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Wadi Gufaina

Eine frühsabäische Siedlung im Wadi Gufaina - Leben am Rande der Lavawüsten

Die 2003 begonnene Grabung wird von der Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts betreut.

Lage

Die 350 x 70 m große Siedlung erhebt sich auf einer Lavazunge an den nordwestlichen Ausläufern der Oase von Marib. Diese liegt am südwestlichen Rand der Wüste Rub 'al Kahli im Zentrum der Republik Jemen und ist etwa 135 km von der modernen Hauptstadt Sana'a entfernt. Nördlich der Siedlung erstrecken sich unwirtliche Lavafelder und Vulkankegel, während sich nach Süden hin die Oase von Marib anschließt.

Abteilungen:
Außenstelle Sana'a der Orient-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Geschichte

    
  Blick von Nordosten auf den Siedlungshügel  

Aus antiken Schriftquellen ist diese Siedlung bislang nicht bekannt. Die archäologischen Untersuchungen ergaben, daß sich hier wohl erstmals am Ende des 2. Jt. v. Chr. Menschen niederließen und während der folgenden Jahrhunderte einige Male die Bebauung erneuerten. Während des 7./6. Jh. v. Chr. - der Blütezeit des sabäischen Reiches - scheinen die Bewohner die Siedlung wieder verlassen zu haben, wobei es keine Hinweise dafür gibt, ob der Grund für die Zerstörung z. B. eine Naturkatastrophe, eine Epedimie oder eine kriegerische Auseinandersetzung war. Vermutlich aber zogen die Bewohner die weniger lebensfeindliche Umgebung der Oase für eine Ansiedlung vor. 

Ziele

    
  Plan der Siedlung  

Bei den Grabungen stehen neben allgemeinen Fragen über Standorte und Funktionen sabäischer Siedlungen in der Oase von Marib vor allem chronologische Aspekte im Vordergrund. Die unberührte Oberfläche mit Überresten von Architektur und Fundmaterial wie Keramik, Steingefäßen und -geräten ließ eine ungestörte Stratigraphie vermuten. Basierend auf dieser Stratigraphie sollen Materialsequenzen erarbeitet werden, die ein verlässliches zeitliches Gerüst für die frühsabäische Phase bieten. Gerade die materielle Kultur dieser Epoche entzieht sich bisher noch unserer Kenntnis und sowohl Bauformen und -techniken sowie Gefäße und Geräte aus Ton und Stein lassen sich gegenwärtig zeitlich nur vage einordnen. 

Forschungsgeschichte

Der Fundplatz ist seit den späten siebziger Jahren des 20. Jahunderts bekannt und wurde ohne nähere Angaben kartiert. Allerdings fanden bis zum Beginn des Projektes nie archäologische Prospektionen oder Begehungen statt. 

Bisherige Arbeiten

    
  Blick von Süden auf den Hangschnitt  

Neben der schematischen Aufnahme der oberflächlich anstehenden Architekturreste und der Erstellung eines Gesamtplanes für die Siedlung wurden zwei Grabungsschnitte angelegt. Die Flächengrabung an der höchsten Stelle des Hügels brachte Teile eines Gebäudes mit drei kurz aufeinander folgenden Bauphasen zum Vorschein. In dem Hangschnitt, der bislang noch nicht den Fuße des Hügels erreichte, zeigten sich drei Bauphasen, wobei die oberste mit der Bebauung innerhalb der Flächengrabung chronologisch übereinstimmt.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Luftbild der Feldstrukturen nahe der oben links im Bild erscheinenden Siedlung  

Gegenwärtig wird die bei den Grabungen geborgene Keramik ausgewertet. Neben einer typologischen und formanalytischen Aufnahme der Fragmente erfolgt eine Zuordnung zu den einzelnen Schichten, um so eine Datierung zu ermöglichen und ein Keramikrepertoire für die verschiedenen Jahrhunderte zu erstellen. Bei einem Survey in der Umgebung entdeckte man die auf den benachbarten Lavaflächen befindlichen Felder sowie die an den Feldrändern liegenden Grabhügel. Zudem versuchen bodenkundliche, sedimentologische und geoarchäologische Untersuchungen die Frage zu klären, in welcher Form man die Felder bewässerte und welche Umweltbedingungen zur Zeit der Nutzung vorherrschten.  

