Start Kapitel Info Literatur Archiv
   

Funde

Für eine detaillierte historische Einordnung eines archäologischen Fundplatzes sind die Kleinfunde von zentraler Bedeutung. Alltags- und Luxusgegenstände geben Aufschluss über die dort lebenden Bevölkerungsgruppen und ihre wirtschaftlichen Verbindungen.

Die Funde in Waldgirmes zeichnen sich durch drei Besonderheiten aus: Es gibt zahlreiche weit gereiste römische Fundstücke (Schmuck, Tongefäße, Amphoren), während handgemachte Keramik auf die umwohnende einheimische Bevölkerung verweist, dagegen gibt es bisher keine Hinweise auf eine geregelte Belieferung des Ortes mit römischen Gütern des täglichen Bedarfs.
Den höchsten Anteil der Funde bilden Keramikscherben. Die römischen Gefäße wurden im Gegensatz zu denen der einheimischen Bevölkerung auf der schnell rotierenden Drehscheibe hergestellt. Besonders schön sind Gefäße aus Terra Sigillata, die man zurecht als Porzellan der römischen Antike bezeichnen kann. Sie stammen aus Töpfereien in Frankreich und Italien.


Terra Sigillata, das edle Tischgeschirr der Römer, wurde in großen Töpfereien produziert. Herstellerstempel (hier: Buccio) lassen Rückschlüsse auf das antike Wirtschafts- und Handelsgefüge zu. Der Töpfer Buccio arbeitete in Lugdunum dem heutigen Lyon.
Auch die Besitzer der Terra Sigillata lassen sich in seltenen Fällen ansprechen. In Waldgirmes kennzeichnete ein Römer namens Aprilis oder Apronius seinen Teller mit einem Namenskürzel APR.
Manchmal bieten die unscheinbaren Funde die größte Überraschung. In einer römischen Stadt erwartet man römische Keramik, doch fast 20% der Gefäße wurden ohne die schnell rotierende Drehscheibe hergestellt. Sie deuten auf die Anwesenheit von einheimischer Bevölkerung hin.



Aus Ton waren nicht nur das Tisch- und das Kochgeschirr gefertigt, sondern auch Lampen. Im Gegensatz zum feinen Tafelgeschirr der Römer steht das dickwandigere Geschirr der einheimischen Bevölkerung. Die Gefäßformen der handgemachten Keramik wurden über Jahrhunderte hinweg hergestellt. Deshalb sind einheimische Gefäße nur schwer chronologisch einzuordnen.

Was wie ein Schatz erscheint – die Fragmente der vergoldeten Statue – lässt auf ein schlimmes Ende schließen. Die Statue wurde zerschlagen und zerteilt, die Stadt brannte ab und die Ruinenstätte wurde geplündert.

In Gräben und Gruben wurden immer wieder kleine Bruchstücke einer vergoldeten lebensgroßen Reiterstatue gefunden, welche die Römer im Innenhof des Forums aufgestellt hatten. Man muss davon ausgehen, dass es sich um ein Abbild des Kaisers Augustus gehandelt hat. Im zentral gelegenen Forum demonstrierte diese Statue des Augustus den römischen Machtanspruch auf das umliegende Territorium. Dieses golden strahlende lebensgroße Porträt des fernen Herrschers muss auf die einheimische Bevölkerung dieser Region einen überwältigenden Eindruck gemacht haben.

Eine nur 1,3 cm im Durchmesser große Glasperle. Sie zeigt drei Bilder des ägyptischen Stiergottes Apis, der die Sonnenscheibe zwischen den Hörnern trägt. Diese Bilder sind nicht aufgemalt, sondern in Glasmosaiktechnik eingelegt.

Schmuckgegenstände aus dem südlichen und südöstlichen Mittelmeerraum, wie hier eine Glasmosaikperle mit drei Abbildungen des ägyptischen Stiergottes Apis, aber auch Öl- und Weinamphoren aus Spanien und Italien sowie Olivenkerne zeigen weit reichende Verbindungen an oder lassen vermuten, dass in Waldgirmes Menschen lebten, die aus südlichen Regionen des römischen Imperiums stammten.

Print Page
 

               Aktuelle Forschungen und Projekte der Römisch-Germanischen Kommission

Copyright 2002-2005 Deutsches Archäologisches Institut | Impressum