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D. Limesforschung Kastell Qreiye
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Untersuchung eines mittelkaiserzeitlichen Militärlagers an der Ostgrenze des Römischen Reiches.
Lage
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Abb.1 Satellitenaufnahme des Euphrattals bei Qreiye. Photo+Copyright: GEOSPACE, Austria; Original Data: RADARSAT
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Das in der wissenschaftlichen Literatur unter dem Namen Qreiye bekannte römische Kastell liegt 12 km flußaufwärts der modernen syrischen Provinzhauptstadt Deir ez-Zor am rechten Ufer des Euphrats am Nordrand des modernen Dorfes Ayyash (Abb. 1). Die Lage ist strategisch günstig gewählt, da hier das Hochplateau in das weite Flußtal vorspringt und zugleich mit steilen Basaltfelsen zum Euphrat hin abbricht.
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Geschichte
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Abb.2 Zwischenturm und eisenzeitlicher Tall von Südosten.
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Zur Geschichte der von A. Poidebard im Zuge seiner systematischen Befliegungen der syrischen Steppe entdeckten Befestigung liegt bislang nur ein Hinweis vor: In der parthischen Version des dreisprachigen Tatenberichts des Sasanidenherrschers Shapur I. ist unter den von ihm im Frühjahr 253 n. Chr. eingenommenen Städten und Kastellen auch Birtha Arupan genannt, das vielleicht mit Qreiye/Ayyash zu identifizieren ist.
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Ziele
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Abb.3 Mannschaftsbaracke, Freilegung von Gefäßen.
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Die severische Zeit war die letzte offensive Phase in der Geschichte des römischen Reiches. Auch im Osten brachte sie erhebliche Gebietserweiterungen mit sich. Letztere waren mit der Einrichtung neuer militärischer Stützpunkte verbunden. Während man in den Nordwestprovinzen und in Nordafrika in diesem Zusammenhang in der Regel neue Kastelle errichtete, quartierte man die an der Ostgrenze stationierten Einheiten vielfach in Städten ein. Dies hat zur Folge, daß die an der Grenze zum Partherreich stationierten Einheiten - mit Ausnahme der in Dura-Europos stationierten Truppenteile - bis in die Zeit um 300 n. Chr. archäologisch nur schwer zu fassen sind. Der Grundriß und Oberflächenfunde ließen vermuten, daß es sich bei der antiken Befestigungsanlage von Qreiye um eine der wenigen mittelkaiserzeitlichen Militäranlagen des römischen Ostens handelt, die von der römischen Heeresverwaltung planmäßig neu errichtet und in spätrömischer und byzantinischer Zeit nicht weitergenutzt und umgestaltet wurden (Abb. 2-3). Darüber hinaus blieb das Kastell bis heute frei von moderner Überbauung. Es bietet daher ideale Voraussetzungen für archäologische Untersuchungen. Ziel der archäologischen Erforschung des römischen Militärlagers von Qreiye/Ayyash ist es, die für die historische Interpretation so wichtige Chronologie abzusichern, den Aufbau der Wehranlagen zu klären, ein detailliertes Verständnis des Charakters und der Anordnung der Innenbebauung zu erarbeiten und das Verhältnis der Anlage zur Zivilsiedlung sowie zu seinem unmittelbaren Umfeld zu untersuchen. Dies wiederum wird Aussagen zur Besatzung und Funktion der mit 4,5 ha nutzbarer Innenfläche verhältnismäßig großen Befestigungsanlage ermöglichen und so wesentlich zu einem differenzierteren Verständnis der mittelkaiserzeitlichen Militärorganisation im Bereich des mittleren Euphrats beitragen.
