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B. Urbanistik der römischen und islamischen Zeit c. Shayzar/Larissa
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Archäologischer Survey des von der altorientalischen bis zur islamischen Zeit besiedelten Stadtgebietes
Lage
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Abb. 1 Wasserräder am Orontes vor dem Tell und der Burg von Shayzar
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Die Stadt Shayzar liegt an der etwa 120 m hohen Geländestufe, an der die sanfte Hügellandschaft der Gegend um Hama in die Tiefebene des Ghab umbricht. Hier hat sich der Orontes ein tiefes Tal durch den felsigen Abbruch geschnitten und dabei einen Felssporn vom Hinterland getrennt, der ein idealer Standort zur Anlage der Akropolis einer Stadt ist. Die so bereits auf drei Seiten natürlich geschützte Festung wurde nach Süden hin von Menschenhand durch einen imposanten Graben perfektioniert. Auf dem Felssporn behauptet sich bis heute die islamische Burg Qal´at Shayzar (Abb. 1-2). Sie wird durch ein italienisch-syrisches Team bauhistorisch untersucht und konserviert (www.progetto-shayzar.it).
Nach Westen fließt der Orontes von hier aus durch die Tiefebene des Ghab, in der er bis zu ihrem Ende 120 km weiter flussabwärts praktisch keine Höhe mehr verliert. Die heute regulierte Tiefebene muss früher eine überaus reiche und einzigartige Tierwelt besessen haben. Historische Quellen berichten von der Jagd auf Elefanten und Löwen. Die höhergelegenen Schwemmfächer bieten dazu fruchtbares und leicht zu bewässerndes Ackerland. Der 24 ha große Siedlungshügel, der sich am Fuße der Burg von Shayzar etwa 12 m hoch über die Ebene erhebt, ist mit seinen stattlichen Ausmaßen ein beredtes Zeugnis für die ausgezeichnete strategische Lage der Stadt, von der aus nicht nur die Ebene kontrolliert werden konnte sondern auch der einzige Orontesübergang an der wichtigen Fernstrasse von der Metropole Apamea über Hama nach Osten und Süden.
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Geschichte
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Abb. 2 Luftansicht der Stadt von 1935 (IFPO Damaskus)
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Um 1350 v. Chr. schreibt der König von Qatna in Mittelsyrien einen verzweifelten Brief an den Pharao Amenophis III. Er möge der pro-ägyptischen Koalition dringend Truppen zur Unterstützung gegen die mächtig von Norden her auf Syrien ausgreifenden Hethiter senden. Eines der standhaften Königtümer in der Koalition ist Zinzar, das spätere Shayzar/Larissa. Die historischen Berichte über diesen berühmten Konflikt der Grossmächte der Ägypter und Hethiter um Syrien, liefern den Hintergrund für die frühesten Nachrichten über den Ort. Sie sind die ersten in einer langen Reihe von Textzeugnissen, die immer wieder schlaglichtartig über geschichtliche Ereignisse und das Leben der Stadt berichten.
Aus der Spätbronzezeit und der frühen Eisenzeit hören wir von Priestern der Ischtar, deren Kult später in dem der am Ort verehrten griechischen Göttin Artemis aufgegangen sein könnte. Die Griechen ließen sich an dem Ort nieder, als Seleukos I. um 300 v. Chr. hier die Veteranen eines kampferprobten Reiterregiments aus dem Heer Alexanders des Grossen ansiedelte. Durch die Herkunft dieser Soldaten aus Larissa in Thessalien erklärt sich auch der Name der griechischen Gründung. Als 145 v. Chr. Diodotos Tryphon die Herrschaft im Seleukidenreich an sich riss, stellte sich Larissa auf seine Seite. Später kämpfte man gegen die mächtige Nachbarstadt Apamea und am Ende des sich zunehmend auflösenden Seleukidenreichs prägte die Stadt ihre eigenen Münzen. 63 v.Chr. gelangte Larissa, wie ganz Syrien, in den Besitz der Römer. 253. n. Chr. geriet die Stadt in die Auseinandersetzungen zwischen Rom und den Persern und zwanzig Jahre später war sie Zeuge der letzten Gefechte zwischen Aurelian und der Königin Zenobia von Palmyra. In der Spätantike wurde Larissa Bischofssitz und brachte Rechtsgelehrte und Philosophen hervor. Am Vorabend des Islam genoss hier der arabische Dichter Imru al-Qais unter einer vermutlich zu weiten Teilen arabischen Bevölkerung angenehme Stunden. Mit der Bezeichnung Sezer in den byzantinischen oder Shayzar in den arabischen Quellen setzte sich wieder der indigene, in seinem Ursprung womöglich hurritische Name der Stadt durch. Nach einer wechselvollen Geschichte im Interessenkonflikt zwischen Byzanz und den islamischen Herrschern, kam die Burg Shayzar 1081 in den Besitz des Adelsgeschlechtes Munqidh, das die Festung standhaft gegen rivalisierende Mächte und die Kreuzritter verteidigte. Die Autobiographie des Prinzen Usama b. Munqidh schildert eindrücklich die Blüte der Stadt im 12. Jh., ihre Kultur und ihren Alltag. Nach den verheerenden Erdbeben von 1157 und 1170 zuerst in ayyubidischer, dann in mamlukischer Hand, erwähnt zuletzt eine Quelle von ca. 1450 die "sehr hübsche Stadt, mit starker Burg und grossem Land".
