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Ukraine/Republik Moldau - Cernavodă I- und Usatovo-Kultur im nordwestlichen Schwarzmeerraum
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Zwischen Osten und Westen
Kulturentwicklung im nordwestlichen Schwarzmeergebiet während des 4. Jahrtausends v. Chr. unter besonderer Berücksichtigung der Cernavodă I- und Usatovo-Kultur
Lage
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Fundorte der Cernavodă I und Usatovo-Kultur im nordwestlichen Schwarzmeergebiet.
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Usatovo. Boloj Kujalnik - Blick vom Osten auf den Siedlungshügel.
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Das nordwestliche Schwarzmeergebiet, nämlich der Raum Odessa und der südliche Teil der Republik Moldau, gehört zum westlichen Ausläufer der eurasischen Steppe. Es wird vom Schwarzen Meer im Süden, den Flüssen Pruth und Donau im Westen und Dnestr im Osten sowie von den moldawisch-ukrainischen Waldsteppengebirgen im Norden begrenzt.
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Geschichte
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Ternovka. Hügel 2, Grab 16 - Anthropomorphe Figurine der Cernavodă I-Kultur.
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Der Steppengürtel des nordwestlichen Schwarzen Meeres gilt seit jeher als eine bedeutende Kommunikations- und Kontaktzone zwischen Mitteleuropa und dem östlichen Steppenraum, was rasante Veränderungen innerhalb der kulturellen Entwicklung zur Folge hatte.
In den prähistorischen und historischen Perioden stellte diese Zone einen wichtigen Korridor für Migration dar, während sie in der Neuzeit eine Pufferregion zwischen Russland und dem Osmanischen Reich bildete. Das gesamte Gebiet fiel 1812 unter die Herrschaft des russischen Zarenreiches und wurde 1917 an die Sowjetunion angegliedert. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Gebiet größtenteils in den ukrainischen Verwaltungsbezirk Odessa integriert. Nur die im Norden gelegene sogenannte Budzak-Steppe gehört überwiegend zur Republik Moldau.
Die bewegte Vergangenheit hatte eine einzigartige kulturelle und ethnische Verflechtung als Folge, so dass heute in diesem Landstrich Ukrainer, Gagausen, Rumänen, Moldawier, Russen und Bulgaren miteinander bzw. nebenaneinder leben.
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Ziele
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Siedlung Koary am Ostrand des Odessa-Gebietes.
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Ogorodnoe. Hügel 1, Grab 16; Nerusaj. Hügel 9, Grab 82 - Dolche der Usatovo-Kultur.
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Gegenstand des Forschungsvorhabens sind die spätkupferzeitlichen Kulturen Cernavodă I und Usatovo, die einen bedeutenden Wandel mit sich brachten und die Kulturentwicklung dieses Gebietes während des 4. Jts. v. Chr. entscheidend prägten.
Das Ziel des Projektes besteht zunächst in einer umfassenden Zusammenstellung und Vorlage von Befund- und Fundmaterial, was als Desiderat der Forschung gilt. Daran schließen sich chrono-stratigraphische Analysen an, um eine Grundlage zu schaffen für die Erforschung wichtiger Aspekte wie die Entstehung, Lebensweise und Entwicklung der kupferzeitlichen Kulturen im Nordwestschwarzmeerraum.
Angestrebt ist ebenso die Beurteilung der Prozesse, die zum Zerfall der klassischen, kupferzeitlichen Kulturen Varna, Gumelniţa, und Karanovo VI geführt haben, aber auch zur Entstehung der darauf folgenden, wenig entwickelten Cernavodă I- Kultur. Ein Fokus der Forschung liegt dabei sowohl auf sozialen als auch auf natürlichen Faktoren.
Der zweite zu untersuchende Aspekt betrifft die kulturelle und chronologische Kontinuität zwischen den Kulturen Cernavodă I und Usatovo, d. h. die Verschmelzung der Cucuteni- und Cernavodă I- Traditionen, die zur Entstehung der höherentwickelten Usatovo-Kultur geführt hat. Außerdem sollen die weitreichenden Beziehungen der Usatovo- Kultur, die zur Ausbreitung des Hauspferdes, zu einer entscheidenden Belebung der Arsenkupfermetallurgie und damit zur Intensivierung der Ost-West-Beziehungen beigetragen haben, näher untersucht und beurteilt werden.