Methoden

Neben den üblichen Methoden einer Grabung liegt das besondere Augenmerk auf einer detaillierten Datierung stratifizierbarer Befunde anhand naturwissenschaftlicher Methoden. Zahlreiche 14C-Proben sowohl der Siedlungsschichten als auch von hölzernen Architekturteilen wie z. B. Türbalken oder Pfosten werden daher analysiert. Wegen des guten Erhaltungszustandes erfolgt zudem eine eingehende Auswertung archäobotanischer Funde wie etwa von geborgenen Körnern und Kernen. Die botanische Analyse verspricht Informationen über die angebauten bzw. gesammelten Getreidesorten, Pflanzen und Früchte. Damit können erstmals für den sabäischen Kulturraum Hinweise auf das Ernährungsverhalten der Sabäer in der 1. Hälfte des 1. Jt. v. Chr. gewonnen werden. 

Ergebnisse

    
  Holzpfosten im Inneren des in der Flächengrabung angeschnittenen Gebäudes

 

Die an der Oberfläche sichtbare Bebauung gibt eine dichte Besiedlung entlang unregelmäßig verlaufender Wege zu erkennen. Die gesamte Hügelkuppe ist von einer Stadtmauer umgeben. Die Häuser folgen nur bedingt einem rechtwinkligen Schema und scheinen teilweise auch sukzessive erweitert worden zu sein. Kein Grundriß erlaubt bislang eine Deutung als öffentliches Gebäude oder als Tempel. Vermutlich handelt es sich um Wohn- und Wirtschaftsbauten. Sie bestehen aus groben Lavabrocken, wobei für das Fundament teilweise grob zugerichtete Kalksteinquader Verwendung fanden. Die Wände erhielten einen Verputz aus Lehm, in dem heute noch die Fingerabdrücke der Bauleute zu erkennen sind. Im Inneren stützten Holzpfosten die Dachkonstruktion. Das Fundmaterial setzt sich mehrheitlich aus grober Küchen- und Vorratskeramik, aus Steingefäßen, Reibsteinen, Mörsern und Schleifsteinen sowie aus tönernen Frauen- und Dromedarfigurinen zusammen. Dieses Repertoire verdeutlicht anschaulich den landwirtschaftlich geprägten Charakter der Siedlung. Anhand der Funde läßt sich diese Phase der Siedlung in das 7./6. Jh. v. Chr. datieren.
Die Bebauung der beiden unteren Schichten des Hangschnittes besteht aus Lehmziegelmauern, die leider bislang noch nicht zu Hausgrundrissen rekonstruiert werden konnten. Neben einer großen Zahl an Keramikfragmenten wurden auch Tonfigurinen geborgen. Anhand von Vergleichen lässt sich das Material bis an den Anfang des 1. Jt. v. Chr. datieren. Diese Häuser wurden nach ihrer Aufgabe vollständig mit Abraum verfüllt, um eine plane Fläche für die neuen Gebäude zu schaffen.
Das Verlassen der Siedlung im 6./5. Jh. v. Chr. steht mit der Entwicklung der Bewässerungssysteme im engen Zusammenhang. Die zu diesem Zeitpunkt voll ausgeprägten großräumigen Wasserbauten machten die arbeitsaufwändigen und wegen der geringen Wasserressourcen auch nur schwer kontrollierbaren kleinformatigen Bewässerungsanlagen überflüssig. In der Aufgabe der Siedlung spiegelt sich ein Zentralisierungsprozeß wider, der in der Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends die gesamte Oase von Marib betrifft. 

Kooperationen

DAI Zentrale, Dr. Reinder Neef (Archäobotanik)

Dr. Dana Pietsch und Dr. Peter Kühn
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Geographisches Institut, Physische Geographie
Tel: +49-(0)7071 2977533
Fax: 49-(0)7071 295391
Email: dana.pietsch@uni-tuebingen.de

Die Grabungen und Surveys werden in Zusammenarbeit mit der Antikenverwaltung der Republik Jemen (General Organisation of Antiquities and Museums GOAM) ausgeführt. 

Ansprechpartner

Dr. phil. Iris Gerlach

Vorderasiatische Archäologie
Telefon: +967-(0)1 287 175/177-0
Telefax: +967-(0)1 485 213
Email: dai.sanaa@y.net.ye

Literatur

H. Hitgen, The ancient cultural landscape of the WÄ?dÄ« Äžufayna in the Oasis of Ma'rib, in: A. M. Sholan, S. Antonini, M. Arbach (Hrsg.), Sabaean Studies. Archaeological, Epigraphical and Historical Studies in honour of YÅ«suf M. ‛AbdallÄ?h, Alessandro de Maigret and Christian J. Robin on the occasion of their 60th birthdays (Neapel - Saaa 2005) 321-340.  

 


 
 

Aktualisiert: 04.08.2008

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