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Die Innenbebauung des Kastells Iatrus

Isometrischer Plan der Periode A: Die erste Bauphase von Iatrus läßt die streng gegliederte Innenarchitektur erkennen, die ausschließlich nach militärisch-strategischen Gesichtspunkten geplant und gestaltet ist.
Isometrischer Plan

Wenn man in friedlicher Absicht, etwa als Besucher oder Dienstreisender das Kastelltor passiert hatte, stand man auf einem unregelmäßig begrenzten, freien Platz, von dem mehrere Straßen abgingen. Nach rechts und links ein breiter Pflasterweg, der an der Innenseite der Festungsmauer verlief, damit diese im Verteidigungsfall ungehindert zugänglich war. Spitzwinklig zweigte davon ein schmales, mit Kieselsteinen befestigtes Sträßchen ab, das in die bebauten Quartiere führte. Und mit einem kleinen Schwenk nach links gelangte man auf die Hauptstraße, die mit einer Breite von 7 m auch von Wagen befahren werden konnte. Fußgänger konnten unter den Säulenhallen an beiden Straßenseiten entlanggehen und waren vor Regen und Wind, aber auch gegen die Sommerhitze geschützt. Von hier aus konnte man in kleine Läden, Werkstätten, Schreibbüros, Amtsstuben oder Garküchen eintreten. 115 m lang war diese Straße und wurde von zwei kleinen Gassen rechtwinklig gekreuzt. Diese waren sehr schmal, aber man konnte über sie im Notfall geradewegs zum Wehrgang auf der Festungsmauer und zu den großen Verteidigungstürmen gelangen.

Die Säulenhallen entlang der Hauptstraße waren nur während der ersten Siedlungsperiode in voller Funktion. Später wurden die meisten Säulen gekappt, so daß sie unter dem neu angelegten Straßenniveau verschwanden.
Säulenreihe

Am Ende der Hauptstraße stand der Besucher vor dem Eingangsportal zu den Principia, die als Amtssitz der örtlichen Militärverwaltung das Zentrum in jedem römischen Kastell bildeten. Um in die dahinterliegenden Bereiche zu gelangen, mußte man allerdings zu einer Querstraße zurückkehren und das Kastellzentrum im großen Bogen umgehen. Wandte man sich dabei von der Hauptstraße nach Süden, traf man bald auf ein größeres, auffallend vornehmes Einzelhaus, das Praetorium, in dem der Lagerkommandant residierte. Dicht daneben sah man ein kleines Badehaus, das aber keinesfalls groß genug war, um allen in Iatrus stationierten Soldaten das Baden zu ermöglichen. Zumindest innerhalb der Festungsmauer gab es keine allgemein zugänglichen Thermen. Überhaupt war es um die Wasserversorgung in Iatrus nicht gut bestellt. Zwar gab es unter dem Pflaster der Haupt- und einiger Nebenstraßen kleine Kanäle für Wasserrohre, aber Hauszuleitungen, Brunnen oder wenigstens öffentliche Zapfstellen sind bisher nicht aufgetaucht.

Hatte man auf diesem Umweg die Rückseite des Stabsgebäudes mit seiner hervortretenden Apsis erreicht, stand man wiederum auf einer Straße, die auf die Festungsmauer und den Eingang zu einer Bastion ausgerichtet war. Jenseits dieser Straße begann der nicht öffentliche Bereich des Kastells. Hier lagen die Unterkunftsbaracken für die Soldaten, die sich bis zum Ende des Kastells erstreckten, wo das Gelände steil zum Fluß hin abfiel.
In seiner Erstanlage war Iatrus also eine ausschließlich für die Bedürfnisse des Militärs errichtete Anlage. Wenn die Frauen und Familien der Soldaten in dieser Zeit überhaupt in dem ummauerten Areal wohnen durften, müssen sie getrennt von den Männern in dem nicht mehr erhaltenen Bereich der Anlage gelebt haben. Wahrscheinlicher ist aber, daß sie sich außerhalb der Festungsmauern in einer unbefestigten dörflichen Siedlung niedergelassen hatten. Nur die Militärpferde waren in Ställen innerhalb des Kastells untergebracht, praktischerweise wohl in der Nähe des Tores. Da diese jedoch im wesentlichen aus Holz und Lehm bestanden, ist es schwer, sie heute noch wiederzufinden.


In dem Profil durch eine schmale Seitengasse ist zu erkennen, wie das Seitenniveau durch Schuttablagerungen und Planierschichten im Laufe der Zeit hochgewachsen ist.
Straßenprofil (Photo)
Die kleine Ausbuchtung des untersten Niveaus rührt von der kurzzeitig funktionierenden Wasserleitung her.
Straßenprofil (Zeichnung)

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