Englische und hanseatische Handelsplätze und Fischersiedlungen im mittelalterlichen Island
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Die Forschungen konzentrierten sich auf die Südwestküste Islands, die Snæfellsnes-Halbinsel und die Westfjorde. Die reichen Fischgründe führten zu einer Konzentration der Handels- und Fischerei-Aktivitäten in diesen Gebieten.
Lage
Die Forschungen konzentrierten sich auf die Südwestküste Islands, die Snæfellsnes-Halbinsel und die Westfjorde. Die reichen Fischgründe führten zu einer Konzentration der Handels- und Fischerei-Aktivitäten in diesen Gebieten
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Geschichte
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Seit der Besiedelung Islands um 871 bestanden zwischen Island und Nordeuropa starke Handelsverbindungen. Doch vor allem im Spätmittelalter bildeten der Reichtum an Fisch, Schwefel und Wolle die Basis für rege Handelskontakte mit England und der Hanse. Island spielte in der mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Nordeuropas eine bedeutende Rolle, obwohl hier im späten Mittelalter nur etwa 50.000 Menschen lebten. Zu dieser Zeit entstanden zahlreiche Handelsplätze und Fischersiedlungen entlang den Küsten, die im 15. und 16. Jahrhundert regelmäßig von englischen und hanseatischen Kaufleuten angelaufen wurden. Viele dieser Siedlungen werden in isländischen, englischen und norddeutschen Schriftquellen erwähnt. Ob Ruinen davon noch existieren und wo sich diese Zeugnisse im Gelände befinden, ist jedoch in vielen Fällen nicht bekannt.
Isländische Schriftquellen berichten erstmals im Jahr 1412 von englischen Fischern. Bereits im späten 15. Jahrhundert segelten jährlich mehrere hundert englische Fischerboote nach Island, die meisten davon aus den Häfen von East Anglia. Viele der Fischer blieben während ihres Aufenthalts in eigens errichteten kleinen Siedlungen: Dort brachten sie den Fang an Land, zerteilten die Fische und trockneten sie für den Export. Grund genug für die isländische Geschichtsschreibung, das 15. Jahrhundert das "Englische Zeitalter" zu nennen. Bald jedoch begann die Hanse, ihre Schiffe nach Island auszusenden. Nach und nach brachte sie den Handel in ihre Hand und dominierte schließlich im 16. Jahrhundert alle Aktivitäten dieser Art.
Die starke Präsenz der Engländer und Hanseaten im 15. und 16. Jahrhundert hat deutliche Spuren auf Island hinterlassen. Wir finden diese Spuren nicht nur im Gelände. Letztendlich standen auch Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur stark unter diesem Einfluss.
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Ziele
Im Fokus des 2006 begonnenen Projektes stehen die Entdeckung und Erforschung noch unbekannter Handelsplätze und Fischersiedlungen an den Küsten Islands. Zu den wichtigsten Fragestellungen gehören: Wie sahen die Siedlungen aus? Waren sie dauerhaft oder nur temporär besiedelt? Welche Waren wurden verhandelt und in welchem Umfang fand der Handel statt? Wie war der Handel zwischen Isländern und Nordeuropäern organisiert? Wie vollzog sich der Wechsel von der Vormacht der Engländer hin zur Dominanz der Hanseaten?
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Forschungsgeschichte
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Bereits im Jahr 1907 untersuchten Daniel Bruun und Finn Jónsson den Handesplatz Gásir im Eyjarfjord im Norden Islands. Gásir spielte vor allem im 14. Jahrhundert eine große Rolle für den internationalen Handel und wird in mehreren Schriftquellen erwähnt. Noch heute sind im Gelände zahlreiche Buden sowie die Umfriedung der mittelalterlichen Kirche sichtbar. Seit 2001 lauften dort großflächige archäologische Untersuchungen unter der Leitung des Isländischen Archäologischen Instituts (http://www.instarch.is/rannsoknir/uppgroftur/gasir/uppgroftur%5F2001%2D2004/).
Ein weiterer bekannter Handelsplatz ist Gautavík im Osten Islands. Der Handel konzentrierte sich hier vor allem im Spätmittelalter. Die Ausgrabungen der Jahre 1979-1981 zeigten, dass auch hier die Bebauung aus zahlreichen, eng aneinander liegenden Buden bestand, die wahrscheinlich nur temporär genutzt worden waren.
