|
Holger Baitinger - Thomas Völling, Werkzeug und Gerät aus Olympia (Berlin 2007)
Seit Beginn der Grabungen kamen in Olympia zahlreiche Fundstücke aus Eisen zu Tage, die ebenso wie die Eisenfunde aus anderen griechischen Heiligtümern und Städten in der Forschung bisher nur wenig Beachtung fanden. Ein Grund hierfür mag der oft schlechte und fragmentarische Erhaltungszustand sein; hinzu kommt dieTatsache, daß Eisen selten für die Herstellung kunstvoller Weihgeschenke, sondern vor allem für die unscheinbaren Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs verwendet wurde.
In dem neuen Band der Olympischen Forschungen werden erstmals die wichtigsten aus diesem Material hergestellten Fundgruppen, nämlich die Werkzeuge und Geräte, zusammenfassend behandelt. Die Gliederung des Materials richtet sich nach Funktionsgruppen, wobei die Werkzeuge für die Metall-, die Stein- und die Holzbearbeitung einen überraschend geringen Teil bilden, während sich das übrige Material auf Geräte zur Leder- und Stoffbearbeitung, Fischereigerät, Herdgerät, Küchen- und Eßgerät, Gefäßteile aus Eisen, Schlüssel und Schloßteile, Reitzubehör, Wagenteile, Ketten und Kettenteile sowie verschiedene Geräte verteilt. Die in dem ausführlichen Katalog erfassten Objekte sind zum großen Teil als Zeichnung oder Photographie im Tafelteil abgebildet.
Angesichts der geringen Zahl publizierter Vergleichsfunde, die für eine funktionale und chronologische Bewertung herangezogen werden können, wird in dieser Arbeit besonderer Wert auf eine möglichst präzise zeitliche Einordnung einzelner Objekte bzw. Objektgruppen gelegt. So scheinen sich die Eisenfunde auf die spätarchaische / frühklassische Zeit und die byzantinische Zeit zu konzentrieren. Darüberhinaus gehen die Autoren der Frage nach, auf welche Weise die Objekte ins Heiligtum gelangten. Handelt es sich um Weihgaben oder um die Werkzeuge der in Olympia arbeitenden Handwerker? Von besonderem Interesse in diesem Zusammenhang sind z. B. die sog. Obeloi, ein vollständiges Wagenrad, welches nicht etwa einem Rennwagen sondern einem Transportwagen zugeordnet werden kann, oder die zahlreichen Schlüssel- und Schloßfragmente aus römischer Zeit. Letztere belegen, daß sich in der römischen Kaiserzeit eine größere Zahl von Truhen und Kästchen im Heiligtum befand, in denen man Münzen oder Schmuckstücke bzw. Trachtbestandteile aufbewahrte.
Der umfassende Bestand an Werkzeugen und Geräten aus Olympia, der in diesem Band vorgelegt wird, ist sowohl hinsichtlich seiner Funktion als auch hinsichtlich seiner Zeitstellung sehr heterogen. Dennoch liefert er Informationen, die konkretere Aussagen über die Infrastruktur des Kultplatzes und zum Leben und Arbeiten im Heiligtum erlauben. Somit bilden die Funde aus Olympia nicht nur einen wichtigen Baustein für die Geschichte antiker Werkzeuge, sondern darüber hinaus auch für die Geschichte Olympias und der Heiligtümer in Griechenland insgesamt.
Die Besprechung der Eisenfunde wird durch einen abschließendem Beitrag von Hermann Born über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Restaurierung von Eisengegenständen im Rahmen der Olympia-Grabung ergänzt..
Weitere Informationen zu diesem Band finden Sie hier.
|