Geschichte
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Abb. 2. Qiang-Wohnburg Taoping. Oberer Teil zweier Wachtürme.
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Abb. 3. Qiang-Wohnburg Taoping. Nach oben geschlossener Durchgang und Zwischengeschoß aus Holz.
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Abb. 4. Tibetisches Gehöft in Muoluo mit Wachtürmen.
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Das Volk der Qiang spricht seine eigene Sprache, allerdings in vielen verschiedenen Dialekten. Sie gehört zum tibetobirmanischen Zweig der sinotibetischen Sprachfamilie.
Der Name dieses Volkes ist abgeleitet von der chinesischen Sammelbezeichnung für alle feindlichen nicht-chinesischen Bewohner an den westlichen Grenzen des chinesischen Kernreiches, wie er von der Shang-Dynastie (ca. 1.600-1.046 v. Chr.) an in Gebrauch war. Das Schriftzeichen qiang 羌 besteht aus den Zeichen für Schaf/Ziege 羊 und Mensch 人 oder Sohn 儿, bedeutet also ganz allgemein 'Hirte' und ist bereits aus Inschriften auf Orakelknochen aus der Zeit um 1.300 Jahre v. Chr. bekannt.
Als 'Qiang' bezeichnete Völker waren vom 1. bis 5. Jh. entlang des Nord- und Ostrandes des Tibetplateaus vom Kunlun-Gebirge in Xinjiang über Qinghai, Gansu und Sichuan bis nach Yunnan im Süden verbreitet. Dieser sogenannte "Qiang-Gürtel" wurde im 7. bis 9. Jh. zur Kontakt- und Kampfzone zwischen dem tibetischen Königreich und dem chinesischen Kaiserreich Tang (620-907).
Wegen der starken tibetischen Einflüsse in Kultur und Religion galten die Bewohner dieses Gürtels den Chinesen vom 10. Jahrhundert an nicht mehr generell als Qiang, sondern als Tibeter. Mit Ausnahme Nordwest-Sichuans, wurde das Gebiet sinisiert und die Bevölkerung als Qiang registriert. Bis in die 1950er Jahre nannte das Volk sich selbst Erma (rma), entwickelte danach jedoch eine eigene Identität als 'Qiang'.
Ihre Siedlungen aus Stein und Holz, die wie Trutzburgen an steilen Hängen und Felsspornen kleben, zeichnen sich vor allem durch ihre wohl durchdachten Verteidigungsanlagen aus. Schon von weitem sind an Talöffnungen die hohen Wachtürme zu sehen (Abb. 2), die den Kern eines Gehöftes bilden. Sie sind häufig der einzige noch erhaltene Baukörper einer alten Anlage. Mehrere dieser Turmgehöfte schließen unmittelbar aneinander an, sind durch enge geschlossene Tunnel, zum Himmel offene Durchgänge oder Holzgalerien miteinander verbunden und machen eine kompakte, nach außen geschlossene Wehrsiedlung aus (Abb. 3).
Unter der gesamten Siedlung fließt Quellwasser in einem Kanalsystem, das im Notfall gleichzeitig als Fluchttunnel genutzt werden kann. Durch fortwährende An- und Umbauten auf verschiedenen Stockwerkshöhen sind termitenbauartige Wohnburgen entstanden. Die Wehrsiedlungen in einem Tal bilden eine Gemeinschaft, die sich deutlich von denen der Nachbartäler abgrenzt.
Hohe Steintürme mit quadratischem oder sternförmigem Grundriss wurden in der Vergangenheit auch von Tibetern gebaut und stehen größtenteils heute noch (Abb. 4).
Einige der von uns besuchten Türme hatten jedoch keinen erkennbaren Zugang, während andere von einem angebauten Wohnhaus aus betreten und von innen bestiegen werden konnten. In den meisten Fällen gibt es jedoch weder Aufzeichnungen noch mündliche Überlieferungen zu Zeitpunkt und Zweck ihrer Errichtung.
Die Verwendung von Holz als Baustoff zumindest in einzelnen Abschnitten der Bauwerke erlaubt jedoch Altersbestimmungen mit denen sich klären lässt, ob die Bauten tatsächlich auf frühmittelalterlichen Wehranlagen gründen, wie allgemein angenommen wird.
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