Start   DAI   Forschung   Recherche   Kontakt   Infos   Aktuell   Jahresbericht   Presse  FAQ
 RSS   English   

Dissertationsprojekt: Bischöfliche Repräsentation

Präsenz und Repräsentation des Bischofs in der spätantiken Stadt: Rom, Mailand und Ravenna

Lage

Die Auswahl der Städte beschränkt sich auf Rom, Mailand und Ravenna, da in ihnen das reziproke Verhältnis zwischen Kaiser und Bischof aber auch zwischen Bischof und der zumindest bis zum späten 4. Jh. teils deutlich pagan geprägten Senatsaristokratie gut untersucht werden kann. Für die verfolgte Fragestellung bieten sich die drei Städte durch die günstige Quellenlage zusätzlich an.

Abteilungen:
Abteilung Rom

Weitere Informationen zur Abteilung/Kommission, die das Projekt betreut

 

druckerfreundliche Version
 

Ziele

Ziel des Projektes ist es das Verhältnis des Bischofs zur kaiserlichen Zentralgewalt, als Vertreter der aristokratischen Oberschicht und sein Verhältnis zur jeweiligen Gemeinde zu untersuchen. Hierbei sollen die Möglichkeiten, die dem Bischof zur Zuschaustellung und Sicherung seines Machtanspruchs zur Verfügung standen, deutlich herausgearbeitet werden.
Einerseits übernahm der Bischof Elemente des kaiserlichen Zeremoniells, andererseits emanzipierte er sich zusehends vom Kaiser. Wie beeinflusste die ihm vom Kaiser übertragene Würde und Sakralität, die besonders in der Liturgie und in der Ausstattung der Kirchen zum Vorschein trat, das bischöfliche Repräsentationsverhalten?
In gleicher Weise soll das Verhältnis zur lokalen Aristokratie untersucht werden, um zu klären, worin sich der Bischof in seinem Repräsentationsverhalten von seinen Standesgenossen absetzte, bzw. in wieweit die soziale Herkunft für die hohe Kirchenlaufbahn eine prägende Voraussetzung war oder nicht.
Für die Beziehung zwischen dem Bischof und seiner Gemeinde ist es von Interesse zu hinterfragen, worauf sich die auctoritas des Oberhirten stützte und mit welchen Mitteln er diese, für seine Gemeinde möglichst direkt erfahrbar, beispielsweise im Rahmen von Zeremonien, immer wieder manifestierte. Schließlich war der Bischof gerade in Krisenzeiten Kraft seines Amtes Mittler zwischen Gott und den Menschen und Ziel der Heilshoffnung seiner Gemeinde, die sich zuvor auf den Kaiser gerichtet hatte.  

Forschungsgeschichte

Besonders in der althistorischen Forschung wird der Bischof seit längeren nicht mehr nur als geistiger Führer, sondern vielmehr als städtischer Funktionär verstanden. In der archäologisch/kunsthistorischen Literatur überwiegen Publikationen zu den Gebäudestiftungen einzelner Bischofsgestalten wie Ambrosius in Mailand oder Neon in Ravenna. Einzeluntersuchungen zu ausgewählten Bischofsgestalten sind für Rom, Mailand und Ravenna vorhanden. Ein Vergleich der Mechanismen und Prozesse bischöflicher Repräsentation in den drei Städten und somit der verschiedenen Verstreter des Bischofsamts über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten fehlt bislang. 

Methoden

Gestützt auf archäologische, kunsthistorische, literarische und epigraphische Quellen sollen folgende Einzelaspekte und Mechanismen der bischöflichen Selbstdarstellung untersucht werden:
- Bauprojekte
- Stiftung von liturgischem Gerät und Kircheninventar
- Bildliche Repräsentation des Bischofs bes. im Kirchenraum
- Performative Repräsentation (Liturgie, Prozession)
- Bischofsbestattungen
- Umgang mit Heiligen (Märtyrerverehrung)
 

Ansprechpartner

 Markus Löx M.A.

Spätantike und Christliche Archäologie
Email: loex@rom.dainst.org
weitere E-Mail Adresse: bibliographie@rom.dainst.org

Externe Ansprechpartner

Prof. Dr. F. A. Bauer, Institut für Byzantinistik, Byzantinische Kunstgeschichte und Neogräzistik, Ludwig-Maximialians-Universität München

Literatur

Allgemein

R. Krautheimer, Three Christian capitals. Topography and politics (Berkeley 1983).
J.-C. Picard, Le souvenir des évêques. Sépultures, listes épiscopales et culte des évêques en Italie du Nord des origines au Xe siècle (Rome 1988).
R. A. Markus, How on Earth could Places become holy? Origins of the Christian Idea of Holy Places, JEChrSt 2, 1994, 257-271.
P. R. L. Brown, The cult of the saints. Its rise and function in Latin Christianity (Chicago 1982).

Mailand

M. P. LaVizzari Pedrazzini (Hrsg.), Milano capitale dell'impero romano 286-402 d.C. Milano Palazzo Reale 24 gennaio - 22 aprile 1990 (Cinisello Balsamo, Milano 1990).
F. Monfrin, A propos de Milan chrétien. Siège épiscopal et topographie chrétienne, IVe - VIe siècles, CArch 39, 1991, 7-46.
C. Pietri, Aristocratie milanaise: païens et chrétiens au VIe siècle, in: G. Sena Chiesa- M. (Hrsg.), Felix temporis reparatio. Atti del Convegno Archeologico Internazionale Milano Capitale dell'Impero Romano Milano 8 - 11 marzo 1990 (Milano1992) 157-170.

Ravenna

F. W. Deichmann, Ravenna. Hauptstadt des spätantiken Abendlandes (Wiesbaden 1958−89).
M. C. Miller, The development of the archiepiscopal residence in Ravenna, 300 - 1300., FelRav 141-144, 1991-92, 145-173.
C. Nauerth-Agnellus von Ravenna805-850, Agnellus von Ravenna. Untersuchungen zur archäologischen Methode der ravennatischen Chronisten (München 1974).

Rom

J. F. Baldovin, The Urban Character of Christian Worship. The Origin, Development, and Meaning of Stational Liturgy (Rom 1987).
M. Borgolte, Petrusnachfolge und Kaiserimitation. Die Grablegung der Päpste ihre Genese und Traditionsbildung (Göttingen 1989).
C. Pietri, Roma christiana. Recherches sur l'église de Rome, son organisation, sa politique, son idéologie de Miltiade à Sixte III (311-440) (Rom 1976).
V. Saxer, L'utilisation par la liturgie de l'espace urbain et suburbain: l'exemple de Rome dans l'Antiquité et le Haut Moyen Age, in: G. Cuscito (Hrsg.), Actes XIe Congres international de l'archéologie chrétienne. Lyon, Vienne, Grenoble, Genève et Aoste 21 − 28 septembre , 1986 (Rom 1989) 917-1033.
 

 


 
 

Aktualisiert: 06.07.2009

Copyright 2002-2010 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum & Disclaimer  Sitemap