Start Kapitel Info Literatur Archiv
   

Alltag im Grenzkastell Iatrus

Seit dem späten 4. Jahrhundert n. Chr. hatte sich das Siedlungsbild von Iatrus grundlegend verändert. Die militärischen Verwaltungsbauten und Kasernen waren ebenso wie die strenge Gliederung durch das regelmäßige Straßennetz aufgegeben worden. Stattdessen entstanden nach und nach kleinere, individuell gestaltete, fast ländlich wirkende Anwesen, in denen keine Soldaten, sondern wehrfähige Männer mit ihren Familien lebten und wirtschafteten.

Grabungsfoto.
Grabungsfoto

Die Männer mußten sich zeitweise militärischen Übungen unterziehen, Wachdienste im Lager und auf den Signalstationen in der Umgebung versehen sowie gegebenenfalls an dem von ihnen bewachten Grenzabschnitt Eindringlinge abwehren. Zwischendurch konnten sie sich aber ihren Familien und häuslichen Tätigkeiten widmen. Werkzeug- und Schlackefunde lassen darauf schließen, daß vorübergehend in Iatrus sogar Eisenerz verhüttet und Roheisen minderer Qualität gewonnen wurde. Für den Eigenbedarf stellte man grobe Küchenkeramik her. Aus Holz und Tierknochen fertigte man Gerätegriffe und andere Gebrauchsgegenstände an. Alle möglichen handwerklichen Tätigkeiten, die in Haus und Hof immer wieder anfallen, wurden hier verrichtet.

Daß die Bewohner von Iatrus zum Fischfang sowohl Angeln wie auch Netze benutzten, belegen die Funde von metallenen Angelhaken sowie von Netzbeschwerern aus Ton oder Blei.
Angelhaken

Vor allem beschäftigten sich die Bewohner aber mit landwirtschaftlicher Produktion, d. h. mit Acker- und Gartenbau sowie mit Viehhaltung. Davon zeugen Funde einschlägiger Werkzeuge und Geräte, wie Sensen, Sicheln, Baummesser, Viehglocken, aber auch Angelhaken und Netzsenker. Und in einzelnen Räumen innerhalb der Hauskomplexe fanden sich Getreidevorräte, vor allem Weizen, Gerste, aber auch Hirse, Roggen und Hafer. Verschiedene Obstsorten, Nüsse, Weinbeeren, Erbsen und andere Hülsenfrüchte gehörten ebenso zur Nahrung der Kastellbewohner wie das Fleisch von Haustieren wie Schwein, Rind, Schaf und Ziege, von Geflügel, Wildtieren und nicht zuletzt Fische aus Jantra und Donau.


Print Page
 

               Aktuelle Forschungen und Projekte der Römisch-Germanischen Kommission

Copyright 2002-2005 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum