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Mérida - Römisches Theater

Bauaufnahme des Theaters der Colonia Augusta Emerita (Mérida). Monumentalisierung und Stadtentwicklung.

Bauaufnahme und Rekonstruktion des römischen Theaters in Mérida (ES).

Lage

Das Theater liegt im Südosten der ehemaligen Provinzialhauptstadt Lusitaniens, Augusta Emerita, dem heutigen Mérida (Provinz Badajoz, Autonomie Extremadurda).

Abteilungen:
Abteilung Madrid

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

Das Theater datiert aufgrund einer Stifterinschrift des Marcus Agrippa in das Jahr 16/15 v. Chr. Bisher dokumentierte Baufugen sowie Reste unterschiedlicher Baumaterialien weisen auf unterschiedliche Bauphasen bzw. Umbauten schon im Altertum hin. Schon in der Spätantike diente der Platz als Schutthalde. In der Mitte des 16. Jhs, nutzte man das Gelände zum Anbau von Gemüse. Zu Beginn des 17. Jhs. entfernte man die Sitzstufenquader, um die schwer beschädigte Guadiana-Brücke zu reparieren. Seit dem Ende des 18. Jhs. wurden in dem durch die noch anstehenden Mauern sich ergebenem Halbrund Stierkämpfe veranstaltet. Heute gehört das römische Theater von Mérida zu den besterhaltenen Theateranlagen im Römischen Reich, welches nach seiner umfangreichen Wiederherstellung in den 60ger Jahren das Stadtbild bis heute prägt. Im Sommer finden im Theater unterschiedliche Veranstaltungen statt. 

Ziele

Das Theater von Mérida gehört mit zu den ersten Großbauten der Stadt Colonia Augusta Emerita nach ihrer Gründung im Jahre 25 v. Chr. Zu welchem Zeitpunkt aber das Theater aufgegeben wurde, lässt sich bis heute nicht fest datieren, da genaue Beobachtungen sowie veröffentlichte stratigraphische Befunde ausstehen. Der immer bisher in Publikationen zum Theater verwendete Grundrissplan aus den 60ger Jahren, der meist nicht größer als im Maßstab 1:750 abgebildet wird, stellt den Baubefund nur sehr schematisch dar. Er erlaubt keine Aussagen zu Originalbestand und Rekonstruktion, Ziel des Projektes ist es, durch eine erstmalige verlässliche steingerechte Bauaufnahme die Grundlage für eine bauforscherische Untersuchung der verschiedenen Bau- und Restaurierungsphasen mit ihrer jeweiligen statuarischen Ausstattung bilden zu können. Die großen Umbaumaßnahmen im Theater und die Marmorisierung des sog. Marmorforums von Mérida sind offenbar gleichzeitig und von denselben Werkstätten ausgeführt worden. Das 'Marmorforum' spielt in der Architekturforschung eine große Rolle, da es als eine Art Kopie des Augustusforums in Rom angesehen werden kann. Eine detaillierte Dokumentation dieses so wichtigen Architekturensembles steht aber bisher noch aus. Eine Bearbeitung verspricht neue Ergebnisse zum Transfer von Architekturideen und -formen von der Hauptstadt Rom in die Provinzen. An der Untersuchung der Spielstätten und des Forums der Colonia Augusta Emerita könnten exemplarisch zwei wichtige politische Räume einer römischen Stadt und deren Monumentalisierung analysiert werden. 

Forschungsgeschichte

Das Theater wurde in den Jahren von 1910-1936, bis auf die noch heute überdeckt gebliebene Westecke des Peristyls, vollständig ausgegraben. Von 1910-1933 unter der Leitung von J. R. Mélida, dem damaligen Direktor des Museo de Reproducciones Artísticas in Madrid, und M. Macías, in den Jahren danach übernahm A. Floriano Cumbreño die Leitung. Von 1943 bis heute wurden mehrere Sondagen im Theaterperistyl durchgeführt, die derzeit vom Consorcio de la Ciudad Monumental, Histórico-Artística y Arqueológica de Mérida unter der Leitung von Rocío Ayerbe durchgeführt werden. 

