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Georgien: Tachti Perda

Landschaftsarchäologie in Südkaukasien - Grabung und Prospektion in der Siedlung Tachti Perda, Georgien

Ausgrabung einer mehrschichtigen bronze- und eisenzeitlichen Siedlung des 16./15. Jhs. - 8./7. Jhs. v. Chr.

Lage

    
   
    
   
    
   

















Eingebettet zwischen Großem und Kleinem Kaukasus bildet Ostgeorgien das Zentrum Südkaukasiens. Diese zentrale, an fruchtbaren Böden und Rohstoffen sowie archäologischen Quellen reiche Region erfüllt zudem eine Brückenfunktion, da hier wichtige Verkehrswege verlaufen, welche die eurasischen Steppen nördlich des großen Kaukasusgebirges mit den Ländern Klein- und Mittelasiens verbinden. Somit sind diese Landschaften für übergreifende archäologische Fragestellungen, wie z.B. die nach Ausnutzung und Verteilung der in Kaukasien reichlich vorhandenen Rohstoffe, wie etwa Metallerzen und Obsidian, oder nach den Wechselbeziehungen zwischen den kaukasischen Völkern und ihren Nachbarn im Altertum, insbesondere während der Bronze- und frühen Eisenzeit (3.-1. Jt. v. Chr.), geradezu prädestiniert. Der östlichste Landesteil Georgiens, die Provinz Kachetien, erweist sich als große Siedlungskammer, die durch die Einzugsgebiete der Flüsse Iori im Süden und Alazani im Norden gegliedert ist. Einen bedeutenden Knotenpunkt im unteren Zwischenstromland von Iori und Alazani bildet die Region um die Stadt Dedopliscqaro, von der aus über die Siraki-Hochebene der Mtkvari (Kura) und damit Fernwege nach Armenien, Anatolien, Azerbajdzan und Westiran erreicht werden können.

Die dort gelegene mehrschichtige Siedlung Tachti Perda könnte in der Bronze- und älteren Eisenzeit die Rolle eines zentralen Ortes in dieser Region innegehabt haben. Dafür spricht in erster Linie ihre topographische Situation. Denn sie befindet sich strategisch und verkehrstechnisch günstig gelegen. Nach Osten kontrolliert sie den Zugang zur Siraki-Hochebene, nach Süden und Westen die Wege ins Iori-Tal und nach Norden schließlich die Route ins Alazani-Tal. Zudem liegen in ihrer Nachbarschaft in Sichtweite zwei Bergheiligtümer: im Norden das auf dem Gochebi-, im Osten das auf dem Elias-Berg. Möglicherweise befindet sich die Siedlung an einem Kreuzungspunkt von Handelsrouten, über welche die genannten Rohstoffe verteilt worden sind.

Der bronze-eisenzeitliche SiedlungspIatz Tachti Perda befindet sich ca. 9 km westlich der Kreisstadt Dedopliscqaro und ca. 400 m südlich des Dorfes Tavcqaro bzw. 600 m südlich eines Flüsschens namens Usundere. Die Siedlung besteht aus einem ca. 20 m hoch aufragenden, trapezförmigen Hügel (ca. 200 x 130 m; Kuppe bei 849,40 m über NN), der im Norden auf halber Höhe künstlich terrassiert worden ist, sowie aus einem nördlich vorgelagerten, mindestens 10 ha umfassenden Terrain. Der Hügel selbst umfasst mehrere Schichten der älteren Eisenzeit (10.-7. Jh. v. Chr.) sowie der späten und mittleren Bronzezeit (17.-11. Jh. v. Chr).

Abteilungen:
Eurasien-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

    
   

Da hinsichtlich der Chronologie des 2. Jts. v. Chr. nicht nur in dieser spezifischen Region sondern in Kaukasien im allgemeinen erhebliche Unklarheiten bestehen, soll anhand der in Tachti zu erarbeitenden Stratigraphie versucht werden, den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit klarer zu fassen, den Zeitraum der zweiten Hälfte des 2. Jts. und die ersten Jahrhunderte des 1. Jts. v. Chr. schärfer zu definieren. Neben diesen chronologischen Problemen ist dieses Projekt jedoch in erster Linie einer landschaftsarchäologischen Fragestellung gewidmet. Das Ziel der Untersuchungen ist somit, exemplarisch die natürlichen, ökonomischen und symbolischen Strukturen einer definierten Mikroregion im späten 2. Jt. v. Chr. hinsichtlich Grenzen (ummauerte "Oberstadt"; Tachti als Marke), sozialer Hierarchien (Zentraler Ort) und symbolischer Raumbezüge (Höhenheiligtümer) zu erfassen.  

