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B. Urbanistik der römischen und islamischen Zeit a. Raphaneae
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Archäologischer Survey der römisch-byzantinischen Stadt und des Legionsstandortes Raphaneae
Lage
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Abb.1 Raphaneae. Talbecken mit der antiken Stadt von Nordwesten
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Raphaneae liegt zwischen den modernen Orten Baarin und Nisaf in einem Talkessel am östlichen Fuß des syrischen Küstengebirges (Jabal Ansariye) 36 km nordwestlich von Emesa/Homs und 55 km südlich von Apamea/Afamia. In der Antike befand sich die Stadt an der Kreuzung zweier Fernstraßen, die von Apamea nach Tripolis und von Emesa/Homs über das Küstengebirge nach Arados/Tartus führten (Abb. 1).
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Geschichte
Raphaneae wird in der historischen Überlieferung erstmals in neronischer Zeit erwähnt. Im 2. und 3. Jh. n. Chr. war die Stadt Standlager der Legio III Gallica. In den Blickpunkt des antiken Weltgeschehens rückte der Ort, als Varius Avitus Bassianus im Mai des Jahres 218 n. Chr. im Legionslager Raphaneae zum Kaiser M. Aurelius Antoninus, genannt Elagabal, ausgerufen wurde. Den Res Gestae Divi Shapori zufolge wurde die Stadt 253 n. Chr. von den Sasaniden erobert und zerstört. Obwohl die Legion im Zuge der Reorganisation der Grenzverteidigung abgezogen wurde, blieb Raphaneae in der Spätantike als Bischofssitz eines der bedeutenden städtischen Zentren Mittelsyriens. In der Kreuzfahrerzeit nahmen Rafanea/Raphaneae und die nahe gelegene Kreuzritterburg Montferrand als weit nach Osten vorgeschobene Grenzfestung der Grafschaft Tripolis nochmals eine wichtige strategische Position ein.
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Ziele
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Abb.2 Raphaneae. Vermessung des antiken Grabbaus südlich von Ayn Bini
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Da der Fundplatz archäologisch völlig unbekannt und durch Neubauten und landwirtschaftliche Nutzung akut gefährdet war, wurde 2005 ein syrisch-deutsches Kooperationsprojekt ins Leben gerufen. Ziel der ersten Projektphase war es, durch Oberflächenbeobachtungen die Ausdehnung des antiken Siedlungsareals festzustellen und damit die Voraussetzung für eine Unterschutzstellung zu schaffen (Abb. 2). Ziel der zweiten, seit Oktober 2006 laufenden Projektphase ist es, mit Hilfe geophysikalischer Prospektionen nähere Einblicke in die Siedlungsentwicklung von Raphaneae zu erlangen.
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Methoden
Die im Rahmen der Feldarbeiten der Projektphase 1 erhobenen archäologischen und topographischen Daten wurden im Rahmen von zwei Diplomarbeiten aufbereitet, einem Geoinformationssystem (GIS) zusammengeführt und auf diese Weise für die archäologische Auswertung optimal verfügbar gemacht.
Angesichts des aus Basaltgeröll bestehenden geologischen Untergrunds und der Größe der zu untersuchenden Flächen wird für die geophysikalische Prospektionen der Projektphase 2 Georadar eingesetzt, das hoch auflösende dreidimensionale Bilder der antiken Steinbebauung liefert.
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Ergebnisse
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Abb.3 Raphaneae. Gebälkblock des römischen Tempels westlich von Neba at-Tannur |
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Abb.4 Raphaneae. Geoprospekion - antike Bebauung im zentralen Ruinenareal |
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Abb.5 Raphaneae. Das antike Quellbecken von Ayn Bini wird bis heute genutzt |
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Das Siedlungsgebiet von Raphaneae zerfällt in zwei Teile. Im Nordosten liegt neben der stark schüttenden Quelle Naba at-Tannur ein Tall mit umfangreicher, bis in spätrömisch-byzantinische Zeit besiedelter Unterstadt und einem nahe gelegenen, durch Terrassierungsarbeiten zerstörten römischen Heiligtum (Abb. 3). Mit dem Tall ist sehr wahrscheinlich der vorgeschichtliche Nukleus der Siedlungsentwicklung im Talkessel von Raphaneae gefunden. Der zweite, weitaus größere antike Siedlungsbereich liegt weiter südlich, an der Kreuzung zweier antiker Straßen, die von Apamea nach Tripolis und von Emesa über das Küstengebirge nach Arados führten. In diesem Bereich befinden sich zahlreiche massive Steinbauten, von denen Reste eines Badegebäudes und eines Großbaues näher anzusprechen sind. Mit Hilfe der geophysikalischen Untersuchungen konnten 2007 westlich der Kreuzung der überregionalen Hauptstraßen Strukturen des Legionslagers nachgewiesen werden (Abb. 4). Im Süden setzt sich das Siedlungsareal entlang der Straße nach Tripolis bis zur Quelle Ayn Bini fort, deren antikes Quellbecken bis heute in Benutzung ist (Abb. 5). Weiter südlich schließt eine Nekropole mit einem in großen Teilen erhaltenen Grabbau an. Weitere, partiell aus dem Fels geschlagene und in den oberen Teilen aufgemauerte Grabbauten konnten direkt östlich des zentralen Ruinengeländes beobachtet werden. Abgerundet wird das Siedlungsbild durch ausgedehnte römische Steinbrüche und mehrere im weiteren Umfeld gelegene Felsnekropolen. Der Inschriftenbestand von Raphaneae konnte im Zuge der seit 2005 durchgeführten Feldarbeiten um den Teil einer Kaiserinschrift aus dem Jahr 167 n. Chr. sowie um eine griechische und zwei lateinische Grabinschriften erweitert werden.
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Kooperationen
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie (DGAMS)
Wissenschaftliche Mitarbeit
Projektphase 2
Dr. S. Sirri Seren, ZAMG - Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Hauptabteilung Geophysik, Hohe Warte 38, A - 1190 Wien, E-Mail: sirri.seren@zamg.ac.at
Projektphase 1
Dr. phil. Andreas Grüner, Institut für Klassische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität, Meiserstr. 10, D - 80333 München, E-Mail: gruener@ka.fak12.uni-muenchen.de
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Hübner, Fakultät für Geoinformation der Hochschule München Karlstr. 6, D - 80333 München, E-Mail: wolfgang.huebner@fhm.edu
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Ansprechpartner
PD Dr. phil. Karin Bartl
Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: +963/11/374 9812-0 +963/11/3749813-0
Telefax: +963/11/374 9812-9 +963/11/3749813-9
Email: sekretariat@damaskus.dainst.org
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externe Ansprechpartner
Dr. phil. Markus Gschwind
c/o Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, D - 80539 München, E-Mail: gschwind@vfpa.fak12.uni-muenchen.de
Haytham Hasan
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie (DGAMS)
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Literatur
M. Gschwind, Raphaneae. In: Jahresbericht 2005 des Deutschen Archäologischen Instituts. Archäologischer Anzeiger 2006, 285 f. Abb. 15-17.
R. Mouterde, A travers l'Apamene. Mélanges de l' Université Saint-Joseph 28, 1949/50, 37 ff. Taf. 14, 1. 3; 15, 2-4.
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