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Milet, Faustina-Thermen

Neue Untersuchungen zur Baugeschichte und Skulpturenausstattung eines der bedeutendsten Gebäude in Milet.

Lage

Die ca. 2ha große Anlage der Faustina-Thermen findet sich im Zentrum der antiken Stadtanlage zwischen Stadion im Westen und Südmarkt im Osten, zwischen Nord- und Südstadt. Inmitten des rigiden rechtwinkligen Straßensystems - für das der Milesier Hippodamos berühmt wurde - erscheint der Bau in seiner verdrehten Ausrichtung und in seiner asymmetrischen Anlage wie ein erratischer Block am Rande des Theaterhafens.

Die Faustina-Thermen in Milet zeichnen sich durch ihren besonderen Erhaltungsgrad und durch die zahlreich aufgefundenen Skulpturen, die alle Spuren späterer Bearbeitungen aufweisen, aus als ein ideales Objekt, um die Veränderungen in der Ausgestaltung öffentlicher Räume in einer bedeutenden kleinasiatischen Stadt über einen längeren Zeitraum zu untersuchen.

Abteilungen:
Architektur-Referat an der Zentrale

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

Die Faustina-Thermen zählen zu den bedeutendsten Gebäudekomplexen in Milet und wurden von der römischen Kaiserzeit an möglicherweise bis in die byzantinische Epoche durchgehend genutzt. Die Datierung des Bauensembles ist bislang nur indirekt über epigraphische Zeugnisse möglich.  

Ziele

    
  Faustina-Thermen, Blick von Norden  

- Klärung der Baugeschichte (Phasenscheidung) unter besonderer Berücksichtigung der späteren Nutzungsphasen und des Gebäudeverfalls,
- Analyse der Ausstattung (Bauornamentik, Skulpturen, Wandverkleidungen, Bodenbeläge, Inschriften) und des (Spoliengebrauch (u.a. Sitzbänke aus dem nahe gelegenen Stadion, Statuenbasen),
- Klärung der gegebenen Voraussetzungen am Bauplatz zur Bauzeit und der Einbindung der Anlage in den städtebaulichen Kontext von der Kaiserzeit bis in die byzantinische Zeit hinein.
- Integration der im Projekt erhobenen Daten und gewonnenen Ergebnisse zur computergestützten Dokumentation, Präsentation und wissenschaftlichen Weiterbearbeitung in ein virtuell-dreidimensional konzipiertes Bauwerksinformationssystem.  

Forschungsgeschichte

Die Thermen wurden im Verlauf der 1899 begonnenen Ausgrabungen der Berliner Königlichen Museen entdeckt. Eine umfassende Publikation der Anlage mitsamt der Inschriften und der aufgefundenen Skulpturen erfolgte mit der Arbeit F. Krischens zu den Thermen und Palaestren Milets aus dem Jahr 1928 (Milet 1.9). Krischen dokumentierte den Bau in Grundrissen und Schnitten in den Maßstäben 1:200 bis 1:100 und in Detailzeichnungen und bietet eine Reihe von Rekonstruktionen des ursprünglichen Bauzustands. Eine Reihe von Änderungen wird von ihm erwähnt, ohne allerdings späteren Nutzungsphasen, die mit den Umbauten einhergehen, allzu große Bedeutung beizumessen.  

Bisherige Arbeiten

    
  Musensaal der Faustina-Thermen  

Seit Sommer 2006 führen die Zentrale des DAI und die Antikensammlung Berlin in einem gemeinsamen Projekt neue Forschungen zu Architektur und Skulpturenausstattung der Faustina-Thermen in Milet durch. Das Interesse des Projektes "Stadt und Statue in der Spätantike" zielt auf die Situationen der kleinasiatischen Städte in der Spätantike, für deren Verständnis eine Betrachtung der öffentlichen Räume und ihrer Ausstattung ihre Relevanz erhält. Die Arbeiten ergänzen sich hier mit dem Projekt "Milet in byzantinischer Zeit" an der Abteilung Istanbul.  

Aktuelle Arbeiten

Die im Verlauf der Kampagne erhobenen Daten und die verfügbaren Quellen werden - soweit digital verfügbar -in einer Datenbank zusammengefasst, die das Rückgrat des Bauwerksinformationssystems für die Faustina-Thermen bildet. Am Lehrstuhl für Informatik der Universität Köln wird an der Verknüpfung von Datenbank und 3D-Modell gearbeitet. 

Methoden

Neben bauforscherischen, archäologischen und kunsthistorischen Forschungsansätzen wird die Entwicklung einer Bauwerksdatenbank als Grundlage für die laufenden Arbeiten und eine 3D-Rekonstruktion des gesamten Komplexes betrieben. 

Ergebnisse

    
  Dionysos-Satyr-Gruppe, Antikensammlung Berlin  

Bereits in der ersten Kampagne wurde deutlich, dass die Baugeschichte der Faustina-Thermen sich in mehreren Phasen vollzogen hat. Auf Grund von gezielt angelegten Schnitten im Fundamentbereich ist davon auszugehen, dass der Musensaal mehrfach Veränderungen erfahren hat, die bis in die Spätantike hinein erfolgt sein dürften. Die in der früheren Forschung geäußerte Annahme, dass der Musensaal später an das Apodyterium/Ambulacrum angefügt und der Thermenbau damit insgesamt früher zu datieren sei, konnte eindeutig widerlegt werden.

Mit den Skulpturen des Musensaals hatte sich in den 1990er Jahren bereits C. Schneider auseinandergesetzt. Insbesondere mit den späteren Bearbeitungsspuren und Veränderungen, die von Schneider nur am Rande behandelt worden waren, befassten sich im Herbst 2006 erneut A. Scholl (SMB) und O. Dally (DAI), die die drei Statuen in der Berliner Antikensammlung und die 17 Statuen im Archäologischen Museum in Istanbul begutachteten. Details aller Skulpturen aus dem Kontext der Faustina-Thermen wurden fotografisch dokumentiert. Bemerkenswert ist, dass aufgrund von Verwitterungsspuren geschlossen werden kann, dass einige Statuen auch noch zu einem Zeitpunkt gestanden haben müssen, als Teile der Thermengewölbe bereits eingestürzt waren.

Diese Veränderungen, die zum Teil aufgrund von Beobachtungen an den Statuen in eine bestimmte relative zeitliche Abfolge gebracht werden können, lassen darauf schließen, dass die Skulpturen über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder an neue Sehgewohnheiten angepasst worden sind.  

Kooperationen

Antikensammlung SMB (A. Scholl, M. Maischberger),
Lehrstuhl Informatik Universität Köln (U. Lang, Th. van Reimersdahl);
Milet

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Ortwin Dally

Klassische Archäologie
Telefon: +49-(0)30-187711-133
Telefax: +49-(0)30-187711-191
Email: generalsekretaer@dainst.de

Dr.-Ing. des. Peter Irenäus Schneider

Bauforschung
Telefon: +49-(0)30-187711-137
Telefax: +49-(0)30-187711-191
Email: ps@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: architektur@dainst.de

Förderung

Das Projekt wird durch die Gerda-Henkel-Stiftung gefördert.  

Literatur

Armin von Gerkan, Fritz Krischen, Thermen und Palaestren, Milet I 9 (Berlin 1928)
Carsten Schneider, Die Musengruppe von Milet, Milesische Forschungen 1 (1999)
 

 


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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