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Kamiltepe

Ausgrabungen in dem neolithischen Fundplatz Kamiltepe

Untersuchungen zum Beginn der Sesshaftigkeit in der Milsteppe in Südwest-Azerbaijan

Lage

    
  Blick in die Milsteppe, im Hintergrund die Karabakh-Berge  

Der Fundort Kamiltepe liegt in Südwestazerbaijan in der Mil-Karabakh-Steppe, am Übergang von der Überflutungszone des Kür-Flusses in die Karabakh-Berge, etwa 30 km südwestlich der Bezirkshauptstadt Agjabedi. Der Fundort besteht aus einem niedrigen Hügel auf einem flachen Geländesporn und ist durch Erdentnahme und Baumassnahmen teilweise schwer beschädigt.

Abteilungen:
Eurasien-Abteilung

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

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Ziele

    
  Kamiltepe. Bemalte Keramik der Milsteppe  

Die Ausgrabungen in Kamiltepe haben zunächst die Definition einer für die frühe sesshafte Besiedlung der Milsteppe typischen Assemblage materieller Kultur zum Ziel, um die Lebens- und Wirtschaftsweise dieser Bevölkerung besser verstehen und einordnen zu können. 

Forschungsgeschichte

    
  Kamiltepe. Bemalte Keramik der Milsteppe  

Die archäologische Erforschung der Milsteppe begann in den 1950er Jahren unter der Leitung von A. A. Iessen durch die Azerbaijanische Archäologische Expedition mit der Ausgrabung eines der drei großen Kurgane von Üctepe und eines kleinen eisenzeitlichen Kurgans nahe Kamiltepe sowie mit Oberflächenbegehungen und Sondagen in den prähistorischen Siedlungshügeln Şaxtepe und Kamiltepe. Auf dieser Grundlage definierte Iessen erstmals die bemalte Keramik der Milsteppe und datierte sie in das Äneolithikum, wobei er sie mit dem damals bereits bekannten Kujltepe/Naxiçevan und mit der nordmesopotamischen Halafzeit verglich. Nach weiteren Sondagen, auch in Kamiltepe, etablierte I. Narimanov die bemalte Keramik der Milsteppe als einen eigenen Komplex, der nur in wenigen Beispielen überhaupt mit Kujltepe zu vergleichen sei und der stattdessen in Verbindung mit der bemalten Keramik der Mugansteppe zu sehen sei.  

Bisherige Arbeiten

T. Aliyev legte im Jahr 2008 eine Sondage im Südosten des Hügels an, wobei er weitere bemalte Keramik fand.  

Aktuelle Arbeiten

    
  Kamiltepe. Westprofil des Baggerschnitts zeigt Lehmziegellagen der Plattform  
    
  Kamiltepe. Quadrat P12: Nordkante der Plattform und Lehmziegelversturz  

Im April 2009 konnte eine Gruppe des DAI auf Einladung der Akademie und geführt von Farhad Guliyev den Fundort besuchen, wobei insbesondere die im Baggerschnitt sichtbaren massiven Lehmziegel unsere Aufmerksamkeit erregten. Daraufhin wurde Kamiltepe als erstes Grabungsprojekt der 2009 vereinbarten wissenschaftlichen Kooperation zwischen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Bakı und dem Deutschen Archäologischen Institut ausgewählt und vom 23.7. bis 8.9.2009 in einer ersten Grabungskampagne untersucht. 

Ergebnisse

    
  Kamiltepe. Quadrat O11: Westkante der Plattform und anschließende Bebauung  
    
  Kamiltepe. Bemalte Keramik der Milsteppe  
    
  Kamiltepe. Perlen aus Türkis und anderen Schmucksteinen  
    
  Kamiltepe. Knochenahlen  

Die Arbeiten der ersten Kampagne konzentrierten sich in vier verschiedenen Bereichen.

1. Zum einen sollte durch das Reinigen der Profilwände im Baggerschnitt ein erster Aufschluss über die Besiedlungsabfolge gewonnen werden, damit die anschließenden Grabungsarbeiten gezielt angelegt werden konnten. Die Reinigung des Westprofils im Baggerschnitt ergab, dass der Kern des Hügels offenbar aus einer massiven Plattform aus handgeformten Lehmziegeln bestand. Die Kantenlänge dieser Struktur beträgt mindestens 15 m.

2. Ein 4 x 4 m großer Schnitt nördlich des Baggergrabens ermöglichte es, die Außenkontur der Lehmziegelplattform in diesem Bereich zu erfassen. Offenbar war die Plattform an dieser Stelle einmal zusammengestürzt, denn es wurde eine dicke Packung Lehmziegelversturz freigelegt. Über diesem Versturz liegt eine vielschichtige Brand- und Ascheschicht.

3. Ein weiterer Schnitt setzte westlich des Baggerschnitts an der Oberkante des Westprofils an und erlaubte die Freilegung der obersten erhaltenen Schicht der Lehmziegelplattform und eine Definition ihrer Westkante. An dieser westlichen Kante sind mehrere Mauern so angesetzt, dass eine Kette von Räumen entlang der Plattform wahrscheinlich ist. Diese Außenbebauung erlaubt eine Unterscheidung von mindestens zwei, allerdings dicht aufeinander folgender Phasen.

4. Zwanzig Meter südwestlich des Baggerschnitts wurden unter einer 60 cm starken Schwemmschicht die Reste eines Wohnhauses gefunden, das allerdings nur bis in eine Höhe von maximal zwei Lehmziegellagen erhalten ist. Der erfasste Mauerabschnitt ist aus Lehmziegeln gleichen Formats wie die Plattform gebaut, die Mauern des Gebäudes waren gerade.

Das Fundmaterial umfasst handgemachte Keramik, darunter eine ganze Anzahl bemalter Beispiele, wie sie bisher als typisch für das Äneolithikum der Milsteppe gelten. Zudem gibt es Schleuderkugeln aus ungebranntem Ton, Nadeln und Ahlen aus Knochen, und Perlen aus Türkis und Karneol. Die Fundsituation des Materials, am Rand der Plattform in Schichten mit erheblichen Brandspuren und großen Mengen Tierknochen, deutet auf eine mögliche Funktion der Plattform als Mittelpunkt gemeinschaftlicher Feste oder Zeremonien hin, bei denen die Zubereitung und der Verzehr von Fleisch eine wichtige Rolle spielte.  

Kooperationen

Dr. Tevekkül Aliyev
Nationale Akademie der Wissenschaften Azerbaijan
Institut für Archäologie und Ethnographie
Baku, Azerbaijan  

Ansprechpartner

PD Dr. phil. Barbara Helwing

Iranische Altertumskunde
Telefon: 03018-7711-311
Telefax: 03018-7711-313
Email: eurasien@dainst.de
weitere E-Mail Adresse: daiteheran@yahoo.de


 
 

Aktualisiert: 28.10.2009

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