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Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr.

Italiker in griechischen Koloniestädten Unteritaliens?

Untersuchungen zu Ursachen von Wandlungsprozessen im Bestattungsbrauch griechischer Kolonien im 5. und 4. Jh. v.Chr.

Location

Untersuchungsgebiet sind die griechischen Kolonien Kyme, Neapel und Poseidonia am Tyrrhenischen Meer im heutigen Kampanien und die griechischen Kolonien Metapont und Siris-Herakleia an der Ionischen Küste, heute zur Basilicata gehörig. Diesen Kolonien werden etwa 70 indigene Siedlungen Kampaniens und der Basilicata zur Seite gestellt, deren Veränderungen im Bestattungsbrauch des 5. und 4. Jh. parallel verfolgt und kontrastiert werden sollen.

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History

Im Zuge der Großen Griechischen Kolonisation gründeten Siedler verschiedener griechischer Ortschaften Kolonien an den Küsten Unteritaliens und Siziliens. Diese entwickelten griechische Poliskulturen und behielten bis zur Mitte des 5. Jh. v.Chr. ihre griechische Prägung bei. Für die folgende Zeit setzt in den griechischen Kolonien der Tyrrhenischen Küste ein Wandlungsprozess ein. Dieser wird gerne als Krise der griechischen Poleis, gleichzeitig aber auch als Blüte der italischen Kulturen angesehen. Die Gründe dieser Entwicklung sind vielschichtig und die historischen Abläufe in vielen Einzelheiten bis heute nicht geklärt. Ein Erklärungsmodell für die Krise stützt sich auf die Aussagen der antiken Schriftquellen und stellt die Eroberung der griechischen Städte durch die italischen Völkerschaften der Kampaner und Lukaner am Ende des 5. Jh. in den Vordergrund.  

Objectives

Das vorliegende Projekt verfolgt zwei Ziele: einerseits anhand des archäologisches Materials die Krisenzeit der Magna Graecia aufzuarbeiten, als deren Charakteristikum die sog. Samnitisierung der griechischen Kolonien der Tyrrhenischen Küste gilt. Dafür sollen die Wandlungsprozesse im Bestattungsbrauch der griechischen Kolonien in den Mittelpunkt der Analyse gestellt werden. Diese besitzen durch ihre außergewöhnliche Komplexität das Potential für eine äußerst differenzierte Interpretation hinsichtlich der historischen Ereignisse dieser Zeit, denen die bisher bestehende ethnische Interpretation (s.u.) des Wandlungsprozesses allein nicht gerecht werden kann. Das zweite Ziel ist es, am Fallbeispiel der griechischen Kolonien der Tyrrhenischen Küste zu erörtern, in welchem Maße Veränderung im Bestattungsritus mit ethnischen Veränderungen erklärt werden dürfen und in welchem Maße andere Faktoren möglicherweise Einfluss auf Veränderungen im Bestattungsbrauch nahmen. Letzteres wurde in der Forschung bezüglich der griechischen Kolonien der Tyrrhenischen Küste bisher noch nicht in Betracht gezogen.  

History of Research

Die Interaktion zwischen griechischen Kolonien und italischen Völkern am Ende des 5. Jh. v.Chr. sowie die daran anschließenden Transformationsprozesse in den griechischen Kolonien stellen bis heute einen besonders in der deutschen Forschung nur ungenügend bearbeiteten Themenkomplex dar. In der italienischen und französischen Forschung hingegen ist seit den 70er Jahren ein stärkeres Interesse an den italischen Kulturen zu verzeichnen. Durch zahlreiche Grabungs- und Surveykampagnen in den indigenen Gebieten konnte wesentlich zur Erforschung dieser Kulturen beigetragen werden.
Ein Problem der bisher geleisteten Forschungen besteht jedoch in der starken Verknüpfung zwischen historischer Überlieferung und archäologischer Befundsituation. Bis heute werden materielle Veränderungen allein mit ethnischen Neustrukturierungen erklärt, indem archäologischen Artefakten eine virtuelle Ethnizität verliehen wird. Durch neue frühgeschichtliche Forschungen konnte an anderer Stelle (Brather 2004, 2000) überzeugend nachgewiesen werden, daß das Modell der Gleichsetzung von materieller Kultur und ethnischer Identität nur in unzureichendem Maße für historische Ereignisse anzuwenden ist. Auch für die griechischen Städte der Tyrrhenischen Küste erscheint eine simple und ausschließlich ethnische Erklärung der Veränderung anhand der archäologischen Materialien nicht plausibel. Ein weiteres Desiderat in der Erforschung der italischen Völkern Süditaliens stellt das Fehlen einer konkreten Vorstellung ihrer materiellen Kultur kurz vor dem Moment der Auseinandersetzungen mit den griechischen Kolonien und der darauf folgenden Blüte dieser Kulturen dar. Wie sahen ihre Keramik, ihre Waffen, ihr Schmuck etc. aus und was findet sich davon in den Kolonien als sichtbares Zeichen ihrer dortigen Präsenz? Besonders für diese Frage ist eine möglichst detaillierte Kenntnis der materiellen Kultur des italischen Hinterlandes notwendig, die in einer zusammenfassenden Übersicht bis dato noch nicht existiert.  

