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Jabal al-'Awd - Eine frühhimyarische Bergsiedlung (1. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n. Chr.) im südjemenitischen Hochland.

Die 1998 begonnene und in bisher 6 Feldkampagnen durchgeführte Grabung auf dem Jabal al-'Awd wird von der Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts betreut.

Lage

    
  Das Bergmassiv des Jabal al-‛Awd von Südwesten  

Der etwas über 3000 m hohe Fundplatz befindet sich im Verwaltungsdistrikt Ibb südlich des Wadi Bana und südöstlich der nur etwa 25 km Luftlinie entfernten himyarischen Hauptstadt Zafar. Die antike Siedlung liegt an der höhsten und schmalsten Stelle des Bergplateaus und nimmt eine Fläche von ca. 340 m x 250 m ein.

Abteilungen:
Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung

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Geschichte

Im Gegensatz zu einigen sich um den Berg gruppierenden Dörfern ist der antike Name der Siedlung auf dem Jabal al-'Awd nicht bekannt. Mit großer Wahrscheinlichkeit lässt sich allerdings die Region bzw. der Berg selbst mit dem aus den altsüdarabischen Inschriften genannten Ortsnamen "al-Awd" identifizieren. Mit Ausnahme eines Podiumtempels aus der Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends kann die frühe Besiedlung des Fundplatzes bisher lediglich über Schriftquellen wie den Tatenbericht des sabäischen Herrschers Karib 'il Watar aus Sirwâh (Gl 1000A) und einer Felsinschrift am Jabal al-'Awd (RES 3858) nachgewiesen werden. In dieser Zeit steht die Region unter sabäischer, später unter qatabanischer Oberhoheit. Die archäologisch nachweisbare Siedlung datiert bis auf wenige Bereiche frühestens in das 1. Jh. v. Chr. und wurde Ende des 3. Jh. n. Chr. zerstört. Wann der politische Übergang von der qatabanischen zur himyarischen Herrschaft in dieser Region zeitlich anzusetzen ist, konnte bisher noch nicht geklärt werden. 

Ziele

    
  Athenastatuette mit südarabischer Inschrift aus dem großen Repräsentationsbau der Siedlung. 1. Jh. n. Chr.  

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die weitreichenden interkulturellen Beziehungen des Jemen in frühhimyarischer Zeit zu untersuchen. Wegen des vorwiegend hellenistisch-römisch geprägten Fundmaterials, das sowohl bei Raubgrabungen als auch im Verlauf der Grabungskampagnen des DAI entdeckt wurde, konzentrieren sich die Untersuchungen vor allem auf die Kontakte zum mediterranen Raum. Die Grabung liefert einen entscheidenden Beitrag für die Erforschung des jemenitischen Hochlandes. Dies gilt um so mehr, da in dieser Region bisher keinerlei archäologische Untersuchungen - speziell über die sog. Spätzeit der altsüdarabischen Reiche - durchgeführt wurden. Daher wird eine möglichst umfassende Erforschung der Siedlung vom Jabal al-'Awd angestrebt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Fragestellungen nach ihrer Organisation und Infrastruktur. Mit dem überaus reichen und zum großen Teil auch ungestörten Fundmaterial kann erstmalig eine Chronologie für das jemenitische Hochland der ersten nachchristlichen Jahrhunderte erstellt werden. Außerdem lässt sich durch die archäologischen und epigraphischen Befunde der Übergang von der qatabanischen zur sog. frühhimyarischen Zeit der himyarischen Ära nachvollziehen. 

Forschungsgeschichte

Lange Zeit war nahezu das gesamte Hochland des heutigen Jemen archäologisch unerforscht. Dies änderte sich erst im Laufe der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts mit Forschungsprojekten u. a. des Oriental Institute der University of Chicago in der Region von Dhamar mit Schwerpunkt der Surveyaktivitäten auf der prähistorischen Zeit, der DAI-Grabung auf dem Jabal al-Awd ab 1998 sowie zweier Ausgrabungen der jemenitischen Antikenbehörde auf dem Jabal Hagag (seit 2000) und in Hilla (seit 2001).Der Jabal al-Awd war durch die oben genannte qatabanische Felsinschrift bereits seit Ende des 19. Jh. bekannt. In den 70ziger Jahren des letzten Jahrhunderts kopierte der französische Epigraphiker Chr. Robin darüber hinaus einige Inschriften, ohne damit aber das Interesse der Archäologen zu wecken. Aufmerksamkeit der Fachwelt erhielt der Fundplatz erst durch spektakuläre Bronzefunde südarabischer sowie mediterranen Stils bei Raubgrabungen im Winter 1996. Das DAI nahm 1998 die Bitte der jemenitischen Antikenbehörde um Hilfe bei der Klärung des Fundkontextes der Bronzen zum Anlaß, ein Projekt zu initiieren, das sich den drängenden archäologischen Fragestellungen um die himyarische Kultur und deren Entstehung widmet. Die Grabungen konnten 2006 nach dreijähriger durch Stammesunruhen bedingter Unterbrechung fortgeführt werden. 

