Start   DAI   Forschung   Recherche   Kontakt   Infos   Aktuell   Jahresbericht 
English   

Bosnien-Herzegowina, Okolište und Butmir

Okolište und Butmir: jungsteinzeitliche Tellsiedlungen (etwa 5500–4800 v. Chr.)

Siedlungsgrabungen zur Erforschung von Wirtschafts- und Sozialgeschichte jungsteinzeitlicher Bevölkerungen am Übergang zur Kupferzeit in Südosteuropa.

Lage

    
  Höhenschichtenplan des Fundplatzes. Gut erkennbar ist das Siedlungsareal durch die erhöhten Bereiche.  

Die jungsteinzeitliche Siedlung Okolište befindet sich auf einer Geländeerhebung am linken Ufer der Bosna in Zentralbosnien (s. Karte rechts).
Der Siedlungsplatz Butmir liegt am westlichen Stadtrand von Sarajewo.

Abteilungen:
Römisch-Germanische Kommission (RGK) Frankfurt a.M.

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

Google Maps

 

Karte

 

druckerfreundliche Version
 

Ziele

    
  Lage der jungsteinzeitlichen Siedlung  

Die Auswertung der Siedlungsfunde soll Auskunft über die technologischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen jungsteinzeitlicher Bevölkerungen am Übergang zur Kupferzeit geben. Innnerhalb Südosteuropas ist dabei Zentralbosnien das Bindeglied zwischen den unterschiedlich ablaufenden Entwicklungen von Zentralbalkan und östlichem Adriaraum.

Das Forschungsvorhaben steht in der langen Tradition einer engen Zusammenarbeit zwischen der archäologischen Forschung in Bosnien-Herzegowina und der Römisch-Germanischen Kommission. Die aktuellen Forschungen in Zentralbosnien sind ein wichitger Beitrag für die Neuausrichtung der Archäologie in Bosnien-Herzegowina und deren internationale Einbindung. Die Grabung in Okoliste dient zudem der Ausbildung von Studenten vor allem aus südoseuropäischen Ländern. 

Forschungsgeschichte

    
  Tafel aus der Publikation von 1898  

Die Siedlungsspuren bei Okoliste sind der in Bosnien beheimateten Butmir-Kultur (5500–4800 v. Chr.) zuzurechnen. Ausgrabungen am namengebenden Fundplatz nahe Sarajewo erbrachten im ausgehenden 19. Jahrhundert ein reiches Fundmaterial. Die prachtvoll edierten, großformatigen Grabungspublikationen von 1895 und 1898 eröffneten der internationalen Forschung Einblicke in die Grabungsergebnisse, wobei vor allem die zahlreichen anthropomorphen tönernen Kleinplastiken für ein außerordentliches Interesse sorgten.
Auf der Fundstelle bei Okoliste wurden in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zwei kleinere Sondagen durchgeführt.  

Bisherige Arbeiten

    
  Fotogrammetrischer Plan von Planum 2 der Grabungsfläche von 2005  

Im Jahr 2002 begannen die Untersuchungen in Okolište mit einer Bohrprospektion und der topographischen Aufnahme des Siedlungsareals. Der Tell hat einen Durchmesser von ca. 300 x 260 m. Direkt unter der heutigen Ackerkrume beginnen bereits die jungsteinzeitlichen Siedlungsschichten, die im Zentrum eine Mächtigkeit von mehr als 3 m aufweisen.In der ersten Ausgrabungskampagne erfolgte die Freilegung einer Fläche von 140 m2, in der gut erhaltene Überreste von Häusern entdeckt wurden. Im Jahr 2003 konnten 3 ha der Siedlung geophysikalisch prospektiert werden. Die exzellenten Ergebnisse der Geophysik erlaubten eine effektive Planung der Grabung in den Folgejahren. Die 2004 durchgeführten Ausgrabungen im Grabenbereich bestätigten die Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion. Im Jahr 2005 wurden erstmals großflächig Hausareale untersucht. Auf einer Fläche von 240 Quadratmetern zeigten sich Reste verbrannter und unverbrannter Häuser.
Eine im Jahre 2002 durchgeführte Sondage auf dem Fundplatz Butmir lieferte Referenzdaten, die eine Neubewertung der vor mehr als hundert Jahren durchgeführten Ausgrabungen ermöglichen werden.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Skelett in den jüngsten Verfüllungsschichten des äußeren Grabens  