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Ergebnisse
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Abb.4 Gebäude südöstlich der Kreuzung der Hauptstraßen des Kastells (oben Elektrik, unten Magnetik). |
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Abb.5 Digitales Geländemodell des Kastellareal mit Steilabbruch im Norden und Wadieinschnitt im Westen. |
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Abb.6 Mannschaftsbaracken nordwestlich der principia (Georadar, animiert). |
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Nach dem Abschluß eines Kooperationsvertrages wurde im Frühjahr 2002 ein grabungsvorbereitender Survey durchgeführt. Das Kastell und sein Umfeld wurden systematisch begangen und für die Erstellung eines digitalen Geländemodells topographisch aufgenommen. Gleichzeitig wurde das Kastellareal geomagnetisch und in Teilen geoelektrisch prospektiert (Abb. 4-5). Im Bereich der Befestigung und in ausgewählten Arealen ihres Umfeldes wurde das Oberflächenmaterial aufgesammelt und die oberflächlich sichtbaren Mauerreste aufgenommen. Im November 2002 folgten Testmessungen mit Georadar. In den Jahren 2003 bis 2007 wurden insgesamt vier Ausgrabungskampagnen, drei Aufarbeitungskampagnen, flächige Georadarprospektionen sowie ein abschließender palynologischer Survey durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen stellen sich wie folgt dar: Westlich des Kastells liegt ein eisenzeitlicher Tell, der bis Anfang 2004 als Friedhof des modernen Dorfes Ayyash genutzt wurde. Die Oberflächenfunde zeigen, daß die Zivilsiedlung des Kastells in einem anderen Bereich zu suchen ist. Die Umwehrung des 220 m x 220 m großen Militärlagers besteht aus einem doppelten Wall-Graben-System sowie einer Wehrmauer mit vier Toren, vier Ecktürmen und acht Zwischentürmen. Die rechteckigen Tor- und Zwischentürme und die gerundeten Ecktürme springen jeweils nach außen und nach innen vor. Die Wehranlagen entsprechen somit weitgehend dem bekannten Schema mittelkaiserzeitlicher Kastelle des späten 2. und frühen 3. Jhs. n. Chr. Bemerkenswert ist eine Abschnittsmauer, die im Osten der Nordfront abzweigt und sich nach Norden geradlinig bis an die Abbruchkante erstreckt. Über die Innenbebauung können durch die Oberflächenbeobachtungen, die geophysikalischen Prospektionen und die Ausgrabungen ebenfalls zahlreiche Aussagen getroffen werden. Das Kastell ist nach Osten, also flußabwärts und damit gegen die Parther ausgerichtet. Die Ausgrabungsarbeiten konzentrierten sich auf das Stabsgebäude, den südlich davon gelegenen Speicherbau (horreum), die nördlich der via decumana gelegene Mannschaftsbaracke und auf ausgewählte Bereiche im Ostteil des Lagers. Zusammen mit den Ergebnissen der archäologischen Ausgrabungen ermöglichen die parallel zu den Herbstkampagnen der Jahre 2004 und 2005 durchgeführten flächigen Georadaruntersuchungen detaillierte Einblicke in die Struktur der gesamten Innenbebauung des Kastells (Abb. 6). Darüber hinaus konnte ein am Hangfuß gelegenes Gebäude als Kastellbad identifiziert werden. Die Nekropolen der antiken Siedlung sind nicht lokalisiert. Sie liegen wahrscheinlich ebenso wie die zum Kastell gehörige Zivilsiedlung im Bereich des modernen Dorfes Ayyash. Die ergrabenen Befunde und Funde belegen, daß es sich bei der Befestigungsanlage von Qreiye um ein römisches Militärlager handelt, das im Vorfeld der severischen Partherfeldzüge errichtet, im mittleren Drittel des 3. Jhs. n. Chr. geräumt und in der Folgezeit nicht mehr besetzt wurde. Die Auswertung der topographischen, geophysikalischen und archäologischen Surveyarbeiten, die 2004 und 2005 in dem am linken Euphratufer gelegenen vermeintlichen Brückenkopfkastell Tall ar-Rum durchgeführt wurden, zeigt, dass es sich bei Tall ar-Rum um eine befestigte spätrömische Zivilsiedlung handelt, die im 4. oder frühen 5. Jahrhundert n. Chr. gegründet wurde und bis in die umayyadische Zeit hinein bestand.