Bisherige Arbeiten

    
  Direkt an das Osttor der Anlage schließen sich Wohn- und Arbeitsbereiche an. 2./3. Jh. n. Chr.  

In den ersten Grabungskampagnen konzentrierten sich die Arbeiten auf die Klärung des Fundkontextes der bei Raubgrabungen entdeckten Bronzen. Diese stammten alle aus einem repräsentativen monumentalen Gebäudekomplex im Zentrum der Siedlung. Im weiteren Verlauf der Forschungen wurden im gleichen Gebiet spätantike Einzelbestattungen untersucht, die nach der Zerstörung der Siedlung in deren Schuttschicht angelegt wurden. Im östlichen Siedlungsgebiet kam bei den Grabungen ein Teil der Stadtmauer sowie ein Stadttor zu Tage.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Jedes der Wohngebäude besaß mindestens einen Raum, der als Begräbnisplatz genutzt wurde (Areal 3, Haus 1). 2./3. Jh. n. Chr.  
    
  Ansicht eines der Wohngebäude (Areal 3, Haus 2) auf dem Jabal al-‛Awd. 2./3. Jh. n. Chr.  

Zur Zeit liegt der Schwerpunkt der Arbeiten auf der Untersuchung frühhimyarischer Hausarchitektur, die sich über mehrere Bereiche der Siedlung erstreckt. Zeitgleiche Kollektivbestattungen die sich unter dem Fußboden mindestens eines Raumes dieser Wohnbebauung befinden, werden dabei ebenso erforscht. Neben den Forschungen zu den bisher im Jemen einzigartigen Bestattungssitten wird der topographische Plan der Anlage vervollständigt sowie ein Podiumstempel südarabischen Typs ausgegraben.Sondagen auf dem Burgberg der Siedlung sollen die mittelalterliche bis rezente Geschichte des Fundplatzes klären.Parallel zu den Feldforschungen erfolgt die Aufarbeitung des Fundmaterials und der Grabungsbefunde. Die Publikation der Grabungsergebnisse wird zur Zeit intensiv vorangetrieben. Weitere zum Verständnis der antiken Siedlung sowie der frühhimyarischen Zeit dringend notwendige Ausgrabungen sind auch in Zukunft geplant. 

Ergebnisse

    
   
    
  Hofanlage des großen Repräsentationsbaus der Siedlung. 2./3. Jh. n. Chr.  
   Bronzestatuette eines lagernden Steinbocks. 2./3. Jh. n. Chr.  
  Bronzestatuette eines lagernden Steinbocks. 2./3. Jh. n. Chr.  

