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al-Mabna - Die spätantike Dammanlage in der Nordoase von Marib

Die 2003 begonnene Bauaufnahme und Grabung wird von der Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts betreut.

Lage

Die Dammanlage al-Mabna liegt an den nordwestlichen Ausläufern der Oase von Marib im Wadi as-Saila, der Verlängerung des Wadi Gufaina und ist etwa 5,5 km von Marib Stadt entfernt. Das Wadi verläuft dort direkt zwischen dem Gebiet der Oase und den angrenzenden Lavafeldern. Die Oase von Marib befindet sich am südwestlichen Rand der Wüste Rub 'al Kahli im Zentrum der Arabischen Republik Jemen.

Abteilungen:
Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

Aus antiken Schriftquellen ist dieser Wasserwirtschaftsbau bislang nicht bekannt. Die archäologischen und sedimentologischen Untersuchungen datieren den Bau in das 5./6. Jh. n. Chr. Er sollte neben dem relativ unregelmäßig einsetzenden Wasserabfluß des Wadi Gufaina vor allem das ungenutzte Wasser, das von dem nur noch bedingt funktionsfähigen Großen Damm am Wadi Dhana abgeleitet wurde, auffangen und verwerten. Die Anlage von al-Mabna stellt den letzten Versuch in der Antike dar, ein großes übergreifendes Bewässerungssystem in der Oase von Marib zu installieren und zu betreiben. 

Ziele

    
  Plan der Gesamtanlage mit der nördlich benachbarten frühsabäischen Siedlung  

Bei den Arbeiten an der durch Steinraub stark bedrohten Dammanlage steht die Untersuchung der Bewässerungstechnik in einem landwirtschaftlich bedeutsamen Nebenwadi der Nordoase von Marib im Vordergrund. Die Anlage von al-Mabna ist zwar zur gleichen Zeit wie die spätesten Phasen des Großen Dammes errichtet worden, doch zeigt ihr Aufbau entscheidende Unterschiede, deren Ursachen zu klären sind. Zudem spielt die Frage nach der Herkunft des Baumaterials eine besondere Rolle. Die Wasserwirtschaftsbauten dieser Zeit wurden mehrheitlich aus Spolien abgerissener Tempel und öffentlicher Bauten errichtet. Dieses Phänomen scheint mit der Ablösung der polytheistischen Kulte durch die monotheistischen Religionen im Zusammenhang zu stehen.  

Forschungsgeschichte

Die Dammanlage ist bereits von E. Glaser im Jahre 1888 besucht worden, der neben einer erstaunlich exakten Skizze auch eine eingehende Beschreibung überlieferte. Er nennt die Anlage Mebna el-Hasrag "Bau des Röchelns - Bau des Absterbens". In den späten 70er und frühen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bildete al-Mabna dann Gegenstand geomorphologischer und sedimentologischer Untersuchungen.  

Bisherige Arbeiten

    
  Blick von Norden auf den südlichsten Auslaß  

Neben der photogrammetrischen und zeichnerischen Aufnahme der oberflächlich anstehenden Architekturreste wurden zwei Auslässe von herabgestürztem Steinmaterial gesäubert und bis zu den Fundamenten ausgegraben. Das Steinmaterial wurde gesammelt und in umzäunten Steingärten der Funktion nach geordnet und aufgestapelt. 

Aktuelle Arbeiten

    
  Blick von Süden über die Sedimente der Nordoase auf die Dammanlage  

Gegenwärtig sollen Surveys in der Umgebung die Frage nach der Effektivität des Wasserwirtschaftsbaus sowie nach der Dauer seiner Nutzung klären. Bei diesen Arbeiten stehen vor allem bodenkundliche und sedimentologische Analysen im Vordergrund.  

