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Selinus: Şekerhane Köşkü (türkçe)

Bauhistorische Untersuchungen zu dem vermuteten Kenotaph des Kaisers Traian

Lage

    
  Der Gebäudekomplex gesehen vom Burgberg  

In der zu Westkilikien gehörenden antiken Stadt Selinus (nahe des heutigen Ortes Gazipaşa östlich von Alanya, Provinz Antalya) liegt zwischen Nekropole und Agora am Übergang vom Burgberg in die Ebene ein kaiserzeitlicher Gebäudekomplex, der möglicherweise als Kenotaph für Kaiser Traian erbaut wurde und heute Şekerhane Köşkü genannt wird.

Abteilungen:
Architektur-Referat an der Zentrale
Abteilung Istanbul

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

Laut Cassius Dio verstarb der römische Kaiser Traian auf dem Weg von Syrien nach Rom am 08. August 117 n. Chr. in Selinus. Er wurde dort wahrscheinlich verbrannt und seine Asche nach Rom überführt, um sie dort im Sockel der zum Kaiserforum des Traian gehörenden sogenannten Traianssäule beizusetzen.

Im frühen 13. Jh. n. Chr. wurden die Überreste des kaiserzeitlichen Gebäudekomplexes in Selinus von den Seldschuken, die kurz zuvor die türkische Südküste erobert hatten, zu einem Jagdschlösschen umgebaut.  

Ziele

    
  Die seldschukische Eingangsfront des Kernbaus vor der Kulisse des Burgberges.  

Das Ziel des Projekts ist eine umfassende bauhistorische Untersuchung dieses aus einem zentralen zweigeschossigen Bau und einer ausgedehnten, von Säulenhallen umgebenen Hofanlage bestehenden Gebäudekomplexes. Diese dient als Grundlage für eine Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt der Bauten und zur Klärung ihrer Zweckbestimmung zur Erbauungszeit. 

Forschungsgeschichte

    
  Kaiserzeitlicher Gewölberaum mit 'doppelgeschossigen' Lichtschlitzen  

Selinus fand vor allem im Zusammenhang der Ereignisse um Kaiser Traian Erwähnung in der antiken Geschichtsschreibung. Die frühen Forschungsreisenden des 18. und 19. Jh. dokumentierten hauptsächlich die Inschriften sowie die als kunstvoll angesehenen Stücke der Bauornamentik und -plastik. Sie lösten eine bis ins späte 20. Jh. andauernde kontrovers geführte Diskussion zum tatsächlichen Zweck des Şekerhane Köşkü aus. Die Deutungen zeigen ein breites Spektrum, darunter ein mittelalterlicher Han (Heberdey - Wilhelm 1896), ein Befestigungsturm (Hellenkemper - Hild 1990) oder eine Zisterne (Paribeni - Romanelli 1914), aber auch ein antikes 'Mausoleum' (Beaufort 1818). 1963-65 erfolgte ein erster siedlungsarchäologischer Survey mit Erstellung eines topographisch-architektonischen Gesamtplans der obertägig sichtbaren Baureste von Selinus durch Rosenbaum und ihr Team. Redford untersuchte die seldschukischen Bau- und Gartenanlagen im Raum Alanya sowie die Bedeutung von Landschaftsraum und Natur für die Seldschuken. Den Baukomplex in Selinus erkannte er als antike Baustruktur, umgebaut zu einem der außerhalb der Stadtanlagen liegenden Palast-Garten-Komplexe, die von der seldschukischen Regierungselite hauptsächlich zu Jagd und Gartenbau genutzt wurden (Redford 2000). 

