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Die Entdeckung der Jagd- und Wohnplätze |
Am Pfingstdienstag 1999 waren die Archäologen bei einem Tauchgang in der Wismarbucht vor der Westküste der Insel Poel gleich doppelt erfolgreich, denn sie entdeckten dabei nicht nur das mittelalterliche Wrack der "Poeler Kogge". |
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Bergung eines Baumstammes vom Meeresboden mit dem Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" für die Gewinnung eine Holzprobe für die Jahrring-Analyse (Photo K. Schaake, RGK/DAI).
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In direkter Nachbarschaft fielen am Meeresboden verstreute steinzeitliche Geräte aus Feuerstein auf. Schon bei einer ersten Nachsuche konnten zahlreiche Feuersteinbeile und Klingen gefunden werden, die frei an der Oberfläche lagen. Es stellte sich heraus, dass die Steinwerkzeuge aus einer zum Teil zerstörten Abfallschicht stammten, in der sogar Holzgeräte, Keramikscherben, Haselnussschalen und Tierknochen erhalten geblieben waren. Daraufhin wurde das Projekt "Steinzeit in der Wismarbucht" (genauer Titel: "Ökologie und Ökonomie submariner Fundstellen aus der Zeit der Neolithisierung in der Wismarbucht") ins Leben gerufen, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von 2001-2002 förderte. Außerdem fanden in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) in der Wismarbucht gemeinsame Ausfahrten mit dem Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" statt. Es wurden umfangreiche Messfahrten mit dem Seitensichtsonar (Side Scan Sonar) durchgeführt, das mithilfe von Schallsignalen den Meeresboden abtastet. Dabei wurden alte Baumstämme und -stümpfe sowie Süßwassersedimente wie Torfe geortet, die Spuren einer überfluteten Landschaft darstellen.
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Anhand von Side Scan Sonar Messungen rekonstruierte ehemalige Landschaft mit steinzeitlichen Fundstellen auf der Halbinsel Jäckelberg (F. Tauber, IOW).
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Mit Tauchereinsätzen an den entsprechenden Stellen konnten gut erhaltene steinzeitliche Fundstellen in unterschiedlichen Wassertiefen zwischen 3 und 11 m entdeckt werden.
Die zuerst entdeckte und umfangreichste Fundstelle liegt westlich der Insel Poel nur etwa 200 m vom Strand entfernt in 3 m Wassertiefe vor dem kleinen Hafen des Ortes Timmendorf/Poel. Mit einem kleinen Tauchteam wurden auf dem "Timmendorf-Nordmole I" genannten Fundplatz seit 1999 Unterwasserausgrabungen durchgeführt. Dabei kamen zahlreiche Werkzeuge, Nahrungsreste und Werkabfälle zu tage, die die prähistorischen Menschen am Ufer eines Küstenwohnplatzes im flachen Wasser entsorgt hatten. Die Ausgrabungen zeigten, wie wichtig die neuen Ergebnisse für die Erforschung der Ertebølle-Kultur und des Übergangs zum Neolithikum waren. Doch auch andere wissenschaftliche Disziplinen interessierten sich für eine Ausweitung der Untersuchungen.
Mit der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) entstand die Forschergruppe "SINCOS - Sinking Coasts: Geosphere, Climate and Anthroposphere of the Holocene Southern Baltic Sea", die sich aus Geologen, Archäologen, Geografen, Botanikern, Zoologen, Geodäten, Geophysikern und Modellierern aus verschiedenen Instituten zusammensetzt. In interdisziplinärer Zusammenarbeit untersuchte die Forschergruppe von 2002 bis 2005 den Meeresspiegelanstieg der Ostsee und die daraus folgenden Veränderungen der Landschaft mit den Auswirkungen auf die dort siedelnden Menschen und stellten Prognosen für die Zukunft auf.
Forschungstaucher sucht am Rande einer freiliegenden alten Torfschicht, die als Unterwassergeländekante links im Vordergrund erscheint, nach Artefakten (Photo H. Lübke, RGK/DAI).
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Logo der Forschergruppe SINCOS (F. Tauber, IOW).
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Von archäologischer Seite aus wurde die Suche nach gut erhaltenen Siedlungsspuren intensiviert und in die östlicher gelegene Region um die Insel Rügen ausgeweitet, wo ebenfalls steinzeitliche Küstensiedlungsplätze entdeckt werden konnten. Die Ausgrabungen in der Wismarbucht wurden auf verschiedenen Fundplätzen fortgeführt. Neben neuen Erkenntnissen zur Wirtschaftsweise konnte eine genauere Phaseneinteilung der Ertebølle-Kultur für die Region Mecklenburger Bucht erarbeitet werden. Anhand der ausgegrabenen und dokumentierten Profile mit Ufersedimenten wurden wichtige Informationen über den Verlauf des Meeresspiegelanstiegs gewonnen. In der Forschergruppe "SINCOS II" werden die Arbeiten von 2006 bis 2008 fortgesetzt.
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