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Archäologie — Eine historische Wissenschaft |
Inschriften und überlieferte antike Schriften sind die Quellen der althistorischen Forschung. Eine Inschrift aus Waldgirmes könnte viele Fragen beantworten: Wann und durch wen wurde der Ort gegründet? Wie lautete der römische Name der Siedlung? Wie wurde die einheimische Bevölkerung genannt? |
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Frührömische Fundstellen. ▲ Militärlager; ■Legionslager; * zivile Siedlungen; � Fundorte unsicherer Funktion.
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Auch wenn Inschriften fehlen, so geben uns zahlreiche in den antiken Schriftquellen überlieferte Texte Hinweise auf das Geschehen in den Jahrzehnten um Christi Geburt. Sie berichten von Kriegszügen der Römer gegen die rechtsrheinisch wohnenden "Barbaren". Diese kriegerischen Auseinandersetzungen haben ihre Spuren im Boden hinterlassen, wie etwa in Kalkriese bei Osnabrück. Daneben berichten uns sowohl der römische Schriftsteller Tacitus ( 1. Jh.) wie auch der Grieche Cassius Dio (3. Jh.) jedoch auch von ersten zivilisatorischen Erschließungsmaßnahmen der Römer in Regionen Germaniens um Christi Geburt:
"In eben jener Zeit hatten sich nämlich in Germanien folgende Ereignisse abgespielt: Die Römer hatten gewisse Teile davon in Besitz, nicht zusammenhängende Gebiete, sondern nur solche Bezirke, wie sie gerade unterworfen worden waren [...] Und römische Soldaten lagen dort in Winterquartieren, und man begann eben mit der Anlage von Städten. Die Barbaren selbst passten sich den neuen Sitten an, gewöhnten sich an die Abhaltung von Märkten und trafen sich zu friedlichen Zusammenkünften." (Dio Cass. 56,18,1–2)
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Dieses Bild zeigt das Forum, dessen Dach mit Holzschindeln gedeckt war und dessen Wände vermutlich verputzt und mit einem Fugenstrich versehen waren. Diese Wandgestaltung wurde an anderen Orten für solche Gebäude nachgewiesen. Der Fugenstrich erweckte beim Betrachter den Eindruck eines Steingebäudes.
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Und Tacitus am Beispiel von Britannien:
"Damit die verstreut wohnenden, rauhen und deshalb leicht zum Krieg geneigten Menschen sich infolge zivilisatorischer Annehmlichkeiten an Ruhe und Muße gewöhnten, ermunterte man sie persönlich und bot ihnen öffentliche Unterstützung dafür an, dass sie Tempel, öffentliche Plätze [fora] und Steinhäuser errichten; und man lobte diejenigen, welche sich bereitwillig zeigten, und tadelte die Säumigen. So trat Wettbewerb um Ehre an die Stelle des Zwangs [...] Allmählich ergab man sich der Verweichlichung und den Verführungen der Zivilisation: Man baute Kolonnaden, errichtete Bäder und gab elegante Gastmähler. Die Unkundigen nannten dies «kultivierte Lebensweise» [humanitas], während es doch Teil ihrer Knechtschaft war." (Tac. Agr. 21)
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Der wichtigste Fund des Jahres 2005. Der fast 7 m tiefe Brunnenkasten bestand aus Eichenbohlen. Die Bohlen wurden in römischer Zeit nicht gesägt, dies hätte die Holzfasern verletzt und eine kürzere Haltbarkeit zur Folge gehabt. Die Baustämme wurden vielmehr gespalten, so dass man leicht konische Bretter hatte, die am breiteren Ende noch die Rinde tragen. Dadurch kann man mit der Methode der Dendrochronologie das Fälldatum der Bäume genau bestimmen.
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Bis Dezember 2005 konnte die römische Stadtgründung von Waldgirmes allein durch archäologische Funde – d. h. vor allem anhand der dort gefundenen Münzen – zeitlich eingeordnet werden. Doch in der Grabungskampagne 2005 wurde ein Brunnen ausgegraben. Über Wochen hinweg, in denen die Verfärbung des Brunnenschachtes immer tiefer in das Erdreich verfolgt wurde, herrschte hoffnungsvolle Erwartung. Als ein hölzerner Brunnenkasten im Grundwasserbereich sichtbar wurde, war die Freude groß, denn diese Hölzer können mit Hilfe der Dendrochronologie auf das Jahr genau datiert werden, wenn noch die so genannte Waldkante, das ist der jüngste Jahrring unter der Rinde, erhalten ist.
Thorsten Westphal, Universität Frankfurt, konnte feststellen, dass Bäume für den Bau des Brunnenkastens im Jahr 4 v. Chr. geschlagen wurden.
Doch die Verfüllung des Brunnenschachtes erbrachte auch römische Zweige und Blätter, Knochen von Tieren und zahlreiche Pollen. So kann jetzt unter Mitwirkung zahlreicher Wissenschaftler die Umwelt zu römischer Zeit rekonstruiert werden.
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Zusammenstellung der in Waldgirmes gefundenen Münztypen aus Bronze. Die Münzen sind in der Regel bedingt durch moderne Umwelteinflüsse sehr schlecht erhalten und dadurch oft nicht näher bestimmbar.
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Die für die chronologische Einordnung des Platzes wichtigsten Funde sind die Münzen. Unter den über 250 Bronzemünzen fehlen solche, die in den Jahren nach 10 n. Chr. geprägt wurden. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass das Ende der römischen Besiedlung in Waldgirmes durch die Niederlage der Römer gegen eine Koalition von Germanen im Teutoburger Wald (9 n. Chr.) verursacht wurde. Ein weiteres Indiz für die Datierung des Endes sind Münzen, die einen Gegenstempel des Publius Quintilius Varus tragen. Varus war von 7 bis 9 n. Chr. als erster Nichtmilitär Statthalter – legatus pro praetore – des Augustus in Germanien.
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Rekonstruktion des Forums von Waldgirmes in einem Videoclip.
Der Besucher betrat den Innenhof durch das Haupttor und sah sich dem lebensgroßen vergoldeten Bronzestandbild des römischen Kaisers Augustus gegenüber.
Für die Gestaltung und Verteilung der Fenster und Türen der Querhalle gibt es keine archäologischen Beweise am Ort, sie konnte aber aufgrund guter Vergleiche aus anderen Teilen des römischen Reiches rekonstruiert werden.
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Die römische Stadtanlage von Waldgirmes gehörte also einer Phase der römischen Geschichte an, in der die Römer versuchten, ihren Einflussbereich im rechtsrheinischen Gebiet (bis zur Elbe) militärisch und verwaltungstechnisch aufzubauen.
So beschreiben Cassius Dio und Tacitus nicht nur eine Situation, wie sie gut auf die archäologischen Befunde in Waldgirmes zutreffen, sie geben auch Hinweise, welche Aufgaben Varus als Statthalter des Augustus hatte. Varus besaß nicht nur die militärische Befehlsgewalt, er sollte vor allem für den Aufbau einer zivilen Verwaltung sorgen, die eine Voraussetzung für die Einrichtung einer Provinz Germanien war – also um "Trabantenstädte" zu errichten, wie man sie aus dem Comic "Asterix" kennt.
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