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A. Prähistorische Forschung Grabung Shir
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Siedlung und Umland im 7. Jt. v.Chr. - Ausgrabungen eines spätneolithischen Fundplatzes
Lage
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Abb. 1 - Lageplan
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Der Fundplatz Shir liegt 12 km nordwestlich von Hama, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Westsyrien (Abb.1). Die Situation auf dem Plateau einer etwa 30 m hohen, natürlichen Terrasse oberhalb des Orontes-Nebenflusses Sarut (Abb. 2) erlaubte die Nutzung mehrerer natürlicher Habitate unterschiedlichen Charakters (Flussaue, offene Waldlandschaft) in unmittelbarer Umgebung. Die naturräumlichen Gegebenheiten der Region, die durch ausreichende Niederschläge, permanente Wasserversorgung (Flussläufe, Wadis, Karstquellen), terra rossa-Böden und noch weitgehend mediterranes Klima charakterisiert sind, bieten zudem ideale Bedingungen für landwirtschaftlichen Anbau.
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Geschichte
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Abb. 2 - Die Siedlung Shir auf der Terrassenformation am Sarut
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Aufgrund seiner Größe und seines Potenzials gehört Shir zu den wichtigsten Orten des 7. Jts. v. Chr. im westsyrischen Raum. Zum Zeitpunkt seiner Entdeckung während des Orontes-Surveys im Frühjahr 2005 war der Platz stark gefährdet, da er in seinem oberen Bereich bereits zu einem Drittel durch Planierungsarbeiten abgetragen worden war. Hierdurch war ein etwa 2 m hohes und ca. 200 m langes, Nordwest-Südost verlaufendes Profil entstanden, in dem zahlreiche Gips/Kalkmörtelfußböden, Steinmauern und Aschegruben sichtbar waren, die die vollständige Besiedlung des Terrassensporns belegten. Die Planierungsarbeiten standen im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Intensivierung, die in der Orontesregion in vielen Gebieten zu beobachten ist und zahlreiche archäologische Denkmäler bedroht. Das DAI Damaskus beantragte daher sofort die Unterschutzstellung des archäologischen Fundplatzes Shir und die Durchführung von Rettungsgrabungen an diesem singulären Ort. Nach einer Testkampagne im Herbst 2005, die das archäologische Potenzial des Ortes bestätigte, wird der Ort seit Frühjahr 2006 im Rahmen eines deutsch-syrischen Gemeinschaftsprojektes des DAI Damaskus und der syrischen Antikendirektion (DGAMS) durch systematische Ausgrabungen untersucht. Im Frühjahr 2007 wurde der Fundort Shir seitens der syrischen Behörden als archäologische Schutzzone ausgewiesen und in das nationale Fundortregister eingetragen.
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Ziele
Die Siedlung Shir ist nach Ausweis von Radiocarbon-Daten ausschließlich im Spätneolithikum, d.h. im Zeitraum von 7000-6400/6300 v. Chr. (kalibrierte Daten), besiedelt und weist keine jüngeren Nutzungsphasen auf. Diese Bedingungen ermöglichen umfassende Ausgrabungen in einem zentralen Fundort des sog. Levantinischen Korridors, also der im Gebiet von Jordan-Tal, Beqa´a-Ebene und Orontes-Tal verlaufenden Verbindungszone zwischen der Südlevante und der Taurus/Euphrat-Zone, der eine wichtige Rolle im Neolithisierungsprozess Vorderasiens zugeschrieben wird, die jedoch in archäologischer Hinsicht bisher nur unzureichend bekannt ist. Zwar sind Formationsphasen dieses Zeithorizontes, PPNA und PPNB (10.-8. Jt. v.Chr.), bisher nach wie vor nur selten belegt, die Existenz eines Fundplatzes wie Shir lässt jedoch komplexe Vorgängersiedlungen erwarten.
Zentrale Fragestellungen der Untersuchungen in Shir bilden einerseits die verschiedenen Aspekte der Siedlungsstruktur wie beispielsweise Anordnung, Form und Größe der Gebäude, Art der Erschließungssysteme und Funktionszonen sowie andererseits das Verhältnis von Siedlung und Umland, das insbesondere für das Verständnis von Habitatnutzung und Subsistenzerwirtschaftung von Bedeutung ist. Daneben stellt sich momentan die Frage der Siedlungshierarchie in der Orontesregion. Die bereits während des Orontes-Surveys begonnenen Untersuchungen zur Beziehung von Landschaftsraum und Besiedlungsstruktur sollen im Zusammenhang mit den Untersuchungen der Siedlung Shir erweitert und intensiviert werden. Fokussiert auf die neolithischen Perioden soll dabei das sich hier gegenwärtig abzeichnende Siedlungsmodell von wenigen "Solitärorten" ohne umfangreicheres Beziehungsnetz überprüft werden, was aufgrund des bisherigen Fehlens chronologisch verbindlicher Artefakttypologien nicht möglich war.
Die Arbeiten in Shir sollen archäologische Grundlagen in Form von stratigraphisch-chronologisch gesicherten Materialkomplexen erbringen, durch die auch Oberflächenmaterial besser eingeordnet werden kann, zum anderen sollen Siedlungs-Layout und Siedlungssequenz in den zentralen Bereichen des Ortes erfasst werden. Spezialuntersuchungen sollen sich verschiedenen technologischen sowie kognitiven Problemkomplexen widmen. Geomorphologische und botanische Untersuchungen in der näheren und weiteren Umgebung dienen der Ermittlung der ursprünglichen Habitatstruktur und der Ressourcennutzung.
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Methoden
Die Dokumentation der Befunde erfolgt in Kombination konventioneller wie auch digitaler Aufnahmeverfahren, wobei alle Planums- und Profildaten zentral gespeichert und digital bearbeitet werden. Zusammen mit den Befund- und Funddatenbanken bilden diese Aufzeichnungen die Basis für Auswertungen mit einem GIS-Programm.
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Ergebnisse
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Abb. 3 - Auswertung der geophysikalischen Untersuchungen
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Abb. 4 - Bauschicht 2, Rundsilo
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Abb. 5 - Bauschicht 6, Raum mit Fussboden aus Gips/Kalkmörtelverputz und eingetieftem Silo
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Abb. 6 - Amuq-Spitze
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Abb. 7 - Kleiner Topf der dark-faced burnished ware
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Abb. 8 - Flöte aus Knochen
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Geophysikalische Untersuchungen
Die 2006 und 2007 durchgeführten geophysikalischen Untersuchungen weisen den gesamten Bereich unmittelbar westlich und östlich des Bulldozerprofils als zentrale Siedlungsflächen aus, wobei eine besondere Konzentration von Gebäudestrukturen im nördlichen Gebiet zu verzeichnen ist (Abb. 3). Die Ergebnisse belegen eine annähernd halbkreisförmige Besiedlung um eine im Osten gelegene Freifläche. Herausragende Strukturen bilden ein offenbar abseits des zentralen Siedlungsbereiches gelegener Gebäudekomplex im Nordosten (Areale N/O 20) sowie ein mehrräumiges Gebäude im östlichen, zentralen Siedlungsgebiet (Areal K12). Ersterer stellt eine Anlage aus einigen mehrräumigen Gebäuden in südöstlich-nordwestlicher Ausrichtung mit einem offenbar beigeordnetem Rechteckgebäude im Südosten dar, Letzteres ist eine quadratische Anlage mit vier gleichartigen Räumen. In beiden Bereichen wurden 2007 Testsondagen zur Verifizierung dieser Daten durchgeführt. In N/O20 konnte unmittelbar unter der Oberfläche die südöstliche Hausecke mit mehreren Räumen sowie ein außerhalb des Hauses platziertes Vorratsgefäß erfasst werden, in K12 wurden neben einer Gebäudeecke ein menschlicher Schädel als Teil einer Bestattung gefunden. Beide Gebäudestrukturen, die nach Ausweis der Keramik möglicherweise etwas jünger sind als die jüngste Bauschicht in L/M 7-8, sollen in den kommenden Kampagnen vollständig freigelegt werden.
Testgrabung 2005
Im Herbst 2005 wurde im südlichen Bereich des durch die Planierungsarbeiten erzeugten Profils eine 4 x 5 m große Grabungsfläche (Trench A) geöffnet, die von der planierten Oberfläche aus etwa 1,50 m abgetieft wurde. Unmittelbar unter der rezenten Oberfläche kamen hier zwei südwestlich-nordöstlich ausgerichtete Räume mit Grundmauern aus unbearbeiteten Steinen zutage. Die in diesen Räumen aufgefundenen Fußböden bestanden aus weißem Gips- oder Kalkmörtel mit teilweise polierter Oberfläche und gehören zum typischen Inventar der Architektur des späten Frühneolithikums und des Spätneolithikums. Unterhalb dieser Bauschicht fand sich ein etwa 1,50 starkes Paket aus Lehm- und Ascheschichten bzw. Aschegruben. Eine ältere Bauschicht konnte in einer Sondage mit ihrer Oberkante erfasst werden. Das Fundmaterial in diesem Testschnitt wies eine Vielzahl von lithischen Geräten, Keramik des mineralisch gemagerten dark faced burnished ware-Typs und auch vegetabil gemagerte coarse ware sowie Knochen- und Steinobjekte auf.
Ausgrabungen 2006-2007
Die 2006 und 2007 durchgeführten Untersuchungen konzentrierten sich auf den südlichen Siedlungsbereich in den Arealen K/L/M 7-8. In diesem Gebiet konnte die Gesamtstratigraphie bis zum gewachsenen Fels erfasst werden, die momentan eine Abfolge von mindestens 6 Bauschichten erkennen lässt. Die Bauschichtenabfolge, werden jeweils durch mehrere Subphasen sowie durch trennende Erd- und Ascheschichtenergänzt.
Areal K-L7, in dem 2005 die Testgrabung A angelegt worden war, wurde auf kleiner Fläche bis zum gewachsenen Fels abgetieft. Hier konnte eine etwa 6 m starke Schichtenabfolge ausschließlich spätneolithischer Besiedlung nachgewiesen werden. Die untersten Straten umfassten folgende Einheiten: a. gewachsener Fels; b. steriler, roter Lehm; c. Brandschicht. Letztere besteht aus verbranntem Lehm, Aschegruben sowie aschiger Erde und legt nahe, dass hier zunächst die natürliche Vegetation durch Brandrodung entfernt wurde. Bauschicht 1 weist neben einem Fußbodenfragment aus Kalkmörtel eine Installation sowie eine halbrunde Herdstelle auf. Bauschicht 2 besteht aus einer annähernd runden Struktur von 1,40 x 1,60 m Größe, deren Boden und Innenwand mit hellgrauem Kalkmörtel überzogen waren. Die geringe Größe der Rundstruktur deutet auf eine Silofunktion (Abb. 4). Bauschicht 3 weist einen fragmentarisch erhaltenen Rechteckraum mit angrenzenden Gips/Kalkmörtelfußböden sowie ein nördlich angrenzendes Raumfragment auf. Beide Mauerstrukturen sind südwestlich-nordöstlich ausgerichtet. Oberhalb von Bauschicht 3 findet sich ein etwa 1,50 m starkes Stratum aus Erd-, Lehm- und Aschelagen ohne Architekturreste. Dieser Bereich ist wohl als außerhalb der Bebauung liegende Freifläche mit verschiedenen Aktivitätszonen zu deuten. Oberhalb dieses Schichtenpakets beginnt mit Bauschicht 4 eine Neubesiedlung dieses Bereiches. Diese wurde auf größerer Fläche freigelegt und umfasst mehrere Räume eines größeren Gebäudekomplexes. Mehrere neben Mauern niedergelegte Säuglingsbestattungen, darunter ein vollständig erhaltenes Skelett, wurden hier festgestellt. Bauschicht 5 umfasst ein Gebäude mit mehreren Räumen in den Arealen L-M7. Alle Räume weisen Fußböden aus Gips/Kalkmörtel auf, die jeweils mehrfach aufgehöht wurden, sowie zahlreiche Installationen wie Feuerstellen, Aschegruben, Silos und Podeste. Auch in dieser Schicht finden sich an verschiedenen Mauern und unter Fußböden Säuglingsbestattungen. Im nördlich angrenzenden Areal L8 ist diese Schicht durch Gruben stark gestört, weist jedoch neben Fragmenten mehrerer Feuerstellen auch ein Silo von etwa 1,10 m Durchmesser auf. Bauschicht 6 ist mit Ausnahme des durch Gruben gestörten Bereiches in L8 durch eine komplexe Bebauung gekennzeichnet. In L7 wurde ein mehrräumiges Gebäude mit mehreren Umbauphasen freigelegt, dessen auffälligstes Merkmal der spätere Einbau kleiner Kammern darstellt. Ein massiver Gips/Kalkmörtelfußboden mit mehreren Erneuerungsphasen, in den ein aus unbehauenen Steinen konstruiertes Silo eingetieft wurde (Abb. 5), bildet auch hier ein prägendes Merkmal. Im nördlich benachbarten Areal M8 gehören zwei Räume sowie Fußbodenreste eines weiteren Gebäudes zu dieser Schicht. Im Bereich der Schicht 6 konnten insgesamt fünf Bestattungen geborgen werden, darunter eine Hockerbestattung, deren Schädel fehlte. Einer wahrscheinlich jüngeren Nutzungsschicht gehört ein Komplex mehrerer Bestattungen in L7/I an. Hierbei handelt es sich um eine jüngere Bestattung mit mehreren Individuen, von denen Schädel und Langknochen erhalten waren sowie eine ältere ohne Schädel, die in einer Grube niedergelegt war. Ein außergewöhnlich großer, aus der Grube herausragender Flintdolch markierte die Kopfposition.
