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Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr. - Kulturaustausch am Beispiel der Bestattungen in den griechischen Kolonien
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Tradition und Innovation - Kulturaustausch am Beispiel der Bestattungen der unteritalischen Siedlungen und der griechischen Kolonien vom 8. bis 6. Jh. v. Chr.
Untersuchung, Vergleich und Auswertung der Grabtypen und weiterer Bestattungssitten
Location
Topographisch ist das Projekt in Unteritalien angesiedelt und bezieht sich auf die griechischen Kolonien entlang der ionischen Küste und des Golfes von Taras und die italischen Siedlungen in deren Hinterland. Bei den Kolonien handelt es sich um Siris, Metapontum und Taras. Die indigenen Siedlungen liegen in der südlichen Basilicata und in Apulien auf der Halbinsel Salento, in den südlichen Ausläufern der Murge und des Appenninen-Gebirges sowie in den Flußtälern des Sinni, des Agri, des Cavone, des Basento und des Bradano.
Die Gräberfelder folgender Orte werden in die Untersuchung einbezogen: Satyrion, Torre Ovo, Punta del Tonno, Muro, Torre Pelosa, Bitonto, Ruvo, Monte Sannace, Gravina, Altamura, Matera, Ginosa, Serra di Vaglio, Torretta di Pietragalla, Oppido Lucano (loc. Montrone), Torre di Satriano/Satriano Vecchio, Banzi, Chiaramonte, S. Maria D'Anglona, Valle Sorigliano, Roccanova, Grumentum, Alianello, Guardia Perticara, Caruso, Craco, Pisticci, Termitito, Incoronata, Ferrandina, San Mauro Forte, Garaguso, Montescaglioso, Miglionico und Timmari.
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History
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Im Laufe der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit zeichnet sich im Hinterland der ionischen Küste Unteritaliens in Hinblick auf Siedlungsbild, Keramik und Bestattungssitten eine archäologische Kulturgruppe ab, die Ende des 9./Anfang des 8. Jh. v. Chr. eine schrittweise, jeweils regional differenzierte Veränderung durchläuft. Im 8. Jh. v. Chr. erfolgen entlang der Südwestspitze Italiens bis zum Golf von Tarent die Gründungen der griechischen Kolonien: zuerst des euböischen Rhegion, im folgenden die achäischen Gründungen Kaulonia, Sybaris und Kroton, das lokrische Lokroi Epizephyrioi, das kolophonische Siris und im Osten das spartanische Taras, und zwischen diesen das achäische Metapontum. In der ihnen eigenen Weise wählen die Griechen Siedlungsplätze in unmittelbarer Nähe zu den Handelswegen an der Küste und an den Flußmündungen, um so über die Flüsse auch mit dem Hinterland verbunden zu sein. Die Konkurrenz um Land und um die Vorreiterrolle in Handel und Seefahrt führt zum einen zu innergriechischen Konflikten wie dem krotonisch-lokrisch-sybaritischen Krieg gegen Siris und zum anderen zu Auseinandersetzungen mit den im Hinterland lebenden Indigenen. Außer zu kriegerisch-politischen Kontakten kommt es von Beginn an zu Kulturtransfer und -kontakten, die sich in Veränderungen auf beiden Seiten abzeichnen.
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Objectives
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Die Bestattungssitten als ein Aspekt der griechischen und der italischen Kultur sollen hier unter besonderer Berücksichtigung der gegenseitigen Abhängigkeit in ihrer Genese erforscht werden. Die Gräberfelder des 8. bis 6. Jh. v. Chr. wurden teils in Vorberichten oder Notizen, teils in abschließenden Publikationen vorgelegt. Aus diesen Informationen werden die jeweils lokal- und regionaltypischen Bestattungselemente herausgearbeitet. Die Schwerpunkte liegen auf dem Grabtyp, dem Bestattungsritus und den Beigaben. Sie werden auf ihre Entwicklung hin untersucht und überregional zueinander in Beziehung gesetzt. Dabei zeichnen sich sowohl zwischen den griechischen Kolonien, als auch zwischen diesen und den Siedlungen in ihrem Umfeld Einflüsse und Abhängigkeiten ab. Die Einführung neuer Grabtypen oder Beigabensätze gehen einher mit der Übernahme und Entwicklung neuer Gebäudetypen und Siedlungsformen, der Einführung neuer Keramikformen und -dekore oder der Aneignung und Verbreitung der Schriftsprache. Sowohl die Bewahrung der eigenen Tradition, als auch die Innovationen finden in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Strukturen statt und wirken sich auf das jeweilige soziale Gefüge aus. Die Entwicklung im Bestattungswesen und die Einbettung derselben im gesellschaftlichen Kontext genau zu erfassen, bildet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der griechischen und der italischen Kulturen.