Auf der Grundlage dieser beiden Handelsplätze hat sich in der Forschung das Bild eines "typisch isländischen Handelsplatzes" formiert, der aus zahlreichen kleinen, dicht aneinander gereihten Buden aus Grassoden besteht. Die jüngsten Untersuchungen lassen jedoch Zweifel an diesem Bild aufkommen. Einige andere Handelsplätze konnten im Gelände identifiziert werden, deren Siedlungsreste sich deutlich von den Ruinen Gásirs und Gautavíks unterscheiden. Demnach stellt sich die Frage: Wie "typisch" sind Gásir und Gautavík wirklich?
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Bisherige Arbeiten
Mit zwei ausgedehnten Surveys in den Sommermonaten der Jahre 2006 und 2007 konnten Ruinengruppen spätmittelalterlicher Handelsplätze und Fischersiedlungen im Südwesten (Reykjanes-Halbinsel), auf der Snæfellsnes-Halbinsel und in den Westfjorden (Vestfirðir) im Gelände lokalisiert und dokumentiert werden. Ermöglicht wurde dies durch ein interdisziplinäres Zusammenspiel von mittelalterlichen Schriftquellen, historischen Karten und Ortsnamen.
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Aktuelle Arbeiten
Im Sommer 2008 wird eine dritte Survey-Kampagne den Norden Islands nach möglichen Handelsplätzen und Fischersiedlungen untersuchen. Im August schließt sich die Grabung des Handelsplatzes Kumbaravogur auf der Nordseite der Snæfellsnes-Halbinsel an.
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Methoden
Mit Hilfe der Ortsnamensforschung und einer Analyse mittelalterlicher Schriftquellen und historischer Karten werden englische und hanseatische Handelsplätze und Fischersiedlungen im Gelände gesucht und dokumentiert. Hierzu sind detaillierte Studien der Schriftquellen sowie umfangreiche Surveys in allen Küstenregionen Islands notwendig. Die Ruinengruppen werden mit einem differentiellen GPS dokumentiert und dreidimensionale Geländemodelle erstellt. Ausgewählte Ruinengruppen werden ausgegraben.
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Ergebnisse
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Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutlich, dass es neben den vermeintlich "typischen" Handelsplätzen noch zahlreiche weitere gibt, die sich jedoch in ihrer Bebauungstruktur von Gásir oder Gautavík unterscheiden. Deutlich wird dies beispielsweise mit der Handelsniederlassung von Kumbaravogur an der Nordseite der Snæfellsnes-Halbinsel, die im späten 15. und 16. Jahrhundert das Ziel von Kaufleuten aus Bremen und Oldenburg waren. Hier fanden sich keine dicht aneinander gereihten Buden, sondern mehrere kleine Gebäude, ein Bootsschuppen sowie eine Einzäunung. Auch die Ruinen von Búðarhamar bei Stakkhamar auf der Südseite der Snæfellsnes-Halbinsel zeigen mehrere große Gebäude und Bootsschuppen. In Breiðavik in den Westfjorden konnte eine Ruinengruppe dokumentiert werden, die besonders gut erhalten ist. Zahlreiche Gebäude einer unmittelbar an der Küste liegenden Fischersiedlung, die mehrere Jahrhunderte bewohnt war, sind noch bis zu einer Höhe von 2 m erhalten. Die starke Erosion stellt eine akute Bedrohung für die Ruinen dar: Pro Jahr verliert die Küste hier etwa 50 cm Land. Die Siedlung vor dem endgültigen Verlust noch auszugraben und zu dokumentieren ist ein weiteres Ziel des Projektes.
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Kooperationen
Department of Archaeology & Palaeoecology, Queen´s University Belfast
Fornleifastofnun Íslands (Icelandic Institute of Archaeology)
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Ansprechpartner
Natascha Mehler M.A.
Frühgeschichte
Telefon: +43 1 4277-40457
Email: natascha.mehler@univie.ac.at
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externe Ansprechpartner
Dr. Mark Gardiner (http://www.qub.ac.uk/arcpal/staff/m_gardiner.htm)
m.gardiner@qub.ac.uk
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Literatur
Mark Gardiner, Coasts Cold. The archaeology of fishing and trading sites in Iceland. Current World Archaeology 19, 2006, 49-55.
Mark Gardiner / Natascha Mehler, English and Hanseatic Trading and Fishing Sites in Medieval Iceland: Report on Initial Fieldwork. Germania 85/2, 2007 (im Druck).
Natascha Mehler, Fisch und Schwefel: Handelsstreit im hohen Norden. Archäologie in Deutschland 1, 2007, 56-57.
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