Die Ausgrabungen auf dem Jabal al-'Awd konnten bisher eine Hauptphase der Besiedlungsphase zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 3. Jh. n. Chr. nachweisen. Die gesamte Siedlung fand ihr plötzliches Ende in einer großen Feuerkatastrophe, die vermutlich mit der zu dieser Zeit erfolgten ersten abessinischen Invasion Südarabiens zusammenhängt. In vollem Umfang wurde der Platz nie wieder besiedelt, allerdings wandelte man noch in spätantiker Zeit durch Planierungsarbeiten die ehemalige Siedlung in Feldterrassen um. Einige wenige Häuser wurden dabei notdürftig repariert und sehr einfach gestaltete Vorratskammern angelegt. Vermutlich in dieselbe Zeit fallen einige Einzelbestattungen, die in die Ruinen der zerstörten Siedlung eingebracht wurden. Auf dem sog. Burgberg der Siedlung finden sich Baureste aus der jüngeren Neuzeit, vor allem aber - wie die Keramik zeigt - aus dem Mittelalter. Schwere Eingriffe durch das Militär in den letzten Jahrzehnten machen eine Identifikation von antiken Bauresten an dieser exponierten Stelle der Anlage nahezu unmöglich.
Von der antiken Siedlung konnte bisher ein monumentaler Baukomplex, vermutlich eine Residenz mit Hofanlage freigelegt werden. In diesem Gebäude wurden bei den vorausgegangenen Raubgrabungen ein Großteil der Bronzeobjekte - vorwiegend Statuetten, Möbelbeschläge und Gefäße - entdeckt. All diese Objekte stammen aus den im Obergeschoss liegenden Wohnbereichen des Baues.
Südlich der Residenz wurden bisher vier Wohnhäuser mit ähnlichem Grundriss ausgegraben, wobei sich im Erdgeschoss die Arbeits- und Vorratsräume befinden, während die nur in geringen Resten erhaltenen Obergeschosse den Wohnbereichen vorbehalten waren. Jedes Haus weist bisher mindestens einen Raum auf, unter dessem Fussboden sich Kollektivbestattungen befinden. Diese sind zeitgleich mit den Häusern. Sowohl eine Bestattung innerhalb des Siedlungsgeländes als auch in Wohnbauten ist für Südarabien bisher einzigartig. Die Bestattungen sind häufig reich mit Beigaben versehen. Neben Keramiken und Steingefäßen gehören dazu vor allem Waffen aber auch Schmuck und Amulette. Wie bei den Bronzefunden aus dem großen Baukomplex läßt sich beobachten, dass neben reinen südarabischen Produkten auch in nennenswerter Zahl Importe aus dem mediterranen Raum (Glas, Ringe etc.) auftreten. Zudem finden sich Objekte, die einen südarbisch-mediterranen "Mischstil" aufweisen, ein Beleg dafür, dass südarabische Handwerker fremde Kunststile und Motive eigenen Bedürfnissen entsprechend umwandelten und fortentwickelten. Die großen Mengen an Bronzeobjekten und Möbelbeschlägen, die aus Raubgrabungen und den archäologischen Grabungen stammen, erhellen schlaglichtartig die engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen, die den Jemen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in ein vielschichtiges und geographisch weitreichendes Netzwerk integrierten. Auch in bestimmten Details der Architektur sowie des Baudekors erkennt man die Auseinandersetzung von traditionellen südarabischen Formen mit Elementen, die der römisch-mediterranen Welt entlehnt sind. 

Kooperationen

Prof. Dr. Nobert Nebes
Institut für Orientalische Sprachen und Kulturen
Friedrich Schiller-Universität Jena
Tel: 03641-944851, Sekretariat: 03641-944850
Fax: 03641-944852
Email: gnn@rz.uni-jena.de 

Ansprechpartner

Dr. phil. Iris Gerlach

Vorderasiatische Archäologie
Telefon: +967-(0)1 287 175/177-0
Telefax: +967-(0)1 485 213
Email: dai.sanaa@y.net.ye

externe Ansprechpartner

Holger Hitgen, M.A.
Klassische Archäologie
Telefon: +967-(0)1-287175
Telefax: +967-(0)1-485213
Email:
hitgen@y.net.ye oder
HolgerHitgen@aol.com

Förderung

Das Projekt wurde für einen Zeitraum von drei Jahren überwiegend aus Mitteln der Fritz-Thyssen-Stiftung sowie durch private Spendengelder finanziert. Die neueren Forschungen finanziert ausschließlich das DAI.  

Literatur

B. Vogt, Ein Schatzfund und seine unabsehbaren Folgen - Alpinarchäologische Untersuchungen des DAI am Jabal al-Awd/Provinz Ibb, Jemen Report 1, 1999, 5 ff.; Jemen. Kunst und Archäologie im Land der Königin von Saba. Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien 1998/99 (1998) Kat. Nr. 416. 461-465; H. Hitgen, Jabal al-'Awd - Ein qatabanisch-himyaritischer Fundplatz in den Bergen von Ibb, in: B. Vogt/ I. Gerlach/ H. Hitgen, Die Erforschung Altsüdarabiens. Das Deutsche Archäologische Institut Sana'a auf den Spuren des Sabäerherrschers Karib'il Watar, Nürnberger Blätter zur Archäologie 15, 1998/1999, 144 ff.; H. Hitgen, Jabal al-'Awd - Ein Fundplatz der Spätzeit im Hochland des Jemen, in: Staatliches Museum für Völkerkunde (Hrsg.), Im Land der Königin von Saba. Kunstschätze aus dem antiken Jemen (1999) 247 ff.; H. Hitgen, Magnesiumhydroxicarbonat - Ein wiederentdeckter Werkstoff in der altsüdarabischen Kunst, in: ABADY IX (2002) 165 ff.; H. Hitgen, Eine frühhimjarische Bergsiedlung auf dem Dschabal al-'Awd, in: I. Gerlach (Hrsg.), 25 Jahre Ausgrabungen und Forschungen im Jemen 1978 - 2003. Hefte zur Kulturgeschichte des Jemen 1 (2003) 106ff.; H. Hitgen, Jabal al-Lawdh. An Early Himyarite Mountain Settlement, in: A. C. Gunter (Hrsg.), Caravan Kingdoms. Yemen and the Ancient Incense Trade (2005) 43 ff.  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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