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Sarno-Becken: Rekonstruktion der antiken Kulturlandschaften (italiano)
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Kampanien. Sarno-Ebene
Ein multidisziplinäres Kooperationsprojekt mit Partnern aus Altertumswissenschaften und Geowissenschaften in Italien, Deutschland und England
Lage
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Die Ebene des Sarno, Blick von Süden (F. Seiler)
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Kampanien, Lage der Sarno-Ebene, antikes Straßennetz (F. Seiler)
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Die Ebene des Sarno an der Küste Mittelkampaniens bildet ein vom Vesuv im Norden, von Gebirgsausläufern des Apennin im Osten und Süden begrenztes und nach Westen zum Golf von Neapel geöffnetes beckenförmiges Gebiet von rund 200 qkm Fläche, das der Fluss Sarno mit seinen verzweigten Zuläufen durchfließt. Die Schwemmland-Ebene zeichnen ein großer Wasserreichtum, hohe Fruchtbarkeit des Bodens, günstige Klimabedingungen und ergiebige natürliche Ressourcen aus.
Verkehrsgeographisch liegt die Sarno-Ebene an einem bedeutenden Knotenpunkt. Das Territorium wurde von zwei wichtigen Fernstraßen durchquert, an der Meerseite von der Via Domitiana, die bei Sinuessa von der Via Appia abbog und die Küstenorte erschloss, an der Bergseite von der Via Popilia, der in Capua an der Via Appia abzweigenden Fernverbindung nach Rhegion (Reggio Calabria). Eine Nebenstrasse erschloss Pompei und den Hafen an der Mündung des schiffbaren Sarno, der für die Sarno-Ebene und das Hinterland den Hauptumschlagplatz für den Export darstellte.
Das Gebiet der Sarno-Ebene ist durch das häufige Auftreten von Naturereignissen (Vulkantätigkeit, Erdbebentätigkeit, Bradyseismus, Hangrutschungen, Überschwemmungen) einem ausgeprägten Transformationsprozess unterworfen, der die Landschaft morphogenetisch fortdauernd verändert. Seit dem ersten verstärkten Auftreten des Menschen in der mittleren Bronzezeit führen anthropogene Einwirkungen (Abholzung, Trockenlegung, Landnutzung, Siedlungsaktivität) zu weiteren nachhaltigen Veränderungen der Landschaft.
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Geschichte
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Höhenmodell und heutige hydrographische Situation der Sarno-Ebene und Lage der antiken Hauptorte sowie der Feuchtbodensiedlung Longola-Poggiomarino (S. Vogel)
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Lage der Villae rusticae im Gebiet von Pompeji (S. Vogel)
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Menschen verschiedener Kulturen und Ethnien haben die Sarno-Ebene wegen ihrer besonderen naturräumlichen Vorzüge seit dem Neolithikum aufgesucht und seit der mittleren Bronzezeit permanent besiedelt, wie unter anderem die spätbronzezeitliche, am Ende der Eisenzeit (um 600 v. Chr.) aufgegebene Flussniederlassung von Longola-Poggiomarino und bronzezeitliche Befunde in Pompeji zeigen.
In das Licht der dichteren geschichtlichen Überlieferung tritt das Gebiet etwa ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. mit dem Auftreten der Griechen, Etrusker, Samniten und Römer. Die Entwicklung in diesem Zeitraum bis zum Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr., der für das Leben in der Sarno-Ebene eine deutliche Zäsur markiert, steht auch im Vordergrund der Untersuchung. Die vielfältige Besiedlung des Kulturraums der Sarno-Ebene veranschaulichen Orte wie Pompeji mit seinem immensen Informationsgehalt an archäologischen Daten und Fakten und die weniger erforschten, aber nicht minder bedeutenden antiken Städte Nuceria (Nocera Superiore), Stabiae (Castellamare di Stabiae) und Sarnum (Sarno) sowie die in großer Zahl bekannten Villae rusticae, die Nekropolen und Heiligtümer.
