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Forschungsplan und Forschungscluster des Deutschen Archäologischen Instituts

Vorbemerkung Cluster 1 Cluster 2 Cluster 3 Cluster 4 Cluster 5
Von der Sesshaftigkeit zur komplexen Gesellschaft: Siedlung, Wirtschaft, Umwelt Innovationen: technisch, sozial Politische Räume Heiligtümer.
Gestalt und Ritual. Kontinuität und Veränderung.
Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert

Cluster 5: Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert

Sprecher: O. Dally, C. Jansen, M. Linder

Zusammenfassung
Einleitung
Ziele und Vorgehensweise
Literaturliste

Forschungscluster 5 [DE] (PDF)

Research Cluster [EN] (PDF)

Zusammenfassung

Cluster 5 unterscheidet sich in mancher Hinsicht von den übrigen Forschungsclustern: Er ist vom finanziellen Einsatz und von der Zahl der beteiligten ForscherInnen der kleinste Cluster. Ein weiteres Spezifikum ist die Zusammenarbeit von Archäologen und Zeithistorikern. Schließlich hat er eine gestaffelte Struktur: im Zentrum steht ein kleiner, wissenschaftsgeschichtlicher Forschungsverbund in Berlin, der eng mit den Erschließungsarbeiten im Archiv zusammenarbeitet und mit den diversen Cluster 5-Projekten in den Abteilungen locker kooperiert.

Einleitung

Fragen nach der NS-Vergangenheit heute hoch angesehener Institutionen werden in der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit und nicht nachlassendem Interesse verfolgt. Das Institut ist sich der Tatsache bewusst, dass seine Geschichte während der NS-Zeit trotz einiger Studien (z. B. von Klaus Junker) noch nicht in befriedigendem Maße aufgearbeitet ist, was verschiedene Gründe hat. Das für die Zeit bedeutsame Archivmaterial ist noch keinesfalls vollständig ausgewertet, ja nicht einmal erfasst. Wichtige, bislang nicht gesichtete Akten sind im Archiv des Auswärtigen Amts, im Bundesarchiv Berlin, im Landesarchiv Berlin und anderen Archiven zu erwarten. Auch die Bestände des DAI-Archivs sind noch keineswegs systematisch erfasst, geschweige denn ausgewertet. Außerdem gibt es Hinweise auf heute in Russland befindliche Dokumente aus dem Bestand des DAI, die offenbar nach Ende des Krieges dorthin verbracht wurden.

Während die Geschichte des DAI bisher, meist im Zusammenhang mit Institutsjubiläen, von wissenschaftsgeschichtlich engagierten Archäologen geschrieben wurde, wurde die Federführung bei der Untersuchung der Geschichte des DAI im 20. Jahrhundert im Rahmen von Cluster 5 mit Prof. Dr. Christian Jansen einem wissenschafts- und universitätsgeschichtlich ausgewiesenen Neuhistoriker übertragen und auch weitere Forschungsaufträge in erster Linie an Zeit- und Wissenschaftshistoriker vergeben. Dies geschah aus zweierlei Gründen: Erstens verfügen nur Fachhistoriker über die nötigen Spezialkenntnisse, die für den kompetenten Umgang mit der schwierigen Akten- und Quellensituation unerlässlich sind. Zweitens muss eine Gesamtdarstellung der Institutsgeschichte im Kontext der Politik-, Wissenschafts-, Institutionen-, Rechts-, Ideen-, Mentalitäts- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts geschrieben werden.

Auch wenn das Ausgangsinteresse für die Beschäftigung mit der Geschichte des DAI die NS-Zeit betreffen mag, empfiehlt es sich aus verschiedenen Gründen, den Fokus der Erforschung zu weiten. Dabei scheint der Zeitraum vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis etwa 1980 sinnvoll. Die Studie sollte also in der ausgehenden Kaiserzeit beginnen und mit der 150-Jahr-Feier und der damit verbundenen Gründung der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie in Bonn (heute Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen) im Jahre 1979 enden, die für die Arbeit des Instituts den letzten Schritt hin zu einer globalen, weltumspannenden archäologischen Forschung bedeutete. Diese Ausweitung des Betrachtungszeitraums ist notwendig, weil die aktuelle Zeitgeschichts- und insbesondere NS-Forschung keine Stunde Null mehr kennt. Sie ordnet vielmehr - mit hohem wissenschaftlichem Ertrag - das Dritte Reich in die Kontinuität der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein und kann gerade dadurch sowohl die unbestreitbaren Brüche als auch Kontinuitäten präziser herausarbeiten. Insofern sollte auch in Bezug auf das DAI die NS-Zeit nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr gilt es, die Arbeit des DAI in die längerfristigen politischen Entwicklungen und Trends der Forschung einzuordnen und vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen und politischen Kontextes zu analysieren.

