Llanos de Mojos
Im Nordosten des bolivianischen Amazonastieflandes finden sich hunderte von Ringgräben umgebene Siedlungsplätze. Bislang ging man davon aus, dass sie in etwa zeitgleich kurz vor und zur Zeit der spanischen Eroberung (14.-16. Jh.) entstanden seien. Neuere Forschungen des DAI zeigen nun, dass die bewaldeten Anhöhen ("Waldinseln") auf denen sie liegen, spätestens ab dem 5. Jh. n.Chr. besiedelt waren. Dies macht eine Neubewertung der mit diesen Siedlungen assoziierten obertägig sichtbaren Erdwerke notwendig. Da man bislang davon ausging, dass sie in einem sehr kurzen Zeitraum entstanden waren, galten sie als Beweis für eine sehr hohe Bevölkerungsdichte. Die neuen Ergebnisse legen nun nahe, dass sie über einen Zeitraum von rund 1000 Jahren entstanden sind, was alle bisherigen Szenarien zur Kulturgeschichte der Region in Frage stellt.

Llanos de Mojos

Die Baures, ihre Nachbarn und ihre Vorfahren

Der heutige Ort Baures ist eine Missionsgründung. Als indianische "Reductione Immaculatae Conceptionis inter Baures" im Jahr 1708 von den Jesuiten gegründet, wurden an diesem Ort nicht nur die namengebenden Baure, sondern auch Mitglieder anderer ethnischer Gruppen zwangsangesiedelt.

Zwei der umfangreichsten Chroniken, die über die Missionsarbeit in den Llanos de Mojos berichten, wurden von Missionaren geschrieben, die bei den Baure lebten. Von daher sind wir über viele Sitten und Gebräuche der Baure zur Zeit des Eintreffens der spanischen Missionare aussergewöhnlich gut unterrichtet. In diesen Chroniken werden andere, benachbarte oder weiter entfernt lebende ethnische Gruppen zwar zuweilen erwähnt, mehr als ihre Namen erfahren wir jedoch nicht.

Ein Ergebnis der bisherigen archäologischen Forschung in der Region ist, dass sich eine Vielzahl von keramischen Stilen zeigt, die dem in den Chroniken gezeichneten Bild einer starken Dominanz der Baure zu widersprechen scheint. Einflüsse und Interaktionen zwischen den sich in diesen Keramikstilen wahrscheinlich manifestierenden ethnischen Gruppen zu untersuchen, ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt des Projektes.

Ein weiterer ist die historische Tiefe der vorspanischen Besiedlung der Region. Da die bewaldeten Anhöhen die einzigen Orte sind, die vor den saisonalen Überschwemmungen geschützt sind, müssen sie auch in früheren Zeiten als optimale Siedlungsplätze gesucht worden sein.

Diesen Fragestellungen und mit ihnen verbundenen Themen geht das DAI-Projekt seit 2007 nach. Neben Prospektionen, Implementierung der gewonnenen Daten in einem GIS, Aufnahme von Keramikfunden in lokalen Sammlungen und Kartierung mittels LIDAR, haben vor allen Grabungen an Fundorten in der Nähe der Dörfer Bella Vista und Jasiaquiri umfangreiche neue Daten geliefert.

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Heiko Prümers
Redaktion
Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen
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