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Ziele
Ziel der geoarchäologischen Untersuchung ist es, einen Beitrag zu der Rekonstruktion der antiken Kulturlandschaften in dieser einerseits vom Überfluss an Ressourcen und andererseits durch andauernde Bedrohung durch Naturkatastrophen geprägten Mikroregion am Golf von Neapel zu leisten. In dem Spannungsfeld dieser ambivalenten Umweltbedingungen kommt der Frage nach dem Siedlungsverhalten eine besondere Bedeutung zu. Es sollen kulturräumliche Modelle entwickelt werden, welche die Siedlungsaktivitäten in der Sarno-Ebene in ihren wechselseitigen Beziehungen und Dynamiken unter Berücksichtigung der ökologischen, wirtschaftlichen, politischen und verkehrsgeographischen Beweggründe diachronisch darstellen.
Das Forschungsprojekt ist in dieser Ausrichtung mit dem Forschungscluster 3 des Deutschen Archäologischen Instituts "Politische Räume" verbunden und arbeitet zur Zeit in dem Forschungsfeld "Erschließung und Nutzung" mit.
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Aktuelle Arbeiten
Das Projekt nahm im Herbst 2006 seine Arbeit auf. In der ersten Phase wurden auf verschiedenen Ebenen Grundlagenarbeiten für das im Aufbau begriffene Geoinformationssystem unternommen. Parallel dazu wurde mit der Bearbeitung ausgewählter Forschungsthemen begonnen, unter anderem Projekte zur Analyse von Paläo-Böden in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Villae rusticae, zur Rekonstruktion der Paläo-Oberfläche des Horizontes 79 n. Chr., zu Fragen des Vorkommens, Transports und der Verwendung von Baustoffen sowie zur Erschließung des Territoriums und zum Wegesystem. Die geoarchäologische Feldarbeit begann 2007 mit einer Serie von 15 Kernbohrungen im näheren Umkreis von Pompeji. Die seit 2004 laufenden dendrochronologischen Analysen der Holzbefunde in der Ausgrabung von Longola-Poggiomarino durch das naturwissenschaftliche Labor an der Zentrale des DAI tragen unter anderem auch zur Kenntnis des regionalen Waldökosystems bei und sollen Anhaltspunkte für Grobklimadaten liefern.
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Methoden
Die Untersuchung wendet im Feldbereich geoarchäologische Methoden an, an die sich aufgrund der neotektonischen Gegebenheiten der Landschaft besondere technisch-methodische Herausforderungen stellen. Die zum Teil viele Meter tiefen Eruptions- und Sedimentationsschichten, in welche die Kulturhorizonte und Paläoböden eingesiegelt sind, stellen aufschlussreiche geologische und archäologische Archive dar, die in erster Linie mittels Kernbohrungen verortet und mittels naturwissenschaftlicher und technischer Verfahren analysiert werden. Im theoretischen Untersuchungsbereich kommen unter anderem GIS-gestützte kartographische und statistische Methoden und die Luftbildauswertung zum Einsatz.
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Ergebnisse
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Geomorphologisches Höhenmodell, Situation 79 n. Chr. (S. Vogel) |
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Ausschnitt aus dem Luftbild-Mosaik von 1943/45 (Photos Aerofototeca ICCD, Bearbeitung W. Linder, V. Heck) |
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Holzproben aus der Feuchtbodensiedlung von Longola-Poggiomarino (U. Heussner) |
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Die im Aufbau begriffene Sammlung aller zugänglichen Bohrkerndaten in der Sarno-Ebene und ihre stratigraphische Auswertung erlaubte bereits die Erstellung erster geomorphologischer Höhenmodelle, die den Horizont 79 n. Chr. genauer, als es bisher möglich war, darstellen. Insbesondere der Bereich im weiteren Umkreis von Pompeji ist hier mit einem dichten Netz an Höhendaten überzogen, die aufbauend auf anderen Arbeiten eine relativ genaue Rekonstruktion der antiken Reliefs vor der Verschüttung erlauben. Das archäologisch-geographische Informationssystem wird ebenso durch die Sammlung, Auswertung und Erfassung der Daten größerer archäologischer Denkmäler zunehmend angereichert.