Ergebnisse

    
  Blick von Nordosten in die Zwischenräume der drei langen Staumauern

 

Die Dammanlage al-Mabna nutzte neben der Flut aus dem Wadi Gufaina auch diejenigen Wassermengen, welche über den Überlauf des Nordbaus am Großen Damm in das Wadi Gufaina abgeleitet wurden. So konnte man Teile der Nordoase bewässern, die das alte System nicht mehr erreichte. Darüberhinaus wurden aber auch zusätzliche Bereiche am Wadi Gufaina erschlossen und nutzbar gemacht. Im Gegensatz zum Großen Damm bestand diese Anlage nicht aus zwei Auslaßbauwerken mit einem Erddamm dazwischen, sondern aus drei langen Mauern und vier Auslaßbauwerken. Die südlichste Mauer übernimmt die Sperrung des Wadis, die beiden anderen dienten zur Kanalisierung und Aufstauung des Wassers, damit es dann über die Auslassbauwerke in die verschiedenen Kanäle geleitet werden konnte. Diese Dammauern passen sich in ihrem gewundenen Verlauf den geographischen Gegebenheiten an. Alle Mauern bestehen aus schichtweisen Anschüttungen von Steinmaterial, welches mit Qadad, einem wasserfesten Mörtel, ummantelt wurde. Die Auslässe hingegen weisen ein massives Schalenmauerwerk aus Kalksteinquadern mit einer Füllung aus Bruchsteinen auf. Sie sind aus Spolien errichtet, die nur mäßig zugearbeitet, aber mit eisernen Schwalbenschwanzklammern verbunden wurden. Die wenigen verbauten Inschriften belegen, daß das Baumaterial wohl mehrheitlich aus einem Heiligtum stammt, das unweit nördlich der Anlage in den Feldern der Nordoase zu lokalisieren ist. 

Kooperationen

Die Untersuchungen im Jahre 2003 waren ein Kooperationsprojekt zwischen dem DAI Sanaa und dem Bergbau-Museum in Bochum.

Prof. Dr. Nobert Nebes
Institut für Orientalische Sprachen und Kulturen 
Friedrich Schiller-Universität Jena
Tel: +49-(0)3641 944850; Fax: 03641 944852
Email: gnn@rz.uni-jena.de 
 
Prof. Dr. Michael Schütz
Department Baungenieurswesen
HafenCity Universität Hamburg
Tel: +49 (0)40 - 428 27-5511,  Fax: +49 (0)40 - 428 27-5609

Prof. Dr. Thomas Kersten und Dipl. Ing. Klaus Mechelke
Department Geomatik
Labor für Instrumentenkunde
HafenCity Universität Hamburg
Tel: +49-(0)40 428275477, Fax: +49-(0)40 428275477
Email: Thomas.kersten@hcu-hamburg.de; klaus.mechelke@hcu-hamburg.de

Die Grabungen und Surveys werden in Zusammenarbeit mit der Antikenverwaltung der Arabischen Republik Jemen (General Organisation of Antiquities and Museums GOAM) ausgeführt.
 

Ansprechpartner

Dr. phil. Iris Gerlach

Vorderasiatische Archäologie
Telefon: +967-(0)1 287 175/177-0
Telefax: +967-(0)1 485 213
Email: dai.sanaa@y.net.ye

Literatur

J. Schmidt, Bauanlage "al-Mabna" im Wadi Gufaina, ABADY 7 (Mainz 1995) 105-119; U. Brunner, Die Erforschung der antiken Oase von Marib mit Hilfe geomorphologischer Untersuchungsmethoden, ABADY 2 (Mainz 1983) 74-86; R. Wade, Archaeological Observations around Marib 1976, Proceedings of the Seminar for Arabian Studies 9, 1979, 114; R. Schoch, Die antike Kulturlandschaft des Stadtbezirkes Saba und die heutige Oase von Marib in der Arabischen Republik Jemen, Geographica Helvetica 33.3, 1978, 124; D. H. Müller - N. Rhodokanakis (Hsrg.), Eduard Glasers Reise nach Marib, Sammlung Eduard Glaser I (Wien 1913) 49-51 Blatt 5  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

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