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Oinoanda und die größte Inschrift der antiken Welt (türkçe)
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Oinoanda
Ein neues Projekt der Abteilung Istanbul zur Erforschung der Stadt des Diogenes und seiner berühmten, philosophischen Inschrift
Location
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1 Die Lage von Oinoanda im nördlichen Lykien
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2 Lageplan des Ruinengeländes von Oinoanda auf Basis der Ergebnisse des britischen Surveys und der türkischen Landesvermessung
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Die antike Stadt Oinoanda befindet sich am Rand der Kibyratis in den entlegenen und rauhen Bergregionen des nördlichen Lykiens (1). Das eigentliche Siedlungsgelände nimmt die weitläufigen Senke eines Bergrückens zwischen zwei größeren Anhöhen ein und liegt auf etwa 1400m Höhe (2). Der nördlich des Stadtgebiets sich erhebende Eren Tepe (1532m) wird gelegentlich als Akropolis von Oinoanda bezeichnet, ist aber nicht an das Siedlungsgefüge angebunden. Die stark bewegte Topografie (3) erlaubte nur im nördlichen Stadtgebiet die Einrichtung größerer Platzanlagen - der Agora und der sog. Esplanade, während sich alle übrigen Bebauungsreste in relativ starker Hanglage befinden. Nach Südwesten ist das Stadtgebiet durch einen mit zwei Türmen bestückten, gut erhaltenen Mauerabschnitt abgeschirmt. Dieser wird vom Verlauf eines nach Süden ausgreifenden Aquaedukts tangiert, das ebenfalls noch hoch erhalten ist und die Senke zur nächsten, südlich anschließenden Berghöhe überwindet. Östlich des Stadtgebiets liegt in der Ebene das moderne Dorf Incealiler, von diesem führt heute ein Fußpfad hinauf in das Ruinengelände.
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Objectives
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3 Blick über die bewaldeten Flächen des Stadtgebiets von Süden
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Ziel des neuen, 2007 begonnenen Forschungsprojekts in Oinoanda ist es, durch eine umfassende Neudokumentation der Stadtanlage und der über das gesamte Ruinengelände verstreuten Inschriftenfragmente unter Zuhilfenahme moderner Aufnahmetechniken die Untersuchungen zur Diogenesinschrift, zur Stadtentwicklung Oinoandas und zur besonderen materiellen Kultur des antiken Ortes auf eine neue Grundlage zu stellen. Durch eine internationale und fächerübergreifende Zusammensetzung der beteiligten Wissenschaftler soll die bisher auf die epigrafischen Inhalte konzentrierte Forschung zu Oinoanda auf eine breitere Basis gestellt werden und damit das Verständnis für die Eigenarten dieses Ortes und seiner "schreibfreudigen" Bewohner erweitert werden. Nicht zuletzt im Hinblick auf die Situation des Ruinengeländes sind diese neuen Aktivitäten in Oinoanda dringend erforderlich, denn die archäologische Substanz des Ortes ist durch Raubgrabungen massiv gestört und bedroht.
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History of Research
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4 Verbaute Fragmente der Diogenesinschrift im Stadtgebiet
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Die Stadtanlage von Oinoanda war bereits in den 1840er Jahren von englischen Forschungsreisenden entdeckt und identifiziert worden, auch ein erster Plan erschien bereits 1847. Doch erfuhren weder die Gesamtanlage noch die zum Teil gut erhaltenen Einzelbauten in der Folge eine weitergehende Beschäftigung. Die gesamte Aufmerksamkeit der Forschung galt vielmehr den Fragmenten einer philosophischen Inschrift, die erstmals 1884 entdeckt worden war und in den folgenden Jahren durch den Fund von insgesamt 88 Fragmenten als monumentale Verewigung der epikureischen Lehren des Philosophen Diogenes von Oinoanda identifiziert werden konnte. Im weiteren Verlauf der Forschung sollte sich herausstellen, daß es sich hierbei um die größte bekannte Inschrift der antiken Welt handelt.
