Start   DAI   Research   Research Databases   Contact   Infos   News   Annual Report   Press  FAQ
 RSS   Deutsch   

Ressourcennutzung auf der Osterinsel (Rapanui/Isla de Pascua), Chile

Die Erschließung und Besiedlung der pazifischen Inselwelt bildet die letzte große Landnahme der Menschheit. Als deren Schlusspunkt erreichte eine kleine Gruppe von polynesischen Seefahrern wahrscheinlich kurz vor 1000 n. Chr. die Osterinsel.

Seit 2007 beteiligt sich die von der KAAK geleitete Expedition in Kooperation mit dem staatlichen Denkmalpflegeamt sowie mit verschiedenen Behörden und einheimischen Spezialisten auf der heute zu Chile gehörenden Osterinsel an der Erforschung der Rapanui-Kultur (ca. 10. Jahrhundert bis 1722). Deren materielle Zeugnisse und mündliche Überlieferungen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Location

    
  Abb.1 Die Osterinsel liegt etwa 3800 km vor der chilenischen Küste (H.-P. Wittersheim).  

Die Osterinsel (Fläche 162 km2), auch bekannt unter ihrem polynesischen Namen Rapanui, liegt völlig isoliert in den subtropischen Bereiten des Südpazifiks gut 3800 km vor der südamerikanischen Küste (Abb. 1). Die Insel verdankt ihre Entstehung einem rezenten Vulkanismus, dessen Anfänge maximal 3 Millionen Jahre zurückreichen. Trotz einstiger dichter Bewaldung war die Artenvielfalt begrenzt; Ressourcen wie Boden und Wasser waren knapp und insgesamt sehr ungleich verteilt.

Departments:
Commission for Archaeology of Non-European Cultures

Further Information on the Section in Charge

 

druckerfreundliche Version
 

History

    
  Abb.2 Die rekonstruierte Zeremonialplattform Ahu Akivi während der geophysikalischen Prospektion (Foto B. Vogt).  

Nach heutigem Kenntnisstand besiedelten die aus dem weit entfernten Westen Polynesiens kommenden Rapanui ihre Insel im 10. Jahrhundert. Schnell differenzierten sie sich zu elf Stämmen mit klar begrenzten Territorien, die miteinander um die Vorherrschaft und die Ressourcen konkurrierten und häufig im Krieg lagen. Dennoch konnten die Rapanui in kürzester Zeit ihre noch in der Jungsteinzeit verhaftete Kultur, die weder Metalle noch Keramik kannte, zu höchster Blüte führen. Wahrscheinlich irgendwann im 15. Jahrhundert brachen die Siedler jeden Kontakt zur Außenwelt ab. Bereits im 18. Jahrhundert war die Rapanui-Kultur in rapidem Niedergang begriffen, um dann nach dramatischen Entwicklungen wie blutigen Stammesfehden, Epidemien und Verschleppung in die Sklaverei gegen 1870 fast gänzlich ausgelöscht zu werden.

Als auffälligste kulturelle Ausdrucksform entwickelte sich vor allem entlang der Felsküste eine dem Ahnenkult dienende Plattform-Architektur (Ahu) mit Krematorien und integrierten Grabkammern. Diese wird häufig durch anthropomorphe Monumentalplastiken (Moai) aus weichem Tuffstein ergänzt (Abb. 2). Weit über 800 derartige Figuren sind bislang von der Insel bekannt, die meisten von ihnen stehen an ihrem Herstellungsort im Steinbruch am Vulkan Rano Raraku, säumen vereinzelt die speziell für den Statuentransport angelegten Straßen bzw. liegen -ursprünglich einzeln oder in Gruppen aufgestellt- umgestürzt in der Nähe der für sie bestimmten Plattformen. Heute sind sie erheblich von Zerstörung bedroht -sei es durch Witterungsverhältnisse und das Weidevieh, sei es durch den Vandalismus von Besuchern.