Die Alterbestimmung der Schichten konnte anhand von karbonisiertem Getreide verschiedener eindeutiger Kontexte vorgenommen werden. Danach datiert die Brandschicht oberhalb des gewachsenen Bodens in den Zeitraum um 7000 v. Chr. (kalibrierte Daten) , die obersten Bereiche der Erde-Asche-Zwischenschicht gehören in die Zeitspanne zwischen 6500 und 6650 v. Chr., Schicht 4 in den Zeitraum um 6500 v. Chr. und Schicht 6 in die Zeit zwischen 6500 und 6400 v. Chr.
Funde
In allen Arealen konnte durch das vollständige Sieben des Aushubs das gesamte Fundmaterial erfasst werden. Neben den beiden Hauptfundgruppen Lithik und Keramik wurde eine große Anzahl von Knochengeräten, Steinobjekten und Felssteingeräten geborgen. Allgemeine Vergleiche für das Fundmaterial finden sich in Tell el-Judaidah im Amuq-Gebiet, Tell Ain el-Kerkh, Tell el-Kerkh 2 und Tell Araj 2 im Rouj-Becken, Ras Shamra VA-B, Tell Ramad II und Byblos Néolithique Ancien.
Lithik bildet die größte Fundgruppe in allen Arealen und Schichten. Insgesamt wurden bisher ca. 1.000.000 Stücke gesichtet und sortiert. Etwa 5% des Materials stellen Geräte, insbesondere retuschierte Abschläge, dar, ca. 0,2 % der Gesamtmenge bilden diagnostische Stücke. Das Rohmaterial, überwiegend Knollensilex, stammt wahrscheinlich aus der nächsten und näheren Umgebung. Neben Klingendepots deuten die zahlreich vorkommenden Kerne, u.a. solche des naviformen Typs, auf die Geräteproduktion vor Ort. Besonders zahlreich sind Sicheln sowie Kratzer und Schaber vertreten. Seltener finden sich Stichel und Bohrer. Unter den Geschossspitzen dominieren große Amuq-Spitzen (Abb. 6). Byblos- sowie Ugarit-Spitzen sind bisher nur mit wenigen Exemplaren belegt. Obsidianfunde kommen selten vor, sind jedoch in den untersten Schichten proportional häufiger als in den jüngeren Straten. Schwergeräte werden v.a. durch Silexschlagkugeln und Beile repräsentiert. Daneben kommen gelegentlich Schaftglätter vor. Quantitative und qualitative Analysen der Lithik des Tiefschnitts K-L7 sollen die typologisch-technologische Entwicklung im Siedlungszeitraum ermitteln.