Bisherige Arbeiten

Im Jahr 2005 wurde mit der Bauaufnahme der Cavea und des Bühnengebäudes begonnen. In einer folgenden Kampagne konnte das Theaterperistyl sowie die media cavea erfasst werden. 

Aktuelle Arbeiten

In den kommenden Jahren soll die Bauaufnahme komplettiert werden. Parallel laufende Grabungen helfen dabei, Fragen zur Baugeschichte zu klären. 

Ergebnisse

Die detaillierte Bauaufnahme ergab aufgrund der Beobachtung von durchgehenden Baufugen sowie einem statisch nicht begründbaren Materialwechsel im Sockelbereich erste Hinweise auf unterschiedliche Bauphasen im Bereich der scaenae frons. Diese lassen sich auch entlang der analemmata nachweisen, wo Mauerzungen offensichtlich erst zu einer späteren Zeit angefügt wurden. Eine genaue Datierung der einzelnen Phasen steht jedoch noch aus. Die ersten Beobachtungen legen die Vermutung nahe, dass das ursprüngliche Bühnengebäude abweichend vom heutigen Istzustand gestaltet war. Denkbar wäre hier eine erste Bauphase ohne zugangsbetonende 'Anten'. Auf eine weitere umfassende Bauphase weisen die Marmorverkleidungen hin. Aufgrund verschiedener Indizien, wie beispielsweise die seitlich in den Stufen eingehauenen 'Kanäle', in die die Marmorplatten und -sockel eingelassen werden konnten, können nicht zum Ursprungsbau gehören. Sie sind vielmehr einer späteren Umbauphase zuzuordnen, die in der Literatur oft als "Marmorisierungsphase" angesprochen wird. Sicher ist, dass der Sockel des Bühnengebäudes ursprünglich nur aus Granit bestand, der, wie noch heute Putzspuren vor allem an der analemmata und an den Pilaster der aditus maximi belegen, mit einer vermutlich farbigen Putzschicht überzogen war. Da die Kapitelle der marmornen Säulenordnung aufgrund der Bauornamentik eindeutig in claudische Zeit zu datieren sind, ist anzunehmen, dass das ursprüngliche Bühnengebäude ein reiner Granitbau war. Beobachtungen an dem Inschriftenarchitrav vor dem westlichen aditus maximus ergaben, dass die Lage beider Architrave - sowohl im Westen als auch im Osten - falsch rekonstruiert wurde: Die Putzreste auf der Unterseite weisen auf eine völlig andere ursprüngliche Lage der Blöcke. Zudem finden sich an den zum Bühnengebäude hin gerichteten Stoßflächen grob bearbeitete 'Bossen', die darauf hinweisen, dass die Blöcke mit diesen Enden in ein anschließendes Mauerwerk gefügt waren. Eine detaillierte Bauaufnahme in diesen Bereichen soll die exakte Lage der Architravblöcke, die vermutlich um etwa 5,50 m weiter nach hinten verschoben zu rekonstruieren ist, bestätigen. 

Kooperationen

Die Arbeiten finden in Zusammenarbeit mit Rocío Ayerbe (Consorcio Mérida Ciudad Monumental) und Carlo Brianchini (Universitá degli Studi di Roma ´La Sapienza`), Heinz Beste (Abteilung Rom) und Ulrike Wulf-Rheidt (Architekturreferat Berlin) statt. 

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Nicole Röring

Bauforschung
Telefon: + 34 - 91 - 561 09 04-25
Telefax: +34 - 91 - 564 00 54
Email: roering@madrid.dainst.org

externe Ansprechpartner

Dr. Pedro Mateos Cruz
Director Científico
Consorcio Mérida Ciudad Monumental Histórico-Artística y Arqueológica
C/ Reyes Huertas nº 5 Bajo
E-06800 Mérida (Badajoz)
ESPAÑA
Tlf: 924004908 Fax: 924004916
pmateos@consorciomerida.org

Prof. Carlo Bianchini
Universita` degli Studi di Roma "La Sapienza"
Dipartimento di Rilievo analisi e disegno dell`Ambiente e dell`Architettura
Piazza Borghese 9
I-00186 Roma
ITALIA


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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