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History of Research
Während uns für die Griechen der Kolonien vergleichsweise viele schriftliche Überlieferungen, epigraphische und archäologische Zeugnisse der geometrischen und archaischen Zeit zur Verfügung stehen, sind wir in Hinblick auf die in Unteritalien lebenden nichtgriechischen Siedler außer auf die archäologischen Hinterlassenschaften auf spätere, meist griechische Schriftquellen angewiesen. Aus diesen kennen wir die Oinotrier, die Choner, die Iapygier, die Peuketier und die Messapier, die neben starken Gemeinsamkeiten ein differenziertes Bild in Hinblick auf ihr Kunstschaffen, ihre Sprache und ihr Bestattungswesen abgeben. Sie wurden vor allem in der italienischen Altertumswissenschaft untersucht; in detaillierten Einzelstudien wie in übergreifenden Betrachtungen. Ursachen und Mechanismen der sich verändernden italischen Kulturen werden hier seit langem kontrovers diskutiert. Dabei fällt eine oft über den Befund hinausgehende starke Rückprojektion späterer Überlieferungen und eine in dieser Genauigkeit gar nicht mögliche ethnische Zuweisung ins Auge. Theorien zu den Auswirkungen der griechischen Kolonisation und zu Transkulturationsprozessen gegenüber betonter autochthoner Eigenentwicklungen und Akkulturationsprozessen werden über ausgewählten Einzelbefunde und -funde gelegt. Daher ist eine von der Diskussion losgelöste Befund- und Fundauswertung erforderlich, wie dies bereits auf dem Gebiet der Keramik oder des Siedlungswesen geschieht. Angestrebt wird eine übergreifende Untersuchung für den oben beschriebenen Siedlungsraum, der über die Chora der einzelnen Kolonie und über die Zuständigkeitsgrenzen der Soprintendenzen hinausgeht.
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Previous Activities
Den aktuellen Forschungen gingen Studien mit anderem regionalen Schwerpunkten voraus: Die Untersuchung der euböischen Bestattungssitten und deren Übernahme und Abänderung in den Kolonien Pithekoussai und Kyme in Abhängigkeit der sich ausbildenden sog. Tombe Principesche im kampanisch-italischen Umland und die Untersuchung der Bestattungssitten in Gela und Akragas in den ersten Jahrhunderten der Kolonien in Bezug auf die rhodisch-kretischen Einflüsse und in Hinblick auf die Auswirkungen auf die sikanisch-sikulische Grabkultur im Umland.
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Methods
Die Untersuchung beruht auf der Auswertung bereits veröffentlichter Nekropolengrabungen, aktueller Vorträge und Ausstellungen. Eigene Grabungen und Surveys sowie Neuaufnahmen diverser Magazinbestände sind nicht geplant.
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Results
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Die Begriffe Tradition und Innovation sind keine beliebig mit der Thema verknüpften Schlagworte, sondern entspringen direkt dem Vorgefundenen. Denn wie sich in der Grabgestaltung der Indigenen weit zurückreichende Traditionslinien abzeichnen, finden wir auch in den griechischen Bestattungen Sitten und Bräuche aus der Heimat. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Spiegelbilder der dortigen Grabgestaltung, sondern um Abwandlungen, die außer durch gemischte Siedlergruppen auch über die lokalen Gegebenheiten und die sich daraus ergebenen Möglichkeiten bedingt sein werden. Wie in den Urbanisierungsprozessen dieser Zeit, läßt sich auch in den Gräbern beider Kulturgruppen eine sich zunehmend differenziert darstellende Gesellschaft erkennen, die ihr soziales Gefüge in die Gestaltung ihrer Umwelt und eben auch ihrer Gräber einfließen läßt. Ab dem Ende des 8. Jh. v. Chr. gehört griechische Keramik fest zu den Grabbeigaben indigener Gräber, im Laufe des folgenden Jahrhunderts steigt die Zahl der Beigaben noch einmal an, und das 6. Jh. v. Chr. bringt die Übernahme griechischer Grabtypen wie der monolithischen Steinsarkophage. Trotz der die Innovationen auslösenden Impulse werden die traditionelle Hockerstellung und die Waffenbeigabe in weiten Bereichen beibehalten, und bis in das 5. Jh. v. Chr. erfährt die bei den Griechen parallel praktizierte Brandbestattung kaum Verbreitung.
Zu den ersten Ergebnissen gehört auch die Abgrenzung zu den Entwicklung auf Sizilien. Hier finden wir trotz mannigfaltiger Anregungen durch die sich stark ins Hinterland ausbreitende griechische Bevölkerung Gelas ein deutliches Festhalten an der Körperbestattung in den traditionellen Felskammerhöhlen. Veränderungen zeigen sich in der zurückgehenden Mehrfachbestattung, in der Zusammensetzung der Grabbeigaben und im Übergang zur ausgestreckten Lage der Bestatteten.
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Further Contact Partners
Stipendiat
Nadin Burkhardt
eMail: NadinBurkhardt@web.de
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Sponsors
Gerda Henkel Stiftung
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Bibliography
- D. Adamesteanu (Hrsg.), Storia della Basilicata I. L'antichità (Bari 1999).
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Attività archeologica in Basilicata 1964-1977. Scritti in onore di Dinu Adamesteanu (Matera 1980).
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E. M. De Juliis, Magna Grecia. L'Italia meridionale dalle origini leggendarie alla conquista romana (Bari 1996).
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J. de la Genière, Recherches sur l'age du fer en Italie méridionale. Sala Consilina. Coll. Centre Jean Bérard 1 (Neapel 1968).
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F. von Duhn - F. Messerschmidt, Italische Gräberkunde II (Heidelberg 1939). -
C. Greiner, Die Peuketia. Kultur und Kulturkontakte in Mittelapulien vom 8. bis 5. Jh. v. Chr. (Remshalden-Grunbach 2003). -
M. Mayer, Apulien vor und während der Hellenisierung (Leipzig, Berlin 1914). -
Popoli anellenici in Basilicata. Soprintendenza alle antichità della Basilicata (Potenza 1971).
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