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Christliche Kirchen in Iatrus

Noch unter Kaiser Diokletian (284-305) wurden die Anhänger des Christentums brutal verfolgt, und viele starben den Märtyrertod. Einer seiner Nachfolger, Kaiser Konstantin I. (306-337), erließ bereits im Jahre 312/13 ein Gesetz, durch das die christliche Religion den traditionellen römischen Kulten gleichgestellt und sogar besonders gefördert wurde. Er selber ließ sich aber erst kurz vor seinem Tod taufen.

Von der im 6. Jahrhundert errichteten christlichen Basilika in Iatrus haben sich nur die Fundamentmauern erhalten. Sie reichten etwa 3 m tief in die Erde und haben einen weithin sichtbaren monumentalen Oberbau getragen.
Kirche

Im Laufe der folgenden 60 Jahre fand das Christentum rasch weite Verbreitung im römischen Reich. Kaiser Iulian (361-363) erhielt den Beinamen "der Abtrünnige", weil er sich ausdrücklich zu den altrömischen Göttern bekannte und die Ausbreitung des Christentums verhindern wollte. Nur zwei Jahrzehnte später war aber der Einfluß dieser Religion schon so groß, daß Kaiser Theodosius I. (383-395) das Christentum zur Staatsreligion erklärte und alle anderen Kulte verbot.
Die große Anziehungskraft des liebenden und erlösenden christlichen Gottes auf die Menschen ist sicher als eine Reaktion auf die zunehmend schlechte Lebenslage und wachsende Unsicherheit im ganzen spätrömischen Reich und speziell in den ständig bedrohten Grenzgebieten anzusehen.

In Iatrus läßt sich dieser Prozeß gut an der baulichen Substanz der verschiedenen Siedlungsperioden ablesen. Nach dem Abzug der regulären Truppen zwischen 350 und 360 n. Chr. wurden auch die Principia mit ihren zentralen Kultstätten aufgegeben. Den architektonischen und geistigen Mittelpunkt der neu entstehenden Siedlung innerhalb des Mauerringes bildete eine kleine christliche Basilika. Als diese schon am Anfang des 5. Jahrhunderts einer Feuersbrunst zum Opfer fiel, wurde umgehend eine neue Kirche aufgebaut, größer und moderner als der Vorgängerbau. Dieser neuen Kirche war zudem ein Extragebäude mit Sakristei, Baptisterium und Gemeinderäumen zugeordnet, was für eine stetig anwachsende Christengemeinde am Ort spricht.


Die Ausrichtung der Kirchenbauten nach Osten orientierte sich am Sonnenaufgang zum Zeitpunkt des Baubeginns. Die leichte Achsenverschiebung der jüngeren Kirche von Iatrus gegenüber den Vorgängerbauten ergibt sich also daraus, daß mit ihrem Bau in einer anderen Jahreszeit begonnen wurde.
Grundriß der Kirche

Der gesamte Kirchenkomplex ging wie das übrige Kastell während der Hunnenstürme in den 40er Jahren des 5. Jahrhunderts unter. Die dritte Basilika wurde unter Kaiser Iustinian in der Mitte des 6. Jahrhunderts errichtet. Sie war wesentlich größer als ihre beiden Vorgängerbauten und überragte die ansonsten ärmlich wirkende Bebauung des Kastellareals in der letzten Existenzperiode. Die drei aufeinanderfolgenden und jedes Mal größeren Kirchenbauten spiegeln die stetig wachsende Bedeutung der Kirche im spätantiken, frühbyzantinischen Staat wider.


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