Im Jahr 2006 erfolgten erstmals großflächige Untersuchungen im Grabenbereich, deren Aufgabe es war, die zeitliche Abfolge der Gräben zu klären. Dabei wurde festgestellt, dass der äußere Graben mindestens dreimal erneuert wurde, wobei allerdings in keinem Fall die Mächtigkeit des ältesten Grabens erreicht wurde. Die jüngeren Gräben wurden offensichtlich der sich stetig verkleinernden Siedlungsfläche angepasst. Völlig überraschend waren zahlreiche menschliche Knochen, die in der Verfüllung der jüngsten Grabenphase aufgedeckt wurden. Ob es sich dabei um die Reste eines Rituals, einer Seuche, eines kriegerischen Ereignisses oder Ähnlichem handelt, werden die weiteren Untersuchungen klären müssen.
Ferner wurde eine weitere Hausstelle untersucht. Dabei gelang es, unverbrannte Lehmwände nachzuweisen. Weiterhin wurde die geophysikalische Prospektion in kleinen Bereichen fortgesetzt, um den Verlauf des umlaufenden Grabensystems zu klären.  

Methoden

    
  Ergebnis der geomagnetischen Untersuchungen 2003, 2004 und 2006  

Eine Schlüsselstellung kommt den geophysikalischen Prospektionsverfahren zu. Die geomagnetischen Untersuchungen erlauben Rückschlüsse auf die Struktur der Innenbebauung. Geoelektrische Untersuchungen lieferten Hinweise auf die Tiefe der Gräben.
Die paläobotanischen (D. Kučan, H. Kroll) und die archäolzoologischen (N. Benecke) Untersuchungen haben ergeben, dass die neolithische Bevölkerung einen von Emmer und Einkorn dominierten Ackerbau betrieb und bei den Haustieren das Rind vorherrschte.
Die Radiokarbondaten erlauben eine Datierung der Hausstrukturen der oberen Siedlungsschichten in die Zeit von 4900–4400 v. Chr. Knochenproben aus dem Grabenbereich datieren in die Zeit von 5200–4700 v. Chr.  

Kooperationen

    
  Keramikfragment mit Resten roter Bemalung  

An den Forschungen sind außer der Römisch-Germanischen Kommission die Christian-Albrechts-Universität Kiel (Johannes Müller), das Bosnisch-Herzegovinische Landesmuseum Sarajewo (Zilka Kujundzič) sowie das Kantonsmuseum Visoko beteiligt, unter dessen denkmalpflegerischer Oberhoheit das Projekt steht.  

Ansprechpartner

Dr. phil. Knut Rassmann

Vorgeschichte
Telefon: 069-975818-33
Telefax: 069-975818-38
Email: rassmann@rgk.dainst.de

externe Ansprechpartner

Prof. Dr. Johannes Müller
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Christian-Albrechts-Universität Kiel
johannes.mueller@ufg.uni-kiel.de

Zilka Kujundzić
Zemaljski muzej Bosne i Hercegovine
Zmaja od Bosne 5
7100 Sarajevo
Tel.: 00387 33 66 8027
Zilka Kujundzić

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft  

Literatur

W. Radymský / M. Hoernes, Die neolithische Station von Butmir bei Sarajevo in Bosnien. Ausgrabungen im Jahre 1893 (Wien 1895).
F. Fiala / M. Hoernes, Die neolithische Station von Butmir bei Sarajevo in Bosnien. Ausgrabungen in den Jahren 1894–1896. II. Teil (Schlussband) (Wien 1898).
A. Benac, Obre II – Neolitsko naselje butmirske grupe na Gornjem polju. Glasnik 26, 1971, 5–300.
M. Gimbutas, Chronology of Obre I an Obre II. Wiss. Mitt. Bosnisch-Herzegowin. Landesmus. 4, 1974, 15–35.
S. Peric, Butmirska kultura. Geneza i razvoj. Butmir culture. Origin and development. Posebna Izdanja Arheoloski Institut (Beograd 1995).
Z. Kujundzič-Vejzagič / J. Müller / K. Rassmann / T. Schüler, Okolište – Grabung und Geomagnetik eines zentralbosnischen Tells aus der ersten Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrtausends. In: B. Hänsel (Hrsg.), Parerga Praehistorica: Jubiläumsschrift zur Prähistorischen Archäologie. 15 Jahre UPA. Universitätsforsch. Prähist. Arch. 100 (Bonn 2004) 69–81.  

 


 
 

Aktualisiert: 20.03.2008

Copyright 2002-2008 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum & Disclaimer  Sitemap