Start Kapitel Info Literatur Archiv
   

Megalithgräber - Verbreitung und Forschungsgeschichte

Megalithgräber (auch Großsteingräber, von griech. μεγας=groß, λιθος=Stein) gibt es in Europa seit etwa 7000 Jahren. Die ältesten liegen - so der heutige Forschungsstand - in der Bretagne. Die Iberische Halbinsel, und besonders der Süden Portugals, wurde von vielen Forschern lange Zeit für das Ursprungsland gehalten. Nahe der Stadt Évora, am westlichen Rand des Alto Alentejo, liegt das Megalithgebiet von Vale de Rodrigo.

Die Verbreitung der Megalithgräber auf der Iberischen Halbinsel.

Die europäischen Megalithgräber stammen vorwiegend aus der Jungsteinzeit und der Kupferzeit. Ihre Verbreitung orientiert sich an den Küsten und reicht von den Mittelmeerinseln und den Südküsten Italiens, Frankreichs und Spaniens über deren atlantische Gebiete bis Großbritannien, Irland und Skandinavien. Man hat daher eine Ausbreitung der Megalithik auf dem Seeweg angenommen.

Die norddeutschen und skandinavischen Megalithgräber, wie hier das Grab von Gaarzerhof bei Doberan in Mecklenburg-Vorpommern, sind verhältnismäßig niedrig und aus Findlingsblöcken errichtet. Sie liegen oft in langrechteckigen von Steinblöcken umgebenen Hügeln, den sog. Hünenbetten.

Befangen in europazentrischer Betrachtensweise hatte man dabei alle übrigen Megalithdenkmäler in der weiten Welt ausgeklammert. Dabei gibt es Megalithdenkmäler verschiedenster Zeitstellung auch auf anderen Kontinenten: in Amerika in Kolumbien; in Afrika im Senegal, Nigeria, Zentralafrika, Äthiopien und auf Madagaskar; in Asien im Yemen, auf Bahrain, in Indien und Indonesien, Korea und Japan. Nicht allein aus geographischen Gründen ist ein Zusammenhang mit den europäischen Megalithen schwierig vorstellbar, gibt es doch auch große zeitliche Unterschiede: Indische Megalithgräber sind eisenzeitlich, und aus Madagaskar gibt es sogar neuzeitliche Augenzeugenberichte vom Bau und der Benutzung von Megalithgräbern.

Portugiesische Megalithgräber bestehen fast immer aus Platten, die von natürlich geklüfteten Gesteinsvorkommen entnommen wurden. Sie sind oft mehrere Meter hoch. Corgas de Matança, Fornos de Algodres, Portugal.

Heutzutage sieht man in der Errichtung von Megalithgräbern, Menhiren und ähnlichen monumentalen Bauten ein Phänomen, das sich aus sozialen Verhältnissen erklärt und auch innerhalb Europas zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten in Erscheinung treten kann.


Print Page
 

               Aktuelle Forschungen und Projekte der Römisch-Germanischen Kommission

Copyright 2002-2005 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum