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Italische Kulturen vom 7. bis 3. Jh. v.Chr.

Die archaische Nekropole von Capua

Untersuchungen zu kulturellen Identitäten in Kampanien vom 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. anhand der Nekropole von Capua in ihrem regionalen Kontext

Lage

Das Forschungsgebiet betrifft das antike Kampanien einschliesslich der Selemündung. Es umfasst das Gebiet rund um den Golf von Neapel, das im Norden durch den Volturno, im Osten durch die Apenninen und im Süden durch die Seleebene begrenzt wird. Das mitten in der kampanischen Tiefebene gelegene Capua (heute Santa Maria Capua Vetere) wird von antiken Autoren als die bedeutendste Stadt Kampaniens bereits in archaischer Zeit beschrieben. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung dieses zentralen Ortes in seiner wechselseitigen Beziehung einerseits zu den griechischen Kolonien, insbesondere dem in unmittelbarer Nähe an der Küste gelegenen Kyme sowie Poseidonia und andererseits den italischen Siedlungen des Binnenlandes (Nola u.a.) und der Küste (Pontecagnano, Fratte, Vico Equense).

Abteilungen:

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Ziele

Das Projekt hat zum Ziel, die Entwicklung von Identitäten von Gemeinschaften in Kampanien vom 6 bis 5. Jh. v. Chr. anhand der Nekropolen zu untersuchen. Dabei soll ein auch revidiertes historisches Entwicklungsmodell für die Region in der genannten Periode erarbeitet werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt exemplarisch auf der Nekropole des größten italischen Zentrums Capua. Die in den 60-er bis 70-er Jahren im Auftrag der lokalen Soprintendenza freigelegten, bis heute mehrheitlich unpublizierten Gräber der Phasen V und VI (ca. 570-420 v. Chr.) der Nekropole "Fornaci" stellen aufgrund ihrer Kontexterhaltung und Zahl ein wichtiges Datenset dar, dessen Auswertung die bisherige, aus der Präsentation einzelner losgelöster Grabbefunde bestehende Dokumentation signifikant erweitern kann. Auf dieser Basis soll ein konsistenteres und so umfassend wie mögliches Bild der Capuaner Grabkultur des 6. und 5. Jh. v. Chr. entworfen werden. Diese wird vor allem hinsichtlich der in ihr zum Ausdruck kommenden Formen sozialer Organisation und kultureller und sozialer Identitäten und deren Veränderungen analysiert.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Vergleich zu anderen kampanischen Nekropolen, vor allem der griechischen Schwesterstadt Kyme und dem zweiten großen etruskischen Zentrum Pontecagnano, sowie einer Reihe anderer relevanter Zentren. In der Auswahl und Verwendung der materiellen Kultur (z.B. attische Keramik, capuanische Bronzen), dem Vorkommen bestimmter Beigabensets (z.B. Bankettgeschirr), der Bestattungsbräuche (z.B. Brandbestattung) und der Grabarchitektur (z.B. Steinsarkophage) sollen somit der gegenseitige Einfluss auf und die Übernahme von griechischen, etruskischen und einheimischen Elementen und besonders die Entstehung einer hybriden Kultur, die jenseits der traditionellen ethnischen Kategorien liegt, herausgearbeitet werden.  

Methoden

Die Untersuchungen fußen sowohl auf einer primären Auswertung archäologischer Daten als auch auf deren weitergehender Interpretation und dem Vergleich mit Hilfe von vorhandenen Studien der vorrangig italienischen regionalen Forschung und theoretischen Ansätzen der Ethnologie, Soziologie und Semiotik. Die Grabkultur Capuas wird in ihrer Gesamtheit nach den fünf in der theoretischen Archäologie hantierten Ebenen, die vom landschaftlichen Kontext der Nekropole bis zur Gestalt des einzelnen Artefaktes gehen, untersucht. Die Grabkontexte werden photographisch dokumentiert und in Katalogform vorgelegt. Der Vergleich zu anderen Nekropolen folgt denselben Aspekten wie bei der Capuaner Nekropole und betrachtet Phänomene, die sich aus der Kombinationen verschiedener dieser Aspekte ergeben (z.B. die spätarchaischen Würfelgräber, d.h. Brandbestattungen in einem kleinen Steinbehälter, in den eine große Vase als Urne genau eingepasst ist). 

Ergebnisse

Die ca. 100 Grabkontexte konnten Dank der Kooperation mit der Soprintendenza Archeologica di Napoli e Caserta und dem Ausgräber Werner Johannowsky für die Untersuchung selektiert und in den Museen vor Ort (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Museo dell'Antica Capua) photografisch dokumentiert und katalogisiert werden. Aus der Analyse einzelner Materialkategorien lassen sich bereits interessante vorläufige Schlüsse ziehen, beispielweise hinsichtlich der Chronologie der einheimischen Buccheroproduktion, der kontinuierlichen Präferenz für bestimmte traditionelle Keramikformen im Grab (wie der Olla) und der bewussten Auswahl der attischen Keramikgefäße. Diese Ergebnisse bilden wichtige neue Grundlagen für den weiteren Verlauf der Untersuchung. 

externe Ansprechpartner

Stipendiat

Ellen Thiermann
eMail: ellen_t@gmx.de

Förderung

Gerda Henkel Stiftung  

Literatur

- L. Cerchiai, I Campani (Milano 1995)
- Confini e frontiera nella Grecità d'Occidente. Atti del XXXVII Convegno di Studi sulla Magna Grecia 1997 (Taranto 1999)
- B. D'Agostino, Società dei vivi, communità dei morti: un rapporto difficile, in: Dialoghi di Archeologia 3, 1985, 47-58.
- W. Johannowsky, Materiali di età arcaica dalla Campania (Napoli 1983)
- La Campania fra il VI e il III secolo a.C. Atti del XIV Convegno de Studi Etruschi e Italici. Benevento, 24-28 giugno1981 (Firenze 1992)
- La presenza etrusca nella Campania meridionale. Atti delle Giornate di Studio Salerno - Pontecagnano, 16-18 novembre 1990 (Firenze 1994)
- M P. Pearson, The archaeology of death and burial (Stroud 1999)
- Capua preromana. Catalogo del Museo Provinciale Campano, I-IX  

 


 
 

Aktualisiert: 21.12.2007

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