Previous Activities

Vorarbeiten liegen in Form meiner Magisterarbeit mit dem Titel "Die Lukaner in den griechischen Koloniestädten Unteritaliens" vor. Die in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse führten zur oben formulierten Fragestellung.  

Methods

Als Materialgrundlage dienen bereits publizierte Grabungsberichte, Museumskataloge und Materialeditionen. Eine Neuvorlage unpublizierten Materials ist nicht vorgesehen. Aus einem systematischen Vergleich zwischen den Bestattungsbräuchen der indigenen Kulturen Süditaliens mit denen der griechischen Kolonien wird sich ein differenziertes Bild gegenseitiger Beeinflussungen ergeben, welches eine anschließende Annäherung an die Frage nach den Ursachen von Wandlungsprozessen im Bestattungsbrauch griechischer Kolonien möglich machen wird.  

Results

Bisherige Ergebnisse bestehen vor allem in der kritischen Sicht als ethnisch gedeuteter Materialgattungen, die bisher als Indikatoren bzw. "Marker" für den schriftlich überlieferten Prozess der Samnitisierung der griechischen Kolonien herangezogen wurden. Dazu gehören u. a. Grabmalereien, Waffengräber und sog. samnitische Bronzegürtel. Die chronologische Entwicklung dieser Funde und ihre geografische Verbreitung entsprechen jedoch nicht dem Bild, welches durch die antiken Quellen suggeriert wird, sondern überspringen ohne Hindernisse alle von den antiken Autoren genannten "ethnischen" Grenzen.  

Further Contact Partners

Stipendiatin

Christiane Nowak
eMail: channelnowak@web.de

Sponsors

Gerda Henkel Stiftung  

Bibliography

- S. Bianco u.A. (Hg.), I Greci in Occiente. Greci, Enotri e Lucani nella Basilicata meridionale (1996)
- S. Brather, Ethnische Interpretationen in der frühgeschichtlichen Archäologie, 42. Ergb. RGA (2004)
- S. Brather, Ethnische Identitäten als Konstrukte der frühgeschichtlichen Archäologie, in: Germania 78, 2000, 139-177
- L. Cerchiai, I Campani (1995)
- M. Cipriani, F. Longo (Hg.), I Greci in Occiente. Poseidonia e I Lucani (1996)
- F. D'Andria , Greek Colonization and Romanization from a native perspective, in: P. Attema u.A. (Hg.), New developments in Italian landscape archaeology, BAR International Series 109 (2002)
- J.-P. Descudres (Hg.), Greek colonists and native population (1990)
- H.W. Horsnaes, The cultural development in North Western Lucania 600-273 BC, Analecta Romana Instituti Danici Suppl. 28 (2002)
- Le genti non-greche della Magna Grecia, CMGr 1 (1971)
- S. Jones, The archaeology of ethnicity. Constructing identities in the past and present (1997)
- F.-H. Massa-Pairault (Hg.), Crise e transformation des sociétés archaïques de l'Italie antique au Ve siècle av. J.-C. (1990)
- D. Mertens, Städte und Bauten der Westgriechen. Von der Kolonisationszeit bis zur Krise um 400 v. Chr. (2006)
- F. Ortiz, Contrapunteo cubano del tabaco y el azúcar (1940) (zu Transkulturation)
- A. Pontrandolfo, I Lucani. Etnografia e archeologia di una regione antica (1982)
- Dies., I Lucani. Etnogenesi e emergenza politica di una comunitá italica. I Lucani, in: S. Settis (Hg.), Storia della Calabria antica II. Età italica e romana (1994) 141-191
- G. Tagliamonte, I figli di Marte. Mobilità e mercenariato italici in Magna Grecia e Sicilia (1994)
- G. Tagliamonte, I Sanniti (1996)
- M. Tagliente (Hg.), Italici in Magna Graecia. Lingua, insediamenti e strutture (1990)
 

 


 
 

updated: 12/21/07

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