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Ziele
Ziel des Projektes ist es, zunächst den Denkmälerbestand in der Unterstadt aufzunehmen und eine erste Skizze der Stadtentwicklung vorzulegen, wie sich sich anhand archäologischen Befunde nachzeichnen lässt. Dies sind wichtige Voraussetzungen für die Untersuchung gezielter, Fragestellungen,- wie z. B. der Frage nach dem Zusammenhang zwischen indigener Vorgängersiedlung und griechischer Neugründung.
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Methoden
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Abb. 3 Ergebnisse der Testmessungen mit Geomagnetik. Deutlich ist das rechtwinklige Bebauungssystem zu erkennen. |
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Um den Denkmälerbestand am Ort zu erfassen, wurde zunächst eine archäologische Prospektion jenes Teils der Siedlung durchgeführt, der nicht modern überbaut ist. Nach dem Abstecken eines Vermessungsnetzes werden die architektonischen Überreste im Stadtgebiet aufgenommen und kartiert. Dies betrifft sowohl die teilweise modern verbauten Architekturglieder, wie auch an der Oberfläche noch sichtbare Mauerzüge. Anschließend wird eine intensive Aufnahme der Oberflächenkeramik durchgeführt. Neben ihrer Datierung liefern Keramikscherben zahlreiche weitere Informationen über den Kontext, in welchem sie liegen oder lagen. Aus diesem Grund wurde sämtliche Oberflächenkeramik z. B. auch auf den Grad ihrer Zerscherbung und Verrollung hin untersucht. Da mit einer solchen Datenaufnahme für den Untersuchungsraum Neuland betreten wird, sollen die Ergebnisse modellhaft ausgewertet werden. Zusätzlich konnten bereits erste geophysikalische Untersuchungen durchgeführt werden, die zerstörungsfrei einen Einblick in die verborgene Stadt im Boden geben. Zusätzlich zu der konventionellen Dokumentation, sollen später sämtliche Daten in ein Archäologisches Informationssystem eingespeist werden, das bei der Planung weiterer Arbeiten hilft.
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Ergebnisse
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Abb. 4 Vorläufige archäologische Karte der Siedlung. 1 Hypothetischer Verlauf der hellenistischen Stadtmauern. - 2 möglicher Standort eines Theaters. - 3 Brücke. - 4 angenommener Verlauf der Stadtmauer des 12. Jahrhunderts. - 5 Burg. |
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In der Surveykampagne 2007 konnte eine erste archäologische Karte der Siedlung erstellt werden. Das Spolienmaterial stammt vor allem aus dem 1. bis 6. Jahrhundert n. Chr. Bemerkenswert ist ein Kapitell mit griechischer Inschrift, in welcher der christliche Gott angerufen wird. Durch zahlreiche Beobachtungen vor Ort und die Ergebnisse der ersten geophysikalischen Testmessungen lässt sich auch bereits ein vorläufiges Bild der Siedlungsentwicklung skizzieren. So schloss die hellenistische Stadtgründung nicht nur den altorientalischen Siedlungshügel ein, sondern dehnte sich auch weit in der Ebene aus. Die geophysikalischen Testmessungen zeigen, dass bei der Neugründung ein rechtwinkliges Strassenraster zur Anwendung kam (Abb. 3). Nach einer Verkleinerung der Siedlung wurde die Stadt in einer Blütezeit im 12. Jahrhundert auf wesentlich kleinerer Fläche erneut mit einer Stadtmauer eingefasst (Abb. 4). Im frühen 19. Jahrhundert hatte sich die Siedlung ganz auf die Zitadelle zurückgezogen. Die abschließende Auswertung der Keramik wird dieses Bild vermutlich noch differenzieren und akzentuieren.
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Kooperationen
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie (DGAMS)
Wissenschaftliche Mitarbeit
Dipl.-Ing. C. Rüdiger, Masterstudiengang «Denkmalpflege und Stadtentwicklung» der Technischen Universität Dresden (Vermessung und GIS)
Dr. Sirri Seren, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Wien (Geophysik)
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Ansprechpartner
PD Dr. phil. Karin Bartl
Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: +963/11/374 9812-0 +963/11/3749813-0
Telefax: +963/11/374 9812-9 +963/11/3749813-9
Email: sekretariat@damaskus.dainst.org
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externe Ansprechpartner
Dr. des. phil. Matthias Grawehr
Universität Basel, Archäologisches Seminar
Schönbeinstrasse 20
CH - 4056 Basel
Tel.: 0041-(0)61-2673063
Email: Matthias.Grawehr@unibas.ch
Jamal Ramadan
Direction Génerale des Antiquités et des Musées de la Syrie, Hama
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Literatur
M. Grawehr, Putting Larissa on the Map. In: K. Bartl, M. al-Maqdissi (eds.), New Prospections in the Middle Orontes Region. First Results of Archaeological Fieldwork, Orient-Archäologie (in Vorbereitung).
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