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Die Siedlung Čiča in der westsibirischen Waldsteppe I
Zwischen 1999 und 2003 wurde die befestigte Siedlung Čiča in Westsibirien durch ein deutsch-russisches Gemeinschafts- unternehmen archäologisch untersucht. J. Schneeweiß nahm an diesen Ausgrabungen von Anfang an teil. Er war damit in der Lage, die Qualität der Ausgrabung zu beurteilen und die damit verbundenen Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten für die chronologische Gliederung der Keramik abschätzen zu können. Er beweist dabei einen nüchternen und kritischen Blick. An keiner Stelle versucht er die Schwierigkeiten, die Befunde oder Schichten immer klar voneinander zu trennen, zugunsten seiner Ergebnisse argumentativ zu "überspielen". Für die Bearbeitung der Keramik aus einer Flächengrabung ist die intime Kenntnis der Befundsituation in der Grabung eine wesentliche Voraussetzung und sollte die Regel darstellen.
Höchst ungewöhnlich ist es freilich, daß eine solche Keramikbearbeitung im Rahmen einer Promotion erfolgt. Doch hat er die Aufgabe, aus einer laufenden Grabung heraus die zentrale archäologische Fundkategorie Keramik zu bearbeiten, glänzend gelöst.
Der Fundplatz wurde in den siebziger Jahren entdeckt und durch verschiedene Sondagen bzw. Grabungsschnitte untersucht. Durch die 1999 durchgeführte geomagnetische Prospektion wurde erkennbar, daß es sich um eine fast 5 ha große befestigte Siedlung mit etwa 100 Häusern und mehreren Grabenringen handelt. Die Auswahl der ab dem Jahr 2000 angelegten Grabungsareale in Zitadelle, Außensiedlung und Grabenringen war durch die Geomagnetik bestimmt und konnte gezielt konkreten Fragestellungen nachgehen. Die Radiokarbondatierungen zeigten vier Besiedlungsschwerpunkte, nämlich im 14./13. Jh. v. Chr, dem 11/10.-9. Jh. v. Chr, dem 1.Jh.v.-1.Jh.n.Chr. und dem 10. Jh. n. Chr.
Der Autor bietet eine detaillierte Analyse der Keramik nach Waren, Formen und Dekors und gelangt auf diesem Wege zu einer überzeugenden zeitlichen Gliederung des Fundstoffs. Darüberhinaus ist dieses Buch aber auch für den Einstieg in die Problematik der Kulturgruppen der späten Bronze- und frühe Eisenzeit mit einem Bezug zur westsibirischen Waldsteppe geeignet. Schneeweiß gibt einen systematischen Überblick über die Forschungsgeschichte, Chronologie, Verbreitung, Keramik, Siedlungen, Bestattungen etc. der verschiedenen "Kulturen". Hierfür hat er die umfangreiche, fast ausschließlich russischsprachige Forschungsliteratur, erschlossen. Hervorgehoben sei der vielfach referierende, doch distanzierte und vorsichtig kritische Duktus seiner Darstellung. Damit konzentriert er sich auf archäologische "Basisdaten" ohne sich in Spekulationen über die Entstehung und Bewegung der "Kulturen" zu verlieren. Jens Schneeweiß hat mit Umsicht einen Beitrag zur überregionalen Einordnung des Fundstoffs geliefert und damit für vergleichbare Fundkomplexe in Westsibirien Maßstäbe gesetzt.
S. Hansen
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