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Versorgung der Bewohner von Iatrus

Selbst in Zeiten, wo die Bewohner von Iatrus relativ ungestört ihrer friedlichen Tätigkeit in Haus und Hof nachgehen konnten, war es nicht möglich, alle notwendigen Lebensmittel und Gebrauchsgüter am Ort zu erwirtschaften. Sonnenblumen und Raps z. B. waren noch unbekannt, und Olivenbäume wuchsen und wachsen in diesen Gebieten wegen der oft rauhen Winter nicht.

In Iatrus gab es am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. zwei große Lagerhäuser, deren kleineres etwa 39 m lang und 14 m breit war. Hier lagerten Notrationen und Kriegsgerät nicht nur für die Kastellbesatzung, sondern auch für die Versorgung von Truppen auf dem Marsch.
Lagerhaus

Auch der Weinbau war hier in römischer Zeit noch nicht so verbreitet wie heute. Das auf den Feldern rund um das Kastell angebaute Getreide konnte vielleicht den Bedarf der Kastellbevölkerung decken, reichte aber wohl kaum, um die vorgeschriebenen Reserven für den Notfall einzulagern. Außerdem mußten immer wieder vorüberziehende Truppenverbände kurzfristig mitversorgt werden. So große Mengen konnten von den Kastellbewohnern alleine gar nicht produziert werden. Vielmehr mußte dafür gesorgt werden, daß die notwendigen Güter aus anderen Reichsteilen herbeigeschafft wurden, Getreide z. B. aus Nordafrika, Öl vielleicht von der Iberischen Halbinsel usw.
Dieser die Provinzgrenzen überschreitende Transport erforderte eine ausgefeilte Organisation, mit der ein ganzer Stab von Leuten bei der Provinzialverwaltung beschäftigt war. Und so gab es in der Militäradministration der Provinzen auch spezielle Beamte, die für die Beschaffung und Verteilung von lebensnotwendigen Gütern zuständig waren. Daß dieses Amt in hohem Maße anfällig für Korruption und krumme Geschäfte war, liegt auf der Hand, wenn man an Mißernten u. ä. denkt.
Archäologisch hat dieses staatliche Versorgungssystem in Iatrus mehrfach seinen Niederschlag gefunden. Neben den ersten Wohn-Wirtschafts-Komplexen für Einzelfamilien entstanden im dritten Drittel des 4. Jahrhunderts in Iatrus zwei große Lagerhäuser (horrea), wo außer Lebensmittelvorräten auch Ausrüstungsgegenstände und Kriegsgerät sowohl für die Kastellbesatzung wie auch zur Versorgung vorbeiziehender Truppenverbände aufbewahrt wurden. Diese Depots standen unter strenger Aufsicht der Provinzverwaltung.

Amphoren gelangten als Verpackungsmaterial mit Gütern aus den verschiedensten Reichsteilen nach Iatrus. Die Kastellbewohner benutzten die geleerten Gefäße weiter zur Aufbewahrung ihrer privaten Lebensmittelvorräte.
Amphoren

Ein weiteres archäologisches Indiz für die Belieferung des Kastells von außen sind die mehr als 6500 in Iatrus gefundenen Amphoren. Diese wurden in genormten Größen hergestellt und stellten „Einwegverpackungen“ dar. Gefüllt mit allen möglichen Lebensmitteln (Getreide, Wein, Öl, Fischsoße usw.) und anderen Gebrauchsgütern wurden sie regelmäßig ins Kastell geliefert. Sie verblieben hier und fanden in den Haushalten als Vorratsgefäße Verwendung.
Es gibt nur ganz wenige Amphoren aus lokalen Werkstätten, die von vornherein als Vorratsgefäße hergestellt wurden. Diese zeichnen sich meistens dadurch aus, daß sie aufrecht stehen können. Die meisten der in Iatrus gefundenen Amphoren sind an ihren abgerundeten Böden oder spitz ausgezogenen Füßen als Transportgefäße erkennbar, die sich auf Schiffen oder Wagen gut stapeln ließen. Der große Typenreichtum der Amphoren belegt, daß diese aus zum größeren Teil weit entfernten Regionen, im Falle von Iatrus vornehmlich aus dem östlichen Mittelmeerraum, Kleinasien und Nordafrika, mit entsprechenden Güter herbeigeschafft worden waren. Erstaunlich ist für den Archäologen, daß einerseits die meisten Typen in allen Siedlungsschichten gleichermaßen auftreten und daß sich Formen der Gefäße während der fast 300 Jahre, die er durch die Funde aus Iatrus überschauen kann, nur ganz wenig geändert haben.


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