Vor dem Kontakt mit den Europäern lebte die Inselbevölkerung -die Schätzungen schwanken zwischen 5.000 und 15.000 Köpfen- hauptsächlich vom Gartenbau. Nicht zuletzt wegen des Bedarfs an landwirtschaftlichen Anbauflächen transformierten die Rapanui innerhalb kürzester Zeit die gänzlich unberührt vorgefundene Insel in eine flächendeckende Kulturlandschaft. Manche, wie als prominentester Vertreter jüngst der amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond, sehen in der Osterinsel-Kultur das Beispiel par excellence für eine rücksichtslose und so gänzlich unkorrekte Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch den Menschen. Sollen doch die Baumbestände zusätzlich auch für den Transport der gewaltigen Statuen binnen Kürze abgeholzt und durch eingeschleppte Ratten in ihrer weiteren Reproduktion verhindert worden sein. Von den in der Tat wohl selbst verschuldeten Umweltschäden hat sich die Insel bis heute nicht erholt.

 

Objectives

Die Arbeiten der Expedition gehen in zwei Richtungen: Zum einen liefert sie mit einer Dokumentation und Prospektion ausgewählter Monumente und Fundplätze unter Verwendung neuester Techniken einen Beitrag zu deren Sicherung und Erhalt. Eingedenk der von jeher begrenzten Biodiversität und anderer natürlicher Ressourcen auf der Osterinsel gilt das Interesse der Expedition der Frage nach Zugang zu und Umgang mit den Ressourcen Wasser und Boden durch die Rapa Nui. Diesen Fragen soll durch exemplarische Feldforschungen an den beiden Fundplätzen Tepe'u und Ava Ranga Uka A Toroke Hau nachgegangen werden, die schon aufgrund ihrer Lage an der nordwestlichen Steilküste bzw. im Inselinneren durch sehr unterschiedliche naturräumliche Rahmenbedingungen gekennzeichnet sind. Die Forschungen sind als langfristig angelegt. 

History of Research

Als erste Europäer betraten holländische Seeleute am 5. April 1722 die Insel, die nach dem Tag dieses Besuches als Osterinsel bezeichnet wurde. Anfangs nur zögerlich wurde die Insel im 18. Jh. von weiteren Südseefahrern besucht wie 1774 von James Cook, mit dem gleichsam die wissenschaftliche Erforschung der Insel begann, oder 1786 vom Comte La Pérouse. Im 19. Jh. liefen zahlreiche amerikanische Walfänger die Insel an, um sich vor allem mit Trinkwasser zu versorgen. Die britische Archäologin Katherine Routledge leitete 1914-15 erste wissenschaftliche Ausgrabungen auf der Osterinsel. 1934 befasste sich eine französisch-belgische Forschergruppe unter Henri Lavachery und Alfred Métraux ebenfalls mit der archäologischen und ethnographischen Erforschung der Insel. Gleichermaßen wichtig waren die Arbeiten des Inselpriesters Sebastian Englert, einem bayrischen Kapuzinermönch, der von 1935-1969 gewissenhaft Beobachtungen zur Archäologie, Ethnographie und Sprache der Rapanui sammelte. Doch erst die norwegischen Ausgrabungen von 1955/56 unter der Leitung Thor Heyerdahls und deren populärwissenschaftliche Aufbereitung setzten die Rapanui-Kultur endgültig auf die archäologische Weltkarte. Bald drängten sich zahllose Expeditionen aus Chile, den USA, Europa und Japan, die sich - wenn auch nicht ausschließlich - so doch bevorzugt mit den steinernen Riesen aus weichem Tuffstein beschäftigten. Nach und nach wurden etwa fünfzehn Ritualplattformen rekonstruiert und die dazugehörigen Moai wieder aufgestellt, wobei in vielen Fällen eine Dokumentation der Maßnahmen nicht existiert oder nicht mehr zugänglich ist.

Mittlerweile ist fast die gesamte Insel systematisch prospektiert und der Denkmalbestand erfasst. Die beiden von der deutschen Expedition nun genauer untersuchten Fundplätze Tepe'u und Ava Ranga Uka A Toroke Hau sind schon seit längerem bekannt, wobei lediglich Tepe'u bereits von der norwegischen Expedition durch kleinere Suchschnitte untersucht wurde.

 

Previous Activities

    
  Abb.3 Geomatiker beim Scannen eines Moai bei Ahu Tongariki (Foto T. Kersten).  
    
  Abb.4 Der Kernbereich des Fundplatzes Ava Ranga Uka A Toroke Hau (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.5 Plan des Fundplatzes Ava Ranga Uka A Toroke Hau (Vermessung C. Hartl-Reiter).  
    