Forschungsgeschichte

    
   

Der östliche Teil Georgiens ist während der 1950er bis 1980er Jahre durch die "Kachetische Archäologische Expedition" intensiv erforscht worden, dabei kamen u.a. neue bronzezeitliche Kulturgruppen, wie die Alazani-, Bedeni- und Martqopi-Gruppe zutage. Diese Forschungen waren jedoch überwiegend auf die Freilegung der in die Hunderte gehenden Grabfunde konzentriert, Siedlungen, gleichwohl bekannt, sind dagegen kaum untersucht worden. Die Siedlungsforschung ist ab den 1990er Jahren unter Beteiligung ausländischer, zumeist deutscher Partner intensiviert worden. Dennoch liegen bislang noch zu wenig Befunde hinsichtlich Architektur und Strukturen von Siedlungen in dieser Region während dieses Zeitraumes vor. Ein weiteres Desiderat bilden gut beobachtete und dokumentierte Stratigraphien, die längere Zeiträume umfassen. 

Bisherige Arbeiten

    
   
    
   
    
   

Die "Kachetische Archäologische Expedition" führte unter Leitung von Bessarion Majsuradze und Konstantin P'ic'xelauri im Jahre 1989 mehrere Sondagen auf dem Siedlungshügel durch, dabei kamen mehrere Gruben sowie spätbronzezeitliche Keramik zutage. Im Jahre 2002 wurden dann gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Universität Halle und der Kachetischen Archäologischen Expedition des Zentrums für Archäologische Forschung erste Vermessungs- und Ausgrabungsarbeiten vorgenommen und 2003 fortgesetzt. Seit 2004 wird in Kooperation zwischen dem Zentrum für Archäologische Forschung, Tbilisi, und der Eurasien-Abteilung des DAI in Tachti Perda großflächig gegraben. Zudem wurde das gesamte Areal topographisch vermessen und aufgenommen. Ferner wurden geomagnetische Messungen durchgeführt. Schließlich werden Proben für Radiokohlenstoffdatierungen sowie archäozoologische und archäobotanische Bestimmungen erhoben.

Die bisher erkannte Stratigraphie umfasst im oberen Bereich eine ca. 0,80-1,20 m mächtige Füllschicht der älteren Eisenzeit, die reich an keramischen Funden gesättigt ist. Charakteristisch ist hier eine gut gebrannte, graue Ware, die teilweise mit Politur- teilweise mit Stempelmustern verziert ist. Unter dieser Schicht folgt ein ascheartiges Sediment, das die darunter liegende bronzezeitliche Brandschicht überdeckt. Unter dieser Brandschciht folgt eine bronzezeitliche Verfüllungsstrate, die auf der alten Hügeloberfläche aufliegt. Die bronzezeitlichen Funde umfassen neben charakteristischer, zumeist schwarzpolierter, häufig mit Stempelmustern versehener Keramik Obsidian- und Silexgeräte.

Der bisher imposanteste Befund ist eine spätbronzezeitliche Mauer, die rings um die Hügelkuppe führt. Neben einer Fundamentierung aus großen Kalksteinblöcken zeigt diese etwa vier Meter breite Maueranlage einen komplizierten Aufbau aus Lehm, Holzpfosten, Steinen und Lehmziegeln. Diese Mauer ist einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. Welche Funktion sie innerhalb des bewohnten Areals hatte und welche Bedeutung dem Ort im Gesamtnetzwerk der zeitgleichen Ansiedlungen in dieser Region zukam, ist noch nicht völlig geklärt.

Als weitere Befunde sind in der bronzezeitlichen Schicht Öfen sowie mehrere Gruben zu nennen. Zwei Grubenhäuser, die mit eisenzeitlichem Schutt verfüllt waren, konnten bislang noch nicht eindeutig datiert werden. 

Aktuelle Arbeiten

    
   
    
   

In der Sommerkampagne (17. Juli - 4. September 2007) wurde an mehreren Abschnitten gleichzeitig gearbeitet. Infolge neuerer erheblicher Zerstörungen und Beraubungen im Bereich des Gräberfeldes, wurde in einem noch ungestörten Areal der Nekropole, das zudem eine hohe Konzentration geomagnetischer Anomalien gezeigt hatte, ein Grabungsschnitt angelegt. Dadurch konnten einerseits die geomagnetischen Vermessungen verifiziert und andererseits 36 Grabbefunde in situ beobachtet und dokumentiert werden. Aufgrund der vorgefundenen Grabkeramik lässt sich dieser Bereich der Nekropole in das 7./6. Jh. v. Chr. datieren.

In dem nordöstlich des Hügels vorgelagerten Terrain wurden mehrere Sondagen angelegt, um die hier im Vorjahr durch die geomagnetische Prospektion festgestellten baulichen Strukturen zu überprüfen. Dabei konnten eine Kulturschicht, ein Grubenhaus sowie mehrere Gruben erfasst werden, die aufgrund ihrer Funde, insbesondere rottoniger Keramik ebenfalls in das 7./6. Jh. v. Chr. datiert werden konnten. Dadurch wird die Annahme deutlich bestätigt, dass in der älteren Eisenzeit die Siedlung in eine "Ober-" und "Unterstadt" gegliedert war.

Auf dem Siedlungshügel konnte im Nordwesten eine gut erhaltene Steinsetzung beobachtet werden, die im rechten Winkel zur eigentlichen Umfassungsmauer steht. Da sich an dieser Stelle zudem eine Erhebung befindet, könnte es sich um die Fundamentierung eines Turmes oder einer Aussichtsplattform handeln. Dies ist jedoch noch zu verifizieren.

