Start   DAI   Research   Research Databases   Contact   Infos   News   Annual Report 
Deutsch   

Traditionelle Bauweisen in Nordwest-China

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe bestehend aus Bauforschern, Technik-Ethnologen, Dendrochronologen und Archäologen untersucht die Bau- und Nutzungsgeschichte traditioneller Gehöfte in Nordwest-China.

Location

    
  Provinz Qinghai und Autonome Region Xinjiang  

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich über die auf dem Tibetplateau liegende Provinz Qinghai sowie die Autonome Region Xinjiang im äußersten Nordwesten der VR China. Die maximale ost-westliche Ausdehnung dieser beiden Provinzen beträgt etwa 2000 km. Landschaftlich ist die Region von extremen naturräumlichen Situationen wie Hochgebirgsketten, Wüstengebieten und Hochgebirgsplateaus geprägt.

Departments:
Devision of Building Archaeologie at the Head Office
Eurasia Department

Further Information on the Section in Charge

Google Maps

 

 

druckerfreundliche Version
 

History

    
  Salar aus Dazhuang, Provinz Qinghai}.  

Die nordwestlichen Regionen der VR China in Ost-Zentralasien verbanden von Alters her den Kernbereich Chinas mit dem Westen. Hier verlaufen die alten Handels- und Kommunikationsrouten. Die 'Seidenstraße' stellte schon deutlich vor ihrer ersten Blütezeit, während der sie das chinesische Kaiserreich u.a. mit dem Imperium Romanum verband, eine wichtige Ost-West-Achse dar.

Von prähistorischer Zeit bis in die frühe Neuzeit fanden in diesen Regionen Zentralasiens Wanderbewegungen verschiedenster Völkergruppen statt. Im Nordwesten Chinas leben diese Völker unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung in einem Nebeneinander aus seßhaften Oasenbauern und halbnomadischen Hirten. Ihre traditionellen Lebensweisen haben sich bis heute zu großen Teilen erhalten. Es ist allerdings absehbar, dass diese in naher Zukunft in der modernen Industriegesellschaft aufgehen werden. 

Objectives

    
  Salar-Gehöft in Dazhuang, Provinz Qinghai  

Das Projekt ist Teil des langfristigen Forschungsprogramms "Besiedlungsgeschichte Nordwest-Chinas", das auf die Erforschung des Wandels von Landnutzung durch den Menschen in Trockengebieten ausgerichtet ist. Die Dokumentation und Untersuchung der Bau- und Nutzungsgeschichte traditioneller Gehöfte verschiedener Völkergruppen unter besonderer Berücksichtigung ihrer naturräumlichen und kulturhistorischen Dimension kann wichtige Aspekte der Fragen dieses Forschungsprogramms beleuchten.

Sie eignet sich zum einen gut für ethnographisch-bauhistorische Teilstudien. Zum anderen ist sie als neuzeitliche Analogie für die Interpretation der prä- und frühhistorischen Siedlungsspuren in diesem Raum von Bedeutung. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, welche Rückschlüsse sich aus der Siedlungsentwicklung und der Verbreitung von Bauweisen auf kulturelle Austauschbeziehungen, Wanderungsbewegungen und naturräumliche Veränderungen ziehen lassen.

Neben der wissenschaftlichen Dimension kommt dem Projekt außerdem eine große Bedeutung bei der dokumentarischen und physischen Bewahrung dieser alten Kulturen zu, die weltweit einmalig und nur noch in dieser Region so erhalten sind. 

History of Research

    
  Ornamentierte Holzbauteile eines Salar-Gehöfts  

In der Region wurden bisher ethnologische Untersuchungen vor allem zu Sprachen, Bräuchen und regionalen traditionellen Bauweisen durchgeführt und publiziert. Eine qualifizierte baugeschichtliche Erforschung des erhaltenen Baubestandes, die auch die systematische Aufnahme bautechnischer Details, die Klärung von Bauabläufen und Bauphasen einschließt, gab es jedoch noch nicht. 

Previous Activities

    
  Gebäudeschnitt, Gehöft des Kaders in Dazhuang, Provinz Qinghai.  

Im Jahr 2005 begann das aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen bestehende Team seine Arbeit mit der Dokumentation einiger Gehöfte des Volkes der Salar im Dorf Dazhuang in der Provinz Qinghai. Die muslimischen Salar verließen erst im 14. Jh. Uzbekistan und wanderten in das vorwiegend von tibetischen und mongolischen Hirten und Jägern bewohnte Gebiet ein. Sie wurden deren Mitbewohner und siedelten dicht beieinander in den Tälern eines kleinen Kreises. Hier führten sie nicht nur Obst- und Gemüseanbau ein, sondern brachten auch ihre traditionelle Bauweise mit. Ihre Häuser sind aus Holz erbaut und bilden zweistöckige Hofanlagen. Beides behielten sie bis in die Gegenwart bei. Doch die letzten erhaltenen Elemente dieser alten Tradition sind heute bereits nur noch in Verbindung mit chinesisch-tibetischem Lehm- und Ziegelbau anzutreffen. Die Dokumentation der Besonderheiten dieses Akkulturationsprozesses schafft eine außergewöhnliche Datensammlung der kulturell oder ökologisch bedingten Alltagstechniken und belegt spezifische Lösungen für die Bewahrung von Bautraditionen unter dem Druck veränderter Materialressourcen. Darüber hinaus zeigt sie vor allem, wie unterschiedlich die Beharrungsdauer einzelner Kulturkomponenten bis zu ihrer Aufgabe oder Assimilation sein kann.