Bisherige Arbeiten

    
  Kaiserzeitliche Spolie in der seldschukischen Außenwand  

Im Jahr 2001 begonnene Reinigungsarbeiten und archäologische Untersuchungen des Gebäudekomplexes durch das Museum Alanya unter der Leitung von İsmail Karamut und Seher Türkmen brachten bemerkenswerte Fragmente des bauplastischen Dekors zu Tage und warfen ein neues Licht auf die architektonische Gestalt und Qualität des Bauwerks. Diese Ergebnisse führten 2005 zu einem Kooperationsprojekt mit dem Architekturreferat und der Abteilung Istanbul des DAI unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Adolf Hoffmann und Dipl.-Ing. Claudia Winterstein, die für die bauhistorischen Untersuchungen des Şekerhane Köşkü zuständig sind. In einer ersten Feldkampagne im Herbst 2005 wurde in Zusammenarbeit mit dem Geodätischen Institut der Universität Karlsruhe (TH) ein Vermessungsnetz eingerichtet, das als Grundlage für die dreidimensionale Erfassung der topographischen und baulichen Situation dient. Darauf aufbauend wurde mit der Bauaufnahme des zentralen Gebäudes sowie eines Aus-schnitts der Temenosmauer begonnen. Diese Arbeiten konnten im Frühjahr 2006 fortgeführt werden. Im Herbst 2006 wurden im Rahmen einer Museumskampagne die zum Gebäudekomplex gehörenden Architekturfragmente in den Depots des Museums Alanya untersucht, photographiert, in einem Katalog erfaßt und zum Teil gezeichnet. 2007 wur-de die Bauaufnahme des Şekerhane Köşkü zum Abschluss gebracht. Daneben erbrach-ten einige punktuell durchgeführte Sondagen an den Fundamenten des zentralen Bau-körpers und den umlaufenden Säulenhallen neue wichtige Erkenntnisse zur Bauanlage. 

Aktuelle Arbeiten

Weitere bauliche Details, die durch die Bauaufnahme und die punktuellen Sondagen nicht geklärt werden konnten, sollen durch geophysikalische Untersuchungen erkundet werden. Ferner sind für die Beurteilung des Bauwerks sowohl seine naturräumliche als auch seine städtebauliche Eingliederung von entscheidender Bedeutung. Während seine Ausrichtung auf den Gipfel des im Südwesten angrenzenden Akropolisberges von Selinus offensichtlich ist, bedürfen sowohl der Bezug zum Wasser als auch der urbanistische Zusammenhang weiterer Untersuchungen. Hier sind für 2008 in einem ersten Schritt geophysikalische Untersuchungen des städtebaulichen Umfeldes geplant, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel durchgeführt werden sollen. 

Ergebnisse

    
  Rückwand der Cella  

Die bisherigen bauhistorischen Untersuchungen bestätigen die Annahme, dass es sich beim Şekerhane Köşkü um einen kaiserzeitlichen Gebäudekomplex handelt, der in seldschukischer Zeit unter Verwendung des antiken Baumaterials umgebaut wurde. Auf der Plattform des Kernbausockels haben sich von den ehemaligen Aufbauten seldschukischer und römischer Zeit nur wenige, für den antiken Bau aber aussagekräftige Baureste erhalten. Die Beobachtungen ergaben, dass auf dem ehemals offenbar geschlossenen, in zwei überwölbte Räume gegliederten Unterbau ein tempelartiges Gebäude mit einer Cella und einer Säulenvorhalle gestanden hat. Die Auswertung des Bauteilkatalogs wird zu detaillierteren Kenntnissen zu Aufbau und Dekoration des antiken Gebäudes führen.

Die spezifischen Eigenheiten des Şekerhane Köşkü zeugen von einem sehr qualitätvollen Bau, der mit seinen Hofhallen in eher bescheidener Umgebung ein außergewöhnlich prachtvolles, dem vermuteten Zweck jedoch vollkommen angemessenes Ensemble bildete. 

Kooperationen

Museum Alanya
Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel
 

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Claudia Winterstein

Bauforschung
Telefon: +49-(0)30-187711-122
Telefax: +49-(0)30-187711-191
Email: cw@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: architektur@dainst.de

externe Ansprechpartner

Seher Türkmen (Museum Alanya)

Prof. Dr.-Ing. Adolf Hoffmann (c/o Zentrale des DAI)

Förderung

Das Projekt wird durch die Fritz Thyssen Stiftung gefördert.

Literatur

F. Beaufort, Karamania (London 1818).
R. Heberdey - A. Wilhelm, Reisen in Kilikien (Wien 1896).
H. Hellenkemper - F. Hild, Kilikien und Isaurien, Tabula Imperii Byzantini 5 (Wien 1990).
R. Paribeni - P. Romanelli, Studi e ricerche archeologiche nell' Anatolia meridionale, Monumenti Antichi 23, 1914, 5-277.
S. Redford, Landscape and the State in Medieval Anatolia. Seljuk Gardens and Pavil-lions of Alanya, Turkey, BAR International Series 893 (Oxford 2000).
E. Rosenbaum et al., A Survey of Coastal Cities in Western Cilicia, Türk Tarih Kurumu Yayınlarından, VI. Seri 8 (Ankara 1967).  

 


 
 

Aktualisiert: 01.09.2008

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