Ein neues Kapitel der Forschungsgeschichte von Oinoanda wurde ab 1968 mit den Untersuchungen von Martin Ferguson Smith eröffnet, die sich wiederum auf die Diogenesinschrift richteten und dem Forschungsstand 38 neue Fragmente hinzufügen konnten. Außerdem konnte Smith zahlreiche der im 19. Jh. entdeckten Fragmente wieder auffinden und neu bearbeiten. Ab 1974 schloss sich eine langjährige Surveyunternehmung des BIAA (British Institute at Ankara) an, die zunächst von Alan Hall geleitet wurde. Sie führte erstmals zu einer tieferen Beschäftigung mit der Stadttopografie und den Bauten von Oinoanda, parallel dazu konnte aber auch der Bestand an Fragmenten der Diogenesinschrift um insgesamt 86 Neufunde vermehrt werden, die von M. F. Smith sukzessive publiziert wurden. Der Schwerpunkt der Inschriftenfunde lag im Bereich der sog. Esplanade, die als ältere, hellenistische Agora der Stadt identifiziert wurde. 1997 konnte M. F. Smith als wissenschaftlicher Leiter einer vom Museum Fethiye durchgeführten Notgrabung auf der Esplanade eine Reihe weiterer Inschriftenblöcke freilegen, doch musste diese Unternehmung vorzeitig abgebrochen werden. Es war die erste und einzige archäologische Grabung in Oinoanda. Im Rahmen der Surveyunternehmung durchgeführte Begehungen erschlossen auch das Territorium der antiken Stadt. Neben der epikureischen Inschrift wurden zahlreiche nicht-philosophische Texte in Oinoanda entdeckt und publiziert. Unter diesen sind besonders die genealogische Inschrift auf dem Mausoleum der Licinnia Flavilla und die sog. Demostheneia-Inschrift zu nennen, welche zusammen mit der Diogenesinschrift zu den bemerkenswertesten inschriftlichen Zeugnissen der griechischen Welt gehören und die besondere Bedeutung von Oinoanda als einem "epigrafischen Eldorado" unterstreichen. Trotz dieser bedeutenden Ergebnisse lassen die vor einigen Jahren eingestellten Forschungsaktivitäten in Oinoanda noch viele Fragen offen. Dies betrifft insbesondere die architektonische Konzeption und städtebauliche Einbindung der Diogenesinschrift, aber auch die Phasenabfolge der Stadtentwicklung insgesamt und die diachrone Betrachtung der öffentlichen Stadträume. Außerdem ist bei einer Fortsetzung der archäologischen Untersuchungen in Oinoanda mit weiteren Inschriftenfunden zu rechnen.
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Previous Activities
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5 Verteilung der Neufunde der Diogenesinschrift im Stadtgebiet |
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6 Neu entdecktes Fragment der Diogenesinschrift |
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7 Steinblock mit Schrotgraben auf der Akropolis |
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8 Blick über die Esplanade von Oinoanda |
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9 Vermessung mit dem Laserscanner auf der Esplanade |
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10 Punktwolkenmodell und Oberflächenmodell der mit dem Laserscanner vermessenen Probefläche |
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In einer ersten, zweiwöchigen Vorkampagne wurden neben Einzeluntersuchungen die grundsätzlichen Arbeitsfelder eines mehrjährigen Forschungsprogramms vor Ort überprüft und koordiniert. Zunächst wurde eine intensive Bestandsaufnahme der Ruinen und ihrer topografischen Umgebung einschließlich der in das Siedlungsgefüge nicht sichtbar einbezogenen, auf einem Bergsporn nördlich vorgelagerten Akropolis durchgeführt. Diese Untersuchung galt auch den Lagerumständen der mehr als 200 über das gesamte Stadtgebiet verteilten Fragmente der Diogenes-Inschrift. Die Inschriftenblöcke und Fragmente liegen zum größten Teil offen im Gelände, zum Teil sind sie sichtbar verbaut (4), teilweise von Erdreich bedeckt, teilweise durch Raubgrabungen neu oder wieder freigelegt, so daß sich die Wiederauffindung äußerst schwierig gestaltete und ohne die profunden Ortskenntnisse von M. F. Smith kaum durchführbar gewesen wäre. Einige der Inschriftenfunde des 19. Jhs. sind heute schon wieder verloren. Bei nicht wenigen Fragmenten haben außerdem die Aktivitäten der Raubgräber deutliche Schäden hinterlassen. Die identifizierten Stücke wurden bei der Begehung mit neuen Inventarnummern versehen.