  Abb.6 Geländeinschnitt mit den Resten der beiden Dämme (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.7 Doppelschalige Terrassenmauer im Stauraum von Damm 1 (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.8 Rest von Damm 1 mit zerstörter Ritualplattform Ahu Hanua Nua Mea (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.9 Schnitt durch die Reste des Dammkörpers mit stratifizierter Stauraumfüllung (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.10 Detail der Stauraumfüllung mit vier eingezogenen Pflasterungen (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.11 Suchschnitt auf der Terrasse vor Höhle 1 (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.12 Wasserbecken mit Pflasterung (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.13 Fundführende Muddeschicht unter dem Steinpflaster des Wasserbeckens (Foto B. Vogt).  
    
  Abb.14 Funde aus dem Wasserbecken: Obsidianbeil, Holzpfriem, Nussschalen und Kürbissamen (Foto H.-P. Wittersheim/B. Vogt).  
    
  Abb.15 Fisch- oder Delfin-Petroglyphe auf dem Felsboden des Wasserbeckens (Foto B. Vogt).  

Einen Schwerpunkt der Arbeiten der drei Kampagnen 2007 - 2009 bildete die Dokumentation ausgewählter Einzelmonumente und anderer wichtiger Fundplätze in verschiedenen Abschnitten der Insel. Diese erfolgte durch terrestrisches 3D Laserscanning (Abb. 3) und photogrammetrische Aufnahmen, beides vorgenommen durch Spezialisten der HafenCity Universität Hamburg. Dabei war die Wahl eines berührungslosen Messverfahrens von großer Bedeutung, da die Ahu nicht betreten und die Figuren nicht berührt werden dürfen. Die gewonnenen Daten wurden über Positionsbestimmungen mit dem Global Positioning System (GPS) in das bestehende Koordinatensystem der Insel integriert, um später alle relevanten Daten zu den Monumenten und Fundplätzen in einem Geoinformationssystem zusammenlaufen zu lassen. Gescannt wurden zunächst die bereits rekonstruierten Ritualplattformen Ahu Riata, Ahu Tautira, Ahu Tahai, Ahu Vai Uri , Ahu Ko Te Riku, Ahu Akapu, Ahu Akivi , Ahu Nau Nau, Ahu Ature Huki, Ahu Huri A Urenga, Ahu Akahanga und Ahu Tongariki sowie die noch nicht ausgegrabenen Ahu Hanga Mea, Ahu Hanua Nua Mea und der Moai von Vaihu. Laserscanning begleitete auch die laufenden Grabungen in Ava Ranga Uka A Toroke Hau, wo das gesamte Tal, eine Terrassenmauer und Uferbefestigung, das Wasserbecken, Höhle 1 und die Dämme 1 und 2 während verschiedener Stadien der Freilegung vermessen wurden. Darüber hinaus wurden auf Wunsch der örtlichen Antikenbehörde auf dieselbe Weise auch die bootförmige Wallanlage von Miro O One und der Steinbruch bei den Obsidianminen am Maunga Orito dokumentiert.

Vier Ritualplattformen und deren Moai wurden während der bislang drei Feldkampagnen Wiederholungsmessungen unterzogen, um eventuell Aussagen über erosionsbedingte Veränderungen an den Tuffsteinplastiken treffen zu können, die dann ihrerseits eine Grundlage für zukünftige Restaurierungs- und ggf. Konservierungsmaßnahmen bieten können.

Während der Kampagnen 2007 und 2008 ergänzte das Bayrische Landesamt für Denkmalpflege diese Arbeiten mit geophysikalischen Prospektionen, um berührungsfrei und non-invasiv die Existenz unter der Oberfläche liegender Strukturen nachzuweisen und die Anwendbarkeit des Verfahrens unter den konkreten örtlichen Bedingungen zu prüfen. Trotz der ausschließlich vulkanischen Geologie der Insel bewährten sich die Untersuchungen bereits ausgegrabener wie auch noch nicht untersuchter Fundplätze mit einem Cäsium-Magnetometer ausgesprochen gut. Die Prospektionen galten den Fundplätzen Tahai, Ahu Akivi, Ahu Hanga Te'e, Ahu Tepe'u, Ahu Nau Nau, Ahu Hanga Mea, Ahu Akahanga und dem Vorplatz des Ahu Hanua Nua Mea in Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Die nach den Messungen generierten Graustufen-Magnetogramme zeigen, dass trotz der geringen Bodentiefe mit Ausnahme des Ahu Akahanga sämtliche Untersuchungsareale verborgene Reste noch unbekannter Strukturen aufweisen. Die bisher gewonnenen Messdaten bedürfen noch weiterer Bearbeitung und Auswertung.