Keramik findet sich im Tiefschnitt K-L7 bereits in der untersten, direkt auf dem sterilen Lehm aufliegenden Brandschicht. Mit einem aus dieser Schicht stammenden Radioncarbon-Datum von 7056 v. Chr. gehört das Material aus Shir zur frühesten Keramik Vorderasiens. Wie bereits im Testschnitt 2005 ersichtlich war, unterteilt sich das keramische Material im Wesentlichen in zwei große Gruppen mit zahlreichen Varianten: grob vegetabil gemagerte coarse ware (CW) sowie verschiedene Gruppen mineralisch gemagerter dark faced burnished ware (DFBW) (Abb. 7). Innerhalb der stratigraphischen Sequenz zeigt sich ein Wandel hinsichtlich ihrer Verteilung. Während in den unteren Schichten DFBW dominiert, besteht das Material der oberen Schichten fast ausschließlich aus CW. Als Verzierungsarten sind v.a. Schnureindrücke belegt, daneben kommen Kammstrichmuster und plastische Verzierungen vor. Gelegentlich weist die Keramik des CW-Typs einen Gips/Kalküberzug auf. Unter den Keramikformen dominieren einfache offene Schalenformen, hole mouth-Gefäße und Vasenformen mit Trichterrand. Bereits durchgeführte sowie geplante archäometrische Untersuchungen sollen die Warenzusammensetzungen in den einzelnen Schichten weiter spezifizieren. Die bisherigen Ergebnisse belegen bereits jetzt den Variantenreichtum der unter den Sammelbegriffen DFBW und CW zusammengefassten Töpferwaren. Die Erstellung einer regionalen Keramiktypologie für Westsyrien ist ein weiteres Ziel der Keramikanalysen.
Neben Keramik ist auch white ware mit einem geringen Anteil in allen Bereichen und Schichten vertreten. Archäometrische Untersuchungen sollen die Materialzusammensetzung dieser Fundgruppe klären.
Objekte aus Tierknochen bilden die drittgrößte Fundgruppe. Sie ist einerseits durch das Vorkommen bestimmter, sehr häufig auftretender Geräteformen wie Spatulae, Pfrieme und Nadeln andererseits durch das Auftreten singulärer Typen gekennzeichnet. Zu Letzteren gehören u.a. ein Gerät mit zwei Ösen, ein ritzverziertes Objekt sowie eine kleine Pfeife oder Flöte (Abb. 8). Eine Bestimmung des verwendeten Tierknochenmaterials wurde noch nicht vorgenommen.
Unter den Steinobjekten dominieren verschiedene Arten von Werkzeugen, die offenbar zur Glättung von anderen Materialien benutzt wurden, beispielsweise kleine Poliersteine aus Kieseln oder Polierscheiben aus Kalkstein. Einen weiteren sehr häufig auftretenden Fundtyp bilden kleine oval zugeschlagene Steine, die entweder zu Jagdzwecken oder zum Kochen verwendet worden sein können. Reibplatten, Mörser und Stößel aus Basalt finden sich in größeren Stückzahlen und belegen die vorrangige Bedeutung pflanzlicher Nahrung. Zu den seltener auftretenden Funden gehören sog. Keulenköpfe mit zentraler Durchbohrung. Steinschalen und Paletten unterschiedlicher Größe und Form bilden eine Fundgruppe mit zahlreichen Varianten. Zu den besonderen Objekten gehören einzelne Steinfüße sowie zwei, möglicherweise als Spielbretter genutzte Steine mit parallelen Reihen kleiner runder Vertiefungen. Daneben finden sich Schmuckobjekte wie fein durchbohrte Perlen, Ohr- oder Lippenpflöcke und Amulette. Stempelsiegel mit geometrischer Verzierung wurden in den oberen Schichten gefunden.
Unter den Tonobjekten bildet eine weibliche, Brüste haltende Figurine in sitzender Haltung einen bisher singulären Fund. Dieser Typ ist aus verschiedenen zeitgleichen Fundorten, u.a. Jarmo und Catal Höyük bekannt.
Paläobotanische und -zoologische Funde
Das paläobotanische Material der bisherigen Grabungskampagnen wurde bisher erst in geringem Umfang klassifiziert. Eine vorläufige Sichtung des Materials zeigte jedoch v.a. bespelzte Gerste (Hordeum vulgare), Emmerweizen (Triticum dicoccum) sowie in geringerem Umfang Einkorn (Triticum monococcum). Unter den Hülsenfrüchten wurde vor allem Linse (Lens culinaris) mit hoher Stetigkeit nachgewiesen, daneben kommt die Saatplatterbse (Lathyrus sativus) gelegentlich vor. Eine häufig auftretende Pflanze ist die Öl- oder Färberdistel (Carthamus tinctorius), die als Nutzpflanze bisher erst für die Frühbronzezeit belegt war. Funde der Früchte vom Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus cf. var. pseudo-negundo), die als Gewürz- oder Heilpflanze Verwendung finden können, sind mit hoher Stetigkeit nachgewiesen. Sie wurden in zeitgleichen Fundorten bisher nicht festgestellt. Vereinzelt kommen zudem Feige (Ficus sp.) und Pistazie (Pistacia atlantica) vor. Die Holzkohlenanalyse legt eine bewaldete Landschaft im Einzugsbereich der Siedlung nahe. Der überwiegende Teil des bis jetzt nachgewiesenen Brenn- und Bauholzes auf der Grabung stammt von einer sommergrünen Eiche (Quercus cf. brantii).