Immerhin fünf Fragmente der Diogenesinschrift konnten bei den Untersuchungen 2007 neu entdeckt werden. Sie befanden sich in den Gebieten westlich und südwestlich der Esplanade, teilweise weit von dieser entfernt (5). Damit wird unterstrichen, daß die zur Wiederverwendung prädestinierten Steinblöcke der Inschrift im gesamten Stadtgebiet verbaut worden waren. Die Kalksteinfragmente (6) wurden fotografiert, gezeichnet und auf der Schriftseite durch Abklatsche abgeformt. Das größte der Stücke enthält noch zwölf Zeilen der Inschrift und war in einer Mauer verbaut, in der bereits früher ein Fragment der Diogenesinschrift festgestellt worden war. Auch weitere Inschriften nichtphilosophischen Inhalts konnten im Verlauf der Kampagne neu entdeckt werden. Unter diesen sind insbesondere zwei bemerkenswerte Mauerinschriften an der hellenistischen Stadtbefestigung Oinoandas zu erwähnen.
Eine gesonderte Untersuchung galt dem weit über der Stadt liegenden Gebiet der Akropolis. Neben der schon früher beobachteten Felszisterne und den Resten der umgebenden Bebauung konnten hier über die gesamte Bergkuppe verteilt antike Steinbrüche festgestellt werden (7), die darauf hindeuten, dass das Baumaterial der Großbauten von Oinoanda über eine Höhendistanz von weit über 100m von diesen Steinbrüchen heruntergeschafft wurde.
Einen Schwerpunkt der Arbeit nahm die Vermessung eines Teilabschnitts der Esplanade mit dem Laserscanner ein, die als Eignungsprobe dieser neuartigen, dreidimensionalen Bauaufnahmetechnik konzipiert worden war. Die Aufnahme der Ruinen ist durch den dichten, waldartigen Baumbestand erschwert (8), da der für herkömmliche optische Messtechniken erforderliche Sichtbezug kaum hergestellt werden kann. Die Vermessung mit dem Laserscanner hat sich hier hervorragend bewährt, da Eingriffe in den ohnehin geschützten, wertvollen Baumbestand ganz vermieden werden konnten (9). Im dreidimensionalen Modell der etwa 50m/50m großen Probefläche kann nach rechnerischer Entfernung des Bewuchses der Ruinenbestand sichtbar gemacht werden (10).
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Current Work
Geplante Arbeiten 2008
Die Untersuchungen 2008 sollen sich in einem mehrstufigen Arbeitsplan vorwiegend auf den Bereich der Esplanade konzentrieren. Neben einer geophysikalischen Untersuchung soll die Vermessung mit dem Laserscanner auf die gesamte Fläche ausgedehnt werden.
Parallel dazu sollen sämtliche Fragmente der Diogenesinschrift an ihren jeweiligen Fundorten mit GPS eingemessen werden, um eine genaue Kartierung der Inschriftenfragmente zu erhalten. Diese Dokumentation ist Vorarbeit für einen größeren Projektabschnitt, der sowohl eine optimierte und einheitliche Erfassung der architektonischen und epigrafischen Informationen der Inschriftenfragmente wie auch eine grundsätzliche Verbesserung ihrer konservatorischen Bedingungen zum Ziel hat. Verformungsgetreue Bauaufnahmen der Randbebauung der Esplanade sollen deren Dokumentation inhaltlich ergänzen.