Ziele und Vorgehensweise

Angestrebt wird eine von einem Zeithistoriker verfasste integrierte Gesamtdarstellung der Institutsgeschichte von 1900-1979, die etwa 2010 abgeschlossen sein soll, und von zwei Dissertationen zu speziellen Aspekten sowie von diversen Projekten zur Geschichte der Auslandsabteilungen flankiert werden wird (s. u. "Einzelne Projekte"). Weitere Aspekte lassen sich in begleitenden Workshops und Kolloquien vertiefen, die anschließend ebenfalls veröffentlicht werden könnten.

Ein Vorbild für die Untersuchung der Geschichte des DAI im 20. Jahrhundert kann die im Auftrag der Max Planck-Gesellschaft durchgeführte und abgeschlossene Untersuchung zur Geschichte der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft im Dritten Reich sein (vgl. http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/KWG/publications.htm). Auch die DFG lässt seit einigen Jahren ihre Geschichte zwischen 1920 und 1970 von unabhängigen Wissenschaftshistorikern erarbeiten, die ihre Forschungspolitik während der NS-Zeit in die längerfristigen Trends von allgemeiner Politik und Forschung einordnen soll (vgl. http://www.histsem.uni-freiburg.de/DFG-Geschichte/). Ähnlich angelegte Vorhaben wurden in jüngster Zeit begonnen. So ist auf Beschluss des Akademischen Senats der Humboldt-Universität 2002 eine Arbeitsgruppe beauftragt worden, sich mit der Rolle der Berliner Universität in der NS-Zeit zu befassen (vgl. http://ns-zeit.geschichte.hu-berlin.de/). Und nicht zuletzt sei hier erwähnt, dass das Auswärtige Amt, zu dessen Geschäftsbereich das DAI gehört, eine Historikerkommission eingesetzt hat, um seine Geschichte während des Dritten Reichs entsprechend zu untersuchen (vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/AAmt/Geschichte/Historikerkommission.html). Eine entsprechende Studie über das DAI wäre also nicht nur um der Sache selbst willen wünschenswert und könnte auf starkes Interesse stoßen, sondern die Entwicklungen innerhalb des Archäologischen Instituts lassen sich mit Hilfe der vielfältigen neueren Forschung besonders präzise historisch einordnen. Allerdings hat das Cluster 5-Projekt finanziell und personell einen weit bescheideneren Zuschnitt als die anderen genannten Forschungsvorhaben.

Alle Cluster 5-Projekte sollen in enger Abstimmung mit einem Beirat aus Zeithistorikern und forschungsgeschichtlich arbeitenden Archäologen durchgeführt werden. Diesem wissenschaftlichen Beirat zum Projekt "Geschichte des DAI im 20. Jahrhundert" gehören folgende Archäologen und Zeithistoriker an:

A. Borbein, G. Brands, R. vom Bruch, O. Dally, N. Frei, S. Hansen, H. Hassmann, C. Jansen, K. Junker, M. Maischberger, H. Parzinger (Vorsitz) und S. von Schnurbein.

Literaturliste

- Altekamp, Stefan: Klassische Archäologie und Nationalsozialismus, in: Elvert, Jürgen (Hg.): Kulturwissenschaften und Archäologie, Stuttgart: Erscheinen nicht absehbar; Volltext

- Bittel, Kurt u. a. (Hg.): Beiträge zur Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts 1929 bis 1979, Teil 1. Mainz 1979. Dieser Band behandelt die Auslandsabteilungen des DAI; ein geplanter zweiter Band über die Zentrale ist nie erschienen.

- Dally, Ortwin: Geschichte und Entwicklung des Deutschen Archäologischen Instituts, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologen-Verbandes 36 (2005), S. 39-51.

- Jansen, Christian: The German Archaeological Institute (DAI) between Transnational Scholarship and Foreign Cultural Policy, in: Fragmenta 2 (2008).

- Junker, Klaus: Das Archäologische Institut des Deutschen Reiches zwischen Forschung und Politik. Die Jahre 1929 bis 1945. Mainz 1997.

- Meyer, Hans: Der Rechtsstatus des Deutschen Archäologischen Instituts. Rechtsgutachten, in: Archäologischer Anzeiger 2004/2, S. 155-220.

- Parzinger, Hermann: Die Staatlichen Museen zu Berlin und das Deutsche Archäologische Institut. Rückblick und Ausblick, in: Andrea Bärnreuther/Peter-Klaus Schuster (Hg.): Freistätte für Kunst und Wissenschaft. Die Staatlichen Museen zu Berlin als Forschungseinrichtung. Berlin 2007, S. 36-43.

- Rieche, Anita (Hg.): Die Satzungen des Deutschen Archäologischen Instituts 1828-1972. Mainz 1979.

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Aktualisiert: 04.08.2008

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