Eine erste kurze Sichtung der paläozoologischen Reste deutet auf Schaf und Ziege als vorrangigen Spezies. Allerdings wurde bisher nur eine sehr kleine Anzahl von Kollektionen untersucht.
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Kooperationen
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Prof. Dr. P. Grootes, Leibniz-Labor, Universität Kiel (Radiocarbon-Datierungen)
Dr. A. Haidar, DGAMS (Archäozoologie)
Dr. R. Neef, DAI, Naturwissenschaftliches Referat (Archäobotanik)
Dr. O. Nieuwenhuyse, University Leiden (Keramik)
Prof. Dr. E. Pernicka, Universität Tübingen (Obisidianuntersuchungen)
D. Rokitta M.A., Orient-Abteilung, DAI Damaskus (Lithik)
Dr. G. Schneider, Freie Universität Berlin, Dr. M. Daszkiewicsz, Warschau (Archäometrie/ Keramikuntersuchungen)
Dr. S. Seren, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik,Wien (Geophysik)
Dr. Th. Urban, Berlin (GIS)
I. Wagner, DAI, Orient-Abt. (Fotos)
S. Wittmann M.A., Humboldt-Universität zu Berlin (white ware)
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Ansprechpartner
PD Dr. phil. Karin Bartl
Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: +963/11/374 9812-0 +963/11/3749813-0
Telefax: +963/11/374 9812-9 +963/11/3749813-9
Email: sekretariat@damaskus.dainst.org
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externe Ansprechpartner
Wa'el al-Hafian
Direction Générale des Antiquités et des Musées de la Syrie, Hama
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Literatur
K. Bartl, Sīr, Deutsches Archäologisches Institut, Jahresbericht 2005, Archäologischer
Anzeiger , 279-282.
K. Bartl, Sīr, Deutsches Archäologisches Institut, Jahresbericht 2006, Archäologischer Anzeiger, 181-183.
K. Bartl, Neolithic Foot-shaped Objects found in Shir/Western Syria, Neo-Lithics 2, 2007, 57-59.
K. Bartl, A. Haidar, O. Nieuwenhuyse O., Shir: A Neolithic Site in the Middle Orontes Region, Neo-Lithics 1, 2006, 25-27.
K. Bartl, A. Haidar, mit Beiträgen von O. Nieuwenhuyse und D. Rokitta, Shir - Ein neolithischer Fundplatz am mittleren Orontes. Vorläufiger Bericht über die Ergebnisse der Testkampagne Herbst 2005 und Grabungskampagne Frühjahr 2006 (erscheint in: Zeitschrift für Orient-Archäologie 1).
K. Bartl, M. Hijazi, A. Haidar, The Late Neolithic Site of Shir: Preliminary Report of the German-Syrian Cooperation Project 2006, Neo-Lithics 2, 2006, 15-18.
K. Bartl, M. Hijazi, The Orontes Prehistoric Project. Excavations at Shir (erscheint in: K. Bartl, M. al- Maqdissi (ed.), New Archaeological Prospections in Western Syria.
K. Bartl, M. Maqdissi, M. Hijazi, The Survey of the Syrian-German Mission in the Middle Orontes Region. Archaeological prospections in the Hama region and excavations at the Neolithic site of Shir (erscheint in: M. Maqdissi, B. Jamous (eds.), Apamée, Hama et l´Orontes, nouvelles recherches archéologiques. Colloque archéologique International Hama 19.-20. 4. 2007).
K. Bartl., O. Nieuwenhuyse, Reliefverzierte Keramik des Neolithikums aus Shir/Westsyrien (erscheint in: Festschrift für Hartmut Kühne).
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