Geschichte
Antike Religionen und speziell religiöse Austauschprozesse sind in den letzten Jahren verstärkt in das Blickfeld der altertumswissenschaftlichen Forschung gelangt. Für die Iberische Halbinsel mit ihren kulturell und ethnisch sehr unterschiedlich geprägten Regionen fehlt es bislang aber weitgehend an zusammenfassenden religionswissenschaftlichen Studien, obwohl eine Fülle von Quellen literarischer, archäologischer und vor allem epigraphischer Natur Informationen über römische und indigene Gottheiten und Kulte bereithält.
Das Projekt konzentriert sich auf die religiösen Verhältnisse in Lusitanien, da sich dort sehr unterschiedliche Austausch- und Diffusionsprozesse vollzogen. Während sich der Süden Lusitaniens (conventus Pacensis) im Spiegel der Quellen als weitgehend romanisiert präsentiert, ist das Bild in den beiden nördlichen Konventsbezirken Emeritensis und Scallabitanus weitaus heterogener: Weihinschriften lassen im ländlichen Raum eine Bevölkerung erkennen, die zum Teil sehr stark indigenen Traditionen und Glaubensvorstellungen verhaftet war, wohingegen in urbanen Siedlungen wie Augusta Emerita (Mérida) oder Olisippo (Lissabon) römische Kulte dominierten.
|