Seit 2008 führt die KAAK in Ava Ranga Uka A Toroke Hau an verschiedenen Stellen archäologische Sondagen durch. Auch die Grabungen werden durch geophysikalische Prospektionen, Vermessungsarbeiten und den regelmäßigen Einsatz terrestrischer 3D Laserscanner ergänzt. In Tepe'u wurden bislang Kartierungen und geophysikalische Erkundungen vorgenommen, eine Aufnahme von Grabungen ist für die Zukunft geplant.

Die bisherigen Ausgrabungen und ihre Ergebnisse

Der Fundplatz Ava Ranga Uka A Toroke Hau liegt im Inselzentrum auf der Südflanke des Terevaka-Vulkans (Abb. 4). Er profitiert von hohen Niederschlagsmengen (über 1000 mm/Jahr), was auch die Existenz des einzigen, bis vor kurzem noch ständig Wasser führenden Baches erklärt. Der Bach hat ein kleines natürliches Becken von gut 80 m Länge und 50 m Breite geschaffen, an den sich eine kurze schluchtartige Verengung anschließt. Dieser Abschnitt bildet zugleich den Kernbereich des Fundplatzes (Abb. 5). Hier befinden sich die Reste von zwei vollsperrenden, jetzt gebrochenen Dämmen (Abb. 6), des weiteren Terrassenmauern, Uferbefestigungen, mehrere kleinere Höhlen und ein großes steinernes Becken. Auf dem westlichen Steilufer lässt die Oberfläche die Reste einer Siedlung mit mehreren steinernen Hausgrundrissen sowie Pflanzgruben von größeren Bäumen (Honigpalmen?) erkennen. Auf dem gegenüberliegenden Hochufer im Osten liegt umgestürzt auf seiner Plattform ein Moai, aus mündlicher Überlieferung bekannt als Ahu Hanua Nua Mea ("Regenbogen"-Ahu).

Während der bisherigen Feldkampagnen 2008 und 2009 konzentrierten sich die Grabungen auf verschiedene Strukturen entlang des Bachbettes. Uferbefestigen und Terrassenmauern (Abb. 7) vermitteln gemeinsam mit den Resten hydraulischer Architektur den Eindruck einer großflächig geplanten Landschaftsgestaltung bzw. vollständigen Transformation. Die 2009 freigelegte Bruchzone von Damm 1 ergab ein Profil von über 3 m Höhe, das nicht nur die umfangreichste Sequenz von Kulturschichten auf der Insel darstellt, sondern zugleich Einblicke in Konstruktion, Funktionsweise und Entwicklung der Anlage wie auch in die rezente Klimageschichte gestattet (Abb. 8-9). Der Aufschluss zeigt, wie der aus einer Geröllschüttung bestehende, luftseitig mit einer Mauerschale verblendete Damm von ursprünglich etwa 1,5 m Höhe nachfolgend in gleicher Konstruktionsweise zweimal auf insgesamt über 3 m erhöht wurde. Der Grund dafür war wahrscheinlich die schnelle Verlandung des Stauraums, der zu keiner Zeit per Hand beräumt wurde. Stattdessen zog man großflächig nach und nach vier übereinander liegende Steinpflaster ein (Abb. 10), die schließlich das gesamte kleine Tal bedeckten. Die dazwischen liegenden Stauraumsedimente ganz unterschiedlicher Fraktion sind deutlich von einander abgesetzt und lassen einerseits eine Akkumulierung durch nach plötzlichen Starkregenereignissen auftretende Schlammlawinen erahnen wie auch das Ausfällen feiner Sedimente während Perioden längerer Trockenheit. Aus den Sedimenten wurde eine große Zahl von Obsidian-Werkzeugen und Korallenfragmenten geborgen, wobei nicht auszuschließen ist, dass diese Funde durch niederschlagsbedingten Oberflächenabfluss in den Stauraum gelangten.

