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Pergamon: Hellenistische Stadtmauern

Ein Teilprojekt der Pergamongrabung

Das Unternehmen befasst sich mit zwei Mauerringen, durch welche die Stadt in hellenistischer Zeit neu befestigt bzw. beträchtlich vergrößert worden ist.

Location

Der Burgberg von Pergamon, ein annähernd tafelbergförmiges, 330m hohes Andesitmassiv, war unter wehrtechnischen und siedlungsgeographischen Gesichtspunkten ein perfekt gewählter Siedlungsplatz, der sich schon von Natur aus gut verteidigen ließ und zusammen mit den Befestigungsanlagen nahezu uneinnehmbar war. Die hellenistischen Mauern umschließen die Akropolis auf der Spitze des Berges, das Gebiet der älteren archaisch-hellenistischen Stadt sowie die bis an den Selinos, den heutigen Bergama Çayı, hinunter reichende hellenistische Stadterweiterung.

Departments:
Division of Building Archaeologie at the Head Office

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History

In der Diadochenzeit gewann Lysimachos die Herrschaft über die Landschaft Mysien und setzte den Offizier Philetairos als Bewacher der Burg Pergamon ein, der dort über einen großen Teil der Kriegsbeute, nämlich einen Silberschatz von 9000 Talenten, zu wachen hatte. Zwanzig Jahre später, nach dem Tod von Lysimachos und Seleukos, machte sich Philetairos (281-263 v. Chr.) in dem entstandenen Machtvakuum mit dem Schatz selbständig und begründete damit das Geschlecht der Attaliden. Ihm wird aus diesem Grund die ältere der beiden hellenistischen Stadtmauern zugesprochen, mit der ein Plateau neu befestigt wurde, das bereits zuvor ummauert gewesen war. Unter Eumenes II. (197 - 159 v. Chr.) erreicht das von den Attaliden kontrollierte Gebiet seine größte Ausdehnung, weshalb davon ausgegangen wird, dass die Stadt unter seiner Herrschaft vergrößert, neu befestigt und prunkvoll ausgebaut worden ist. 

Objectives

Da die Kenntnis zur Entwicklung der antiken Wehrarchitektur in den vergangenen Jahrzehnten fortgeschritten ist, lässt sich der bauarchäologische Befund nicht mehr ohne Weiteres mit der Zuweisung an die beiden genannten Herrschern in Übereinstimmung bringen, was genug Anlass für eine Neuuntersuchung der pergamener Befestigungen gab. Darüber hinaus müssen bei der Errichtung der Stadtmauern neben strategisch-taktischen Aspekten auch ökonomische, politische, soziale und ästhetische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle gespielt haben. Aus diesem Grund ist das Teilprojekt in das neue Forschungsprogramm der Pergamongrabung zur Urbanistik und zum Gesamtorganismus der hellenistischen Stadt eingebunden.  

History of Research

    
  Eumenisches´ Tor während der Ausgrabung mit Wilhelm Dörpfeld  

Nach der Freilegung der Stadtmauern, die unter Dörpfeld, Schuchhardt, Thiersch, Kolbe und Conze zwischen 1899 und 1901 sowie 1906 durchgeführt worden war, publizierte letzterer die Ergebnisse der Ausgrabungen 1913 in der Reihe `Die Altertümer von Pergamon´ im `Band AvP I 2 - Stadt und Landschaft´. In die Arbeit gingen auch die Untersuchungen von Richard Bohn ein, die dieser bereits 1886 auf "sechs kostbaren Blättern" zusammenfassend dargestellt hatte, jedoch wegen seines frühen Todes nicht mehr hatte veröffentlichen können. Seit dieser Zeit haben an verschiedenen Stellen immer wieder räumlich begrenzte, kleinere Untersuchungen und Restaurierungen an den Befestigungen stattgefunden. 

Previous Activities

    
  Akropolis, Nordost-Mauer.jpg  

Ein wichtiger Arbeitsschritt ist es daher, die bisherigen punktuellen Forschungen zu-sammenzuführen und zu verdichten, um damit ein vollständigeres Bild von den hellenistischen Befestigungen zeichnen zu können als das bisher möglich war. Da zwischen dem Plan, der 1913 in dem oben genannten AvP-Band publiziert worden ist, und der Topografischen Karte, die B. Schlüter und K. Nohlen 1973 veröffentlicht haben, Unterschiede in der Darstellung der Grundrisse der Tore und in der Lage der Mauern bestehen, war es zuerst notwendig einen neuen Lageplan der Mauern zu erstellen. Mit Hilfe eines Differential-GPS-Geräts konnten die gesamten Mauern in ver-gleichsweise kurzer Zeit neu aufgenommen werden.  