Im Bereich der Hauptfläche auf dem Hügel konnte weiterer lehmziegelartiger, sekundär verbrannter Versturz im rückwärtigen Bereich der bronzezeitlichen Mauer nachgewiesen werden. Zudem zeigte sich hier in einem Zwischenprofil eine Verwerfung innerhalb eines bronzezeitlichen Schichtenpaketes, die wohl auf eine Abrutschung der hangseitigen Bauten oder ein seismisches Ereignis zurückzuführen ist. Neben der Ausgrabung in den auf dem Hügel bereits geöffneten Arealen und der Fundaufarbeitung konzentrierten sich die Arbeiten in der Kampagne 2007 auf das akut durch Raubgräber bedrohte Gräberfeld im Nordwesten des Siedlungsareales sowie auf den Versuch einer Verifizierung der in der Kampagne 2006 geophysikalisch beobachteten Strukturen im nordöstlichen Vorgelände des Hügels.

Des weiteren wurden Funde aufgenommen, ältere Luftbilder gesichtet und vor allem organisatorische Aufgaben ausgeführt, betreffend die Deponierung der Funde aus Tachti sowie die Präsentation derselben im Museum Sighnaghi oder einem neu zu gründenden regionalen Zentrum in Gurdzaani.  

Methoden

    
   

Archäologische Ausgrabung
Geophysikalische Prospektíonen
Luftbildauswertung
Radiokohlenstoffdatierung
Archäoozoologie
Archäobotanik 

Ergebnisse

    
   
    
   

Die archäologischen Arbeiten des Jahres 2007 bestätigten nun auch im Befund die ursprüngliche Annahme sowie die geophyiskalischen Messergebnisse, dass das Vorgelände in der älteren Eisenzeit (Grubenhaus im Nordostbereich) besiedelt gewesen ist.

Bislang ließ sich jedoch noch kein entsprechender Befund auf dem Hügel Tachti selbst nachweisen. Dagegen zeigen die Befunde in dem von uns ergrabenen Bereich sowie die Überreste aus den Raubgrabungen, dass das Gräberfeld über einen längeren Zeitraum belegt worden ist, der nach bisheriger Erkenntnis das erste Drittel des 1. Jts. v. Chr. umfasst.  

Kooperationen

    
   
    
   

Die Grabung wird in Kooperation mit dem "Otar-Lordkipanidze"-Institut für Archäologische Forschung des Staatlichen Historischen Museums von Georgien durchgeführt, das durch Prof. Dr. Konstantin P'ic'xelauri vertreten wird. An den Untersuchungen sind zudem Prof. Dr. Norbert Benecke, Michael Hochmuth und Peggy Morgenstern (Archäozoologie, DAI), Dr. Reinder Neef (Archäobotanik, DAI) und Dr. Jochen Görsdorf (14C-Datierung, DAI) beteiligt. Grabungsteilnehmer 2007 waren weiterhin Michael Ullrich (Eurasien-Abteilung), Vasha Vazarishvili und Mirian Tshabashvili (Kachetien), René Kunze MA (Mannheim/Tübingen), Petra Fleischer MA (Berlin), Annika Hotzan-Tshabashvili, Vladimir Ioseliani, Stephanie Hinz und Hagen Wirsing (FU Berlin), Sabrina Kluwe, Elena Kolbe und Ines Müller (Ruhr-Universität Bochum).

Daneben kooperieren wir in Georgien mit der von der Eurasien-Abteilung durchgeführten Ausgrabung in Aruchlo, der von der Universität Tübingen organsierten Ausgrabung in Udabno (http://www.uni-tuebingen.de/ufg/juengere_abteilung/projekte/georgien.htm) und der Ausgrabung im bronzezeitlichen Goldbergwerk von Sakdrissi, an der das Deutsche Bergbaumuseum und die Ruhr-Universität Bochum (http://www.ruhr-uni-bochum.de/archaeologie/ufg/ufg_forsch01-10.htm) beteiligt sind.

Das Projekt Tachti Perda ist im Forschungsfeld 1/Cluster 3 ("Erschließung und Nutzung von politischen Räumen") der DAI-Forschungscluster angesiedelt. 

Ansprechpartner

Dr. phil. Ingo Motzenbäcker

Vor- und Frühgeschichte des Schwarzmeerraumes und Kaukasiens
Telefon: 01888-7711-311
Telefax: 01888-7711-313
Email: imo@dainst.de

Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung  

Literatur

Der Bericht über die Grabung wird in unserer Zeitschrift Archäologische Mitteilungen aus Iran und Turan publiziert.

I. Motzenbäcker, Die neu begonnene Ausgrabung in der Höhensiedlung Uzun Dara. ZAKS Newsletter 1 (Halle 2003) 11-12.

B. Maisuraże/R. Rusisvili, sirakis ekspedic'ia 1989-1990 clebsi. Archäologische Geländearbeiten in Georgien 1989-1992 (Kurze Berichte) (Tbilisi 2004) 31-36 Taf. 43-60.  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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