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Kooperationen
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie (DGAMS)
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Dr. Faris Chouker,Institute of Geophysics, University of Damascus, POB 948 Damascus, Syria, e-Mail: chouker@scs-net.org (Geoelektrik)
Dr. Manfred Stephani, Technische Universität München, Fachgebiet für Photogrammetrie und Fernerkundung, Arcisstraße 21, D - 80333 München, e-Mail: Manfred.Stephani@bv.tu-muenchen.de (Vermessung, digitales Geländemodell, Bildentzerrung und Geoinformationssystem)
Dr. Christian Schweitzer, Roggenschlag 6, D - 30938 Burgwedel, e-Mail: christian@schweitzer-qpi.de (Geomagnetik)
Dr. S. Sirri Seren, ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Hauptabteilung Geophysik, Hohe Warte 38, A - 1190 Wien, e-Mail: sirri.seren@zamg.ac.at (Geomagnetik und Georadar)
Dr. Tímea Kiss, Department of Physical Geography, Faculty of Science, University of Szeged, Egyetem utca 2-6 PF 653, 6722 Szeged, Ungarn, e-Mail: kisstimi@earth.geo.u-szeged.hu (Geomorphologie)
Dr. Hans Roland Baldus, Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik (AEK), Amalienstraße 73 b, 80799 München, e-Mail: baldus@aek.dainst.de (Numismatik)
Prof. Dr. Norbert Benecke, DAI, Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale, Im Dol 2-6, Haus 2 und 4, D - 14195 Berlin, e-Mail: archzool@dainst.de (Archäozoologie)
Dr. Reinder Neef, DAI, Naturwissenschaftliches Referat an der Zentrale, Im Dol 2-6, Haus 2 und 4, D - 14195 Berlin, e-Mail: archbotan@dainst.de (Archäobotanik)
Dr. Christiane Singer, Johann Wolfgang Goethe Universität, Institut für Archäologische Wissenschaften, Abt. Vor- und Frühgeschichte, Labor für Archäobotanik, Grüneburgplatz 1, D - 60323 Frankfurt am Main, E-Mail: C.Singer@em.uni-frankfurt.de (Archäobotanik)
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Ansprechpartner
PD Dr. phil. Karin Bartl
Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: +963/11/374 9812-0 +963/11/3749813-0
Telefax: +963/11/374 9812-9 +963/11/3749813-9
Email: sekretariat@damaskus.dainst.org
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externe Ansprechpartner
Dr. phil. Markus Gschwind,
c/o Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie Ludwig-Maximilians-Universität,
Geschwister-Scholl-Platz 1, D - 80539 München, E-Mail: gschwind@vfpa.fak12.uni-muenchen.de
Haytham Hasan, (DGAMS)
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Förderung
Georadar- und Magnetikprospektionen 2004-2005: Gerda Henkel Stiftung
Auswertung der Survey- und Ausgrabungsergebnisse seit 2008: Forschungsstipendium der Gerda Henkel Stiftung
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Literatur
M. Gschwind - H. Hasan, Das römische Kastell Qreiye-Ayyash, Provinz Deir ez-Zor, Syrien. Vorbericht über die im Rahmen des deutsch-syrischen Kooperationsprojektes am mittleren Euphrat durchgeführten archäologischen Feldarbeiten. Zeitschrift für Orient-Archäologie 1 (im Druck).
M. Gschwind, Every Square Structure a Roman Fort? Recent research in Qreiye-Ayyash and its alleged bridgehead fort Tall ar-Rum on the Euphrates. In: Proceedings of the 20th International Congress of Roman Frontier Studies, Leon 2006 (im Druck).
M. Gschwind - H. Hasan, Die spätrömisch-frühislamische Zivilsiedlung Tall ar-Rum und die spätantike Besiedlung des Euphrattales zwischen Zenobia und Circesium. Damaszener Mitteilungen 15 (im Druck).
M. Gschwind - H. Hasan, Tall ar-Rum. A Late Roman to Early Islamic settlement on the Euphrates river. In: K. Bartl - A. Moaz - V. Daiber (Hrsg.), Residenzen, Befestigungen, Siedlungen. Transformationsprozesse von der Spätantike zur frühislamischen Zeit in Bilad ash-Sham. Internationales Kolloquium Damaskus 2006. Orient-Archäologie (im Druck)
M. Gschwind, Das römische Kastell Qreiye/Ayyash am mittleren Euphrat. In: Orte & Zeiten. 25 Jahre archäologische Forschungen in Syrien, 1980-2005 (2005) 122-127.
M. Gschwind, Qreiye/Ayyash - Ein römisches Kastell am Euphrat, in: Zwischen Kulturen und Kontinenten. 175 Jahre Forschung am Deutschen Archäologischen Institut (2004) 160 f.
M. Gschwind, Qreiye/Ayyash und Tall ar-Rum. In: Jahresbericht 2005 des Deutschen Archäologischen Instituts. Arch. Anz. 2006, 283-285.
M. Gschwind, Qreiye/Ayyash. In: Jahresbericht 2004 des Deutschen Archäologischen Instituts. Arch. Anz. 2005, 255-357.
M. Gschwind, Qreiye/Ayyash. In: Jahresbericht 2003 des Deutschen Archäologischen Instituts. Archäoloischer. Anzeiger. 2004, 361-363.
M. Gschwind, Qreiye, in: Jahresbericht 2002, Archäologischer Anzeiger 2003, 258 f.
A. Poidebard, La trace de Rome dans le désert de Syrie. Le limes de Trajan a la conquête arabe, Bibliothèque Archéologique et Historique 18 (1934) 87 f. Taf. 86-87.
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