Als sicher kann gelten, dass die Dammanlage zu keiner Zeit wirklich dicht war und das Fassungsvermögen des Stauraums zu klein, um für eine künstliche Bewässerung genutzt zu werden. Das Fehlen eines Auslasses und eines anschließenden Kanals zur Einleitung von Wasser in nahe Felder oder Gartenflächen bestätigt dies. Ein Suchschnitt im Stauraum des tiefer gelegenen Damms 2, der den Vorplatz und das Innere der Höhle 1 querte (Abb. 11), hätte hier einen entsprechenden Nachweis erbringen müssen. Stattdessen zeigten sich im Vorfeld der Höhle mindestens zwei stratigraphisch getrennte Siedlungsniveaus, die durch Steinsetzungen, Herdstellen und ein vielfältiges lithisches Geräteinventar aus Obsidian und Basalt auf sich aufmerksam machen. Möglicherweise wurde die Höhle und der Vorplatz vielleicht erst nach dem Bruch der beiden Talsperren zu Aufenthaltszwecken genutzt, so dass an dieser Stelle eine eher späte Rapanui- zeitliche Besiedlung anzunehmen ist, die in eigenem Kontext steht.

Im Stauraum des zuoberst gelegenen Dammes 1 kam bei Grabungen im Jahr 2008 ein rechteckiges Becken zutage (Abb. 12). Es ist aus elf großen, sauber bearbeiteten Basaltorthostaten errichtet und besitzt die Innenmaße von 5,00 m x 2,75 m und eine Tiefe von durchschnittlich 1,5 m. An der Südostecke des Beckens befand sich ein kleiner kastenförmiger Annex, der als Einlass diente und der über eine Ablenkmauer aus dem Bachbett mit Wasser versorgt wurde. Wegen der mangelnden Dichtung des Beckens war ein Auslass nicht erforderlich. Den nach Süden stark abfallenden Boden des Beckens bildete der gewachsene, von Wasser gleichsam polierte Fels. Der tiefer gelegene Felsboden entlang der Südwand wurde durch ein Pflaster aus Geröllplatten ausgeglichen.

Die Zusammensetzung der Füllung des Beckens lässt vermuten, dass das meiste Füllmaterial nach Aufgabe des Beckens eingeschwemmt wurde. Lediglich unmittelbar über Felsboden und Steinpflaster lag eine fast schwarze Schicht mit einem sehr hohen organischen Restanteil. Auch unter den Pflasterplatten kam eine Folge von schwarzen Mudde-Schichten zutage (Abb. 13), die sich mit dünneren Bändern eingeschwemmter feiner Vulkanasche abwechselten. In diesen Schichten und durch das Steinpflaster versiegelt waren Hunderte von glatten, blaugrauen Kieseln, die einst von den Felsküsten der Insel vorsätzlich zum Becken herangeschafft, anderen Ortes wie bei den Ritualplattformen für rituelle Zwecke verwendet wurden. Als äußerst ungewöhnlich muss die Entdeckung von größeren Mengen organischen Materials gelten, darunter Holzreste und Äste, pflanzliche Fasern, Laubwerk, Kürbissamen sowie Nussschalen der Honigpalme. Nur an wenigen Nussschalen waren Nagespuren der von den Rapanui eingeführten Ratten sichtbar. Die endgültige Ausrottung der Honigpalmenbestände auf der Osterinsel wurde gemeinhin um 1500 datiert. Mittlerweile an unter der Beckenpflasterung gefundenen Nussschalen durchgeführte Radiokohlenstoffdatierungen lassen allerdings vermuten, dass das Becken im Verlauf des 16. Jahrhunderts angelegt wurde und zu diesem Zeitpunkt noch Reste der Palmenvegetation existierten.