Die epigrafischen Untersuchungen zu den philosophischen und nichtphilosophischen Inschriften von Oinoanda sollen parallel zu den geschilderten Dokumentationsarbeiten fortgeführt werden.
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Cooperation
Martin Bachmann - DAI Abteilung Istanbul (Leitung und Bauforschung)
Peter Baumeister - DAI Zentrale (Klassische Archäologie)
Veli Köse - Hacettepe Universität Ankara (Klassische Archäologie)
Jürgen Hammerstaedt - Universität Köln (Klassische Philologie)
Martin Ferguson Smith - ehem. Durham University (Epigrafik)
Nicholas Milner - BIAA (Epigrafik)
Vermessungsfirma SEMA - Ankara
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Contact
Dr.-Ing. Martin Bachmann
Bauforschung
Telefon: + 90-(0)212-393 76 11
Telefax: + 90 - (0)212-393 76 14
Email: bachmann@istanbul.dainst.org
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Sponsors
Fritz Thyssen Stiftung
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Bibliography
Zu den Inschriften
G. Cousin, Inscriptions d'Oenoanda, Bulletin de Correspondance Hellenique 16 (1892), 1-70.
R. Heberdey - E. Kalinka, Die philosophische Inschrift von Oinoanda, Bulletin de Correspondance Hellenique 21 (1897), 346-443.
M. F. Smith, Diogenes of Oinoanda. The Epicurean inscription. Edited with introduction, translation and notes, La scuola di Epicuro, Supplemento 1 (Napoli 1993).
M. F. Smith, The philosophical inscription of Diogenes of Oinoanda, Ergänzungsbände zu den Tituli Asiae Minoris Nr. 20 (Wien 1996).
M. F. Smith, Supplement to Diogenes of Oinoanda. The Epicurean inscription, La scuola di Epicuro Supplemento 3 (Napoli 2003).
M. F. Smith, Excavations at Oinoanda 1997. The new Epicurean texts, Anatolian Studies 48 (1998), 125-170.
J. J. Coulton - N. P. Milner - A. S. Hall, The mausoleum of Licinnia Flavilla and Flavius Diogenes of Oinoanda. Epigraphy and architecture, Anatolian Studies 46 (1996), 111-144.
N. P. Milner, Ancient inscriptions and monuments from the territory of Oinoanda, Anatolian Studies 54 (2004), 47-77.
N. P. Milner, A hellenistic statue base in the upper agora at Oinoanda, Anatolian Studies 48 (1998), 113-116.
M. Wörrle, Stadt und Fest im kaiserzeitlichen Kleinasien. Studien zu einer agonistischen Stiftung aus Oinoanda, Vestigia 39 (München 1988).
Zur Stadtanlage und den Bauwerken
A. Hall, The Oenoanda survey 1974-76, Anatolian Studies 26 (1976), 1991-197.
A. Hall, A sanctuary of Leto at Oenoanda, Anatolian Studies 27 (1977), 193-197.
A. Hall - R. Ling, Building Mk 1 at Oenoanda, Anatolian Studies 31 (1981), 31-53.
J. J. Coulton, Oinoanda. The Doric building (Mk 2), Anatolian Studies 32 (1982), 45-59.
J. J. Coulton, The buildings of Oinoanda. Proceedings of the Cambridge Philological Society, New series 29 (1983), 1-20.
J. J. Coulton, Oinoanda. The Agora, Anatolian Studies 36 (1986), 61-90.
J. J. Coulton - E. Stenton, Oinoanda. The water supply and aqueduct, Anatolian Studies 36 (1986), 15-59.
N. P. Milner, A Roman bridge at Oinoanda, Anatolian Studies 48 (1998), 117-123.
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