Aufschlussreich für die landschaftliche Situation der Ebene vor der dramatisch fortschreitenden modernen Urbanisierung sind die Luftbilder der Zeit 1943-45, die georeferenziert und von zu einem Orthophoto-Mosaik zusammengesetzt wurden. Die Luftaufnahmen werden unter anderem für Fragen der historischen Wegeführung und landwirtschaftlichen Nutzung ausgewertet.
Die dendrochronologischen Analysen von ca. 2600 Holzbefunden aus der Ausgrabung der Feuchtbodensiedlung in Longola-Poggiomarino hat die Aufstellung der ersten absolut chronologischen Kurve für den Raum Süditaliens erbracht, die momentan die Zeit von 1343-718 v. Chr. abdeckt. Die Daten stellen die Grundlage für die ökologische Auswertung der Waldressourcen dar.
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Kooperationen
Die komplexen fach- und epochenübergreifenden Fragen sind nur im Zusammenwirken verschiedener Disziplinen und unter Beteiligung von Wissenschaftlern archäologischer, historisch-philologischer und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen zu bearbeiten. Das Forschungsprojekt wird unter der Federführung des DAI in Kooperation mit den Soprintendenzen in Pompei und Salerno und mit verschiedenen Institutionen und Wissenschaftlern in Deutschland, Italien und England betrieben.
Kooperationspartner
Soprintendenza Archeologica di Pompei
Soprintendenza per i Beni Archeologici delle Province di Salerno, Avellino e Benevento
Autorità di Bacino del Sarno
Commissariato di Governo per l'emergenza idrogeologica in Campania
Universität Potsdam, Institut für Geoökologie und Lehrstuhl für Landschaftsökologie und Bodenkunde
Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Mathematisch-Naturwissenschatliche Fakultät, Geographisches Institut
Dendrochronologisches Labor, Referat Naturwissenschaften, Deutsches Archäologisches Institut
Università degli Studi di Napoli Federico II, Polo delle Scienze e delle Tecnologie, Dipartimento di Scienze della Terra
Oxford University, Museum of Natural History
Wissenschaftlicher Beirat
Dr. Giuliana Tocco, ehem. Soprintendente, Soprintendenza per i Beni Archeologici delle Province di Salerno, Avellino e Benevento
Prof. Pietro Giovanni Guzzo, Soprintendente, Soprintendenza Archeologica Pompei
Prof. Pietro Giuliano Cannata, Segretario Generale, Autorità di Bacino del Sarno
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts
Dr. Werner Stackebrandt, Leiter der Abteilung Geologie, Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg
Geoarchäologischer Berater
Dott. Giovanni Di Maio
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Ansprechpartner
Dr. phil. Florian Seiler
Klassische Archäologie
Telefon: 01888-7711-153
Telefax: 01888-7711-168
Email: redaktion@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: fs@dainst.de
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externe Ansprechpartner
Dr. phil. Pia Kastenmeier
Klassische Archäologie
Projektkoordination in Italien
Email: kasten@libero.it
Sebastian Vogel
Geographie, Geoökologie
Koordination GIS
Email: sv@dainst.de
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Literatur
P. G. Guzzo, Pompei. Storia e paesaggi della città antica (Milano 2007).
F. Senatore, Stabiae. Dalla preistoria alla guerra greco-gotica (Pompei 2003).
A. Pecoraro (a cura di), Nuceria Alfaterna e il suo territorio (Nocera Inferiore 1994).
F. Seiler - P. Kastenmeier, La ricostruzione dei paleo-paesaggi nella piana del Sarno, in Quaderni Autorità di Bacino del Sarno. Studi, documentazione e ricerca, 1, 2007, 24-26.
F. Seiler, Projekt Sarno-Becken, Jahresbericht des Deutschen Archäologischen Instituts 2006 (Berlin 2007) 12-14.
F. Seiler, Rekonstruktion der antiken Kulturlandschaften des Sarno-Beckens. Ein multidisziplinäres Kooperationsprojekt mit Partnern aus Naturwissenschaften und Altertumswissenschaften in Deutschland, Italien und England, in: P. G. Guzzo - M. P. Guidobaldi (a cura di), Nuove ricerche archeologiche nell'area vesuviana (scavi 2003-2006). Convegno Internazionale, Roma 1-3 febbraio 2007 (Roma 2008) 485-490.
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