Current Work

    
  Rinnstein eines Wasserspeiers  

Der Lageplan dient als Grundlage für die Entscheidung, wo detaillierte Untersuchungen anzusetzen sind, weil sich bei der Aufnahme neuralgische Punkte in Bezug auf Bauphasen herauskristallisiert haben und unklare Befunde deutlich geworden sind. Dazu zählen neben den Toren einige vergleichsweise gut erhaltene Mauerabschnitte sowie Bereiche, in denen die Kurtinen Versätze zeigen und man auf weitere Türme und Pforten o. ä. schließen kann. Grundlage der detaillierten Untersuchungen sind verformungsgetreue Bauaufnahmen in verschiedenen Maßstäben. Zudem sind im Lageplan alle Kurtinen, sowie Tore und Türme mit deren Mauern mit einer Befundnum-mer versehen worden, welche die Grundlage für die Beschreibung der Mauern in einer Datenbank bilden. In die Datenbank fließen nicht nur die neuen Beschreibungen und Fotos der Mauerabschnitte ein, sondern auch das relevante Archivmaterial, wie bei-spielsweise historische Fotos und Informationen aus den Tagebüchern der ersten Aus-gräber.

Im Rahmen des Forschungsprogramms zum Gesamtorganismus der hellenistischen Stadt werden auch an den Stadtmauern stratigraphische Sondagen durchgeführt . Mit ihrer Hilfe sollen Informationen zur Datierung der Mauerringe sowie Einblicke in bau- und konstruktionstechnische Details gewonnen werden.  

Results

    
   

Die Ergebnisse der ersten Kampagne haben gezeigt, dass sich die `Eumenische´ Mauer nicht so homogen darstellt, wie man das aufgrund ihrer Benennung u. U. erwarten würde. Nachdem bereits die ersten Ausgräber beim Haupttor im Süden der Stadt, dem sog. `Eumenischen Tor´, mehrere Phasen festgestellt hatten, kann eine zweite Bauphase nun auch am Oberen Nordwest-Tor nachgewiesen werden. Wie die Bauphasen zu deuten sind, lässt sich jedoch noch nicht sagen. Möglicherweise handelt es sich um einen zweiten Ausbau der Befestigungen, was bedeuten könnte, das vielleicht schon unter Attalos I. (241-197 v. Chr.) mit dem Mauerbau begonnen worden ist, und Eumenes II. (197-159 v. Chr.) die Tore weiter ausbauen und monumentalisieren ließ. Bei der Interpretation der verschiedenen Phasen ist sicher auch zu berücksichtigen, dass an einem derartigen Befestigungsbauwerk aus verschiedenen Gründen Reparaturen erfolgt sein werden. Da das pergamenische Reich mindestens zwei Mal bis vor die Mauern seiner Hauptstadt umkämpft war, kann man davon ausgehen, dass an den Mauern Schäden entstanden sind, die später ausgebessert werden mussten. Für einen Teil des Haupttores im Süden der Stadt sowie die östlich anschließenden Mauerabschnitte zeichnet sich nach den Ergebnissen der Sondagen eine Entstehung in der ersten Hälfte des 2. Jhs. v. Chr., d.h. der Regierungszeit Eumenes II., ab.  

Cooperation

Generaldirektion für Kulturdenkmäler und Museen des Kultur- und Tourismusministeriums der Republik Türkei

DAI-Forschungscluster 3 "Politische Räume"

Wissenschaftliches Netzwerk "Manifestationen von Macht und Hierarchien in Stadtraum und Landschaft"

Geodätisches Institut der Universität Karlsruhe (Dipl.-Ing. Jan Zimmermann, Herrmann Bär, Christina Steiner, Andreas Schmitt)  

Contact

Dipl.-Ing. Janet Lorentzen (geb. Haberkorn)

Bauforschung
Telefon: +49-(0)30-187711-137
Telefax: +49-(0)30-187711-191
Email: jha@dainst.de
Further Email Addresses: architektur@dainst.de

PD Dr. Felix Pirson

Klassische Archäologie
Telefon: + 90-(0)212-393 76 10
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: pirson@istanbul.dainst.org

Bibliography

A. Conze, Stadt und Landschaft, AvP I 2 (Berlin 1913)
W. Radt, Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole (Darmstadt 1999)
W. Raeck, Das hellenistische Pergamon als Residenzstadt und Polis. Kenntnisstand und offene Fragen, IstMitt 54, 2004, 23-34
A. W. McNicholl, Hellenistic Fortifications from the Aegean to the Euphrates (Oxford 1997)  

 


 
 

updated: 08/04/08

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