Objectives
Dissertationsprojekt
Bei offiziellen Zeichen, die in der Antike "Parasema" genannt wurden, handelt es sich um Zeichen, mit denen griechische Poleis bestimmte Gegenstände wie beispielsweise Gewichte und Siegel kennzeichneten. Damit erhielten die Gegenstände offiziellen Charakter und waren eindeutig der Polis zugeordnet. Ein Beispiel für ein solches Parasemon ist die Eule von Athen. Sie tritt nicht nur auf attischen Münzen auf, sondern auch auf Gewichten, Siegeln, Amphorenstempeln, Messgefäßen, Bleimarken und Richtertäfelchen aus Athen, die durch die Anbringung dieses Motivs zu instrumenta publica werden. Durch diese Kennzeichnung wird deutlich, dass den Gegenständen mit Parasema eine besondere Rolle in der Polisverwaltung und -organisation zukam und die Zeichen somit von politischer und wirtschaftlicher Relevanz waren.
Daher erstaunt es umso mehr, dass bislang keine zusammenfassende Untersuchung der Parasema vorliegt; es gibt nur vereinzelte Studien zu bestimmten Aspekten der Thematik. Doch treten Parasema nicht nur in Athen auf, sondern es lassen sich zahlreiche weitere Städte anführen, für die ein eigenes Zeichen belegt ist. Mit meiner Arbeit soll nun erstmalig eine umfassende Materialsammlung der Parasema geleistet werden, die sich auf das griechische Kernland, Westkleinasien und die Schwarzmeerküste konzentriert. Darin werden neben den archäologischen auch epigraphische, numismatische und literarische Quellen zusammengestellt werden, für den Zeitraum von den Anfängen der Parasema in der Archaik bis zum Ende der hellenistischen Zeit. Auf Grundlage dieser breiten Materialsammlung werden folgende Fragestellungen untersucht:
1. Die Parasema sollen ikonographisch analysiert werden: Dabei werden chronologische und gattungsspezifische Charakteristika herausgearbeitet, Beziehungen und Einflüsse der verschiedenen Denkmälergattungen aufeinander erhellt.
2. Ursprung und Anfänge des Phänomens sollen untersucht werden: Welche Faktoren spielten bei der Entstehung eine Rolle? Zudem wird der Entwicklung und Verbreitung der Gegenstände mit Parasemon nachgegangen.
3. Bei der Frage nach der Funktion ist vor allem der rechtliche Aspekt der Gegenstände zu beleuchten. So ist beispielsweise zu klären, wer für Herausgabe sowie Motivwahl verantwortlich war.
4. Nutzung und Motiv eines Parasemon sagen viel über das Selbstverständnis der betreffenden Polisgemeinschaft aus. Demnach wird z. B. zu untersuchen sein, in welchem Zusammenhang die Verwendung von Parasema mit der Identität einer Gemeinschaft steht.
Abschließend sollen die verschiedenen Aspekte eines Parasemon als offizielles Zeichen herausgestellt und verglichen werden. Dies gewährt uns einen tieferen Einblick in die Struktur antiker Städte und verdeutlicht die besondere Rolle der Parasema im politischen, wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Bereich der griechischen Poleis.
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