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Forschungsgeschichte
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Taraklija. Hügel 18, Grab 18 - Gefäß der Usatovo-Kultur.
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Majaki. Hügel 5, Grab 4 - Bemaltes Gefäß der Usatovo-Kultur.
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Die Cernavodă-I Kultur ist vor allem durch ein einfaches Materialrepertoire charakterisiert, in dem mit Muscheln gemagerte und mit Schnurabdrücken verzierte Keramik sowie kennzeichnende anthropomorphe Plastik dominieren. Die ersten Funde dieser Kulturausprägung wurden 1917 innerhalb des Siedlungskomplexes von Cernavodă bei Constanţa in der Dobrudža freigelegt. Sie wurden jedoch lange Zeit als Bestandteil der Gumelniţa-Kultur betrachtet. Erst durch weitere, in den 50er und 60er Jahren erfolgten Untersuchungen in Cernavodă selbst und in den Tellsiedlungen Hărşova, Cǎscioarele, Chirnogi, Olteniţa-Renie und Ulmeni kamen die gut zu untrerscheidenden Kulturschichten mit dem Cernavodă I- Material ans Tageslicht, womit eine ausreichende Materialbasis zur Definition dieser Kultur gegeben war.
Bis heute wurden Fundplätze der Cernavodă-I Kultur hauptsächlich im heutigen Rumänien untersucht. Die Ausläufer im Gebiet des nördlichen Schwarzmeerraumes dagegen sind sehr unzureichend bekannt, trotzdem das Auftauchen der Cernavodă I-Kultur zumeist als Folge eines Vorstoßes aus den östlich gelegenen Steppengebieten gewertet wird.
Die erste Freilegung von Usatovo-Material erfolgte bereits Ende des 19. Jhs. am unteren Dnestr. Eine Definition dieser Kultur konnte jedoch erst nach den Ausgrabungen der eponymen Siedlung Usatovo bei Odessa und der umliegenden großen Flach- und Hügelnekropolen in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt werden. Weitere Untersuchungen folgten in den 60er und 70er Jahren des 20. Jhs. und zwar wiederum in den Usatovo-Nekropolen sowie in der Siedlung und Nekropole von Majaki.
In diesem Rahmen wurde auch die Siedlung Gradinci entdeckt, jedoch nicht weiter erforscht. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfolgten Ausgrabungen von Hügelgräbern in Purkari in der Republik Moldavien, wobei auch zwei neue Usatovo-Siedlungen in Palanka und Slobodzeja lokalisiert wurden.
In bisherigen Feldarbeiten sind vor allem Gräber der Usatovo-Kultur untersucht worden, während die Siedlungen als die zweite grundlegende Quellenbasis beinahe unerforscht geblieben sind. Dagegen sind in den bisherigen Untersuchungen der Cernavodă I-Kultur die Gräber vernachlässigt worden. Diese lückenhafte Materialbasis sowie das Fehlen einer umfassenden analytischen Bearbeitung der Cernavodă I- und Usatovo-Kultur stellen ein Defizit im aktuellen Forschungstand der Kupferzeit Europas dar.
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Bisherige Arbeiten
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Orlovka - Ausgrabungen 2007. |
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Orlovka. Feuerstelle aus der Schicht der Cernavodă I - Kultur. |
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Bei der Geländebegehung am Tilgulskij Liman beim Dorf Koary konnte ein bisher unbekannter Siedlungsplatz entdeckt werden, der, den Oberflächenfunden nach zu urteilen, eine am östlichen Rand des Forschungsgebietes gelegene Siedlung der Cernavodă I-Kultur darstellt.
Die Ausgrabungen 2007 in Orlovka wurden im Bereich der Vorburg durchgeführt, wobei weitere typologische und stratigraphische Nachweise einer ununterbrochenen Kulturentwicklung von der Gumeilniţa, über Cernavodă I, bis Usatovo-Kultur aufgezeigt werden konnten.
