran 2006) 13-17.
Links zum Thema
http://iran-now.net/ (Bericht vom 10.07.2006: "Das altpersische Weltkulturerbe ist gefährdet. Pasargard unter Wasser?").
Abenteuer Archäologie 3, 2006, 78-79 (Interview mit Dr. Barbara Helwing).
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