Gleichfalls unter dem Beckenpflaster fand sich eine große Sammlung von Abschlägen und Gerätschaften aus Obsidian und Basalt sowie drei Holzartefakte, wie sie sich bislang noch nicht auf der Insel in einem archäologischen Kontext erhalten haben (Abb. 14). Der Anteil modifizierter Stücke ist mit gut 25% der Gesamtzahl überproportional hoch. Die selektive Zusammensetzung des Inventars und die aufwändige Gestaltung des Beckens deuten auf eine gezielte, rituelle Deponierung von Artefakten. Dies findet seine Untermauerung in der Entdeckung von drei Petroglyphen, die in den Felsboden des Beckens eingepickt sind. Dargestellt sind ein menschlicher Fußabdruck, ein Fisch oder Delfin (Abb. 15) 'sowie möglicherweise ein Boot.

Alle bisher in Ava Ranga Uka A Toroke Hau entlang des Bachbettes untersuchten Strukturen scheinen nach gegenwärtigem Kenntnisstand in engem funktionalen und chronologischen Zusammenhang zu stehen. Der Gesamtbefund ist ohne Parallele auf der Osterinsel. Dennoch mag man ihn einem noch unbekannten Wasserkult zuschreiben. Orale Traditionen berichten von Beschwörungszeremonien, die in der Regel ein Priester des Königs für den Regengott Hiro durchführte. Hiro, zuständig für die Fruchtbarkeit der Felder, Gärten und Menschen, ließ dann seine "langen Tränen" fallen, sobald der Priester als Opfergabe ein noch nasses und von Algen besetztes Korallenstück im Boden vergrub. Dass derartige Rituale in Ava Ranga Uka A Toroke Hau stattgefunden haben könnten, belegen auch die zahlreichen Korallenfragmente, die im Stauraum von Damm 1 gefunden wurden.

 

Cooperation

Museo Antropológico Padre Sebastian Englert, Hanga Roa/Osterinsel
Consejo de Monumentos Nacionales, Santiago de Chile
Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege, München
Department Geomatik der HafenCity Universität Hamburg
State Museum of Oriental Arts, Moskau

 

Contact

Dr. phil. Burkhard Vogt

Vorderasiatische Altertumskunde
Telefon: +49-(0)228-997712-12
Telefax: +49-(0)228-997712-49
Email: vogt@kaak.dainst.de

Bibliography



Fassbinder J.W.E. - Berghausen K. - Vogt B. - Moser J. 2007
Easter Island (Chile): Magnetometry of Archaeological Structures on Basaltic Geology. In: I. Kuzma (ed.) Studiné Zvesti. Archeologického Ústavu Slovenskej Akadémie Vied 41. Nitra: 148-151.

Kersten Th. - Lindstaedt M. - Vogt B. 2009
Preserve the Past for the Future - Terrestrial Laser Scanning for the Documentation and Deformation analysis of Easter Island's Moai.
In: Photogrammetrie Fernerkundung Geoinformation 1/2009: 79-90.

Kersten Th. - Lindstaedt M. - Mechelke K. - Vogt B. 2009
Terrestrisches Laserscanning zur Dokumentation der Moai auf der Osterinsel. In: Denkmäler3.de - Industriearchäologie, H.-J. Przybilla - A. Grünkemeier (Hrsg.), Shaker Verlag GmbH, Aachen: 188-197.

Kersten Th. - Lindstaedt M. - Mechelke K. - Vogt B. 2009.
3D-Messtechnik am Nabel der Welt - Terrestrisches Laserscanning zur Dokumentation der Moai auf der Osterinsel. In: Geomatik Schweiz, Heft 9: 458-461.

Vogt B. 2007
Ausgrabungen und Forschungen: Osterinsel (Isla de Pascua/Rapanui) Chile.
In: Archäologischer Anzeiger 2008/1 Beiheft. Jahresbericht 2007: 293-93.

Vogt B. - Kersten Th. - Lindstaedt M. - Fassbinder J. - Moser J. 2007
Terrestrial Laser Scanning and Geophysical Prospection of Selected Ahu and Moai - The First Field Season of the German Archaeological Mission to Rapa Nui in 2007. Lecture held at the VII International Conference on Easter Island and the Pacific, Visby/Gotland 2007.

Vogt B. 2009
Osterinsel - Wasserbau unterm Regenbogen. In: Archäologie in Deutschland  4: 12-16.

     Stand November 2009

 

 


 
 

updated: 09.11.2009

Copyright 2002-2006 German Archaeological Institute | Impressum & Disclaimer  Sitemap