Während der Arbeiten wurden Proben für archäobotanische und Radiokarbondatierungen ausgesondert.
Im Archäologischen Institut der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiev sind die Siedlungs- und Grabfunde aus den alten Grabungen in Majaki, Usatovo und Untere Michailovka fotographisch und zeichnerisch aufgenommen worden. Im Archäologischen Museum Kisinev konnte eine Großzahl an Funden aus der moldawischen Cernavodă I- und aus Usatovo-Fundstellen zeichnerisch dokumentiert werden.
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Aktuelle Arbeiten
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Orlovka. Gräber der Cernavodă I - Kultur. |
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Seit dem Beginn der Forschungsarbeiten im April des Jahres 2007 wurden Geländebegehungen im südmoldawischen Dnjestrgebiet sowie am Tilgulskij Liman am Ostrand des Odessagebiet durchgeführt. Die Materialaufnahme in verschiedenen archäologischen Institutionen Kievs und Kiinevs sowie die erste Grabungskampagne in Orlovka sind ebenso abgeschlossen.
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Methoden
Im Forschungsprogramm sind sowohl Gelände- als auch Museumsarbeiten geplant worden. Die Geländearbeiten umfassen geophysikalische und archäologische Prospektionen der ausgewählten Fundplätze um ihre Siedlungsstruktur zu erfassen. Darüber hinaus ist eine Teilnahme an den laufenden Ausgrabungen in Orlovka bei Reni (Ukraine) geplant, einem Siedlungsplatz, der erstmals eine stratigraphische Folge von Gumelniţa-, Cernavodă I- und Usatovo-Schichten aufzeigt. In diesem Rahmen werden neben archäologischen Material Proben für archäobotanische und archäozoologische Untersuchungen sowie Radiokarbonmessungen gesammelt.
Die Museumsarbeiten schließen Materialaufnahmen in archäologischen Institutionen in Rumänien, Ukraine und Republik Moldau ein.
Insgesamt konzentriert sich das Forschungsvorhaben vor allem auf die geophysikalischen und archäologischen Prospektionen und die Erfassung des bereits vorhandenen, aber größtenteils unpublizierten archäologischen Materials, während auf neue großflächige Ausgrabungen bewusst verzichtet wird. Dadurch soll ressourcenschonend - sowohl in finanzieller Hinsicht als auch bezüglich der Denkmalsubstanz - das Informationspotential der vorhandenen Fundstellen ausgeschöpft werden.
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Kooperationen
Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin (Prof. Dr. Bernhard Hänsel) und der Eurasienabteilung des DAI (Prof. Dr. Svend Hansen).
Partnerinstitution:
High Anthropological Scool Kiinev, Republik Moldau
Archäologisches Museum der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften Odessa, Ukraine
Archäologisches Institut der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften Kiev, Ukraine
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Blagoje Govedarica
Ur- und Frühgeschichte
Telefon: 030-83008-305
Telefax: 030-83008-313
Email: bgo@eurasien.dainst.de
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Förderung
Deutsche Forschungsgemeinschaft
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Literatur
B. Govedarica, On the Oscillations of the Black Sea Level in the Holocene Period from an Archaeological Viewpoint. In: G. A. Wagner/E. Pernicka/H. P. Uerpmann (Hrsg.), Troia and Troad. Scientific Approaches (Heidelberg 2003) 95-104.
B. Govedarica, Zepterträger - Herrscher der Steppen. Die frühen Ockergräber des älteren Äneolithikums im karpatenbalkanischen Gebiet und in Steppenraum Südost- und Osteuropas (Mainz 2004).
И. В. Манзура, O генезисе памятников усатовского типа. Раннеземле-дельческие поселения-гиганты трипольской культури (Талыанки 1990) 183-187.
I. V. Manzura, Cernavodă I culture. In: L. Nikolova, The Balkans in Later Prehistory. BAR International Series 791 (Oxford 1999) 95-174.
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