Die Arbeitsgruppe untersuchte in Dazhuang vier Gehöfte: das eines Kreisbeamten, das eines Imkers, das eines religiösen Würdenträgers sowie das eines eingeheirateten Mannes. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen innerhalb der Arbeitsgruppe entstanden einzigartige synthetische Objektbiographien.  

Current Work

    
  Sogenanntes 'Ampeldach'  

Eine kleine Gruppe der Salar lebt seit Jahrhunderten im äußersten Westen der Region Xinjiang in einem Dorf nahe der Provinzstadt Yining und stand bis vor kurzer Zeit in engem Kontakt zu den Salar in Qinghai. Zahlreiche Frauen des Salar-Dorfes in Xinjiang stammten ursprünglich aus Qinghai. Als Träger von Kultur und Tradition hielten sie die enge Verbindung der etwa 2000 km voneinander entfernt liegenden Siedlungsräume der Salar aufrecht.

In einer kurzen Arbeitskampagne im Herbst 2006 wurde ein Gehöft des Salar-Dorfes in Xinjiang exemplarisch dokumentiert. Es zeigten sich interessante Unterschiede zu den Salar-Bauten in Qinghai. Trotz der relativ engen Bindung der Xinjiang-Salar an ihren qinghaier Siedlungsraum scheinen bei der Bau- und Nutzungsweise ihrer Gehöfte lokale Einflüsse eine größere Rolle zu spielen und zu deutlichen Veränderungen geführt zu haben.

Des Weiteren wurden während der Kampagne 2006 in mehreren Oasen entlang der südlichen Seidenstraße traditionelle Gehöfte, Kult- und Nutzbauten der muslimischen Uiguren besucht und schematisch dokumentiert. Weitere Untersuchungen sollen über detaillierte Erkenntnisse zur Bau- und Nutzungsgeschichte auch hier kulturelle Einflüsse und Austauschbeziehungen aufzeigen. 

Methods

    
  Aufnahme eines Gehöfts in Dazhuang  

Der Zusammenarbeit von Vertretern unterschiedlicher Disziplinen, die in dieser Kombination ungewöhnlich und bisher einzigartig ist, verdankt das Projekt die umfassende Dokumentation der Bau- und Nutzungsgeschichte der traditionellen Gebäude.

Die Bauforscher erstellen detaillierte Bauaufnahmen der zu untersuchenden Gehöfte in einer Kombination von tachymetrischer Aufnahme, Handaufmass und Photogrammetrie. Die Grundstruktur und alle festen Installationen der Gebäude werden in Grundrissen und Schnitten im Maßstab 1:50 oder 1:100 aufgenommen. Details wie die fein ornamentierten Holzbauteile werden in einem größeren Maßstab gezeichnet.

Die Technik-Ethnologen ermitteln durch Interviews mit den Bewohnern die noch erinnerten Bauphasen, Beweggründe für Um- und Ausbauten sowie die eng an die Familiengeschichte gebundene Nutzungsgeschichte einzelner Räume.

Absolute Altersbestimmungen der verbauten Hölzer liefert der Dendrochronologe. 

Cooperation

Dr. Karl-Uwe Heußner
DAI Referat Naturwissenschaften
Dendrochronologie

PD Dr. Mareile Flitsch
Technische Universität Berlin
China-Arbeitsstelle

Dipl.-Ing. Heike Lehmann
BTU Cottbus
Lehrstuhl Baugeschichte
(Bauforschung in Dazhuang, Provinz Qinghai)

Ren Xiaoyan, Xiao Yongming, Cai Linhai
Archäologisches Institut der Provinz Qinghai

Kulturamt der Autonomen Region der Uiguren Xinjiang  

Contact

PD Dr. phil. Mayke Wagner

Archäologie Ostasiens
Telefon: 01888-7711-312
Telefax: 01888-7711-313
Email: mw@eurasien.dainst.de

Dipl.-Ing. Claudia Winterstein

Bauforschung
Telefon: 01888-7711-122
Telefax: 01888-7711-191
Email: cw@dainst.de
Further Email Addresses: architektur@dainst.de

Dr.-Ing. Ulrike Wulf-Rheidt

Bauforschung
Telefon: 01888-7711-138
Telefax: 01888-7711-191
Email: uwr@dainst.de
Further Email Addresses: architektur@dainst.de

Bibliography

D. Goodman, Exiled by Definition. The Salar of Northwest China, Portal Journal of Multidisciplinary International Studies 2/1, 2005 (http://epress.lib.uts.edu.au/journals/portal/splash/).
R. G. Knapp, China's Old Dwellings (Honolulu 2000).
R. G. Knapp (Hrsg.), Asia's Old Dwellings. Tradition, Resilience and Change (Oxford 2003). P. Oliver (Hrsg.), Encyclopedia of Vernacular Architecture of the World (Cambridge 1997).  

 


 
 

updated: 03/20/08

Copyright 2002-2006 German Archaeological Institute | Impressum & Disclaimer  Sitemap