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Haus und Hauswirtschaft in Iatrus

Vergleicht man den Plan der Innenbebauung von Iatrus aus der Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. mit dem der Erstanlage, so fallen sofort grundsätzliche Unterschiede ins Auge.

Die untersuchte Fläche ist in der späteren Siedlungsperiode wesentlich dichter bebaut, selbst die strategisch wichtigen, breiten Pflasterwege entlang der Mauerinnenseite waren jetzt teilweise überbaut, und die Kolonnaden an der Hauptstraße wurden nach und nach zu geschlossenen Räumen umgewandelt. Die Gesamtanlage war längst nicht mehr so klar gegliedert. Die Straßen verliefen nicht mehr geradlinig, sondern änderten wegen vor- und zurückspringender Hausecken oft die Richtung. Gleichzeitig öffneten sich zwischen den Häusern auch ganz unregelmäßige freie Plätze. Eigentlich war nur noch die vom Tor ausgehende Hauptstraße annähernd unverändert geblieben, wenn man von der Verengung durch Überbauung der Kolonnaden absieht.


Im Laufe der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. war Iatrus zu einer dicht bebauten Siedlung angewachsen, deren Bewohner in relativ guten Verhältnissen leben konnten, aber keine Reichtümer besaßen. In den 40er Jahren des 5. Jahrhunderts wurde dieser Ort von den Hunnen in Schutt und Asche gelegt, aber die Bewohner konnten sich mit dem größeren Teil ihres Besitzes noch in Sicherheit bringen.
Plan Phase C
Durch die stehengebliebenen Bruchsteinsockel zeichnet sich der Grundriß dieses Wohn-Wirtschafts-Komplexes aus der zweiten Siedlungsperiode deutlich ab. Unter dem dazugehörigen Lehmfußboden stieß man bei der Freilegung auf ältere Architekturreste, die nach anderen Gestaltungskriterien errichtet worden waren.
Häuser

Von den Principia vermittelt der Grundriß sogar ein falsches Bild: Die fest gefügten Außenmauern standen zwar noch aufrecht, aber die meisten Säulen im Hof waren entfernt worden, und eine Überdachung gab es auch nicht mehr. Übriggeblieben war ein von soliden Mauern umgebener Hofraum, der seinen ursprünglichen, repräsentativen Charakter eingebüßt hatte. Stattdessen hatte sich vorübergehend eine primitiv ausgestattete Eisenwerkstatt eingerichtet.

Die Bebauung des ummauerten Areals von Iatrus in der Mitte des 5. Jahrhunderts erinnerte alles in allem eher an eine dörfliche Siedlung als an eine Militärstation. Die einzelnen Häuser waren unterschiedlich groß und sehr individuell gestaltet. Die Mauern konnten selbst in ein und demselben Raum in ganz verschiedener Bautechnik ausgeführt sein. Die meisten besaßen einen Sockel aus Bruchsteinen in Lehmbindung, auf dem ein fachwerkartiger Aufbau aus Holz und luftgetrockneten Lehmziegeln saß. Daneben gab es auch Wände, die ohne isolierenden Steinsockel als Fachwerk hochgezogen waren. Wieder andere waren massiv aus Bruchsteinen in Lehm- oder gar Mörtelbindung gebaut. Doch all diese Unterschiede sah man, als die Häuser bewohnt waren, wohl nicht, da alle Wände mit Lehm, seltener mit Kalk verputzt und weiß getüncht waren. Die Dächer waren mit großen Leistenziegeln (tegulae) und überlappenden Hohlziegeln (imbrices) gedeckt und schimmerten in vielen Farbnuancen zwischen hellbeige, rot und bräunlich. Sie lasteten so schwer auf den Hauswänden, daß in fast allen Räumen zusätzliche Pfosten zur Unterstützung des hölzernen Dachstuhls eingezogen werden mußten. Diese Bauweise erlaubte wohl höchstens ausnahmsweise die Errichtung mehrgeschossiger Häuser.


Eines der vielen Türschlösser unterschiedlicher Konstruktion aus Iatrus belegt, daß man auch im 5. Jahrhundert n. Chr. sein Haus vor Fremden verschloß.
Zylinderschloß

Vom Inventar der Häuser haben sich nur wenige Reste erhalten, da Türen und Möbel, aber auch viele Haushaltsgengenstände und Geräte aus Holz bestanden und bei der Zerstörung vollständig verbrannt sind. Nur in einigen Räumen fanden sich bei der Freilegung noch Gegenstände wie Öllämpchen, die meisten in einfacher Ausführung aus Ton, einige wenige aus wertvoller Bronze, feine Tongefäße wie Weinkannen, Tassen, Becher, Teller, Schüsseln oder auch einzelne Schmuckgegenstände, Münzen und ähnliches. Solche Räume sind am ehesten als Wohnzimmer anzusprechen.
In anderen Räumen trafen die Ausgräber dagegen auf Herdstellen, Vorratsgefäße, grobtonige Töpfe, Werkzeuge und verkohltes Getreide in Verschlägen, Kisten, Säcken oder Fässern, nach Sorten getrennt. Hierbei handelt es sich um Küchen, Lager, Werkräume oder vergleichbare Wirtschaftsräume.


Die Anzahl von Öllampen muß in jedem römischen Haus viel größer gewesen sein, als die auf uns gekommenen Exemplare vermuten lassen. Die meisten Stücke bestanden aus Ton, waren aber zum Teil aufwendig verziert.
Bronzelampe
Bei Festen oder Empfängen beleuchtete man die Räume vielleicht durch edlere Bronzelampen, von denen mehrere an einem Kandelaber aufgehängt wurden.
Bronzelampe
Die beiden Mahlsteine waren ehemals an einem Holzgestell befestigt, dessen Konstruktion die Handhabung der schweren Steine erleichterte. Erhalten sind davon die Löcher mit Resten der starken Eichenholzpfosten im Lehmfußboden.
Mühle

Die verschieden genutzten Einzelräume bildeten zusammen größere und kleinere Wohn-Wirtschaftskomplexe, die von bäuerlichen Kleinfamilien bewohnt und betrieben wurden. Während die Männer dem Kriegshandwerk nachgingen oder auf den Feldern und Weiden arbeiteten, versahen die Frauen Haus-, Küchen- und Gartenarbeit, sofern bei der engen Bebauung überhaupt Platz für Privatgärten vorhanden war. Die Wolle der Schafe wurde im Haus versponnen und zu Stoffen und Teppichen gewebt. Erhalten haben sich von diesen Tätigkeiten Spinnwirtel und Tongewichte, die den Kettfaden am stehenden Webstuhl spannen halfen.
Reich waren diese Menschen nicht, aber sie hatten ihr gutes Auskommen. Wertvoller Schmuck oder künstlerisch aufwendig gestaltete Gegenstände kamen bei den Ausgrabungen nur sehr selten zutage. Und wenn, dann waren es meistens ältere Stücke, die vielleicht als Familienerbe aufbewahrt worden waren.


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