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Archäologische Forschungen 23: Aizanoi 1

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Philipp Niewöhner, Aizanoi, Dokimion und Anatolien. Stadt und Land, Siedlungs- und Steinmetzwesen vom späteren 4. bis ins 6. Jahrhundert v. Chr., Archäologische Forschungen 23 (Aizanoi 1) (Wiesbaden 2007)


1990 begann ein neuer Abschnitt der Aizanoi-Grabung mit dem Ziel, die Stadtentwicklung von den Anfängen bis zur Einbeziehung der Ruinen in das traditionelle türkische Landstädtchen Çavdarhisar zu klären. Die Ergebnisse der Untersuchungen haben exemplarischen Charakter und liefern Erkenntisse, die zur Erforschung des Siedlungswesens und der Kulturlandschaften im gesamten westlichen Zentralanatolien und über seine Grenzen hinaus beitragen.
Besser als viele andere anatolische Städte hat die Lage Aizanois und seiner Siedlungskammer weit weg von den modernen Wirtschafts- und Tourismuszentren der Türkei zahlreiche antike Hinterlassenschaften bewahrt. In vielen Dörfern finden sich Architekturteile, die offensichtlich aus christlichen Bauten stammen, aber, abgesehen von Grabsteinen, keinerlei Hinweise auf antike Repräsentationsarchitektur. Dieser Umstand deutet darauf hin, daß sich hier jener historische Wandlungsprozeß näher erforschen läßt, der allgemein mit dem Ende der Antike in Zusammenhang gebracht wird.
Der Autor der vorliegenden Publikation hat sich dieser Aufgabe mit Energie und Zielstrebigkeit angenommen und alle auffindbaren frühbyzantinischen Monumente der Aizanitis dokumentiert und ausgewertet. Er kann überzeugend nachweisen, daß von einem pauschalen Niedergang des Siedlungswesens im 5. und 6. Jh. nicht die Rede sein kann. Vielmehr gleichen sich die Siedlungsbilder des städtischen Zentrums und der ländlichen Siedlungen an. Die fortschreitende Vernachlässigung der Stadt geht mit einem Bauboom auf dem Land einher.
Die Einordnung der Entwicklung Aizanois und der Aizanitis in einen größeren Rahmen belegt, daß die hier untersuchten Vorgänge als exemplarisch auch für andere antike Städte und ihr Umland gelten können und daß es sich bei der Angleichung der Siedlungsbilder von Stadt und Land im 5. und 6. Jh. um eine Tendenz handelt, die ganz Anatolien geprägt hat. Ihre Ursachen sind im komplexen Zusammenwirken aus politisch-gesellschaftlichen und ökonomischen Faktoren zu suchen.
Ein weiteres Ergebnis der aizanitischen Feldforschungen hat sich erst im Lauf der Untersuchungen herauskristallisiert: Es fanden sich immer mehr erstklassige Steinmetzarbeiten aus dem gleichen dokimischen Marmor, der in der Kaiserzeit für die berühmten kleinasiatischen Sarkophage verwendet wurde. Offenbar stellten die Brüche und Werkstätten in Dokimion nicht, wie bisher angenommen, im 3. Jh. ihre Arbeit ein, sondern setzten die Produktion während der gesamten frühbyzantinischen Zeit auf erstklassigem Niveau fort. Im 4. Jh. entwickelten sie dabei jenes charakteristische, frühbyzantinische Formenrepertoire, das dann in theodosianischer Zeit von den hauptstädtischen Marmorbrüchen auf Prokonnesos übernommen wurde. Bis ins 6. Jh. blieb die dokimische Produktion eigenständig und erstklassig. Diese Entdeckungen lassen die Entwicklung der frühbyzantinischen Steinmetzkunst, insbesondere in Bezug auf das Verhältnis von Hauptstadt und Provinz, in ganz neuem Licht erscheinen.

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Aktualisiert: 14.01.2008

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